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Magisch mit kleinen Abstrichen: „Wicked“ in Zürich

Magisch mit kleinen Abstrichen: „Wicked“ in Zürich

Geschichten über Freundschaft, Liebe, Verlust und Verrat gibt es in der Musical-Landschaft einige. Doch was macht eine Erzählung, die diese Themen beinhaltet, besonders? Im Fall von „Wicked“ ist es die Art der Kombination dieser Themen, gepaart mit einer wunderbaren berührenden Musik, welche die Geschichte von Elphaba, Glinda und Fiyero trägt.

Im Jahr 2003 feierte „Wicked“ im Curran Theatre in San Fransisco Premiere, ehe es dann an den Broadway ins berühmte Gershwin Theatre transferiert wurde. Mittlerweile ist es auf dem neunten Platz der am längsten gespielten Musicals am Broadway und die Vorstellungen sind nach wie vor ausverkauft. Weitere erfolgreiche Spielstätten sind London, Sydney, Tokio sowie Touren in den USA und UK. Weniger erfolgreich lief „Wicked“ in Deutschland. Dies aufgrund der Tatsache, dass der „Zauberer von Oz“ im Gegensatz zu den USA/UK eine wenig bekannte Geschichte ist. In Zürich im Theater 11 ist die aktuelle UK-Tour noch bis 31. Dezember 2017 zu sehen.

Ensemble „Wicked“ photo © Matt Crockett

Basierend auf dem 1995 erschienen Buch „The Life and Times of the Wicked Witch of the West” des amerikanischen Schriftstellers Gregory Maguire und beeinflusst von Frank Baum’s Film „The Wonderful Wizard of Oz “ aus dem Jahr 1939, zeichnen sich Stephen Schwartz für Komposition und Liedtexte sowie Winnie Holzman für das Buch verantwortlich. Regie führte Joe Mantello und die Choreographie stammt von Wayne Cilento.

Elphaba und Glinda, photo © Matt Crockett

„Wicked“ erzählt die Geschichte der beiden Hexen Glinda und Elphaba, zweier ungleicher junger Frauen, deren Interessen und Ansichten unterschiedlicher nicht sein können. Verliebt in den gleichen Mann, Fiyero, trennen sich ihre Wege nach der Schulzeit, da jede ihre eigenen Ziele verfolgt. Während Elphaba gegen die Machenschaften des Zauberers von Oz kämpft, sonnt sich Glinda im Scheinwerferlicht der Berühmtheit. Einige Jahre später begegnen sich beide wieder. Fiyero erkennt, wem der beiden Frauen sein Herz wirklich gehört und die beiden Freundinnen erkennen, wie ihre Freundschaft sie als Menschen zum Positiven verändert hat.

Das gelungene und detaillierte Bühnenbild von Eugene Lee erreicht seinen Höhepunkt bei der Emerald City Szene, bei der die ganze Bühne in eine smaragdgrüne Farbenwelt getaucht wird. Unterstützt wird das Bühnenbild von dem grossartigen Lichtdesign von Kenneth Posner. Bei der Tourproduktion ist insgesamt eine abgespeckte Bühnenbild Version zu sehen. Zuschauer, welche das Stück noch nie gesehen haben, fallen die Anpassungen nicht auf, während „Wicked“-Kenner die äusseren Bühnenelemente, wie die ausladende detailreiche Treppe, und die Brücke vermissen. Die fehlenden Bühnenelemente werden als Treppekonstruktion oder Podest eingeschobenen. Ausgeglichen werden die fehlenden Element auch durch ein angepasstes Bühnenspiel.

Glinda (Helen Woolf) photo © Matt Crockett

Die Kostüme von Susan Hilferty sind eine Augenweide. Das Besondere ist, dass die Kostüme allesamt asymmetrischen Formen und Muster haben. Ergänzt wird das Kostümbild mit den fantasievollen Perücken von Tom Watson. Der Musikalische Leiter Dave Rose führt das 15-köpfige Orchester sicher durch die komplexe Partitur des Stücks. Hörbar fehlen im Orchester die Streicher. Die auf dem Keyboard erstellten Streicherpartien hört man heraus, was den gesamten Musikeindruck etwas schmälert.

Elphaba (Amy Ross) photo © Matt Crockett

Amy Ross agiert in ihrer Rolle als ‚Elphaba’ solide mit guter Bühnenpräsenz. Während sie ihre kraftvolle Stimme bei „Defining Grafity“ noch Potential hat, zeigt sie bei „No Good Deed“ was sie kann. Helen Woolf als ‚Glinda’ hat in London die Rolle bereits als Zweitbesetzung gespielt, gelingt die Balance zwischen Ernsthaftigkeit und Komik perfekt. Ihren wohlklingenden und klaren Sopran setzt sie bei „Thank Goodness“ gekonnt ein. Bei beiden spürt man, wie viel Freude sie gemeinsam auf der Bühne haben, was vor allem in der Schlussszene zum ersten Akt bemerkbar macht. Eine wunderbare Ergänzung zu den beiden Damen ist Aaron Sidwell der den ‚Fiyero’ gibt. Mit jugendlichem Leichtsinn interpretiert er seine Rolle bei „Dancing Through Life“ und zeigt eine gelungene Entwicklung seines Charakters.

Aaron Sidwell (Fiyero) photo © Matt Crockett

Steven Pinder der als ‚Wizard of Oz’ und ‚Doctor Dillamond’ eine Doppelrolle spielt, zeigt gesanglich eine gute Leistung. Als ‚Wizard von Oz’ lässt er in seinem Schauspiel das fiese und durchtriebene des Zauberers ein wenig vermissen und wirkt fast zu lieb. Kim Ismay punktet in ihrer Interpretation als ‚Madame Morrible’. Ihr gelingt die Steigerung von der netten und fürsorglichen Schulleiterin zur machtgierigen Pressesprecherin des Zauberers auf ganzer Linie. Emily Shaw als ‚Nessarose’ und Iddon Jones als ‚Boq’ gefallen mit ihrem Schauspiel. Mit starker Stimme interpretiert Shaw den kurzen Song „The Wicked Witch of the East“.

Insgesamt kann das Ensemble von „Wicked“ im Theater 11 durchaus überzeugen, auch wenn man hier und da kleine Abstriche machen muss. Beim Schweizer Publikum scheint die Geschichte von Elphaba, Glinda und Fiyero anzukommen. Standing Ovation in der besuchten Vorstellung.

Überzeugende Stimmen: „Evita“ auf Tour

Überzeugende Stimmen: „Evita“ auf Tour

María Eva Duarte de Perón war gerade mal 33 Jahre alt, als sie am 26. Juli 1952 ihrem Krebsleiden erlag. Bis heute ist sie für viele Argentinier eine Ikone, da sie eine der grössten Wohltäterinnen ihres Landes war. Als erste Frau nahm sie grossen Einfluss in der damaligen politischen Landschaft Argentiniens, ohne die Rolle ihres Mannes Juan Perón als Präsident zu beeinträchtigen. Die Geschichte von Eva Perón inspirierte Andrew Lloyd Webber und Tim Rice im Jahr 1974 sich dem Stoff anzunehmen. Im Juni 1978 feierte das Musical im Prince Edward Theatre in London seine Uraufführung. Vom 25.- 30. April 2017 gastiert die englischsprachige Tour im Theater 11 in Zürich und vom 11.-16. Juli 2017 im Musicaltheater Basel.

Ensemble Foto: Pamela Raith

Das Ziel der jungen Eva Duarte ist Buenos Aires, denn das kleine Dorf Junín, in dem sie lebt, ist ihr nicht gut genug. Sie träumt davon in der grossen Stadt eine berühmte Schauspielerin zu werden. Diverse Männerbekanntschaften helfen ihr dieses Ziel zu erreichen. Auf einer Benefizveranstaltung für Erdbebenopfer trifft sie auf den ehrgeizig politisch engagierten Juan Perón. Emma Hatton, zuletzt als Elphaba in „Wicked“ in London zu sehen, begeistert mit ihrer starken Bühnenpräsenz und ihrer facettenreichen Stimme. Als Erzähler bringt Che, angelehnt an den argentinischen Revolutionsführer, den Zuschauern die Geschichte von Eva Duarte aus einer kritischen Sicht näher. Gian Marco Schiaretti, unter anderem als Tarzan in Hamburg und Stuttgart zu erleben, verkörpert die Rolle mit dem nötigen Feingefühl, überzeugendem Spiel und punktet mit ausdrucksstarker Stimme. Juan Perón ist ein aufstrebender Militärkommandant, der Stück für Stück politisch an Einfluss gewinnt. Dank seiner charismatischen Frau gelingt ihm bei der Präsidentenwahl der Durchbruch. Kevin Stephen-Jones, bei der „Cats“-Tournee 2016 als Old Deuteronomy zu sehen, verleiht seiner Darstellung als Juan Perón die nötige Intensität und Glaubhaftigkeit. Dank der erzwungenen Unterstützung des Sängers Magaldi kommt Eva ihrem Weg nach Buenos Aires näher – er ist für sie das Mittel zum Zweck. Oscar Balmaseda interpretiert seine Figur Rollengerecht und mit schöner Stimmfarbe.

Emma Hatton als Evita Foto: Pamela Raith

Für Tim Rice (Texte) und Andrew Lloyd Webber (Musik) war es nach „Jesus Christ Superstar“ das zweite Stück, dass sie gemeinsam auf die Bühne gebracht haben. Gespickt mit mitreissenden und eingängigen Melodien wie den Welterfolg „Don’t Cry For Me Argentina“ oder „High Flying Adored“ feiert „Evita“ seit Jahrzehnten Erfolge. Regisseur Bob Tomson verbindet politische Themen mit der Lebensgeschichte einer aussergewöhnlichen Frau auf eine berührende und spannende Weise. Seine Personenregie ist detailliert, so dass gerade die Hauptfiguren eine eindrückliche Präsenz aufweisen. Die Choreografie von Bill Deamer ist ausgereift und fügt sich nahtlos in die Regiearbeit von Tomson ein. Das Bühnenbild von Matthew Wright stellt eine Art grosse Halle da, welche je nach Szene mühelos angepasst wird. Treppenaufgänge die miteinander verbunden werden, Säulen und diverse detailliert ausgearbeitete Requisiten ergänzen die Szenerie perfekt. Zusammen mit dem gelungenen Lichtdesign von Mark Howett und Wrights Kostümen im Stil der 30er-40er Jahre, entsteht ein stimmiger Gesamteindruck. Das Orchester unter der Leitung von Will Joy bringt die musikalisch verschieden Facetten des Stück, von Rock Pop bis zu südamerikanische Rhythmen, wunderbar zu Gehör.

Ensemble Foto: Pamela Raith

Ein geschichtliches Thema in einem Musical zu verarbeiten ist anspruchsvoll. Rice und Webber ist das mit „Evita“ wunderbar gelungen. Mit hoher Qualität und Spielfreunde zeigte das ganze Ensemble eine durchweg überzeugende Leistung. Das Publikum im Theater 11 spendete minutenlang Applaus.

Unterhaltung pur: Mary Poppins in Zürich

Unterhaltung pur: Mary Poppins in Zürich

Das von Disney und Cameron Mackintosh produzierte Musical erzählt die Geschichte des wohl beliebtesten Kindermädchens Mary Poppins, welches die Welt von Familie Banks auf den Kopf stellt. Mister Banks hat klare Vorstellungen bei der Erziehung seiner Kinder Jane und Michael.  Während Mrs. Banks ihrem Mann einmal mehr erklären muss, dass das nächste Kindermädchen reissaus genommen hat, haben die beiden Kinder eine genaue Vorstellung von ihrem zukünftigen Kindermädchen. Mister Banks besteht auf eine strenge und disziplinierte Erziehung, während die Kinder jemanden suchen mit Verständnis, zum Spielen haben und Interesse hat Zeit mit ihnen zu verbringen. Mister Banks findet die Vorstellungen seiner Kinder Unsinn, zerreisst die Stellenanzeige der beiden und entsorgt diesen Postwendend im Kamin. Kurz drauf tritt eine geheimnisvolle, junge Frau Namens Mary Poppins in das Leben der Banks.

Im Jahr 2004 feierte das Stück seine Premiere am Londoner West End und 2006 folgte die Premiere am Broadway. Anschliessende Tourstationen waren Australien, Neuseeland, USA und Grossbritannien. Die englischsprachige Tourversion macht zum ersten Mal in der Schweiz halt und ist vom 05. Februar 2017 bis 19. März 2017 im Theater 11 in Zürich zu sehen.

©Johan Persson

Basierend auf der Kinderbuchreihe von P. L. Travers sowie dem gleichnamigen Film aus dem Jahr 1964, mit Julie Andrews und Dick Van Dyke in den Hauptrollen, enthält die Bühnenversion Elemente aus den Kinderbüchern und dem Film. Das Buch schrieb Julian Fellows und die Melodien und Liedtexte stammen von Richard M. Sherman und Robert B. Sherman. Zusätzliche Liedtexte und Songs steuerten Georg Stiles und Anthony Drewe bei. Songs wie „Supercalifragilisticexpialidociuos“, „Fed The Birds“ und „Step in Time“ sind wahrhaftige Ohrwürmer. James Powell, der die Regie der Tourproduktion verantwortet, setzt die Original-Inszenierung von Richard Eyre gekonnt in Szene. Auffallend ist die klare und detailliert geführte Personenregie. Nach dem Motto darf es ein bisschen mehr sein, wirken die Charaktere in manchen Szenen recht ausladend, was aber den Unterhaltungswert des Stücks in Kombination mit den komödiantischen Elementen steigert. Die unterhaltsame und mitreissende Choreografie von Geoffrey Garratt sorgt für Begeisterung.

Das Kostüm- und Bühnenbilddesign von Bob Crowley ist mit viel Liebe zum Detail gestaltet, welches den einen oder anderen Überraschungsmoment bereithält. Die Kostüme sind passend zu den einzelnen Charakteren und verleihen diesen nie nötige Authentizität. Die Szenerien werden wunderbar durch das perfekt abgestimmte Lichtdesign von Natasha Katz ergänzt. Das 13-köpfige Orchester unter der Leitung von Steve Moss bringt die Songs schwungvoll zu Gehör, vermag aber auch bei den leisen Tönen zu überzeugen.

©Johan Persson

Eine junge, auf den ersten Blick, unscheinbare Frau soll die beiden Kindern Jane und Michael Anstand und Manieren beibringen. Dazu setzt sie auf ganz besondere Tricks, welche die Kinder am Anfang nicht so recht goutieren, erzielen aber eine nachhaltige Wirkung. Als Mary Poppins begeistert Lisa O’Hare mit ihrer klaren Stimme und ihrer ausdrucksstarken Bühnenpräsenz. Bert führt das Publikum mit Witz und Charme durch die Geschehnisse in der Cherry Tree Lane und unterstützt Mary Poppins wo immer nötig. Matt Lee verleiht seinem Bert eine liebenswürdige Art und punktet mit wohlklingender Stimme. Die akrobatische Begehung der Bühnenumrandung bei „Step in Time“, inklusive der Steppeinlage kopfüber, hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Während Mr. Banks getrieben von seinem Leistungsdruck in der Bank ist und fast nie Zeit für seine Kinder hat, möchte Mrs. Banks die Erziehung der beiden am liebsten selbst in die Hand nehmen. Neil Roberts und Kara Lane gefallen durch ihre erfrischend sympathische Darstellung als George und Winifred Banks. Jane und Michael haben es faustdick hinter den Ohren – Erziehung Fehlanzeige, bis Mary Poppins in ihr Leben tritt. Aufgrund ihrer grossen Spielfreude gelingt es Isabella Billingham und Louis Parker das Publikum rasch für sich zu gewinnen.

©Johan Persson

Wendy Ferguson und Blair Anderson haben als zeternde Haushälterin Mrs. Brill und trottliger Hausdiener Robertson Ay die Lacher des Publikums auf ihrer Seite. Ihre komödiantischen Einlagen wirken zu keiner Zeit aufgesetzt. Vorrübergehend verlässt Mary Poppins das Haus der Banks. Winifred möchte ihren Mann überraschen und treibt als Ersatz Mrs. Andrews auf – Georges ehemaliges furchteinflössendes Kindermädchen. Mit starker Stimme von Penelope Woodman gespielt. Als Bird Woman gefällt Grainne Renihan durch ihr feinfühliges Spiel und die berührende Interpretation des Songs „Feed the Birds“.

Die englischsprachige Tourproduktion von Mary Poppins ist Unterhaltung für Gross und Klein. An der besuchten Vorstellung waren strahlende Kinderaugen und Standing Ovation der Lohn des Publikums für die spürbare Spielfreude und die überzeugende Vorstellung des Ensembles.

Rundum gelungene Inszenierung: „Cabaret“ im Bernhard-Theater

Rundum gelungene Inszenierung: „Cabaret“ im Bernhard-Theater

„Und da war ein Cabaret mit einem Conférencier – und da war eine Stadt, die Berlin heisst, in einem Lande, dass Deutschland heisst…und das war das Ende der Welt…“. Berlin zu Beginn der 1930er Jahre – der junge Schriftsteller Cliff Bradshaw reist nach Berlin, um hier die Inspiration zum Romane schreiben zu finden. Im Zugabteil begegnet er Ernst Ludwig. Durch ihn findet er eine Unterkunft in Fräulein Schneiders Pension und macht Bekanntschaft mit Sally Bowles, die im bekannten Kit-Kat Club arbeitet. Nicht nur die beiden werden ein Paar, sondern auch Fräulein Schneider und Herr Schultz, der ebenfalls in der Pension wohnt. Auf der Verlobungsfeier überschlagen sich die Ereignisse. Ernst Ludwig ist bekennender Nationalsozialist und Fräulein Schneider kann sich der vergifteten Atmosphäre nicht entziehen und löst die Verlobung. Als Sally, die weiterhin von der grossen Karriere träumt, das gemeinsame Kind mit Cliff abtreibt, hält diesen nichts mehr in Berlin.

Das Stück feierte vor 50 Jahren am 20. November 1966 Premiere am Broadway in New York. Im Jahr 1972 erfolgte die mit acht Oscars ausgezeichnete Verfilmung mit Liza Minelli in der Rolle der Sally Bowles. Seit dem 20. November 2016 ist das Stück am Bernhard-Theater in Zürich zu sehen. „Cabaret“ basiert auf dem Stück „Ich bin eine Kamera“ von John van Druten und Erzählungen von Christopher Isherwood. Das Buch von Joe Masteroff zeichnet eine Geschichte, die an Aktualität nichts verloren hat. Es geht um Vertrauen, Verrat, Freundschaft und Ängste. Die Musik von John Kander, mit den Gesangstexten von Fred Ebb, ist inspiriert vom frühen Jazz, Ragtime sowie Revueeinlagen im Kit Kat Club.

Regisseur Dominik Flaschka gelingt eine rundherum gelungene Inszenierung. Als Zuschauer erlebt man eine Reise durch die Gefühlswelt – Freude, Entsetzen, Lachen und Traurigkeit. Die lebendige Choreographie von Jonathan Huor kommt vor allem in den Szenen des Kit Kat Clubs zum Tragen. Ob in der Pension von Fräulein Schneider, im Zimmer von Cliff, im Obstgeschäft von Herr Schultz oder im Kit Kat Club besticht das Bühnenbild von Simone Baumberger durch Detailverliebtheit und Authentizität. Wunderbar ergänzt von den zeitgemässen Kostümen der 1920er Jahre von Kathrin Baumberger. Hans Ueli Schlaepfer und seine Band zelebrieren die Musik von Kander mit Hingabe.

Michael von der Heide lebt seine Rolle des Conférenciers mit Hingabe. Mal als sexy Verführer, als unterhaltsamer Erzähler oder als undurchsichtiger Gastgeber – einfach grossartig wie es ihm gelingt die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zu ziehen. Zwischen Karriere als Sängerin, Geliebte und werdende Mutter ist Sally Bowles hin und her gerissen. Am Ende trifft sie eine Entscheidung für sich und gegen das gemeinsame Leben mit Cliff. Fabienne Louves punktet mit überzeugender Bühnenpräsenz und interpretiert Songs wie „Maybe This Time“ und „Cabaret“ mit starker wohlklingender Stimme. Cliff freut sich auf die gemeinsame Zukunft mit Sally und dem gemeinsamen Kind. Als diese den Traum zerstört, hält ihn nichts mehr in Berlin. Kenneth Huber besticht mit einer intensiven Darstellung als Cliff Bradshaw. Liebe geht manchmal seltsame Wege. Dies stellen auch Fräulein Schneider und Herr Schultz fest. Und doch kommt manchmal alles anders als man denkt. Sabine Martin und Helmut Vogel zeigen eine berührende und zugleich amüsante Darstellung ihrer Charaktere. 

Glaubhaft gibt Eric Hättenschwiler den Ernst Ludwig, der zuerst Reisebekanntschaft ist und dann ein guter Freund von Cliff wird. Allerdings zerstört die Zugehörigkeit zu den Nationalsozialisten von Ernst diese Freundschaft zu Cliff. Gekonnt komödiantisch und erfrischend zeigt Sabina Deutsch als Fräulein Kost, wie man erfolgreich alle männlichen „Verwandten“ in seinem Pensionszimmer Willkommen heisst. Die Kit Kat Ladies Lulu, Helga, Frenchie und Mausi werden von Momo Fabienne Tanner, Dijana Vidovic, Sarah Madeleine Kappeler und Amaya Keller gespielt. Die Kit Kat Boys werden von Tino Andrea Honegger, Gregor Altenburger, Fabio Romano und Gianmarco Rostetter dargestellt.

Am Ende benötigt man einen Moment, um die Geschichte des Musicals, welche nicht nur spassig und unterhaltsam ist, sondern auch nachdenklich und beklemmend ist, sacken zu lassen. Aber genau diese Balance der verschiedenen Gefühle sind in dieser Inszenierung überzeugend gelungen. Das Publikum im Bernhard-Theater spendete bei der besuchten Vorstellung begeisterten Beifall.

Humorvoll „Mein Name ist Eugen“ in Zürich

Humorvoll „Mein Name ist Eugen“ in Zürich

Eugen und seine Freude; Foto: Christian Knecht

Die „Schweizerische Lehrerzeitung“ warnte nach der Erscheinung des Buches „Mein Name ist Eugen“ im Jahr 1955 vor einem verderblichen Einfluss auf die Jugend. Der Autor des Buches Klaus Schädelin baute zahlreiche Erinnerungen an seine Jugend, die er in der Innenstadt von Bern erlebte, in sein Buch ein. Im Jahr 2004 wurde das Buch unter der Regie von Michael Steiner verfilmt und zählt zu den erfolgreichsten Schweizer Filmen. Die Musicalfassung ist bis
19. Juni 2016 in der Zürcher Maag-Event Hall zu sehen.

Der 13-Jährige Eugen berichtet von seinem schweren Schicksal, dass die Erwachsenen ihn einfach nicht verstehen wollen. Zusammen mit seinen Kollegen Wrigley, Eduard und Bäschteli hecken die vier Buben Streiche, teils mit fatalen Folgen, aus und sind dabei der festen Überzeugung, dass es sich um eine Verkettung unglücklicher Ereignisse handelt. So entwenden sie das Sonntagskleid von Tante Melanie, füllen ein altes Boot im Dachboden mit Wasser und wundern sich über den entstandenen Wasserschaden im Haus oder treiben im historischen Museum mit einer Ritterrüstung ihr Unwesen. Als es den Eltern der Vier zu bunt wird und sie in ein Internat kommen sollen, schwören sie für immer Lausbuben zu bleiben, ganz wie ihr grosses Vorbild Fritzli Bühler, der König der Lausbuben. Im Pfadilager jenseits des Gotthard-Passes wird ihr Bild der Erwachsenen abermals bestätigt und so beschliessen sie Fritzli Bühler in Zürich zu suchen, um sich von ihm zeigen zu lassen, wie man niemals erwachsen wird. Die Geschichte wird als Aufsatz, in der Ich-Form, aus Sicht von Eugen Pfister erzählt. Mit den Worten „Und das kam so…“ taucht man immer wieder in die neuen Streiche ein.

Ensemble; Foto: Christian Knecht
Ensemble; Foto: Christian Knecht

Das Buch und die Musik zur Bühnenversion stammen von Roman Ricklin, Regie führte Dominik Flaschka. Das Erfolgsduo schuf unter anderem das Schweizer Mundart Erfolgs-Musical „Ewigi Liebi“. Die Buben und das Ensemble sprechen mit Berndeutsch einen Schweizer Mundart-Dialekt. Das Musical profitiert von der Erzählweise des Buches und diese hält die Geschichte als Ganzes zusammen. Bandleaderin Simone Baumann und ihre Band spielen sich mit Drive durch Ricklins stimmige Partitur, die das Stück optimal voranbringt, aber ohne Ohrwurm ist. Die Inszenierung von Dominik Flaschka ist temporeich und begeistert vor allem im ersten Akt durch Witz mit allerlei Anspielungen auf unterschiedliche Musicals. Im zweiten Teil wirken die Abendteuer der Buben, auf ihrem Weg nach Zürich, teilweise eingeschoben und auch die ersehnte Begegnung mit ihrem Vorbild Fritzli Bühler ist eher enttäuschend und ohne wirklichen Pfiff. Die Choreografie von Jonathan Huor hat besonders in den Ensembleszenen ihre stärksten Momente.

Ensemble; Foto: Christian Knecht
Ensemble; Foto: Christian Knecht

Das geschmackvolle Bühnenbild (Simon Schmidmeister) beschränkt sich aufs Wesentliche, spiegelt allerdings, wie auch die Kostüme (Kathrin Baumberger), die Zeit der Handlung gelungen wieder. Eine hervorragende Idee ist die Darstellung der Erwachsenen, welche als Handpuppen à la „Avenue Q“ daherkommen. Einzig Fritzli Bühler (Eric Hättenschwiler) ist der einzige richtige Erwachsene im Stück.
Simon Messerli (Eugen), Delio Malär (Wrigley), Sebastian Muri (Eduard) und Yves Ulrich (Bäschteli) zeigen auf erfrischende Art Lausbuben, denen man eigentlich gar nicht böse sein kann. Die Mischung aus Unbekümmertheit und Herzlichkeit gelingt den Vieren grandios. Peter Zgraggen, Roman Pfister, Cécile Gschwind, Angela Hunkeler und Adriano Piccione liefern mit ihren Handpuppen als Lehrer, Eltern, Tante und Pfadileiter eine ebenso gelungene Leistung ab. Das Ensemble spielt sich mit Spielfreude durch den Abend. Das Publikum fühlte sich in der besuchten Vorstellung bestens unterhalten und der eine oder andere Erwachsene wurde sicher an seine Jugendzeit erinnert.

Songbeispiel: „Es ganzes Läbe lang

 

Unterhaltsam & Kurzweilig: „Io Senza Te“ – Das Musical

Unterhaltsam & Kurzweilig: „Io Senza Te“ – Das Musical

Jean-Rémy und Lilly sind nach 20 Ehejahren auf dem besten Weg sich im Alltag zu verlieren. Vor allem Lilly hadert damit dem Traum vom Auswandern auf die Bahamas und ist sich nicht mehr sicher, ob ihr Traum sich jemals verwirklichen lässt. Ky lebt mit ihrem Vater Paul auf den Bahamas. Beim morgendlichen Fischen eröffnet sie ihrem Dad, dass sie einen Job in der Schweiz gefunden hat und am Abend bereits abreist. Der Barkeeper Gio und Komponist Dieter, der davon träumt mit Musik den Durchbruch zu schaffen, wohnen zusammen in einer WG in Zürich. Das Schicksal führt die Protagonisten in der Bahamas-Bar im Niederdörfli zusammen. An der Feier zum 20igsten Hochzeitstag von Jean-Rémy und Lilly gelingt Gio, Ky und Dieter ein unerwarteter Erfolg mit dem Revival des Songs „Io Senza Te“. Plötzlich stehen sie als Trio vor einer gemeinsamen musikalischen Zukunft. Aber wollen sie das überhaupt? Nach einer aufregenden Zeit, kristallisiert sich für alle der richtige Weg heraus und sie erkennen wir ohne wen oder was nicht sein kann.

© GOOD NEWS PRODUCTIONS AG
© GOOD NEWS PRODUCTIONS AG

Wer hätte gedacht, dass Peter, Sue & Marc nach ihrem ersten Auftritt im Jahre 1968 im Theater National in Bern am Zibelemärte zu einer der erfolgreichsten Bands der Schweiz avancieren. Den grossen Durchbruch schaffte das Trio durch den vierten Platz beim Grand Prix Eurovision 1976 in Den Haag mit dem Song „Djambo Djambo“. Es folgten zahlreiche Auftritte in TV-Shows, über eintausend Konzerte und über eine Million verkaufte Tonträger. Im Jahr 1981 geht bei der Silvester-Sendung des Schweizer Fernsehen „Teleboy“ die 13-jährige Karriere des Trios zu Ende. Zu den erfolgreichsten Hits gehören „Cindy“, „Birds of Paradise“ und nicht zuletzt „Io Senza Te“.

Das Musical mit den Songs von Peter, Sue & Marc feierte am 10. September 2015 seine Uraufführung im Theater 11 in Zürich und ist dort bis zum 01. November 2015 zu sehen.

Domenico Blass (Buch) und Stefan Huber (Buch und Regie) haben eine berührende, kurzweilige und unterhaltsame Geschichte, gespickt mit zahlreichen witzigen Momenten, um die Songs von Peter, Sue & Marc gestrickt. Im ersten Akt vergeht die Zeit wie im Flug. Etwas ins Stocken gerät das Ganze im zweiten Teil und wirkt, trotz zahlreicher gelungener Momente, etwas holprig mit einem recht rasanten Ende. Nichtsdestotrotz bleibt es insgesamt betrachtet eine kurzweilige Angelegenheit. Stefan Huber zeigt bei der Regie viel Feingefühl und zeichnet die charakterlichen Eigenschaften der Protagonisten deutlich. Szenenübergänge zwischen Zürich und den Bahamas gelingen spielerisch. Die mitreissende und energiegeladene Choreografie von Simon Eichenberger faszinieren. Stark wie er das Ensemble beim Tanzen agieren lässt – eindrucksvoll in Erinnerung bleibt hier „Charly Chaplin“. Das 13-köpfige Orchester ist im hinteren Teil der Bühne und beim TV-Auftritt mit in die Szene integriert. Kai Tietje (Musikalischer Leiter und Arrangement) und seine Musiker bringen die Songs des Stücks schwungvoll und schmissig zu Gehör. Das Tondesign von Thomas Strebel gefällt. Orchester und Darsteller sind wunderbar aufeinander abgestimmt. 

Die Bahamas und Zürich sind die Schauplätze der Geschichte. Im Mittelpunkt steht die Bahamas-Bar von Jean-Rémy. Das Bühnenbild von Karel Spanhak ist einfach, besticht aber durch seine Liebe zum Detail. Schattenhafte Palmen und die teilweise beleuchtete Silhouette von Zürich im Hintergrund, ermöglichen schnelle Szenenwechsel. Die Bahamas-Bar in Pink gehalten sowie weiter Handlungsorte wie zum Beispiel das Piratenschiff beim TV-Auftritt runden das gelungene Bühnenbild ab. Das Lichtdesign von Pia Virolainen unterstreicht einzelne Szenen wirkungsvoll und setzt diese ins richtige Licht. Heike Seidler deckt mit ihren Kostümen (Maske: Ronald Fahm) ein breites Spektrum ab. Von der Alltags- und Businesskleidung bis hin zu glamourösen Kostümen für die TV-Auftritte von Gio, Ky und Dieter. Hervorzuheben sind die funkelten Kostüme inklusive passender Melone, Schnauz und Stock bei „Charlie Chaplin“.

© GOOD NEWS PRODUCTIONS AG
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Der Abschied von den Bahamas und ihrem Vater Paul (Stark: Christoph Wettstein) sowie die Ankunft in Zürich ist für Ky im ersten Moment ein kleiner Kulturschock. Schnell findet sie sich im Grossstadt-Dschungel zurecht. Anja Haeseli begeistert als Ky durch ihre natürliche Spielfreude und ihre klangschöne Stimme. Gio, ein ewiger Student, arbeitet als Barkeeper in der Bahamas-Bar. Vom ersten Moment an ist er von Ky fasziniert. Als diese den Song „Mama Made The Music“ aus der Jukebox mitsingt, ist es um ihn geschehen. In der besuchten Vorstellung gab Lukas Hobi den Gio. Hobi liefert eine überzeugende Interpretation ab und punktet mit seiner sicher geführten Tenorstimme. Mit der nötigen Ernsthaftigkeit und trockenem Humor spielt Jörg Neubauer den Möchtegern Musikkomponisten Dieter, der eigentlich zum studieren von seinen Eltern nach Zürich geschickt wurde. Bisher blieb der grosse Erfolg aus, aber wer weiss was die Zukunft bringt, denn Talent hat Dieter allemal.

Als Jean-Rémy und Lilly vor 20 Jahren auf den Bahamas geheiratet haben, waren beide voller Träume und wollte eines Tages auf die Insel zurückkehren. Durch verschiedene Lebenseinstellungen und die unterschiedlichen Arbeitszeiten leben die beiden seit einiger Zeit aneinander vorbei. Romeo Meyer gibt den Jean-Rémy ausdrucksstark und lässt keinen Zweifel daran für seine grosse Liebe zu kämpfen. Durch ihr nuanciertes Schauspiel und ihre charaktervollen Stimme zeigt Sylvia Heckendorn eine eindrückliche Lilly, die ihren Mann im Moment nicht mehr versteht. Nie den Glauben an die beiden verliert Sonja, Trauzeugin und beste Freundin von Lilly. Mit dunkel legierter Stimmfarbe und einfühlsamer Darstellung begeistert Cécile Gschwind. Ein berührender Moment ist das Duett „Jeremy“ von Heckendorn und Gschwind.

Claudia wohnt zusammen mit Gio und Dieter in der WG und ist fest davon überzeugt eine gute Sängern zu sein. Für die Überraschung zum Hochzeitstag von Jean-Rémy & Lilly, suchen Gio und Dieter in ihrer WG nach einer Sängerin. Claudia ist nur schwer vom Gegenteil zu überzeugen, dass sie nicht wirklich singen kann. Angela Hunkeler beweist komödiantisches Talent und punktet als Nervensäge Claudia auf voller Linie. Die Casting-Szene ist ohnehin ein Highlight des Stückes, vor allem durch die Art und Weise der Darbietung der Songs „Mountain Man“, „Trödler & Co“ und „Cindy“.

 Ursula und Bettina sind die Arbeitskolleginnen von Ky. Bettina (Gabriela Ryffel) ist süchtig nach ihrem Smartphone und reagiert auf gesagtes immer zu spät, was Ursula (Annie-May Mettraux) mächtig nervt. Ryffel hat durch ihre komödiantische Darstellung die Lacher immer wieder auf ihrer Seite. Zu keiner Zeit wirkt dies jedoch aufgesetzt oder unnatürlich. Beide bieten Unterhaltung pur und ergänzen sich in ihrer Rollenauslegung hervorragend. Jürgs liebster Aufenthaltsort ist die Bahamas-Bar, am besten immer mit einem Bier. Plötzlich sieht er die Chance alias Dr. Rock dem Trio Gio, Ky und Dieter als Manager auf die Sprünge zu helfen. Rolf Sommer als Jürg steht den beiden Damen in nichts nach. 

Das gesamte Ensemble agiert mit ausgesprochener Spielfreude und trägt massgeblich zu dem unterhaltsamen und kurzweiligen Abend bei. Das Publikum würdigt dies mit minutenlangen Applaus und bei der Dance-Version von „Io Senza Te“ hält es das Zürcher Publikum nicht mehr auf den Sitzen.

Animationsfilm goes Musical – Gute Unterhaltung bei Shrek

Animationsfilm goes Musical – Gute Unterhaltung bei Shrek

Man stelle sich vor Rotkäppchen, der böse Wolf, Frau Holle, Pinocchio, Max & Moritz und viele andere bekannte Märchenfiguren sind unausstehliche Freaks. Undenkbar? Doch! Denn als solche sieht sie der exzentrische Herrscher von Duloc Lord Farquaad und verbannt alle Fabelwesen in einen Sumpf. Der von Menschen gefürchtete Shrek, ein grosser und grüner Oger, lebt in diesem Sumpf – seinem Sumpf und hat so gar keine Lust auf diese lebendigen und schnatterhaften Besucher. Nur wie kann er diese wieder los werden? Shrek macht sich auf den Weg zu Lord Farquaad. Der Deal lautet: Befreit Shrek Prinzessin Fiona aus dem Turm, der von einem grossen bösen Drachen bewacht wird, und bringt sie zu Farquaad, der Fiona heiraten möchte um König zu werden, bekommt er seinen Sumpf zurück. An seine Seite gesellt sicher der ohne Punkt und Komma quasselnde Esel.

Bettina Mönch als Prinzessin Fiona
Bettina Mönch als Prinzessin Fiona

William Steig, ein Kinderbuchautor und Cartoonist, ist der Erfinder von „Shrek“. 2001 bringt DreamWorks den Animationsfilm „Shrek – ein tollkühner Held“ auf die Kinoleinwand. 2002 gewinnt der Film einen Oscar als bester animierter Spielfilm. Bereits im Jahr 2008 hob sich der Vorhang für die Musicalfassung am Broadway. 2011 folgte die Premiere am Londoner West End. Die deutschsprachige Premiere fand 2014 in Düsseldorf statt. Zurzeit tourt das Stück durch Deutschland, Österreich und die Schweiz und macht vom 19. Februar bis 01. März nun Halt im Theater 11 in Zürich.

Bestimmt wird das Bühnenbild (Sam Madwar) von einer riesigen Leinwand, auf der die einzelnen Szenen mittels Projektion dargestellt werden. Besonders gelungen ist die Sumpflandschaft, in der Shrek zu Hause ist, und die Kathedrale für die Eheschliessung von Farquaad und Fiona, inklusive Sonnenuntergang. Mit etwas mehr Liebe zum Detail hätte man bei den Bäumen arbeiten können, die je nach Handlungsort von den Seitenbühnen rein gefahren werden. Insgesamt aber gefällt das Bühnenbild für eine Tourproduktion ausserordentlich gut. Die Kostüme von Mario Reichlin gefallen auf ganzer Linie. Farbenfroh sind vor allem die Märchenfiguren, aber auch die „bösartige“ Drachendame (wird von vier Darstellern gespielt) setzt grossartige Akzente.

Die Handschrift von Andreas Gergen (Regie) zeichnet sich deutlich. Sei es die publikumsbezogende Darstellung oder aber die präzise Ausgestaltung der einzelnen Charaktere. Die Szene „Heut‘ ist der Tag“, in der die kleine Fiona, die Teenie Fiona und die Erwachsene Fiona ihr Leben nacherzählen, gelingt eindrucksvoll. Ein Highlight ist hier die rosa Socke, die Fionas strahlenden Helden darstellt, der kommt um sie aus dem Turm zu retten. Auch regionale Anpassungen werden eingebaut – so flucht Pinocchio zum Beispiel auf Schweizerdeutsch. Was Choreografin Kim Duddy auf die Bühne gezaubert hat, gefällt auf ganzer Linie. Die Tanzeinlagen sind durchdacht, mitreissend und schwungvoll. Hervorzuheben ist hier die Stepptanzeinlage der Ratten, mit passenden Kostümen, zur Melodie des Rattenfängers.

Andreas Lichtenberger als Shrek und Andreas Wolfram als Esel
Andreas Lichtenberger als Shrek und Andreas Wolfram als Esel

Die Band, rund um die Musikalische Leitung von Heribert Feckler, bringt die abwechslungsreichen Melodien von Jeanine Tesori schwungvoll zu Gehör. Übersetzungen aus dem Englischen ins Deutsche ist immer eine knifflige Angelegenheit. Heiko Wohlgemuth und Kevin Schroeder ist es gelungen, den Wortwitz der Songtexte und Dialoge grösstenteils zu erhalten, da verzeiht man auch eins zwei unglückliche Ausrutscher.

Mit Andreas Lichtenberger als Shrek ist dem Castingteam ein Volltreffer gelungen. Als muffelmotziger aber irgendwie doch auch liebenswerter Oger, zeigt er eine überzeugende Leistung. Als bestimmende, manchmal etwas zickige Prinzessin Fiona begeistert Bettina Mönch mit ihrer wohlklingenden Stimme und punktet ihrem komödiantischen Talent. Einen überaus liebenswerten und nervtöteten Esel gibt Andreas Wolfram, der im Zusammenspiel mit Mönch und Lichtenberger gefällt. In der DreamWorks Verfilmung ist der Esel noch um einiges nerviger als hier gesehen. Schön wäre es gewesen, wenn dies noch etwas mehr in der Darstellung des Charakters eingeflossen wäre.

Der exzentrische Lord Farquaad wird von Paul Kribbe gespielt. Die körperlich anspruchsvolle Rolle, Kribbe bewegt sich das ganze Stück auf Knien, füllt er mit der nötigen Arroganz des Charakters aus und macht auch gesanglich eine gute Figur. In Erinnerung bleibt hier die rasante Einlage von „Hier in Duloc“. Stephan Luethy hat in seiner Darstellung als Pinocchio, immerhin Rädelsführer der Märchenfiguren, noch Luft nach oben und bleibt etwas zu blass.

Das gesamte Ensemble agiert ob als Märchenfiguren, als Einwohner oder Wachen von Duloc schwungvoll und harmonisch auf der Bühne. Im Gesamteindruck kann man „Shrek“ assistieren, dass das Stück pure Unterhaltung mit vielen lustigen Momenten und ein paar Anspielungen auf bekannte Musicals, Filme oder Melodien bietet. Langeweile? Klare Fehlanzeige, denn diese gibt es nicht! Das Publikum in Zürich quittierte dies mit minutenlangem Applaus, strahlende Kinderaugen inklusive.

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