Gelungene Inszenierung von „Titanic“ am Walensee

Gelungene Inszenierung von „Titanic“ am Walensee

„Unsinkbar! Nicht einmal Gott könne dieses Schiff versenken.“ Das ist die Aussage des Schiffeigentümers der Titanic Bruce Ismay, zumindest im gleichnamigen Musical. Als der Koloss aus Stahl am 10. April 1912 von Southampton aus in See stach, waren Menschen an Bord die von einer besseren Zukunft in Amerika träumten. Die Kollision mit einem Eisberg zerstörte auf einen Schlag für viele diese Träume, Wünsche und Hoffnungen. Der Untergang der Titanic am 14. April 1912 im Nordatlantik, bei dem fast 1‘500 Menschen ihr Leben verloren, geht in die Geschichtsbücher ein. Zweifelsohne war es eine der grössten Schiffskatastrophen des 20. Jahrhunderts und bis heute übt die Titanic eine andauernde Faszination aus. Als Musical feierte „Titanic“ aus der Feder von Peter Stone (Buch) und Maury Yeston (Liedtexte und Musik) im Jahr 1997 seine Uraufführung am Broadway. Die deutschsprachige Erstaufführung folgte 2002 in Hamburg, allerdings mit mässigem Erfolg. In diesem Jahr ist das Stück als Neuinszenierung auf der Walensee-Bühne in Walenstadt zu sehen. 

Ohne Frage ist der Untergang der Titanic berührend, allerdings sind die Schwächen des Buchs nicht zu übersehen. Regisseur Stanislav Moša holt dabei das Beste aus der Vorlage raus und sorgt durch seine gute Personenführung und das direkte Spiel Richtung Publikum dafür, dass Geschichte und Darsteller glänzen können. Nichtsdestotrotz sind einzelne Szenen auf der Brücke oder das Dinner der 1. Klasse buchbedingt zu langatmig und nehmen dem Stück zwischendrin immer wieder ein wenig an Tempo. Die mitreissende Choreografie von Aneta Majerová sorgt für Abwechslung und gipfelt beim Irish Dance in einen sehenswerten Höhepunkt. 

Titanic Walenstadt-41

Mit 269 m Länge, 53 m Höhe und 28m Breite war die Titanic für die damalige Zeit ein Ungetüm auf dem Wasser. Ganz so gross ist die Titanic am Walensee nicht, jedoch durchaus ansehnlich. Christoph Weyers (Gesamtausstattung) gestaltete das Schiff mit Liebe zum Detail und hat ein Gefühl für Feinheiten. Hauptspielort ist eine opulente Drehbühne in der Mitte, auf welcher sich die unterschiedlichen Orte wie Brücke, Speisesaal und Maschinenraum befinden. Der Eisberg auf der Rückseite der Drehbühne ist eindrücklich gestaltet. Die Pausen während sich die Bühne dreht, um den Ort des Geschehens zu ändern, werden gut durch Musik oder gespielte Szenen überbrückt und wirken dadurch nicht störend. Die Kostüme von Andrea Kučerová entsprechen dem Stil der 1920er Jahre und gefallen auf ganzer Linie. Die Unterscheidungen zwischen den Personengruppen der Titanic kommen gut zur Geltung und man erkennt auch hier einzel herausgearbeitete Besonderheiten. Gut ergänzt wird das Ganze durch das Maskenbild von Sandra Wartenberg. Das Lichtdesign von Rüdiger Benz überzeugt und hebt einzelne Szenen, wie zum Beispiel die Kollision mit dem Eisberg und den Untergang der Titanic, wunderbar hervor.

Das Tondesign von Andreas Brüll ist im Grossen und Ganzen gut umgesetzt. Die Abstimmung zwischen Orchester und Gesang ist auf weiten Strecken stimmig. Einzelne Tonprobleme am Premierenabend sind eher dem strömenden Regen als der Technik zuzuschreiben. Weshalb sich das Auseinanderbrechen der Titanic beim Untergang wie eine laut quietschende Tür anhört, ist allerdings nicht so recht nachvollziehbar. Hier wäre ein passenderes Geräusch sinnvoller gewesen. Dan Kalousek, Musikalischer Leiter, dirigiert sein 12-köpfiges Orchester sicher und schwungvoll durch die Partitur. Schön ist, dass das Orchester im Bühnenbild integriert ist und so der Eindruck eines Schifforchesters entsteht.

Auf zu neuen Ufern und in ein besseres Leben. Diesen Plan verfolgen sowohl Kate McGowan als auch Jim Farell. Mit Eveline Suter und Gerrit Hericks sind dem Kreativteam wahre Glücksgriffe gelungen. Beide agieren durch ihre feinfühlige und berührende Darstellung auf hohem Niveau. Suter und Hericks singen mit klaren und wohlklingenden Stimmen. Im Gedächtnis bleibt hier das Duett „Drei Tage“.

Es sollte die letzte Überfahrt für Kapitän Edward J. Smith vor dem Ruhestand werden. Er ist kein Mensch der Widerspruch duldet und ist immer Herr der Lage. Christoph Wettstein legt seine Interpretation des Kapitäns ruhig aber bestimmt an – das gefällt. Die Jagd nach Schlagzeilen treibt den Schiffseigentümer Bruce Ismay an, egal was es kostet. Er ist selbstherrlich, arrogant und verletzend. Nicolas Gerdell zeigt eine grossartige Charakterdarstellung. Thomas Andrews ist der Erbauer der Titanic und weiss zu Gut was Schiff leisten kann. Bis zuletzt glaubt er an die Unsinkbarkeit des Kolosses und erkennt zu spät einen möglichen Konstruktionsfehler. Alexander Franzen punktet durch sein ausdrucksstarkes Schauspiel. Stimmlich überzeugen die drei Herren auf ganzer Linie – vor allem bei dem Terzett „Die Schuldfrage“.

Heizer Frederick Barrett weiss das Ismays Rekordjagd für „sein“ Schiff nicht gut ist. Als er seiner Liebsten in der Heimat ein Telegramm schicken will, trifft er im Funkraum auf den Funker Harold Bride, für den seine Tätigkeit eine Berufung ist. Fabian Bohle und Benedikt Ivo interpretieren ihre Charaktere glaubhaft und gefallen stimmlich bei dem Männerduett „Heiratsantrag“. Berührend sind Masha Karell und Urs Affolter als alterndes Ehepaar Ida und Isidor Strauss.

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Als die Titanic mit dem Eisberg kollidiert hat der 1. Offizier William Murdoch (Stark: Samuel Tobias Klauser) Dienst auf der Brücke. Während dieser an der Situation fast zerbricht, strahlt der 2. Offizier Charles Lightoller (Überzeugend: Philipp Dietrich) Stärke aus und ist so eine wichtige Stütze für Kapitän Smith. Zwar entdeckt Frederick Fleet (Hervorragend: Patric Scott) im Ausguck den mächtigen Eisberg, allerdings kommt die Warnung an die Brücke für die Titanic zu spät, um dem Eisberg noch ausweichen zu können.

Fazit: Insgesamt steht ein grossartig und spielfreudig agierendes Ensemble auf der Seebühne in Walenstadt, welches sich auch durch den strömenden Gewitterregen am Premierenabend nicht beirren liess. „Titanic – Das Musical“ ist eine sehenswerte Inszenierung mit vielen starken aber auch einigen schwachen Momenten. Das Publikum würdigt die Darbietung mit minutenlangen Standing Ovation.

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