Kurios: „The Black Rider“ in Basel

Kurios: „The Black Rider“ in Basel

Das Musiktheaterstück „The Black Rider“ von Tom Waits (Musik & Texte), Roberts Wilson (Regie der Originalproduktion) und William S. Burroughs (Buch) beruht auf der Volkssage „Der Freischütz“. Seine Uraufführung feierte das Stück im Jahr 1990 im Thalia Theater Hamburg und ist seit dem 15. November 2012 im Theater Basel – in deutscher Sprache mit englischen Songs – in einer Neuinszenierung zu sehen.

„The Black Rider“ mit Max Hopp und Michael von der Heide.
Foto: Veranstalter

Wilhelm, ein Amtsschreiber, liebt die Jägerstochter Käthchen. Um seine Angebetete heiraten zu dürfen, muss sich Wilhelm als Jägersmann vor Bertram, Käthchens Vater, beweisen. Aussichtlos im Kampf mit dem Gewehr lässt sich dieser auf einen Pakt mit dem Teufel Stelzfuß ein. Dieser bietet ihm sieben magische Kugeln an, die ihr Ziel garantiert treffen – die letzte Kugeln aber ist unter der Kontrolle von Stelzfuß.

Just like Marijuana leads to Heroin – so fühlt sich auch Wilhelm, als Stelzfuß ihm die magischen Kugeln gegen seine nicht vorhandene Schusskunst und für seine Liebe zu Käthchen anbietet. Max Hopp spielt den Wilhelm verschroben, verzweifelt und voller Intensität. Käthchen liebt Wilhelm und nicht den Jägersburschen Robert (Thomas Douglas), der grob und rabiat ist – für diese Liebe kämpft sie. Als Käthchen ist Jelena Kuljic zu sehen. Sie gefällt mit ihrem guten Schauspiel und verleiht ihrer Rolle die nötige Kontur – ihre Stimme ist nicht nur hell, klar und zerbrechlich, sondern auch verrucht, dunkel und zornig. Hervorragend war das Duett „The Briar and the Rose“, welches von beiden gefühlvoll interpretiert wurde.

Der Schweizer Chansonsänger Michael von der Heide spielt Stelzfuß, den Teufel, der Wilhelm mit seinen magischen Kugeln direkt in Verderben reißt und daran seine wahre Freude hat. Von der Heide gibt allerdings nicht den Bösen, sondern eher den Verführer, der mit List und Geschick das gleiche Ziel erreicht. Stimmlich agiert er auf hohem Niveau. Vincent Leittersdorf gibt Bertram, der seine Tochter am liebsten mit Robert, einem kernigen Jägersmann, statt mit dem Schreiberling verheiraten würde. Gesanglich gelingen ihm keine Glanzpunkte, allerdings agiert er schauspielerisch aufgrund seiner Bühnenpräsenz und der gelungenen Rolleninterpretation stark. Käthchens Mutter wird von Chantal Le Moign gespielt, die buchbedingt eher im Hintergrund ist, aber durchaus auf sich aufmerksam machen kann.

„The Black Rider“ mit Jelena Kuljic.
Foto: Veranstalter

Die offen gestaltete Holzbühne von Ralf Käselau bietet dem Spektakel auf der Bühne genügend Raum und wirkt wie eine überdimensionale Holzhütte. Passend zum Stück sind die Kostüme von Sabine Blickenstorfer. Corinna von Rad (Regie) bettet die Figuren in eine kuriose Handlung ein, die in den meisten Passagen gute Unterhaltung bietet. So ist Burroughs als Erbförster Kuno (Jörg Schröder) auf der Bühne, der zusammen mit dem Onkel (Rainer Süßmilch) das Geschehen begleitet. Rüpelhafte Jägersburschen, eine Schar von männlichen Brautjungfern in Hochzeitskleidern und der Bote des Herzogs, der auf einem ausgedienten Karussellpferd auf die Bühne schwebt.

Nicht zu vergessen das Jägerorchester, das von der Gugge Muusic „Gülle Schlüch“ gestellt wird, die für richtig Krawall im Theater Basel sorgen. Die Szenenwechsel sind teilweise zu hektisch – die Band „Dr. Nic and the Green Bullets“ unter der Leitung von Rainer Süßmilch spielt großartig, wird aber leider oftmals zu abrupt durch darauffolgende Szenen gestoppt. Leider gelingt es nicht, den Spannungsbogen dauerhaft zu halten. Nach einem fulminanten Beginn wird die Handlung langatmig, gewinnt aber gegen Ende wieder an Tempo.
Den letzten Auftritt hat Michael von der Heide im weißen Bademantel mit dem Song „The last Rose of Summer“, das er melancholisch interpretiert. Insgesamt bietet „The Black Rider“ einen unterhaltsamen Theaterabend.

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