Unterhaltsam und musikalisch auf hohem Niveau: „On the Town“ im Theater St. Gallen

Unterhaltsam und musikalisch auf hohem Niveau: „On the Town“ im Theater St. Gallen

Jazz, Swing und eine Prise Sexappeal sind zu Gast im Theater St. Gallen. Es ist das Jahr 1944 und es ist Krieg. Für die drei Matrosen Gabey, Ozzie und Chip ist die Tatsache dieser Abscheulichkeit für die nächsten 24h vergessen, denn sie haben in New York Landgang. Als Gabey in der U-Bahn das Bild der Miss U-Bahn des Monats, Ivy Smith, sieht und die junge Dame finden will, lassen seine Kumpels ihn nicht im Stich, obwohl der Aufenthalt so nicht geplant war. Sie vereinbaren Uhrzeit und Treffpunkt und machen sich getrennt auf die Suche.

Ozzie landet im Naturkundemuseum statt im Museum of Modern Art und trifft dort auf die Anthropologin Claire de Loone. Chip wird von auf dem Weg zur U-Bahn-Verwaltung von der Taxifahrerin Hildy Estherhazy aufgelesen, die ihr ganz eigenes Ziel verfolgt und so gar nichts von den Plänen von Chip wissen möchte. Gabey macht sich auf den Weg in die Carnegie Hall, in welcher Ivy in einem Studio angeblich Gesangsunterricht nimmt. Gabey hat Glück und trifft tatsächlich auf Ivy. Die beiden verabreden sich am Treffpunkt, sehr zum Unwillen von Ivys Gesangslehrerin Madame Dilly. Als Ivy nicht am vereinbarten Treffpunkt auftaucht, organisiert Hildy kurzerhand ihre Mitbewohnerin Lucy. Zu sechst ziehen sie durch die New Yorker Clubs. Claires Verlobter Pitkin begleicht im Nachhinein die Rechnungen der munteren Truppe und fühlt sich zunehmend ausgenutzt. Gabey lässt der Gedanke an Ivy nicht los und so bringt er über ihre Gesangslehrerin Madame Dilly, die Ivy aufgrund ihrer Schulden zur Arbeit geschickt hat, in Erfahrung, wo Ivy arbeitet. Als ihnen auf Coney Island die Verhaftung droht, kann Pitkin die Situation erneut retten. Die drei Männer müssen wieder auf ihr Schiff und verabschieden sich von ihren Bekanntschaften. Ein neuer Tag bricht in New York an und neue Matrosen geniessen für 24h die Stadt, die niemals schläft.

Mönch, Alt, Prohaska, Hauser, Pfeifer / Foto: Andreas J. Etter

Das Stück feierte im Dezember 1944 im Adelphi Theatre New York seine Uraufführung. Im Hintergrund des zweiten Weltkriegs, sollte die Komödie von Leonard Bernstein, Betty Comden (Buch) und Adolph Green (Buch), in Verbindung mit den zu dieser Zeit diskutierten Themen der modernen Frau und des aufkommenden Sexappeals, Unterhaltung bieten. Das Stück feierte am 09. Dezember 2017 am Theater St. Gallen Premiere und wird in englischer Sprache mit deutschen Dialogen aufgeführt. „On the Town“ ist das erste Musical von Leonard Bernstein und vereint Jazz, Swing und symphonische Klänge auf mitreissende Art. Das Sinfonieorchester des Theater St. Gallen unter der Leitung von Michael Brandstätter spielt Bernsteins Melodien begeisternd auf den Punkt.

Jörn-Felix Alt, Daniel Prohaska, Boris Pfeifer / Foto: Andreas J. Etter

Josef E. Köpplinger inszeniert die Geschichte der drei Matrosen auf lebendige Weise und verbindet nachdenkliche, witzige und slapstickartige Momente gekonnt. Die gut durchdachte Choreografie von Adam Cooper ergänzt sich wunderbar mit der Inszenierung und lässt die Tanzkompanie des Theaters auf ganzer Linie glänzen. Im einfachen aber ausgeklügelten Bühnenbild von Rainer Sinell erheben sich seitlich die Wolkenkratzer von New York. Diese seitlichen Bühnenelemente werden mit einer grossen Videoleinwand in der Mitte ergänzt. Durch die präzisen Videoprojektionen, in welchen unter anderem das New Yorker Stadtbild als auch Ausschnitte des Kriegsgeschehen zu sehen sind, und den passend eingesetzten Requisiten, ist das Bühnenbild wie geschaffen für die wechselnden Szenen. Die Kostüme von Alfred Mayerhofer sind durchweg gelungen und spiegeln den Stil der 1950er Jahre wieder.

Ensemble / Foto: Andreas J. Etter

Die drei Matrosen Gabey, Chip und Ozzie werden von Daniel Prohaska, Boris Pfeiffer und Jörn-Felix Alt dargestellt. Herrlich wie die drei Herren die abenteuerliche und unterhaltsame Reise der drei Matrosen in New Yorks Strassen auf die Bühne bringen, ohne überspitzt zu agieren. Stimmlich ergänzen sich die Herren mit ihren wohlklingenden Stimmen. Mit dem nötigen Sexappeal, enormer Spielfreude und durch ihre individuellen klangschönen Stimmfarben stehen die drei Damen Julia Klotz, Sigrid Hauser und Bettina Mönch als Ivy Smith, Hildy Esterhazy und Claire de Loone den Herren in nichts. Als Pitkin W. Bridgework und Gesangslehrerin Madame Dilly gefallen Alexander Franzen und Dagmar Hellberg auf ganzer Linie.

Das Ensemble, die Tanzkompanie und das Sinfonieorchester des Theater St. überzeugen und begeistert auf ganzer Linie. Das Publikum zeigte sich in der besuchten Vorstellung begeistert und spendete mit langanhaltendem Applaus Anerkennung.

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