„Wenn Rosenblätter fallen“ in Hamburg

„Wenn Rosenblätter fallen“ in Hamburg

„Ein seltsam schöner Schlag mitten ins Herz“, so schrieb es die belgische Musicalseite, nach der Uraufführung des Stückes in Belgien und Holland, im letzten Jahr. Genau dieses empfinden hatte ich auch, nachdem ich mir dieses Stück in Hamburg angesehen hatte. Kein Musical das ich bisher gesehen habe, hat mich dermassen berührt wie dieses. Rory Six (Musik, Buch, Arrangements) und Kai Hüsgen (Texte, Buch, Arrangements) haben ein Musical geschrieben, indem es um die Krankheit Krebs und um Sterbehilfe geht. Dazu gehört sehr viel Mut. Lachen und Weinen liegen in dem Stück sehr nahe beieinander und das ist genau das, was einen so berührt.

Basierend auf dem belgischen Buch “Als Rozenblaadjes vallen“ von Brigitte Minne, handelt die Geschichte von dem 19 jährigen Till, dessen Mutter Rose an Krebs gestorben ist. Till, der gerade sein Studium an einer Kunst-Hochschule beginnt, öffnet beim Einzug in seine Studentenbude einen Brief seiner Mutter, die ihm diesen zum Studienbeginn geschrieben hat. Er wird von seinen Erinnerungen eingeholt. Als Till dann seine Zimmernachbarin Iris kennenlernt, wird er noch mehr an seine Mutter erinnert, da Iris ihr in vielen Dingen ähnlich ist. Langsam kommen sich Till und Iris näher, als dieser plötzlich abweisend reagiert. Iris versteht nicht was in ihm vorgeht. Doch sie gibt nicht auf. Als sie einen Brief von Rose liest, kommt es zum Streit zwischen den beiden. Iris vermutet, dass Till doch eine Freundin hat und er empfindet das Lesen des Briefes als Eingriff in seine Privatsphäre. Iris ahnt nicht, mit welcher Schuld sich Till herumschlägt. Till sucht Hilfe und Trost in den Briefen seiner Mutter, die sie ihm hinterlassen hat. Gleichzeitig fühlt er sich aber auch allein gelassen. In einem Zwiegespräch, dass er mit seiner Mutter in Gedanken führt, fängt Till an mit seiner Vergangenheit abzuschliessen und langsam loszulassen. Als er Iris in einem Brief alles erklären will, öffnet diese die Tür. Endlich kann Till sich öffnen und vertraut sich Iris an. Er erzählt ihr von der Krankheit seiner Mutter und auch wie er ihr bei Sterben geholfen hat. Iris weiss nun was in Till vorgeht und verspricht ihm immer für ihn da zu sein.

In dem Musical erlebt Till Rückblickend nochmal all die schmerzlichen Erinnerungen an die Krankheit seiner Mutter und deren Verlauf bis hin zu deren Tod, bei welchem er seiner Mutter aktiv Sterbehilfe leistet. Erinnerungen wechseln sich mit aktuellen Geschehnissen ab. Die einzelnen Zeitsprünge sind nachvollziehbar und man findet sich gut in den Zeitsprüngen zurecht. Dirk Schattner, der für die Regie verantwortlich ist, hat die einzelnen Szenen mit viel Gefühl inszeniert.

Das Bühnenbild von Beata Kornatowska ist für dieses Musical gelungen und gut durchdacht. Im Hier und Jetzt stellt es das Studentenzimmer von Till dar und in den Erinnerungen ist es der Wohnraum von Till und seiner Mutter. Durch einen im Bühnenbild integrierten Bilderrahmen, in welchem Rose zu Beginn sitzt, wird sehr schön dargestellt, dass es sich bei Rose um Erinnerungen von Till handelt. Das Lichtdesign von Michaela Studeny ist passend zu den einzelnen Szenen gewählt. Hin und wieder standen die Darsteller im Schatten. Eventuell lag dies ja auch an den Möglichkeiten des Theaters. Falls nicht müsste man schauen, ob da noch Verbesserungen möglich sind.

Die Musik von Rory Six passt gut in die einzelnen Situationen und spiegelt sehr schön die Stimmungen wieder. Einige der Songs bleiben im Ohr, so etwa „Plötzlich und Unerwartet“ oder auch „Abschied nehmen“. Sehr gut gefallen hat mir auch „Ich krieg dich rum“ und das Frauenduett „Teil von dir“, welche nach dem Konzeptalbum noch neu hinzu gekommen sind. Instrumentalisiert wird die Musik von einem Klavier, einer Gitarre, einem Cello und einer Violine. Eine tolle Leistung des Musiker-Ensembles.

Carin Filipčić, die Tills Mutter Rose spielt, liefert mit ihrer Darstellung und ihrer Stimme eine hervorragende Leistung ab. Einfühlsam spielt sie die Mutterrolle, zeigt aber authentisch wie sehr die Krebserkrankung und die Chemotherapie Rose mehr und mehr schwächen. Dirk Johnston spielt einen Till wie man ihn sich vorstellt. Glaubhaft verkörpert er einen jungen Mann, der zwischen Glück und Leid hin- und hergerissen ist mit einer stimmlich starken Leistung. In meiner ersten Vorstellung legte er ein sehr forsches Spiel an den Tag, was dem Stück nicht immer gut getan hat. Am zweiten Abend spielte er die Situationen ruhiger, was mehr zu seiner Rolle und zu dem Stück passte.

Jana Stelley überzeugte darstellerisch und mit sehr schöner Stimme als Iris. Durch ihre lebendige und fröhliche Spielweise bildete ihre Rolle den Gegenpol zu dem ruhigen und in sich gekehrten Till. Stefanie Köhm, die ich am zweiten Abend erleben durfte, interpretierte die Iris etwas ruhiger, gibt der Rolle aber dennoch die nötigte Lebendigkeit. Stimmlich überzeugte sie ebenfalls mit einer super Leistung. Beide Damen haben mir mit ihrer Interpretation der Rolle sehr gut gefallen.

„Wenn Rosenblätter fallen“ ist mal eine andere Art von Musical. Eine nicht ganz einfache Thematik. Traurige, witzige und auch tränenreiche Momente wechseln sich ab. Diese Kombination, zusammen mit einer herausragenden Cast, macht dieses Musical zu einem unvergesslichen Erlebnis und lässt einen noch eine ganze Zeit nicht los. Die Dauer des Musicals ist mit knapp 90 Minuten reiner Spielzeit absolut in Ordnung, denn man muss so viel Emotionen verarbeiten, dass eine längere Dauer zu viel wäre. Das Kehrwieder-Theater in Hamburg bildete für dieses Stück einen sehr schönen Rahmen. Durch den nahen Kontakt zwischen Publikum und Darsteller, konnte man sich gut in das Stück hinein fühlen.

Jeder der die Chance hat diese Stück anzusehen, sollte es sich auf keinen Fall entgehen lassen. Ich kann euch nur empfehlen es anzuschauen.

Interview: 
Rory Six über ‚Wenn Rosenblätter fallen‘

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