Mitreißend und Gefühlvoll: „West Side Story“ auf Tour

Mitreißend und Gefühlvoll: „West Side Story“ auf Tour

Zwei Gruppen unterschiedlichster Herkunft – auf der einen Seite die Sharks, Einwanderer aus Puerto Rico, und auf der anderen Seite die Jets, in den USA geborene Jugendliche polnischer Einwanderer, die bis aufs Blut im Kampf um die Gebietsherrschaft verfeindet sind. Und doch gibt es zwei Menschen, die sich unsterblich ineinander verlieben, entgegen aller Anfeindungen und Drohungen. Basierend auf Shakespeares „Romeo und Julia“ spielt die „West Side Story“ im New York der 1950er Jahre. Das Stück aus der Feder von Leonard Bernstein (Musik), Arthur Laurents (Buch) und Stephen Sondheim (Liedtexte) hat an Aktualität nichts eingebüßt und ist nun erneut als Tourneeproduktion unterwegs durch den deutschsprachigen Raum.

 

Die Jets und die Sharks kämpfen in einem heruntergekommenen Viertel der New Yorker Upper West Side um die Gebietsvorherrschaft. Tony, Mitbegründer der Jets, wird von seinem besten Freund Riff, Anführer der Jets, gebeten, die Jets im Kampf zu unterstützen. Tony sagt allerdings nur widerwillig zu, denn er hat einen Job in Docs Drugstore und 

 

träumt von einem besseren Leben. Riff fordert Bernardo, den Anführer der Sharks, bei einer Tanzveranstaltung zum Kampf heraus. Maria, die Schwester von Bernardo, begegnet Tony hier zum ersten Mal. Beide verlieben sich unsterblich ineinander. Für den alles entscheidenden Kampf gelingt es Tony, einen fairen waffenlosen Zweikampf zwischen den beiden besten Kämpfern der Gruppen vorzuschlagen. Doch der Zweikampf artet, trotz aller Bemühungen von Tony, aus. Riff wird von Bernardo erstochen. Rasend vor Wut tötet Tony daraufhin Bernardo. Chino berichtet Maria vom Tod ihres Bruders. Tony bittet sie um Vergebung und will sich der Polizei stellen. Maria verzeiht Tony und glaubt ihm, dass der Tod von Bernardo nicht beabsichtigt war. Beide beschließen, gemeinsam zu fliehen. Doch Chino ist auf der Suche nach Tony, denn er hat geschworen, ihn umzubringen.

Jessica Soza (Maria) und Liam Tobin (Tony). Foto: Iris Steger

Das Bühnenbild von Paul Gallis gleicht den typischen New Yorkern Häusern mit ihrer Gusseisen-Architektur. Für die Handlung des Stücks perfekt, denn mehr braucht es auch nicht, um der Geschichte genügend Raum zu lassen. Die Kostüme von Renate Schmitzer passen in die Zeit, in der das Stück spielt. Auch die Unterscheidung zwischen beiden Gruppen kommt gut zur Geltung. Die Regie von Joey McKneely besticht durch gute Personenführung. Die rasante Choreografie, ebenfalls von McKneely, ist voller Spannung und Energie – eine Augenweide. Bernsteins Musik ist düster und 

 

eindringlich. Sie enthält Jazz- und lateinamerikanische Elemente, aber auch Lieder mit Operncharakter wie „Maria“ oder „Tonight“. Es ist ihm durch die Verwendung der unterschiedlichen Elemente gelungen, den Unterschied zwischen Jets und Sharks musikalisch exzellent darzustellen. Das Orchester unter der Musikalischen Leitung von Donald Chan bringt dies aus dem Orchestergraben gut rüber.

Liebe oder Freundschaft – das ist die Frage, die sich Tony stellen muss. Er entscheidet sich für beides. Doch das Schicksal ist nicht auf seiner Seite. Liam Tobin zeigt als Tony eine gefühlvolle Darstellung und besticht mit seiner sanften eindringlichen Stimme. Entgegen aller Konvention verliebt sich Maria ausgerechnet in einen jungen Mann, der nicht aus den eigenen Reihen stammt. Entschlossen, zu ihrer Entscheidung zu stehen, begibt sie sich auf gefährliches Eis. Jessica Soza überzeugt mit ihrer Darstellung und steht der Leistung von Tobin in nichts nach. Ihr klarer wohlklingender Sopran kommt gut zur Geltung und gefällt während des ganzen Stücks. Anita ist die beste Freundin von Maria und gleichzeitig die Freundin Marias Bruder Bernardo. Bittere Vorwürfe stellen nach dem Tod von Bernardo die Freundschaft auf eine harte Probe, auf die dann doch Verständnis folgt. Penelope Armstead-Williams zeigt eine intensive Darstellung. So sehr, dass ihr bei dem Song „A Boy like that“ fast die Stimme versagt. Charles South als Bernardo und Mark MacKillop als Bernardo und Riff gefallen ebenfalls mit ihrem Spiel auf ganzer Linie.

Insgesamt steht in dieser Tourproduktion der „West Side Story“ eine Cast auf der Bühne, der es gelingt, die Energie und die Gefühle, die dieses Musical beinhalten, überzeugend auf die Bretter zu bringen. Das Publikum im Theater 11 in Zürich weiß diese Leistung zu würdigen und spendet in der besuchen Vorstellung großzügig Applaus.

Fotgalerie:
Fotos „West Side Story“ Theater 11, Zürich

Die Kommentare sind geschloßen.