Browsed by
Schlagwort: Tour

Magisch mit kleinen Abstrichen: „Wicked“ in Zürich

Magisch mit kleinen Abstrichen: „Wicked“ in Zürich

Geschichten über Freundschaft, Liebe, Verlust und Verrat gibt es in der Musical-Landschaft einige. Doch was macht eine Erzählung, die diese Themen beinhaltet, besonders? Im Fall von „Wicked“ ist es die Art der Kombination dieser Themen, gepaart mit einer wunderbaren berührenden Musik, welche die Geschichte von Elphaba, Glinda und Fiyero trägt.

Im Jahr 2003 feierte „Wicked“ im Curran Theatre in San Fransisco Premiere, ehe es dann an den Broadway ins berühmte Gershwin Theatre transferiert wurde. Mittlerweile ist es auf dem neunten Platz der am längsten gespielten Musicals am Broadway und die Vorstellungen sind nach wie vor ausverkauft. Weitere erfolgreiche Spielstätten sind London, Sydney, Tokio sowie Touren in den USA und UK. Weniger erfolgreich lief „Wicked“ in Deutschland. Dies aufgrund der Tatsache, dass der „Zauberer von Oz“ im Gegensatz zu den USA/UK eine wenig bekannte Geschichte ist. In Zürich im Theater 11 ist die aktuelle UK-Tour noch bis 31. Dezember 2017 zu sehen.

Ensemble „Wicked“ photo © Matt Crockett

Basierend auf dem 1995 erschienen Buch „The Life and Times of the Wicked Witch of the West” des amerikanischen Schriftstellers Gregory Maguire und beeinflusst von Frank Baum’s Film „The Wonderful Wizard of Oz “ aus dem Jahr 1939, zeichnen sich Stephen Schwartz für Komposition und Liedtexte sowie Winnie Holzman für das Buch verantwortlich. Regie führte Joe Mantello und die Choreographie stammt von Wayne Cilento.

Elphaba und Glinda, photo © Matt Crockett

„Wicked“ erzählt die Geschichte der beiden Hexen Glinda und Elphaba, zweier ungleicher junger Frauen, deren Interessen und Ansichten unterschiedlicher nicht sein können. Verliebt in den gleichen Mann, Fiyero, trennen sich ihre Wege nach der Schulzeit, da jede ihre eigenen Ziele verfolgt. Während Elphaba gegen die Machenschaften des Zauberers von Oz kämpft, sonnt sich Glinda im Scheinwerferlicht der Berühmtheit. Einige Jahre später begegnen sich beide wieder. Fiyero erkennt, wem der beiden Frauen sein Herz wirklich gehört und die beiden Freundinnen erkennen, wie ihre Freundschaft sie als Menschen zum Positiven verändert hat.

Das gelungene und detaillierte Bühnenbild von Eugene Lee erreicht seinen Höhepunkt bei der Emerald City Szene, bei der die ganze Bühne in eine smaragdgrüne Farbenwelt getaucht wird. Unterstützt wird das Bühnenbild von dem grossartigen Lichtdesign von Kenneth Posner. Bei der Tourproduktion ist insgesamt eine abgespeckte Bühnenbild Version zu sehen. Zuschauer, welche das Stück noch nie gesehen haben, fallen die Anpassungen nicht auf, während „Wicked“-Kenner die äusseren Bühnenelemente, wie die ausladende detailreiche Treppe, und die Brücke vermissen. Die fehlenden Bühnenelemente werden als Treppekonstruktion oder Podest eingeschobenen. Ausgeglichen werden die fehlenden Element auch durch ein angepasstes Bühnenspiel.

Glinda (Helen Woolf) photo © Matt Crockett

Die Kostüme von Susan Hilferty sind eine Augenweide. Das Besondere ist, dass die Kostüme allesamt asymmetrischen Formen und Muster haben. Ergänzt wird das Kostümbild mit den fantasievollen Perücken von Tom Watson. Der Musikalische Leiter Dave Rose führt das 15-köpfige Orchester sicher durch die komplexe Partitur des Stücks. Hörbar fehlen im Orchester die Streicher. Die auf dem Keyboard erstellten Streicherpartien hört man heraus, was den gesamten Musikeindruck etwas schmälert.

Elphaba (Amy Ross) photo © Matt Crockett

Amy Ross agiert in ihrer Rolle als ‚Elphaba’ solide mit guter Bühnenpräsenz. Während sie ihre kraftvolle Stimme bei „Defining Grafity“ noch Potential hat, zeigt sie bei „No Good Deed“ was sie kann. Helen Woolf als ‚Glinda’ hat in London die Rolle bereits als Zweitbesetzung gespielt, gelingt die Balance zwischen Ernsthaftigkeit und Komik perfekt. Ihren wohlklingenden und klaren Sopran setzt sie bei „Thank Goodness“ gekonnt ein. Bei beiden spürt man, wie viel Freude sie gemeinsam auf der Bühne haben, was vor allem in der Schlussszene zum ersten Akt bemerkbar macht. Eine wunderbare Ergänzung zu den beiden Damen ist Aaron Sidwell der den ‚Fiyero’ gibt. Mit jugendlichem Leichtsinn interpretiert er seine Rolle bei „Dancing Through Life“ und zeigt eine gelungene Entwicklung seines Charakters.

Aaron Sidwell (Fiyero) photo © Matt Crockett

Steven Pinder der als ‚Wizard of Oz’ und ‚Doctor Dillamond’ eine Doppelrolle spielt, zeigt gesanglich eine gute Leistung. Als ‚Wizard von Oz’ lässt er in seinem Schauspiel das fiese und durchtriebene des Zauberers ein wenig vermissen und wirkt fast zu lieb. Kim Ismay punktet in ihrer Interpretation als ‚Madame Morrible’. Ihr gelingt die Steigerung von der netten und fürsorglichen Schulleiterin zur machtgierigen Pressesprecherin des Zauberers auf ganzer Linie. Emily Shaw als ‚Nessarose’ und Iddon Jones als ‚Boq’ gefallen mit ihrem Schauspiel. Mit starker Stimme interpretiert Shaw den kurzen Song „The Wicked Witch of the East“.

Insgesamt kann das Ensemble von „Wicked“ im Theater 11 durchaus überzeugen, auch wenn man hier und da kleine Abstriche machen muss. Beim Schweizer Publikum scheint die Geschichte von Elphaba, Glinda und Fiyero anzukommen. Standing Ovation in der besuchten Vorstellung.

Überzeugende Stimmen: „Evita“ auf Tour

Überzeugende Stimmen: „Evita“ auf Tour

María Eva Duarte de Perón war gerade mal 33 Jahre alt, als sie am 26. Juli 1952 ihrem Krebsleiden erlag. Bis heute ist sie für viele Argentinier eine Ikone, da sie eine der grössten Wohltäterinnen ihres Landes war. Als erste Frau nahm sie grossen Einfluss in der damaligen politischen Landschaft Argentiniens, ohne die Rolle ihres Mannes Juan Perón als Präsident zu beeinträchtigen. Die Geschichte von Eva Perón inspirierte Andrew Lloyd Webber und Tim Rice im Jahr 1974 sich dem Stoff anzunehmen. Im Juni 1978 feierte das Musical im Prince Edward Theatre in London seine Uraufführung. Vom 25.- 30. April 2017 gastiert die englischsprachige Tour im Theater 11 in Zürich und vom 11.-16. Juli 2017 im Musicaltheater Basel.

Ensemble Foto: Pamela Raith

Das Ziel der jungen Eva Duarte ist Buenos Aires, denn das kleine Dorf Junín, in dem sie lebt, ist ihr nicht gut genug. Sie träumt davon in der grossen Stadt eine berühmte Schauspielerin zu werden. Diverse Männerbekanntschaften helfen ihr dieses Ziel zu erreichen. Auf einer Benefizveranstaltung für Erdbebenopfer trifft sie auf den ehrgeizig politisch engagierten Juan Perón. Emma Hatton, zuletzt als Elphaba in „Wicked“ in London zu sehen, begeistert mit ihrer starken Bühnenpräsenz und ihrer facettenreichen Stimme. Als Erzähler bringt Che, angelehnt an den argentinischen Revolutionsführer, den Zuschauern die Geschichte von Eva Duarte aus einer kritischen Sicht näher. Gian Marco Schiaretti, unter anderem als Tarzan in Hamburg und Stuttgart zu erleben, verkörpert die Rolle mit dem nötigen Feingefühl, überzeugendem Spiel und punktet mit ausdrucksstarker Stimme. Juan Perón ist ein aufstrebender Militärkommandant, der Stück für Stück politisch an Einfluss gewinnt. Dank seiner charismatischen Frau gelingt ihm bei der Präsidentenwahl der Durchbruch. Kevin Stephen-Jones, bei der „Cats“-Tournee 2016 als Old Deuteronomy zu sehen, verleiht seiner Darstellung als Juan Perón die nötige Intensität und Glaubhaftigkeit. Dank der erzwungenen Unterstützung des Sängers Magaldi kommt Eva ihrem Weg nach Buenos Aires näher – er ist für sie das Mittel zum Zweck. Oscar Balmaseda interpretiert seine Figur Rollengerecht und mit schöner Stimmfarbe.

Emma Hatton als Evita Foto: Pamela Raith

Für Tim Rice (Texte) und Andrew Lloyd Webber (Musik) war es nach „Jesus Christ Superstar“ das zweite Stück, dass sie gemeinsam auf die Bühne gebracht haben. Gespickt mit mitreissenden und eingängigen Melodien wie den Welterfolg „Don’t Cry For Me Argentina“ oder „High Flying Adored“ feiert „Evita“ seit Jahrzehnten Erfolge. Regisseur Bob Tomson verbindet politische Themen mit der Lebensgeschichte einer aussergewöhnlichen Frau auf eine berührende und spannende Weise. Seine Personenregie ist detailliert, so dass gerade die Hauptfiguren eine eindrückliche Präsenz aufweisen. Die Choreografie von Bill Deamer ist ausgereift und fügt sich nahtlos in die Regiearbeit von Tomson ein. Das Bühnenbild von Matthew Wright stellt eine Art grosse Halle da, welche je nach Szene mühelos angepasst wird. Treppenaufgänge die miteinander verbunden werden, Säulen und diverse detailliert ausgearbeitete Requisiten ergänzen die Szenerie perfekt. Zusammen mit dem gelungenen Lichtdesign von Mark Howett und Wrights Kostümen im Stil der 30er-40er Jahre, entsteht ein stimmiger Gesamteindruck. Das Orchester unter der Leitung von Will Joy bringt die musikalisch verschieden Facetten des Stück, von Rock Pop bis zu südamerikanische Rhythmen, wunderbar zu Gehör.

Ensemble Foto: Pamela Raith

Ein geschichtliches Thema in einem Musical zu verarbeiten ist anspruchsvoll. Rice und Webber ist das mit „Evita“ wunderbar gelungen. Mit hoher Qualität und Spielfreunde zeigte das ganze Ensemble eine durchweg überzeugende Leistung. Das Publikum im Theater 11 spendete minutenlang Applaus.

Unterhaltung pur: Mary Poppins in Zürich

Unterhaltung pur: Mary Poppins in Zürich

Das von Disney und Cameron Mackintosh produzierte Musical erzählt die Geschichte des wohl beliebtesten Kindermädchens Mary Poppins, welches die Welt von Familie Banks auf den Kopf stellt. Mister Banks hat klare Vorstellungen bei der Erziehung seiner Kinder Jane und Michael.  Während Mrs. Banks ihrem Mann einmal mehr erklären muss, dass das nächste Kindermädchen reissaus genommen hat, haben die beiden Kinder eine genaue Vorstellung von ihrem zukünftigen Kindermädchen. Mister Banks besteht auf eine strenge und disziplinierte Erziehung, während die Kinder jemanden suchen mit Verständnis, zum Spielen haben und Interesse hat Zeit mit ihnen zu verbringen. Mister Banks findet die Vorstellungen seiner Kinder Unsinn, zerreisst die Stellenanzeige der beiden und entsorgt diesen Postwendend im Kamin. Kurz drauf tritt eine geheimnisvolle, junge Frau Namens Mary Poppins in das Leben der Banks.

Im Jahr 2004 feierte das Stück seine Premiere am Londoner West End und 2006 folgte die Premiere am Broadway. Anschliessende Tourstationen waren Australien, Neuseeland, USA und Grossbritannien. Die englischsprachige Tourversion macht zum ersten Mal in der Schweiz halt und ist vom 05. Februar 2017 bis 19. März 2017 im Theater 11 in Zürich zu sehen.

©Johan Persson

Basierend auf der Kinderbuchreihe von P. L. Travers sowie dem gleichnamigen Film aus dem Jahr 1964, mit Julie Andrews und Dick Van Dyke in den Hauptrollen, enthält die Bühnenversion Elemente aus den Kinderbüchern und dem Film. Das Buch schrieb Julian Fellows und die Melodien und Liedtexte stammen von Richard M. Sherman und Robert B. Sherman. Zusätzliche Liedtexte und Songs steuerten Georg Stiles und Anthony Drewe bei. Songs wie „Supercalifragilisticexpialidociuos“, „Fed The Birds“ und „Step in Time“ sind wahrhaftige Ohrwürmer. James Powell, der die Regie der Tourproduktion verantwortet, setzt die Original-Inszenierung von Richard Eyre gekonnt in Szene. Auffallend ist die klare und detailliert geführte Personenregie. Nach dem Motto darf es ein bisschen mehr sein, wirken die Charaktere in manchen Szenen recht ausladend, was aber den Unterhaltungswert des Stücks in Kombination mit den komödiantischen Elementen steigert. Die unterhaltsame und mitreissende Choreografie von Geoffrey Garratt sorgt für Begeisterung.

Das Kostüm- und Bühnenbilddesign von Bob Crowley ist mit viel Liebe zum Detail gestaltet, welches den einen oder anderen Überraschungsmoment bereithält. Die Kostüme sind passend zu den einzelnen Charakteren und verleihen diesen nie nötige Authentizität. Die Szenerien werden wunderbar durch das perfekt abgestimmte Lichtdesign von Natasha Katz ergänzt. Das 13-köpfige Orchester unter der Leitung von Steve Moss bringt die Songs schwungvoll zu Gehör, vermag aber auch bei den leisen Tönen zu überzeugen.

©Johan Persson

Eine junge, auf den ersten Blick, unscheinbare Frau soll die beiden Kindern Jane und Michael Anstand und Manieren beibringen. Dazu setzt sie auf ganz besondere Tricks, welche die Kinder am Anfang nicht so recht goutieren, erzielen aber eine nachhaltige Wirkung. Als Mary Poppins begeistert Lisa O’Hare mit ihrer klaren Stimme und ihrer ausdrucksstarken Bühnenpräsenz. Bert führt das Publikum mit Witz und Charme durch die Geschehnisse in der Cherry Tree Lane und unterstützt Mary Poppins wo immer nötig. Matt Lee verleiht seinem Bert eine liebenswürdige Art und punktet mit wohlklingender Stimme. Die akrobatische Begehung der Bühnenumrandung bei „Step in Time“, inklusive der Steppeinlage kopfüber, hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Während Mr. Banks getrieben von seinem Leistungsdruck in der Bank ist und fast nie Zeit für seine Kinder hat, möchte Mrs. Banks die Erziehung der beiden am liebsten selbst in die Hand nehmen. Neil Roberts und Kara Lane gefallen durch ihre erfrischend sympathische Darstellung als George und Winifred Banks. Jane und Michael haben es faustdick hinter den Ohren – Erziehung Fehlanzeige, bis Mary Poppins in ihr Leben tritt. Aufgrund ihrer grossen Spielfreude gelingt es Isabella Billingham und Louis Parker das Publikum rasch für sich zu gewinnen.

©Johan Persson

Wendy Ferguson und Blair Anderson haben als zeternde Haushälterin Mrs. Brill und trottliger Hausdiener Robertson Ay die Lacher des Publikums auf ihrer Seite. Ihre komödiantischen Einlagen wirken zu keiner Zeit aufgesetzt. Vorrübergehend verlässt Mary Poppins das Haus der Banks. Winifred möchte ihren Mann überraschen und treibt als Ersatz Mrs. Andrews auf – Georges ehemaliges furchteinflössendes Kindermädchen. Mit starker Stimme von Penelope Woodman gespielt. Als Bird Woman gefällt Grainne Renihan durch ihr feinfühliges Spiel und die berührende Interpretation des Songs „Feed the Birds“.

Die englischsprachige Tourproduktion von Mary Poppins ist Unterhaltung für Gross und Klein. An der besuchten Vorstellung waren strahlende Kinderaugen und Standing Ovation der Lohn des Publikums für die spürbare Spielfreude und die überzeugende Vorstellung des Ensembles.

Überzeugende Inszenierung: „Chicago“ – Tour englischsprachige Original Produktion

Überzeugende Inszenierung: „Chicago“ – Tour englischsprachige Original Produktion

Seit dem Jahr 1975 ist „Chicago“ von Bob Fosse (Buch), John Kander und Fred Ebb (Musik, Buch, Songtexte) auf den Bühnen der Welt zu sehen. Die englischsprachige Original Produktion ist vom 09.-20. November 2016 zu Gast am Theater 11 in Zürich. An Aktualität hat das Vaudeville-Musical nichts eingebüsst – Korruption, Mord, Verrat, Lüge und Habgier sind die Aspekte, die in diesem Stück vereint sind. Berühmt und in allen Gazetten Allgegenwärtig ist Velma Kelly bis Roxie Hart auftaucht und Velma den Platz im Rampenlicht streitig macht – Handlungsort ist ein Frauengefängnis im Chicago der 1920er Jahre. Während Hart ihren Liebhaber umgebracht hat, rächte sich Kelly für einen Seitensprung an ihrem Mann und ihrer Schwester.


Foto: © Catherine Ashmore
Foto: © Catherine Ashmore

Regisseur Walter Bobbie lässt Bühnenbild, Band und Story ineinander verschmelzen und zeigt „Chicago“ als perfekt inszenierte Symbiose. Hinzu kommt die energiegeladene Original-Choreographie von Bob Fosse. Das Bühnenbild ist ein Treppenförmiger Aufbau, welcher die komplette Breite der Bühne einnimmt. Die einzelnen Szenen des Stücks spielen vor und auf diesem Aufbau. Das gelungene Lichtdesign unterstützt einzelne Szenen und verleiht diesen noch mehr Wirkung. Die Kostüme sind freizügig, sexy und passend zum Stück, lassen allerdings die 1920er Jahre vermissen. Die 10-köpfige Band um Musical Director Ben Atkinson lässt wohlklingenden Jazz-Sound ertönen. Sie findet ihrem Platz auf den verschiedenen Stufen des Aufbaus und wird zeitweise in die Inszenierung integriert.

Eine überzeugende Leistung zeigt Hayley Tamaddon als Roxie Hart. Ihre dunkel legierte und klare Stimme gefällt auf ganzer Linie. Roxie steht nur einem Menschen nahe, nämlich sich selbst – um im Mittelpunkt zu stehen, greift sie auch zu unlauteren Mitteln wie eine vorgetäuschte Schwangerschaft. Als Velma Kelly punktet Sophie Carmen-Jones mit starker Bühnenpräsenz und wunderbar jazziger Stimme – ihr „All That Jazz“ beeindruckt. Dass Velma ihre Popularität wegen Roxie einbüsst, schmeckt ihr gar nicht und so verbündet sie sich wohl oder übel mit ihrer Konkurrentin. Ihre Mädchen bedeuten Matron „Mama“ Morton alles, sofern diese genügend Geld für ihre „Wünsche“ zahlen – Jessie Wallace starke und wohlklingende Stimme hinterlässt einen bleibenden Eindruck.

Foto: © Catherine Ashmore
Foto: © Catherine Ashmore

Der findige Anwalt Billy Flynn wird von John Partridge auf charismatische Weise verkörpert. Mitleid hat man mit Amos – dem treudoofen Ehemann von Roxie Hart. Neil Ditt versteht es, Amos ins entsprechende Licht zu rücken. Sein Song „Mister Cellophane“ berührt. Als sensible Klatschreporterin Mary Sunshine begeistert A D Richardson mit klassischer Stimmführung und seinem Falsett-Gesang beim Song „A Little Bit of Good“.

Das Ensemble bietet eine durchweg überzeugende Leistung während des ganzen Stücks – besonders hervorzuheben sind der „Cell Block Tango“ oder das temporeiche „We Both Reached For the Gun“. Das Publikum würdigte die sehenswerte Inszenierung mit Standing Ovation.

Es wird wieder getanzt – „Cats“ im Musicaltheater Basel

Es wird wieder getanzt – „Cats“ im Musicaltheater Basel

Im Jahr 1981 feierte „Cats“ seine Premiere am Londoner West End. Die Musik stammt aus der Feder von Andrew Lloyd Webber. Das Musical basiert auf der für Kinder geschriebenen Gedichtsammlung „Old Possum’s Book of Practical Cats“ von T.S. Eliot aus dem Jahr 1939. Das Stück zählt zu den erfolgreichsten Stücken der Musicalgeschichte und gewann sieben Tony Awards unter anderem für bestes Musical, bestes Buch, beste Musik und beste Regie.

Ensemble; Foto: Alessandro Pinna
Ensemble; Foto: Alessandro Pinna

Eine entscheidende Ergänzung bekam das Stück durch Regisseur Trevor Nunn, der Webber das Stück „Memory“ hinzufügen lies. Den Text verfasste Nunn selbst, basierend auf den 1911 erschienen „Eliots Rhapsody on a Windy Night“. Das Stück gastiert noch bis 22. Mai 2016 im Musicaltheater Basel und wird in englischer Sprache aufgeführt. 

Einmal im Jahr treffen sich die Katzen auf einer Londoner Müllkippe zum Jellicles Ball, auf welchem am Ende der älteste Kater Old Deuteronimus die Katze wählt, welche wiedergeboren wird und so ein neues Katzenleben mit der Fahrt zum „Heaviside Layer“ erhält. Nacheinander kommen die Katzen auf die Bühne und erzählen was die Jellicle Cats sind. Webber ist es mit seiner Musik gelungen aus einzelnen Gedichten ein zusammenhängendes Stück zu machen, welches mit dem Song „Memory“ von Grizabella seinen klaren Höhepunkt hat.

Musical Director Tim Davies dirigiert das Orchester mit dem nötigen Drive durch Webbers Partitur. Die Choreografien von Gillian Lynne sind einfach stark und durchweg sehenswert. Hinzu kommt das tolle Masken- und Kostüm-Design von John Napier, welches die Darsteller wie Katzen aussehen und wirken lässt.

Ensemble; Foto: Alessandro Pinna
Ensemble; Foto: Alessandro Pinna

Die Cast singt, tanzt, steppt und spielt sich durchweg überzeugend durchs Stück. So erhält Marcquelle Ward als Rum Tum Tugger einen Szenenapplaus für seinen Auftritt als rappender Kater und auch Shiv Rabheru begeistert mit seiner Darbietung als zaubernder Kater Mr. Mistoffelees. Joanna Ampil als Grizabella berührt mit ihrer Interpretation von „Memory“ und sorgt für einen Gänsehautmoment.

Diese Tour von „Cats“ ist sehenswert, weil das Stück zum einen eine leichte Modernisierung erfahren hat und es zum zweiten eine Freude ist, diese Cast auf der Bühne zu bewundern. Das Publikum in Basel spendete Standing Ovation.

„Thriller – Live“ in Basel – Phänomenale Tribute-Show

„Thriller – Live“ in Basel – Phänomenale Tribute-Show

Er ist eine Legende – Der King of Pop Michael Jackson. Am 2. Januar 2009 feierte die Tribute-Show „Thriller – Live“ im Lyric Theatre in London Premiere. Mittlerweile war die Show in über 30 Ländern zu sehen und schaffte im September 2014 den Sprung in die Top 20 der Shows mit der längsten Laufzeit am Londoner West End. Angefangen bei den frühen Erfolgen mit seinen Brüdern, den Jackson 5, während der unvergesslichen Mowtown Ära, bis hin zu seinen unvergleichlichen Erfolgen als Solo-Interpret. Unter anderem 14 Nummer 1-Hits, mehr als 100 Preise und Auszeichnungen und offiziell mehr als 100 Millionen verkauften Alben machten Jackson zweifelsohne zu einem der erfolgreichsten Künstler unserer Zeit.

Das Talent von Michael Jackson wurde früh erkannt. Bereits als zwölfjähriger stand er mit seinen Brüdern, unter der strengen Hand des Vaters, auf der Bühne und stach durch seine aussergewöhnliche Stimme und sein Talent hervor.

ID7_0842

Mit dem Hitmedley aus den Songs „History“, „Don’t Stop / Billie Jean Remix“, „Who’s Loving You“ und „I’ll be There“ gelingt ein fantastischer Einstieg in die Show. Die Stimmen der Solo-Interpreten sind kraftvoll und ausdrucksstark. Hervorragend wie die Band die unterschiedlich geprägten Songs aus Funk, Soul, Pop und Rock spielt. Ein absolut gelungenes Lichtdesign und die abwechslungsreiche, ausdrucksstarke und auf das Stück abgestimmte Choreographie (Gary Lloyd) begeistert von der ersten Minute an und das ändert sich auch während der ganzen Show nicht.

Im Jahr 1968 erhielten die Jackson 5 von Berry Gordan den lang ersehnten Plattenvertrag bei Mowtown. Ihnen gelangen vier Nummer 1-Hits hintereinander. Mit „I Want You Back“ und „ABC“ sind zwei dieser Erfolge in der Show zu hören. Ergänzt noch mit dem Song „Rockin‘ Robin“. Hervorzuheben ist der junge Sänger, der den 12-jährigen Michael verkörperte – Bühnenpräsenz, Ausdruck und Darbietung sind rundherum auf ganzer Linie gelungen. Der Szenenapplaus war absolut gerechtfertigt.

Es folgt Song auf Song zusätzlich untermalt durch Zwischensequenzen mit Erzählungen über Jacksons Karriere. Adrian Grant (Original Concept & Executive Director“ und Kerys Nathan (Original-Regisseur) ist eine Show gelungen, bei der jede einzelne Komponente ineinander greift, die Übergänge sind flüssig und am Ende hat man einen guten Überblick über die beispiellose Karriere des King of Pop. Die Nummer 1-Hits „Billie Jean“, „Thriller“, „Bad“ und „Black or White“ fehlen im Repertoire der Show genauso wenig wie die anfänglichen Erfolge zu Beginn seiner Karriere.

Das Publikum ist begeistert und ab dem Song „They Don’t Care About Us“ hält es dieses nicht mehr auf ihren Plätzen. Eine absolut gelungene Show über einen unvergesslichen Künstler.

Fotos „Thriller – Live“ aus Basel

„The Lion King“ – Die Savanne Afrikas in Basel

„The Lion King“ – Die Savanne Afrikas in Basel

Vogelgezwitscher, Zirpen von Grillen und rhythmische Trommelschläge versetzten die Theaterbesucher in die Savanne Afrikas. Mit einem eindringlichen „Nants‘ Ingonyma“ verkündet der Mandrill Rafiki, eine Geistheiler- und Schamanengestalt aus Südafrika, die Geburt von Simba, Sohn des Löwenkönigs Mufasa und Königin Sarabis. Ein wahrlich magischer Moment, als sich die Tiere der Pridelands versammeln und ihren zukünftigen Herrscher willkommen heissen.

Neidvoll reagiert Scar, Mufasas Bruder, auf die Geburt des jungen Löwen, denn dieser begehrt den Königsthron selbst. Mit Hilfe von seinem üblen Gefolge, den Hyänen, lockt er Mufasa in einen Hinterhalt und tötet diesen. Scar gibt Simba die Schuld am Tod des Vaters und jagt den jungen Löwen fort. Er krönt sich selbst zum König. Simba hadert mit seinen Schuldgefühlen und trifft im Dschungel auf Erdmännchen Timon und Warzenschwein Pumbaa. Diese bringen ihm die entspannte Art des Lebens näher und werden seine Freunde. Jahre später rettet er Timon und Pumbaa vor einer jagenden Löwin und erkennt nach kurzem Kampf Nala, seine Sandkasten-Freundin, die vor Scar geflohen ist. Die beiden verlieben sich. Mit Hilfe von Rafiki entschliesst sich Simba in seine Heimat zurück zu kehren und gegen Scar zu kämpfen.

Melina M’Poy als Nala, Hope Maine als Simba
Melina M’Poy als Nala, Hope Maine als Simba

„The Lion King“ basiert auf dem gleichnamigen Disney Animationsfilm aus dem Jahr 1994 und feierte 1997 seine Broadway-Premiere im New Amsterdam Theater. 1999 folgte die Premiere am Londoner West End und 2001 die deutschsprachige Uraufführung in Hamburg. Seit dem 15. März 2015 ist das Musical noch bis Mitte August in der englischsprachigen Originalversion am Musicaltheater Basel zu erleben.

Regisseurin Julie Taymor, die sich auch für Kostümbild und Co-Design der Puppen und Masken verantwortlich zeigt, hat ein Stück voller Phantasie und magischen Momenten kreiert, auch wenn die Handlung (Buch: Irene Mecchini und Roger Aller) vorhersehbar ist und vor allem im ersten Akt unnötige Längen aufweist. Die Masken und Puppen (Michael Curry und Michael Ward) sind eine Augenweide und haben dank ihrer Originalität ihre ganz eigene Wirkung, gerade auch deshalb, weil sie von den Darstellern geschmeidig, elegant und authentisch dargestellt werden. Die Kostüme entsprechen dem Handlungsort des Stücks und enthalten afrikanische Elemente wie Schnitte, Batiken, Stile und Farbenpracht.

Ntsepa Pitjeng als Rafiki
Ntsepa Pitjeng als Rafiki

Das Bühnenbild von Richard Hudson ist einfach, ergänzt sich jedoch perfekt mit den warmen Farben und passenden Lichteffekten von Donald Holder. Die eindringlichen Popmelodien gepaart mit Afrikanischen Chorgesängen stammen aus der Feder von Elton John, Hans Zimmer und Lebo M (Musik & Vokalarrangement) sowie Tim Rice (Liedtexte). Songs wie „Circle of Life“, „Hakuna Matata“, „Can You Feel the Love Tonight“ sind bekannte Klassiker. Die gelungene und mitreissende Choreographie von Garth Fagan enthält eine Mischung aus Afrikanischem Tanz, HipHop und Ballett und fügt sich wunderbar in das Stück ein.

Ntsepa Pitjeng verkörpert Rafiki mit der nötigen Ernsthaftigkeit, einer gut dosierten Portion Humor und starker Stimme. Die Entwicklung vom übermütigen Löwenjungen, zweifelnd an sich selbst, zum zukünftigen Herrscher der Pridelands gelingt Hope Maine als Simba, mit warmer wohlklingender Tenorstimme, überzeugend. Melina M’Poy gibt Nala, Simbas Sandkasten-Freundin und spätere Königin, eindringlich und punktet durch ihre klangschöne Stimmfarbe. Fürsorglicher Vater und König zugleich ist eine Herausforderung – diesen Spagat meistert Cleveland Cathnott mit seiner Art der Darstellung als Mufasa spielerisch. Zazu, ein Hornvogel, ist königlicher Haushofmeister, Berater und Kindermädchen in Personalunion. Die Kombination von Schauspiel und Puppenspiel gelingt Meilyr Sion so authentisch, dass man Zazu mehr als Vogel wie als Mensch wahrnimmt. Die jungen Darsteller Raphael Higgins-Humes (junger Simba) und Tori Ryan (junge Nala) begeisterten in ihrer Interpretation mit Souveränität. Scar ist jedes Mittel recht, auch der Mord am eigenen Bruder, um König der Pridelands zu werden. Als Scar besticht Christopher Colquhoun durch seine starke Bühnenpräsenz und Mimik. Die Anführer der Hyänen Shenzi, Banzai und Ed werden von Tarisha Rommick, Daniel Norford und Philip Oakland gespielt.

Das insgesamt sehr spielfreudige Ensemble erweckt die Pridelands eindrücklich zum Leben und entführt den Theaterbesucher in ein lebendiges Afrika. Das Publikum quittiert dies mit Szenenapplaus, Jubelrufen und minutenlangen Standing Ovation am Premierenabend.

Fotogalerie:
Fotogalerie zu “The Lion King“ in Basel

Animationsfilm goes Musical – Gute Unterhaltung bei Shrek

Animationsfilm goes Musical – Gute Unterhaltung bei Shrek

Man stelle sich vor Rotkäppchen, der böse Wolf, Frau Holle, Pinocchio, Max & Moritz und viele andere bekannte Märchenfiguren sind unausstehliche Freaks. Undenkbar? Doch! Denn als solche sieht sie der exzentrische Herrscher von Duloc Lord Farquaad und verbannt alle Fabelwesen in einen Sumpf. Der von Menschen gefürchtete Shrek, ein grosser und grüner Oger, lebt in diesem Sumpf – seinem Sumpf und hat so gar keine Lust auf diese lebendigen und schnatterhaften Besucher. Nur wie kann er diese wieder los werden? Shrek macht sich auf den Weg zu Lord Farquaad. Der Deal lautet: Befreit Shrek Prinzessin Fiona aus dem Turm, der von einem grossen bösen Drachen bewacht wird, und bringt sie zu Farquaad, der Fiona heiraten möchte um König zu werden, bekommt er seinen Sumpf zurück. An seine Seite gesellt sicher der ohne Punkt und Komma quasselnde Esel.

Bettina Mönch als Prinzessin Fiona
Bettina Mönch als Prinzessin Fiona

William Steig, ein Kinderbuchautor und Cartoonist, ist der Erfinder von „Shrek“. 2001 bringt DreamWorks den Animationsfilm „Shrek – ein tollkühner Held“ auf die Kinoleinwand. 2002 gewinnt der Film einen Oscar als bester animierter Spielfilm. Bereits im Jahr 2008 hob sich der Vorhang für die Musicalfassung am Broadway. 2011 folgte die Premiere am Londoner West End. Die deutschsprachige Premiere fand 2014 in Düsseldorf statt. Zurzeit tourt das Stück durch Deutschland, Österreich und die Schweiz und macht vom 19. Februar bis 01. März nun Halt im Theater 11 in Zürich.

Bestimmt wird das Bühnenbild (Sam Madwar) von einer riesigen Leinwand, auf der die einzelnen Szenen mittels Projektion dargestellt werden. Besonders gelungen ist die Sumpflandschaft, in der Shrek zu Hause ist, und die Kathedrale für die Eheschliessung von Farquaad und Fiona, inklusive Sonnenuntergang. Mit etwas mehr Liebe zum Detail hätte man bei den Bäumen arbeiten können, die je nach Handlungsort von den Seitenbühnen rein gefahren werden. Insgesamt aber gefällt das Bühnenbild für eine Tourproduktion ausserordentlich gut. Die Kostüme von Mario Reichlin gefallen auf ganzer Linie. Farbenfroh sind vor allem die Märchenfiguren, aber auch die „bösartige“ Drachendame (wird von vier Darstellern gespielt) setzt grossartige Akzente.

Die Handschrift von Andreas Gergen (Regie) zeichnet sich deutlich. Sei es die publikumsbezogende Darstellung oder aber die präzise Ausgestaltung der einzelnen Charaktere. Die Szene „Heut‘ ist der Tag“, in der die kleine Fiona, die Teenie Fiona und die Erwachsene Fiona ihr Leben nacherzählen, gelingt eindrucksvoll. Ein Highlight ist hier die rosa Socke, die Fionas strahlenden Helden darstellt, der kommt um sie aus dem Turm zu retten. Auch regionale Anpassungen werden eingebaut – so flucht Pinocchio zum Beispiel auf Schweizerdeutsch. Was Choreografin Kim Duddy auf die Bühne gezaubert hat, gefällt auf ganzer Linie. Die Tanzeinlagen sind durchdacht, mitreissend und schwungvoll. Hervorzuheben ist hier die Stepptanzeinlage der Ratten, mit passenden Kostümen, zur Melodie des Rattenfängers.

Andreas Lichtenberger als Shrek und Andreas Wolfram als Esel
Andreas Lichtenberger als Shrek und Andreas Wolfram als Esel

Die Band, rund um die Musikalische Leitung von Heribert Feckler, bringt die abwechslungsreichen Melodien von Jeanine Tesori schwungvoll zu Gehör. Übersetzungen aus dem Englischen ins Deutsche ist immer eine knifflige Angelegenheit. Heiko Wohlgemuth und Kevin Schroeder ist es gelungen, den Wortwitz der Songtexte und Dialoge grösstenteils zu erhalten, da verzeiht man auch eins zwei unglückliche Ausrutscher.

Mit Andreas Lichtenberger als Shrek ist dem Castingteam ein Volltreffer gelungen. Als muffelmotziger aber irgendwie doch auch liebenswerter Oger, zeigt er eine überzeugende Leistung. Als bestimmende, manchmal etwas zickige Prinzessin Fiona begeistert Bettina Mönch mit ihrer wohlklingenden Stimme und punktet ihrem komödiantischen Talent. Einen überaus liebenswerten und nervtöteten Esel gibt Andreas Wolfram, der im Zusammenspiel mit Mönch und Lichtenberger gefällt. In der DreamWorks Verfilmung ist der Esel noch um einiges nerviger als hier gesehen. Schön wäre es gewesen, wenn dies noch etwas mehr in der Darstellung des Charakters eingeflossen wäre.

Der exzentrische Lord Farquaad wird von Paul Kribbe gespielt. Die körperlich anspruchsvolle Rolle, Kribbe bewegt sich das ganze Stück auf Knien, füllt er mit der nötigen Arroganz des Charakters aus und macht auch gesanglich eine gute Figur. In Erinnerung bleibt hier die rasante Einlage von „Hier in Duloc“. Stephan Luethy hat in seiner Darstellung als Pinocchio, immerhin Rädelsführer der Märchenfiguren, noch Luft nach oben und bleibt etwas zu blass.

Das gesamte Ensemble agiert ob als Märchenfiguren, als Einwohner oder Wachen von Duloc schwungvoll und harmonisch auf der Bühne. Im Gesamteindruck kann man „Shrek“ assistieren, dass das Stück pure Unterhaltung mit vielen lustigen Momenten und ein paar Anspielungen auf bekannte Musicals, Filme oder Melodien bietet. Langeweile? Klare Fehlanzeige, denn diese gibt es nicht! Das Publikum in Zürich quittierte dies mit minutenlangem Applaus, strahlende Kinderaugen inklusive.

Fotogalerie:
Fotogalerie zu “Shrek – Das Musical“ in Zürich”

Gelungene Bühnenversion von „Dirty Dancing“ auf Tournee

Gelungene Bühnenversion von „Dirty Dancing“ auf Tournee

„Es war im Sommer ’63, alle nannten mich Baby“, beginnt einer der wohl bekanntesten Streifen der Filmgeschichte. Auch heute noch zieht die Geschichte von Frances „Baby“ Houseman und Johnny Castle die Menschen in ihren Bann. Virtuose Tanzszenen gepaart mit Songs, die ins Ohr gehen. Eine Low-Budget-Filmproduktion landete einen unvergessenen Überraschungserfolg. Als Johnny Castle gelang Patrick Swazy der Durchbruch im Filmgeschäft. Im Jahr 2004 feierte „Dirty Dancing“ als Bühnenversion seine Weltpremiere in Sydney, die Europapremiere folgte 2006 in Hamburg. Aktuell ist die Show auf großer Tournee.

„Dirty Dancing“ auf Tour

Frances „Baby“ Houseman macht mit Familie Ferien in einer typischen Ferienanlage im Amerika Anfang der 1960er Jahre. Pure Langeweile! Durch Zufall gelangt die schüchterne junge Frau auf die Party der Angestellten und sieht dort zum ersten Mal die Tänzer richtig tanzen und trifft auf den gut aussehenden Tanzlehrer Johnny Castle. Durch ihn entdeckt sie ihre Leidenschaft fürs Tanzen und erlebt die erste große Liebe. Was folgt, ist ein Hin und Her von Gefühlen, Prinzipien und Konflikten, die erst am Tag des großen Abschlussballs aufgelöst werden – Baby und Johnny verzaubern mit ihrem Abschlusstanz die Gäste und Babys Familie.

Eleanor Bergstein hat das Buch zum Film geschrieben und ist ebenfalls für die Bühnenfassung verantwortlich. Allerdings ist die Bühnenversion so nah an der Filmfassung, dass einzelne Dialoge, vor allem im ersten Akt, absolut identisch sind. Die eine oder andere zusätzlich eingestreute Geschichte hebt das Stück etwas vom Film ab, jedoch nicht wesentlich. Alex Balga zeichnet als Regisseur für die Neuinszenierung verantwortlich und sorgt für ein bisschen mehr Pep im Stück, hat jedoch kaum Spielraum für entscheidende neue Elemente.

Das Bühnenbild von Stephen Brimson Lewis, Tim Mitchell und Jon Driscoll zeigt die gleiche Szenerie wie im Film. Durch Videoprojektionen werden einzelne Szenen unterstützt. Die berühmte Szene im Wasser, als Baby und Johnny ihre Hebefigur üben, bekommt sogar Szenenapplaus – allerdings wäre es sinnvoll, wenn sich die Wasseroberfläche nach dem Sturz ins Wasser zumindest bewegen würde. Insgesamt hätte dem Stück etwas weniger Kitsch gut getan, denn vor allem bei der Lichtgestaltung ist es manchmal des Guten zu viel. Die Band ist ins Bühnenbild integriert und die Songs werden live mit dem nötigen Schwung zu Gehör gebracht, so dass man gerne mit dem Rhythmus mitgeht. Lieder wie „The Time of my Life“, „Hungry Eyes“ und „She’s like the Wind“ wurden zu Welterfolgen und klingen auch in der Bühnenfassung richtig gut.

Als der Film im Jahr 1987 in die Kinos kam, sorgte die Liebesgeschichte in Verbindung von leichter Anrüchigkeit, gepaart mit sentimentaler Moral und phänomenalen Tanzszenen für Furore. Und genau diese Tanzszenen (Choreografie: Kate Champion und Craig Wilson) sind es, die der Bühnenversion das nötige Salz in der Suppe verleihen. Mate Gyenei glänzt als Johnny Castle mit seinen fantastischen Tanzeinlagen und seinem Charisma. Marie-Luisa Kaster steht ihm als Penny in nichts nach. Anna-Louise Weihrauch gelingt die Wandlung vom unsicheren Mauerblümchen zur selbstsicheren eleganten jungen Frau und Tänzerin glaubhaft.

Tanja Kleine und Martin Sommerlatte geben die Eltern von Baby und Lisa. Beide spielen ihre Parts rollendeckend und mit dem nötigen Einfühlungsvermögen. Natalya Bogdanis spielt Lisa, die Schwester von Baby, mit Witz, welcher beim Abschlussball mit dem Hula-Song seinen Höhepunkt hat. Neil Kellerman ist der vorwitzige und Nerv tötende Enkel des Ferienresort-Besitzers. Benjamin A. Merkl zeigt eine hervorragende Leistung, die für einige Lacher im Publikum sorgt, während Lucas Baier als Aushilfskellner Robby, der Penny schwängert und dann fallen lässt wie eine heiße Kartoffel, nicht ganz so überzeugend agiert.

„Dirty Dancing“ wird immer wieder als Musical bezeichnet, ist aber eigentlich ein mit Musik unterlegtes Sprechtheaterstück mit Tanzeinlagen. Ein gesanglicher Teil ist deshalb nicht sehr stark ausgeprägt. Allerdings glänzt Leadsängerin Tertia Botha mit ihrer warmen und voluminösen Stimme, ebenso wie Dennis Legree (Tito) mit seinem souligen Timbre fasziniert. Als Ferienanimateur Billy, der Baby auf eine Party der Angestellten schmuggelt, gefällt Dennis Dobrowolski mit glaubhafter Darstellung. Mit wohlklingender Stimme interpretiert er „In the still of the Night“ und „Time of my Life“, fällt aber gegen Botha und Legree ab.

Ein stark agierendes Ensemble wirbelt über die Bühne und zeigt eine durchweg überzeugende Leistung. Wer die Filmversion von „Dirty Dancing“ mag und bereit ist, sich auf die Bühnenversion einzulassen, kann einen durchaus sehr unterhaltsamen Abend erleben.

Fotogalerie:
Fotogalerie zu „Dirty Dancing“

Elisabeth in Basel – Ein Musical mit Klasse!

Elisabeth in Basel – Ein Musical mit Klasse!

Wer kennt sie nicht – die Sissi Filme mit Romy Schneider und Karlheinz Böhm, die alle Jahre wieder zur Weihnachtszeit im Fernsehen zu sehen sind (…und ja, ich schau sie auch meistens an…). Wer genau diesen Kitsch auf der Musicalbühne bei Elisabeth erwartet, dem sei gesagt, dass bei der Musical-Adaption nur ein minimaler Hauch davon zu spüren ist.
Seine Uraufführung erlebte Elisabeth – das Musical im Jahr 1992 im Theater an der Wien in Wien. Das Dramamusical aus der Feder von Michael Kunze (Libretto) und Sylvester Levay (Musik) erzählt die Lebensgeschichte der Kaiserin von Elisabeth.

1. Akt
Im Reich der Toten muss sich Luigi Lucheni (Kurosch Abbasi), Elisabeths Mörder, für seine Tat vor einem unsichtbaren Richter rechtfertigen und gibt den Tod als Komplizen an. Dieser hat Lucheni aus Liebe zum Mord an Elisabeth angestiftet. Um seine Unschuld zu beweisen, lässt Lucheni die Geschichte noch einmal lebendig werden.
Die Verwandtenbesuche ihrer Mutter Ludovika (Elissa Huber) sind für die junge Elisabeth ein Gräuel. Bei Klettern auf einem Maibaum stürzt Elisabeth und begegnet zum ersten Mal dem Tod (Mark Seibert). Für beide eine unheimlich faszinierende Begegnung. In Bad Ischel soll Franz Josef (Mathias Edenborn), Kaiser von Österreich, eigentlich Elisabeths ältere Schwester Helene heiraten. So zumindest der Plan der beiden Mütter. Dieser verliebt sich aber in Elisabeth und bittet sie ihn zu heiraten, sehr zum Missfallen seiner Mutter Erzherzogin Sophie (Betty Vermeulen/Linda Konrad). Den höfischen Zwengen unterworfen wird das Leben für Elisabeth zur Qual. Sie vermisst ihre Freiheit und setzt sich zur Wehr. Während einer Reise in Ungarn stirbt die erste Tochter Sophie. Elisabeth begegnet erneut dem Tod, als dieser das Mädchen zu sich holt. Als endlich der langersehnte Thronfolger Rudolf geboren wird, nimmt Erzherzogin Sophie sich auch seiner Erziehung an. Elisabeth setzt ihre Schönheit ein und setzt Franz-Josef ein Ultimatum. Entweder darf sie ab sofort Rudolfs Erziehung übernehmen oder sie wird ihn verlassen. Franz Josef geht auf das Ultimatum ein.

2. Akt
Dank der Bemühung von Elisabeth wird mit Ungarn eine Einigung erzielt. Franz Josef und sie werden zum König und zur Königin von Ungarn gekrönt. Lucheni verkauft dem Publikum „Kitsch“ über das neue Königspaar. Elisabeth ist sich ihrem Triumph bewusst und begegnet erneut dem Tod. Dieser erinnert sie daran, dass sie immer noch eine Gefangene des Österreichischen Kaiserhofes ist und nur er ihr helfen kann, sich daraus zu befreien.
Rudolf, der sich von seiner Mutter im Stich gelassen fühlt, begegnet dem Tod und findet in ihm einen Zuhörer. Erzherzogin versucht mit allen Mitteln die Beziehung zwischen ihrem Sohn und Elisabeth zu sabotieren. Auf ihre Anweisung hin begibt sich Graf Grünne in Madam Wolfs Salon um eine Prostituierte auszuwählen. Nichts ahnend sucht er ausgerechnet jene aus, die an der Französischen Krankheit (Syphilis) leidet. Als Elisabeth ebenfalls krank wird, begegnet ihr der Tod als Doktor und teilt ihr mit, dass sie sich angesteckt hat, weil Franz Josef ihr Untreu war. Jedoch wendet sich Elisabeth nicht dem Tod zu sondern sieht so die Möglichkeit sich von ihrem Mann zu befreien.
Elisabeth ist fortan ständig auf Reisen. Rudolf wächst währenddessen zum jungen Mann heran, der jedoch an seinem Vater verzweifelt. Wie seine Mutter setzt auch er sich für die Belange Ungarns ein. Unglücklich verheiratet und von seinem Vater nicht verstanden, versucht er im Geheimen gegen seinen Vater zu intrigieren und wird bei einem dieser Treffen erwischt. Sein Vater tobt. Rudolf bittet seine Mutter sich für ihn beim Vater einzusetzen, doch diese lehnt ab. Elisabeth begibt sich auch für ihren Sohn nicht mehr zurück in die Zwänge des Hofes. Rudolf begegnet seinem Freund, dem Tod, aus Kindertagen und sieht nur noch einen Ausweg. Er nimmt sich das Leben.
Von Schuldgefühlen geplagt erkennt Elisabeth, dass sie mit ihrem Drang nach Freiheit zu weit gegangen ist. Zu Franz Josef hat sie keinerlei Bindung mehr und mit ihrem Leben hat sie abgeschlossen. Der Tod überreicht Lucheni die Mordwaffe mit der er Elisabeth ermorden soll. Franz Josef sucht seine Frau ein letztes Mal auf, findet jedoch keinen Zugang zu ihr. Nach der Ermordung von Elisabeth gibt der Tod ihr den Todeskuss und nimmt sie mit in sein Reich. Elisabeth gehört ihm – endlich hat er erreicht was er wollte. Lucheni begeht nach seiner Verhaftung Selbstmord.

Das Bühnenbild von Hans Schavernoch ist beeindruckend. Besonders gut sind die Szenenwechsel gelöst, die durch Tore im hinteren Bereich immer wieder neu eingeleitet werden. Zusammen mit dem Lichtdesign von Hans Toelstede und den Videoprojektionen von Thomas Reimer ergibt sich ein perfektes Zusammenspiel.
Die Choreographie von Dennis Callahan ist gelungen und Regisseur Harry Kupfer versteht es die Szenen flüssig ineinander übergreifend zu verbinden. Einzig mit der Reiter-Szene, als Erzherzogin Sophie ihre Getreuen zur Sabotage der Beziehung zwischen Elisabeth und Franz-Josef anstiftet, kann ich mich nicht richtig anfreunden. Für mich spiegelt diese nicht ganz die Ernsthaftigkeit der Situation wieder.
Die Texte von Michael Kunze und die Musik von Sylvester Levay sind unvergesslich und der Erfolg des Stücks ist ungebrochen. Aber was wären Texte und Musik ohne eine Cast die es versteht dem ganzen Leben einzuhauchen und eine Geschichte auf der Bühne zu erzählen.
Annemieke van Dam gibt eine Elisabeth auf höchstem Niveau und steht ihren grossen Vorgängerinnen in nichts nach. Mark Seibert gehört zu den Besten seiner Zunft und stellt dies als Tod erneut unter Beweis. Die Stimmen von beiden bleiben im Gedächtnis, die Töne sitzen und ihr starkes Schauspiel lässt die Rollen leben. Beide bieten puren Musicalgenuss und ernten zu Recht langen Applaus.

Kurosch Abbasi (Absolvent der Bayrischen Theaterakademie August Everding München 2011) zeigt eine starke Schauspielleistung. Gepaart mit guter Stimme spielt er einen Lucheni der Extraklasse. Als Kaiser Franz Josef ist Mathias Edenborn zu sehen. Auch er gefällt in der Rolle und spielt einen Kaiser, bei dem man spürt wie dieser unter der Situation mit seiner Mutter und Elisabeth leidet.

Leiden das tut auch Kronprinz Rudolf – von seiner Mutter als ‚Marionette‘ gegen Erherzogin Sophie missbraucht, später unverstanden und das Verhältnis zu seinem Vater ist auch nicht das Beste. Oliver Arno füllt diese Rolle hervorragend aus. Ganz stark sind auch die beiden Jungen Loris Sikora und Linus Barroffio, die den jungen Kronprinzen Rudolf darstellen.

Sowohl Betty Vermeulen als auch Linda Konrad spielen eine Mutter und Schwiegermutter, die man keinem Wünschen möchte. In weiteren Rollen sind Elissa Huber (Herzogin Ludovika/Frau Wolf) und Dennis Kozeluh (Herzog Max) zu sehen. Das gesamte Ensemble spielt mit sehr viel Energie, starker Bühnenpräsenz und schafft es, dass Publikum im Musicaltheater Basel mit auf eine Reise zu nehmen.