Stehende Ovationen: „We Will Rock You“ in Basel

Stehende Ovationen: „We Will Rock You“ in Basel

 

Es war kein Erdbeben, das vom Rheingraben in Basel verursacht wurde, sondern das Musical „We Will Rock You“, das die Stadt am Rhein erzittern ließ. Das Stück mit der Musik von Queen und nach dem Buch von Ben Elton feierte am 14. Mai 2002 im Londoner Dominion Theatre seine Uraufführung und ist seitdem rund um den Globus erfolgreich. Nach fünf Jahren Abstinenz ist „We Will Rock You“ zurück in der Schweiz und feierte dort im Musical-Theater Basel Premiere.

 

Was früher mal die Erde war, existiert nicht mehr – das Leben spielt sich auf dem Planeten iPad ab. Das Imperium Globalsoft hat aus den Jugendlichen Ga-Ga-Kids gemacht, über alles herrscht die mächtige Killer Queen. Handgemachte Musik ist verboten, das Leben spielt sich in einer virtuellen Welt ab – aber es gibt eine Prophezeiung, welche der Killer Queen Kopfzerbrechen bereitet. Es heißt, dass irgendwo auf dem Planeten noch ein echtes Musikinstrument verborgen ist und ein heller Stern den Weg dorthin zeigen wird. Die Bohemians glauben an diese Prophezeiung und der Träumer soll ihnen den Weg dorthin weisen.

Brigitte Oelke (Killer Queen) und Martin Berger (Khashoggi). Foto: Iris Steger

„We Will Rock You“ ist sicher kein Stück mit viel Tiefgang. Allerdings ist es dem Kreativteam (Buch/Regie: Ben Elton, Musik: Roger Taylor, Choreografie: Arlene Phillips) erneut gelungen, sich am Nabel der Zeit zu bewegen. Für die Wiederaufnahme wurden einige Neuerungen wie beispielsweise Facebook, Twitter und Google in die Show eingebaut. An die Portion Swissness wurde auch gedacht: Einige Schweizer Musiktexte sind im Kopf von Galileo gelandet, zum Beispiel „Bin i Gopfriedstutz en Kiosk, oder bin ich öppe-n-e Bank“ aus dem „Kiosk“-Song von Polo Hofer. Schweizer Musiker sind unter den Bohemians zu finden – und die Killer Queen will den DJ-Bobo-Gedenkfelsen sprengen. Ebenfalls fand das Schwiizer-Dütsch Platz in den Dialogen – Polo soll bei seinen Ausführungen „Guzzi“ geben und Scaramouche sagt zu Galileo: „Du bisch so en Tubel“.

Markus Neugebauer (Brit) und Ozzy (Anna Lidman). Foto: Iris Steger

Durch Worte und Sätze der toten Sprache Englisch geplagt flüchtet Galileo aus der Ga-Ga-Welt und findet bei den Bohemians Unterschlupf. Christopher Brose gelingt es durch eine starke schauspielerische Leistung und mit einer kraftvollen Stimme, der Rolle seinen Stempel aufzudrücken. Aufsässig, frech und verletzlich dagegen Scaramouche – gespielt von Jeannine Michele Wacker, die eine eigene Interpretation der Rolle findet und mit ihrer dunkel legierten Stimme für Gänsehautstimmung sorgt. Wacker und Brose ergänzen sich perfekt und liefern bei „Who wants to live forever“ ein klangschönes berührendes Hörerlebnis oder schlagen bei „Hammer to Fall“ die rockigeren Töne an.

Einst eine kleine Figur in einem Globalsoft-Computerspiel, die sich selber in ihren eigenen Programmierer hochgeladen hat – halb Mensch, halb Pixel und bitterböse: das ist die Killer Queen. Seit der deutschen Erstaufführung in Köln wird diese Rolle von Brigitte Oelke gespielt. Durch ihre Bühnenpräsenz gepaart mit Witz und einer fantastischen Stimme gelingt Oelke eine ausdrucksstarke Darbietung. Ihr zur Seite steht Martin Berger als Khashoggi, der Handlanger, der die Drecksarbeit für die Killer Queen erledigt. Berger gelingt eine solide Leistung, die manchmal noch mehr Boshaftigkeit durchblitzen lassen könnte.

Jeannine Michele Wacker (Scaramouche) und Christopher Brose (Galileo). Foto: Iris Steger

Die Bohemians zelebrieren mit selbstgebauten Krachmachern echte Musik, widersetzen sich dem Einfluss der Ga-Ga-Welt und glauben an die Prophezeiung. Der Anführer der Bohemians, Brit, wird von Markus Neugebauer gespielt. Sein Schaupiel ist einnehmend und seine kraftvolle Rockstimme kann auf ganzer Linie überzeugen. Ihm zur Seite steht Anna Lidman als Ozzy. Die gebürtige Schwedin hat die Rolle bereits in der schwedischen und norwegischen Produktion von „We Will Rock You“ gespielt. Ihr kraftvolles und klangschönes Timbre ist eindringlich. Ihr Akzent ist mal stark, mal weniger stark ausgeprägt, erweist sich aber im Großen und Ganzen aber als nicht störend. Polo, der Bibliothekar, der Hippie und der Hüter seines Schatzes, einer „Video-Kastanette“, wird von Léon van Leeuwenberg gespielt. Er zeigt eine durchweg gute schauspielerische Leistung mit dem einen oder anderen starken Moment und kann bei „These are the Days“ stimmlich überzeugen.

Durch die Show trägt eine hervorragend besetzte Cast, die auf ganzer Linie mit Spielfreude und starken Stimmen überzeugen kann. Unterstützt von einer grandios aufspielenden Band, unter der Leitung von Jeff Frohner, die es richtig krachen lässt. Das Publikum in Basel rockt von Anfang an mit und spendet bereits kurz vor Ende der Show stehende Ovationen. Basel ist jetzt die Hauptstadt des Rock!

Fotogalerie:
 „We Will Rock You“ in Basel 2012/2013

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