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Schlagwort: Theater St. Gallen

Unterhaltsam und musikalisch auf hohem Niveau: „On the Town“ im Theater St. Gallen

Unterhaltsam und musikalisch auf hohem Niveau: „On the Town“ im Theater St. Gallen

Jazz, Swing und eine Prise Sexappeal sind zu Gast im Theater St. Gallen. Es ist das Jahr 1944 und es ist Krieg. Für die drei Matrosen Gabey, Ozzie und Chip ist die Tatsache dieser Abscheulichkeit für die nächsten 24h vergessen, denn sie haben in New York Landgang. Als Gabey in der U-Bahn das Bild der Miss U-Bahn des Monats, Ivy Smith, sieht und die junge Dame finden will, lassen seine Kumpels ihn nicht im Stich, obwohl der Aufenthalt so nicht geplant war. Sie vereinbaren Uhrzeit und Treffpunkt und machen sich getrennt auf die Suche.

Ozzie landet im Naturkundemuseum statt im Museum of Modern Art und trifft dort auf die Anthropologin Claire de Loone. Chip wird von auf dem Weg zur U-Bahn-Verwaltung von der Taxifahrerin Hildy Estherhazy aufgelesen, die ihr ganz eigenes Ziel verfolgt und so gar nichts von den Plänen von Chip wissen möchte. Gabey macht sich auf den Weg in die Carnegie Hall, in welcher Ivy in einem Studio angeblich Gesangsunterricht nimmt. Gabey hat Glück und trifft tatsächlich auf Ivy. Die beiden verabreden sich am Treffpunkt, sehr zum Unwillen von Ivys Gesangslehrerin Madame Dilly. Als Ivy nicht am vereinbarten Treffpunkt auftaucht, organisiert Hildy kurzerhand ihre Mitbewohnerin Lucy. Zu sechst ziehen sie durch die New Yorker Clubs. Claires Verlobter Pitkin begleicht im Nachhinein die Rechnungen der munteren Truppe und fühlt sich zunehmend ausgenutzt. Gabey lässt der Gedanke an Ivy nicht los und so bringt er über ihre Gesangslehrerin Madame Dilly, die Ivy aufgrund ihrer Schulden zur Arbeit geschickt hat, in Erfahrung, wo Ivy arbeitet. Als ihnen auf Coney Island die Verhaftung droht, kann Pitkin die Situation erneut retten. Die drei Männer müssen wieder auf ihr Schiff und verabschieden sich von ihren Bekanntschaften. Ein neuer Tag bricht in New York an und neue Matrosen geniessen für 24h die Stadt, die niemals schläft.

Mönch, Alt, Prohaska, Hauser, Pfeifer / Foto: Andreas J. Etter

Das Stück feierte im Dezember 1944 im Adelphi Theatre New York seine Uraufführung. Im Hintergrund des zweiten Weltkriegs, sollte die Komödie von Leonard Bernstein, Betty Comden (Buch) und Adolph Green (Buch), in Verbindung mit den zu dieser Zeit diskutierten Themen der modernen Frau und des aufkommenden Sexappeals, Unterhaltung bieten. Das Stück feierte am 09. Dezember 2017 am Theater St. Gallen Premiere und wird in englischer Sprache mit deutschen Dialogen aufgeführt. „On the Town“ ist das erste Musical von Leonard Bernstein und vereint Jazz, Swing und symphonische Klänge auf mitreissende Art. Das Sinfonieorchester des Theater St. Gallen unter der Leitung von Michael Brandstätter spielt Bernsteins Melodien begeisternd auf den Punkt.

Jörn-Felix Alt, Daniel Prohaska, Boris Pfeifer / Foto: Andreas J. Etter

Josef E. Köpplinger inszeniert die Geschichte der drei Matrosen auf lebendige Weise und verbindet nachdenkliche, witzige und slapstickartige Momente gekonnt. Die gut durchdachte Choreografie von Adam Cooper ergänzt sich wunderbar mit der Inszenierung und lässt die Tanzkompanie des Theaters auf ganzer Linie glänzen. Im einfachen aber ausgeklügelten Bühnenbild von Rainer Sinell erheben sich seitlich die Wolkenkratzer von New York. Diese seitlichen Bühnenelemente werden mit einer grossen Videoleinwand in der Mitte ergänzt. Durch die präzisen Videoprojektionen, in welchen unter anderem das New Yorker Stadtbild als auch Ausschnitte des Kriegsgeschehen zu sehen sind, und den passend eingesetzten Requisiten, ist das Bühnenbild wie geschaffen für die wechselnden Szenen. Die Kostüme von Alfred Mayerhofer sind durchweg gelungen und spiegeln den Stil der 1950er Jahre wieder.

Ensemble / Foto: Andreas J. Etter

Die drei Matrosen Gabey, Chip und Ozzie werden von Daniel Prohaska, Boris Pfeiffer und Jörn-Felix Alt dargestellt. Herrlich wie die drei Herren die abenteuerliche und unterhaltsame Reise der drei Matrosen in New Yorks Strassen auf die Bühne bringen, ohne überspitzt zu agieren. Stimmlich ergänzen sich die Herren mit ihren wohlklingenden Stimmen. Mit dem nötigen Sexappeal, enormer Spielfreude und durch ihre individuellen klangschönen Stimmfarben stehen die drei Damen Julia Klotz, Sigrid Hauser und Bettina Mönch als Ivy Smith, Hildy Esterhazy und Claire de Loone den Herren in nichts. Als Pitkin W. Bridgework und Gesangslehrerin Madame Dilly gefallen Alexander Franzen und Dagmar Hellberg auf ganzer Linie.

Das Ensemble, die Tanzkompanie und das Sinfonieorchester des Theater St. überzeugen und begeistert auf ganzer Linie. Das Publikum zeigte sich in der besuchten Vorstellung begeistert und spendete mit langanhaltendem Applaus Anerkennung.

Gelungene Neuinszenierung: Tanz der Vampire in St. Gallen

Gelungene Neuinszenierung: Tanz der Vampire in St. Gallen

Als Roman Polanskis „Tanz der Vampire“ im Jahr 1997 Uraufführung am Raimundtheater Wien feierte, hat wohl niemand geahnt, dass dieses Musical seine Besucher gleichermassen fasziniert und spaltet. Seitdem wurde das Musical bereits in vielen europäischen Ländern sowie in Japan und Amerika aufgeführt. Das Theater St. Gallen wagte sich nun an eine Neuinszenierung und verleiht dem Stück einen modernen Touch.

Alfred ist der ängstliche Student von Professor Abronsius. Gemeinsam befinden sie sich auf Forschungsreise im winterlichen Transsilvanien, bei welcher Abronsius seine Theorien über Vampire beweisen will. Völlig festgefroren findet Alfred den Professor und trägt ihn zum einem nahegelegen Sanatorium. Hier stossen die beiden auf einen ersten Hinweis auf Vampire – Knoblauch.

Basierend auf dem gleichnamigen Film von Polanski stammt das Buch des Musicals aus der Feder von Michael Kunze und die Musik von Jim Steinman. Bei der Musik bedient sich Steinman einiger seiner Songs. Der bekannteste ist hier „Total Eclipse of the Heart“, 1983 von Bonnie Tyler interpretiert, welcher im Stück „Totale Finsternis“ heisst. Der Musikalische Leiter Robert Paul dirigiert die Tanz der Vampire Band schwungvoll durch Steinmans eingängige rockig poppige Melodien (Orchestrierung: Michael Reed), die ausgezeichnet zu dem Stück passen.

Ensemble Foto: Andreas J. Etter

Ulrich Wiggers Inszenierung haucht dem Stück neues Leben ein. Ihm ist es gelungen die Handlung in das heute zu transferieren, ohne das gestern zu vergessen. Während Texte und Musik geblieben sind, weilen die Vampire nicht mehr nur unter sich, sondern befinden sich mitten unter den Menschen – Tageslicht stellt für sie kein Problem mehr da. Wiggers versteht es auf wunderbare Weise Spannung, Kitsch und Grusel zu einer romantisch schaurigen Komödie zu vermischen. Das dies so reibungslos gelingt ist auch der temporeichen Choreographie von Jonathan Huor und des bemerkenswert agierenden Tanzensembles zu verdanken.

Hans Kudlich hat eine Bühne geschaffen, die vielschichtig bespielt werden kann. Im Sanatorium befinden sich das Gästezimmer des Professors, das Badezimmer und Sarahs Zimmer in einem rechteckigen hochfahrenden Kasten. Zwischen zwei in die Tiefe führende Treppen kann zwischen den Räumlichkeiten gewechselt werden. Seitlich der Bühne werden die beiden hohen Plattformen als Nebenschauplatz ebenfalls sinnvoll ins Geschehen mit einbezogen. Ins rechte Licht werden Bühne, Szenen sowie Darsteller von Michael Grundner gerückt, welches den Gruselfaktor wirkungsvoll unterstreicht. Den modernen Touch dieser Neuinszenierung unterstreicht Franz Blumauer zusätzlich mit seinen Kostümen. Statt barocken Puffhemden und modrigen Ballkleidern unterstreichen Jeans, Mützen, Lack, Leder und Samt die Modernität des Stücks.

Mercedesz Csampai (Sarah), Thomas Borchert (Graf von Krolock) Foto: Andreas J. Etter

Graf von Krolock hat vom ewigen Leben genug und leidet unter seiner sich nie stillenden Gier nach Blut. Thomas Borchert, der die Rolle bereits mehrfach verkörpert hat, verleiht seinem Grafen ein melancholisch dämonisches Spiel. Ausdrucksstark unterstreicht er seine Darstellung mit den wechselnden Facetten seiner Stimme. Die ideale Ergänzung ist Mercedesz Csampai als Sarah, die aus ihrem Leben ebenso ausbrechen will wie Krolock. Csampai hat eine starke Bühnenpräsenz, punktet mit ihrer hellen strahlenden Stimme. Der schüchterne und über beide Ohren in Sarah verliebte Assistent von Professor Abronsius Alfred wird überzeugend von Tobias Bieri dargestellt. Herrlich amüsant gestalteten sich die Situationen als Alfred auf Herbert, den homosexuellen Sohn des Grafen, trifft. Christian Funk verleiht seiner Figur Herbert die passende Balance, ohne die homosexuellen Züge übertrieben auf die Spitze zu treiben.

Ensemble Foto: Andreas J. Etter

Als skurril komische Figur agiert Sebastian Brandmeir als Professor Abronsius, der mit atemberaubender Geschwindigkeit die Existenz diverser Philosophen und deren Bücher lobt. Chagal (Jerzy Jeszke) kann, sehr zum Missfallen seiner Frau Rebecca (Anja Wessel), nicht die Finger von Magda (Sanne Mieloo) lassen – diese findet die Belästigungen mehr als nervig. Als Vampire können die beiden nicht die Finger voneinander lassen, sehr zum Missfallen von Koukol (Thomas Huber), dem Diener Krolocks. Das Vierer-Gespann sorgt während des Stücks für jede Menge Situationskomik und verbucht den einen oder anderen unterhaltsamen Moment für sich.

Welche Version von „Tanz der Vampire“ einem mehr zusagt, liegt im Auge des Betrachters. Diese Version ist absolut gelungen und rundherum auf den Punkt gebracht. Quittiert wird das Ganze mit frenetisch langanhaltendem Applaus und Standing Ovation des Premierenpublikums.

Amüsant, Unterhaltsam und Zeitlos: „Don Camillo & Peppone“ St. Gallen

Amüsant, Unterhaltsam und Zeitlos: „Don Camillo & Peppone“ St. Gallen

Am 30. April 2016 feierte „Don Camillo & Peppone“ als Musical von Michael Kunze (Buch & Liedtexte) und Dario Farina (Musik) am Theater St. Gallen Weltpremiere. Die Geschichte spielt im ländlichen Italien kurz nach dem zweiten Weltkrieg und basiert auf den 1948 erschienen Kurzgeschichten-Sammlungen des italienischen Schriftstellers Giovannino Guareschi. Im Jahr 1952 erschien mit „Don Camillo & Peppone“ der erste Film der erfolgreichen fünfteiligen italienisch-französischen Filmreihe.

Ensemble, Frank Winkels | Foto: Andreas J. Etter
Ensemble, Frank Winkels | Foto: Andreas J. Etter

Der Wahlsieg der Kommunisten wird auf der Piazza von Boscaccio ausgiebig gefeiert. Dem Dorfpfarrer Don Camillo sind die neuen politischen Verhältnisse ein Dorn im Auge, denn er fürchtet um seine Schäfchen. Zur Eskalation kommt es als Peppone, seines Zeichens neuer Bürgermeister, seinen Sohn auf den Namen Lenin taufen lassen will. Nicht nur die Streitereien zwischen Don Camillo und Peppone beschäftigen die Bürger des Dorfes, sondern auch die Liebe zwischen Gina, Tochter des reichen katholischen Landgutbesitzers Filotti, und Mariolino, Sohn des Kommunisten Brusco. Als anhaltender Regen den Fluss über die Ufer treten lässt, kann ein „Wunder“ schlimmeres verhindern. Das Hochwasser hat jedoch die Ernte zerstört. Filotti will den Hof seines Pächters pfänden, allerdings ruft dieses Vorhaben einen Arbeiterstreik hervor. Wieder einmal müssen Don Camillo und Peppone unfreiwillig zusammenarbeiten, um Schlimmeres zu verhindern.

Maya Hakvoort (Die alte Gina / Erzählerin), Ensemble | Foto: Andreas J. Etter
Maya Hakvoort (Die alte Gina / Erzählerin), Ensemble | Foto: Andreas J. Etter

Michael Kunze ist es wunderbar gelungen, die Buchvorlage von Guareschi Musicaltauglich zu machen. Das Stück ist eine ausgewogene Mischung aus Ernsthaftigkeit, Humor und Witz mit einem Schuss Aktualität. Eine wunderbare Idee ist die Figur der alten Gina, die den Bezug zur heutigen Zeit darstellt und so das Publikum auf ihre Geschichte zurückblicken lässt. Dies ermöglicht eine Erzählweise in unterschiedlichen zeitlichen Ebenen. Die Musik von Dario Farina ist abwechslungsreich – Pop Rock Melodien, teilweise gespickt mit lateinamerikanischen oder dezenten sakralen Klängen sowie einem leichten Hauch von Schlager – einfühlsame Balladen, rhythmische Ensemblenummern und Solis, tragen das Stück wunderbar (vielfältige Orchestrierung: Koen Schoots). Der Musikalische Leiter Robert Paul dirigiert die Band sicher und schwungvoll durch die Partitur.

Das Bühnenbild von Peter J. Davison stellt eine italienische Piazza auf zwei Ebenen da. Auf der linken Seite der zweiten Ebene hat die 14-köpfige Band ihren Platz gefunden und wird damit Teil der Geschichte. Weitere Ergänzungen, alle mit viel Liebe zum Detail, bieten die Bühnenelemente aus dem Schnürboden. So verwandelt sich die Piazza mal in die Kirche von Don Camillo, mal in ein Klassenzimmer oder in eine mit Bäumen umsäumte Flusslandschaft. Während der Kirchturm als drehbares Element in die Bühnenmitte gefahren wird, werden einzelne Requisiten wie Schul- und Kirchenbänke von den Darstellern im Bühnenbild platziert. In Kombination mit dem stimmigen Lichtdesign von Michael Grundner, den Kostümen im Stil der 50er Jahre Nachkriegszeit von Yan Tax und den lebendig wirkenden handgespielten Tierpuppen (drei Katzen und ein Hund) von Stefan Fichert ergibt sich ein harmonisch ergänzendes Gesamtbild.

Andreas Lichtenberger und Frank Winkels | Foto: Andreas J. Etter
Andreas Lichtenberger und Frank Winkels | Foto: Andreas J. Etter

Die Regie von Andreas Gergen zeichnet sich durch seine Vielschichtigkeit aus. So ist es ihm wunderbar gelungen das hier und heute der alten Gina mit der Geschichte von damals zu verbinden. Nicht nur den Hauptrollen, sondern auch den Nebenfiguren schenkt er die nötige Aufmerksamkeit. Die schwungvolle Choreografie von Dennis Callahan ergänzt die gelungene Regiearbeit und bringt Leben in die Inszenierung. Aufgrund der Vielzahl der choreografierten Szenen leidet ein wenig die Abwechslung der einzelnen Bewegungsabläufe.

In den Zwiegesprächen mit Jesus (Stimme: Marlon Wehmeier) scheint es, dass sich Don Camillo immer wieder die Absolution für sein Vorgehen einholen möchte. Noch lieber regelt er die Dinge auf seine Art und dabei fliegen auch schon mal die Fetzen. Andreas Lichtenberger zeigt als Don Camillo eine überzeugende Darstellung und interpretiert die Songs mit seiner kraftvollen wohlklingenden Baritonstimme. Ein wunderbarer Gegenpart, gibt Frank Winkels als kommunistischer Bürgermeister Peppone. Immer wieder geraten sich die beiden, wegen ihrer unterschiedlichen Ansichten, in die Haare. Letzten Endes müssen sie aber einsehen, dass sie aufeinander angewiesen sind, um das Dorf vor schlimmeren zu bewahren. Winkels markante Stimmführung und die Interpretation seiner Darbietung lässt keine Zweifel aufkommen, dass er die Rolle voll und ganz verinnerlicht hat.

Jaqueline Reinhold (Gina) und Kurosch Abbasi (Mariolino) | Foto: Andreas J. Etter
Jaqueline Reinhold (Gina) und Kurosch Abbasi (Mariolino) | Foto: Andreas J. Etter

Das seine Tochter Gina sich ausgerechnet in den kommunistischen Landarbeiter Sohn Mariolino verliebt, bringt den katholischen Grossgrundbesitzer Filotti auf die Palme. Zumal der junge Mann auch noch der Sohn seines Intimfeindes Brusco ist. Die Fehde zwischen den Familien involviert die ganze Dorfbevölkerung. Erst als die beiden Verliebten in ihrer Not eine verzweifelte Entscheidung treffen und in letzter Minute gerettet werden können, bringt dies die Bevölkerung wieder zur Vernunft. Reinhard Brussmann (Filotti), Thorsten Tinney (Brusco), Jaqueline Reinhold (Gina) und Kurosch Abbasi (Mariolino) agieren gesanglich und schauspielerisch auf hohem Niveau.

 

Maya Hakvoort ist als alte Gina der heimliche Star des Abends. Mit gefühlvoller Stimme und starker Bühnenpräsenz mimt sie die alte Dame, die auf ihr ereignisreiches Leben zurückblickt. Eine herrliche Komponente ist Walter Andreas Müller als Nonno, dem plötzlich gar nicht mehr nach sterben zu Mute ist, als er der jungen attraktiven Lehrerin Laura Castelli (Wunderbar: Femke Soetenga) begegnet. Die Lacher hat WAM definitiv auf seiner Seite. Herrlich!

Ein durchweg stark und harmonisch agierendes Ensemble steht bei „Don Camillo & Peppone“ auf der Bühne. Das Publikum spendete zu Recht minutenlang Standing Ovation. Einmal mehr eine sehenswerte Inszenierung in St. Gallen.

Temperamentvoll – „West Side Story“ in St. Gallen

Temperamentvoll – „West Side Story“ in St. Gallen

Andreas Bongard (Tony) und Lisa Antoni (Maria) Foto Andreas J. Etter
Andreas Bongard (Tony) und Lisa Antoni (Maria) Foto: Andreas J. Etter

„West Side Story“ ist die moderne Version von Shakespeare „Romeo und Julia“ und spielt in New York der 1950er Jahre. Düster ist die Gegend, in der sich die Jets, amerikanische jugendliche polnischer Herkunft, und die Sharks, jungendliche Einwanderer aus Puerto Rico, bis aufs Blut, um die Vorherrschaft des Bezirks bekriegen. Es geht um Freundschaft und Liebe aber auch um Hass, Gewalt und Tod. Zwei junge Menschen kämpfen für ihre Liebe, die eigentlich keine Aussicht auf eine Zukunft hat und geben sie die Hoffnung nicht auf. Es geht um Themen, die auch in der heutigen Zeit nicht an Aktualität verloren haben. Am 12. Dezember 2015 feierte das Stück am Theater St. Gallen Premiere.

Das moderne und gelungene Bühnenbild von Knut Hetzer zeigt einen düsteren Hinterhof mit Basketballkorb und den typischen New Yorker Feuerleitern. Mit wenigen zusätzlichen Requisiten ist die Bühne mal Autowerkstatt, mal Park oder Disco und lässt der Geschichte so genügend Raum, sich zu entfalten. Das Licht von Michael Grundner setzt an den richtigen Stellen passende Akzente und unterstreicht einzelne Szenen zusätzlich. Die Musik von Leonard verbindet gekonnt Elemente aus Jazz, Oper und Pop mit lateinamerikanischen Klängen, die das Sinfonieorchester St. Galler Orchester, unter der musikalischen Leitung von Otto Tausk, klangvoll und mit Drive zu Gehör bringt. Gesungen wird in Englisch, die Dialoge sind auf Deutsch – dadurch verlieren die eindringlichen Liedtexte von Stephen Sondheim nicht an Aussagekraft.

Lisa Antoni (Maria), Sophie Berner (Anita), Andreas Bongard (Tony) Foto Andreas J. Etter
Lisa Antoni (Maria), Sophie Berner (Anita), Andreas Bongard (Tony) Foto: Andreas J. Etter

Starke Ensemble-Szenen, aber auch eine individuell hervorragende Personenführung zeichnen die rundherum gelungene Inszenierung von Melissa King aus. Hinzu kommt ihre ausdrucksstarke und mitreisende Choreografie (Kampf-Choreografie: Richard Leggett), die einen staunen lässt. Perfektion auf ganzer Linie – Melissa King gelingt ein Geniestreich. Schön anzusehen, mit Blick für Details, und passend zu der unterschiedlichen Herkunft der Jugendlichen sind Kostüme von Magali Gerberon.

Mit passendem Akzent und klangvoller Stimme gibt Lisa Antoni eine Maria, die vor Lebensfreude nur so sprüht, aber auch in den tragischen Momenten ihrer Figur die nötige Tiefe verleiht. Hin und her gerissen zwischen Liebe und Freundschaft beweist Andreas Bongard, durch seine gefühlvolle Darstellung, dass Tony ein junger Mann ist, dem es nicht leicht fällt sich für eines von beiden zu entscheiden. Mit Anita hat Maria eine beste Freundin, die immer auf ihrer Seite steht, bis zu jenem verhängnisvollen Moment in Doc’s Autowerkstatt. Sophie Berner agiert temperamentvoll und interpretiert „A Boy Like That“ mit eindringlicher Stimme.

Ensemble Foto Andreas J. Etter
Ensemble Foto: Andreas J. Etter

Jurriaan Bles als Bernardo, Anführer der Sharks und Marias grosser Bruder, und Jörn-Felix Alt als Riff, Anführer der Jets und Tonys bester Freund, zeigen eine intensive und charaktervolle Darstellung der beiden Banden Chefs. Als Lieutenant Schrank, Office Krupke und Doc zeigen Max Gertsch, Romeo Meyer und David Steck eine starke schauspielerische Leistung. Während sich die Latinas der Sharks ihr Leben in ihrer neuen Heimat in „America“ ausmalen, machen sich die Jets über Officer Krupke in „Gee, Office Krupke“ lustig. Berührend die Interpretation von „Somewhere“, die das Leben der jungen Menschen frei von allen Ängsten und Gefahren darstellt. Grandios wie das Ensemble, unterstützt von der Tanzkompanie des Theater St. Gallen, die Gefühle und Energie, die dieses Musical beinhaltet auf die Bühne bringt.

Das Publikum in St. Gallen spendete am Premierenabend einen langen und nicht aufhören wollenden Applaus. Mit „West Side Story“ macht das Theater St. Gallen seinem hervorragenden Ruf für seine Musical-Produktionen wieder einmal alle Ehre.

Auf hohem Niveau: „Flashdance“ in St. Gallen

Auf hohem Niveau: „Flashdance“ in St. Gallen

Die Geschichte von Alex Owens und Nick Hurley wäre eigentlich einfach und schnell erzählt. Ein junger Mann aus gutem Hause, Enkel eines Stahlwerkbesitzers, verliebt sich in seine Mitarbeiterin. Sie lässt ihn abblitzen, dann verabreden sie sich doch und am Ende kommen sie zusammen. Happy-End! Ganz so einfach ist diese Geschichte, auch wenn das Buch von Tom Hedley deutliche Schwächen aufweist, dann doch nicht erzählt. Alex Owens‘ große Leidenschaft ist das Tanzen. Nach der Arbeit im Stahlwerk tritt sie allabendlich als  Tänzerin, zusammen mit ihren Freundinnen Kiki, Gloria und Tess im Harry’s auf. Ihr großer Traum ist die Tanzausbildung an der berühmten Shipley-Akademie. Unterstützt wird sie dabei von der ehemaligen Ballerina Hannah. Es geht um Freundschaft, Träume, Leidenschaft aber auch um Vertrauensbruch, Drogen und falsche Versprechungen. Im Theater St. Gallen ist diese Story verpackt in einer mitreißenden sexy Show, gespickt mit fantastischen Tanzeinlagen.

Theater St. Gallen
Theater St. Gallen

Die Kritiken zum Film, der 1983 mit Jennifer Beals und Michael Nouri in die Kinos kam, waren vernichtend. Es war die Rede von einem aufgeblähten eineinhalbstündigen Werbefilm für eine Rock-LP mit einem Nichts an Story. Dennoch wurden Songs wie „Maniac“, „Manhunt“ und „Flashdance…What a Feeling“ (Musik: Robbie Roth & Giorgio Moroder, Liedtexte: Robbie Roth & Robert Cary) zu Kultliedern einer ganzen Generation. Die Uraufführung als Musical erfolgte im Juli 2008 im Theatre Royal in Plymouth. Nach der deutschsprachigen Erstaufführung (Übersetzung: Anja Hauptmann) am Le Théâtre Kriens-Luzern feierte das Stück nun Premiere am Theater in St. Gallen (Schweiz).

Das Bühnenbild von Hans Kudlich ist im Stil einer Stahlfabrik gehalten und wird im gesamten  hinteren Bereich durch zwei große Videoleinwänden ergänzt, die einzelne Szenen wunderbar unterstützen. Szenenwechsel zwischen der Stahlfabrik, Harry’s Bar, der Shipley-Akademie oder dem Chameleon-Club werden durch bühnenhohe Einschubelemente und zusätzliche Bühnenteile, die jeweils von der Seitenbühne ins Bühnenbild gefahren werden, umgesetzt.

Hannahs Zuhause ist eine große runde Röhre, seitlich der Bühne, die im Inneren mit Liebe zum Detail gestaltet ist. Unterstützt wird die ganze Szenerie von einem gut getimten und gelungenen Lichtdesign von Michael Grundner. Die Kostüme von Leo Kulaš sind teils neonbunt und entsprechen mit ihren Schnitten und in der Gestaltung ganz dem Stil der 1980er Jahre.

Regisseur Matthias Davids ist es durch seine präzise Personenführung und gut ausgestalteten Szenerien gelungen, das Möglichste aus der Buchvorlage rauszuholen. Ein Gefühl der Eintönigkeit kommt zu keiner Zeit auf. Die abwechslungsreiche und fetzige Choreografie von Nick Winston sprüht vor Energie. Ensembletanzszenen wie auch die Einzeldarbietungen sind absolut gelungen. Die Nummer „Manhunt“ und der Abschlusstanz „Flashdance… What a feeling“ gehören dabei sicher zu den Highlights des Abends. Die achtköpfige Band unter der Musikalischen Leitung von Robert Paul bringt die Songs kraftvoll und schmissig zu Gehör.

Ein Glücksgriff ist dem Theater St. Gallen mit der Verpflichtung von Myrthes Monteiro als Alex Owens gelungen. Anmutig und voller Energie bringt sie die Tanzszenen auf die Bühne und zeigt mit ihrer kraftvollen wohlklingenden Stimme, wie hervorragend sich diese Eigenschaften miteinander verbinden lassen. Tobias Licht zeigt in seiner Darstellung als Nick Hurley die Zerrissenheit zwischen Pflichtgefühl und Liebe deutlich und vermag mit seiner sicher geführten Tenorstimme zu punkten. Verrückt, durchgeknallt und doch liebenswürdig – so kann man die Freundinnen Kiki, Tess und Gloria beschreiben. Wie wichtig ihre Freundschaft ist, zeigt sich, als Gloria dem Besitzer des Nachtclubs Chameleon-Club CC (schmierig und fies: Gianni Meurer) als Playgirl in die Hände fällt und drogen- und alkoholabhängig wird. Conchita Kluckner-Zandbergen (Kiki), Rachel Marshall (Tess) und Sarah Bowden (Gloria) begeistern mit ihrer Spielfreude und mit ihren energiegeladenen Stimmen.

Dustin Smailes verkörpert Jimmy, der bei seinem Onkel Harry (Peter Zimmermann) in der Bar arbeitet und als Komiker in New York Fuß fassen will. Doch leider fehlt ihm ein ganz wichtiger Punkt – Talent. Als er für diesen Traum auch noch seine Freundin Gloria zurücklässt, zweifelt diese an der Beziehung zu Jimmy. Durch Hannahs eindringliche Unterstützung füllt Alex die Anmeldeunterlagen für die Shipley-Akademie aus und kommt dadurch ihrem Traum einen Schritt näher. Gaye MacFarlane berührt mit ihrer Darstellung und ihrem Gesang als Hannah auf ganzer Linie. Louise, die Krankschwester, und Ms. Wilde, die strenge Schulleiterin der Akademie werden großartig von Michaela Hanser dargestellt.

Ein durchweg überzeugendes Ensemble bietet einmal mehr im Theater St. Gallen einen Musicalabend auf hohem Niveau, der aber doch irgendwie untypisch für dieses Haus ist, wo hier doch normalerweise dramtische Musicals wie „Rebecca“, „Moses“ oder „Artus“ auf dem Programm stehen. Das Publikum zeigt sich aber auch nach der besuchten „Flashdance“-Vorstellung begeistert und spendet minutenlang tosenden Applaus.

Offizielles Video zu Flashdance in St. Gallen:

Tafelrunde goes Musical: “Artus – Excalibur” in St. Gallen

Tafelrunde goes Musical: “Artus – Excalibur” in St. Gallen

Artus und die Ritter der Tafelrunde, das Schwert Excalibur, Camelot und der Zauberer Merlin – eine fantastische Sage, von der fast jeder schon einmal in seinem Leben gehört haben dürfte und über die unzählige Verfilmungen und Bücher existieren. Liebe, Freundschaft, Vergeltung und Magie sind die Bestandteile des neuen Musicals „Artus – Excalibur“, das jetzt am Theater St. Gallen zur Uraufführung gekommen ist.

Patrick Stanke (Artus). Foto: Andreas J. Etter
Patrick Stanke (Artus). Foto: Andreas J. Etter

Das Buch von Ivan Menchell erzählt die Geschichte um Artus auf eine moderne Weise, ohne die Epoche außer Acht zu lassen. So zeigen die ausgezeichnet geschriebenen lyrischen Texte, in welcher Zeit die Geschichte von Artus spielt. Die eine oder andere kleinere Länge im Stück fällt dabei kaum ins Gewicht. Die Songtexte aus der Feder von Robin Lerner treiben die Erzählung gelungen voran, was sicher auch der überzeugenden Übersetzung von Nina Schneider zu verdanken ist. Ein Traum ist die Musik von Frank Wildhorn. Er spielt mit verschiedenen Genres und lässt immer wieder keltische Klänge in die Musik mit einfließen, wenngleich ein Song fehlt, der sich im Gehör festsetzt. Der Musikalische Leiter, Koen Schoots, bringt die Melodien mit seinen gelungenen Arrangements auf den Punkt. Die musikalische Umsetzung des Sinfonieorchesters ist ein Genuss für die Ohren. Schoots dirigiert die Musiker sicher, sauber und mit Drive durch das Stück. Der Chor des Theaters glänzt mit seinen klangvollen Darbietungen. Der Ton gefällt über weite Strecken, vereinzelt wird der Gesang allerdings zu sehr vom Orchester übertönt.

Patrick Stanke (Artus) und Annemieke van Dam (Guinevere). Foto: Andreas J. Etter
Patrick Stanke (Artus) und Annemieke van Dam (Guinevere). Foto: Andreas J. Etter

Der Regisseurin Francesca Zambello ist eine lebendige Inszenierung gelungen, die Übergänge sind flüssig und in sich harmonisch. Während die Hauptrollen durch gute Personenführung gefallen, vermisst man diese ein bisschen bei den Nebencharakteren. Die Ensembleszenen sind eindrucksvoll und die lebendige Choreografie von Eric Sean Fogel sowie die einstudierten Kampfszenen von Rick Sordelet erweisen sich als sehenswert und sorgen für reichlich Abwechslung. Für das Bühnenbild zeichnet Peter J. Davison verantwortlich. Drei große Holzelemente, mittig jeweils mit einem großen Kreuz, rahmen die Bühne ein. Die Tafelrunde, ebenfalls aus Holz, fährt aus der Unterbühne hervor. Davison hat aber nicht nur viel mit Holz gearbeitet, sondern nutzt auch Elemente wie beispielsweise eine Art Kupferbeschichtung für Artus’ Thron. Merlins Labor ist ebenfalls ein Hingucker. Ergänzt wird das Bühnenbild durch die sehenswerten Videoprojektionen von S. Katy Tucker und dem stimmigen Lichtdesign von Mark McCullough, das einzelne Szenen noch stärker wirken lässt. Sue Willmington benutzt für ihre Kostüme moderne Stoffe und Schnitte.

Auch optisch hat "Artus - Excalibur" etwas zu bieten. Foto: Andreas J. Etter
Auch optisch hat „Artus – Excalibur“ etwas zu bieten. Foto: Andreas J. Etter

Mit Patrick Stanke, Mark Seibert, Thomas Borchert, Annemieke van Dam und Sabrina Weckerlin konnte das Theater St. Gallen eine namhafte Darstellerriege verpflichten. Patrick Stanke zeigt als Artus eine überzeugende Darstellung gepaart mit einer sicher geführten klangvollen Stimme. Mühelos gelingt ihm der Wandel des zuerst unsicheren Zweiflers, der mit seinem Schicksal hadert, und letztendlich mithilfe von Liebe und Freundschaft die Rolle des Königs annimmt. Guinevere ist die große Liebe von Artus. Voll Trauer über den Tod ihres Vaters, schöpft sie in der Liebe zu Artus neue Hoffnung. Doch der Tod von dessen Ziehvater Ector verhindert zuerst das große Glück. Annemieke van Dam gefällt mit ihrem klaren Sopran und ihrer gefühlvollen Darstellung. Hin- und hergerissen zwischen der Liebe zu Guinevere und der Freundschaft zu Artus, muss sich Lancelot für einen Weg entscheiden. Mark Seibert punktet als Lancelot durch eine großartige aber dennoch sensible schauspielerische Leistung und mit seiner ausdrucksstarken Stimme.

Merlin ist für Artus eine Leitfigur, die ihm unterstützend zur Seite steht. Doch üble Machenschaften und schwarze Magie kosten ihn die Zauberkraft. Als Merlin zeigt Thomas Borchert eine eindrückliche Darstellung. Mit seinem besonderen Timbre verleiht er seiner Rolle einen ganz eigenen Charakterzug. Mit beeindruckender Bühnenpräsenz und energiegeladener Stimme gibt Sabrina Weckerlin die Rolle der Morgana, die Artus zur Last legt, dass sie als Kind von ihrem Vater verstoßen wurde. Sie sinnt auf Rache, für die ihr jedes Mittel recht ist. In weiteren Rollen gefallen Alexander Bellinkx als Ector, Robert Johansson als König Loth und Kevin Foster als Sir Gareth.

Insgesamt steht in St. Gallen ein harmonisch und stark agierendes Ensemble auf der Bühne, dem es gelingt, für eindrucksvolle Momente zu sorgen. Das Premierenpublikum spendet zu Recht minutenlagen Applaus.

Gute Unterhaltung: „Anything Goes“ in St. Gallen

Gute Unterhaltung: „Anything Goes“ in St. Gallen

Die Musical-Komödie „Anything Goes“ von Cole Porter (Musik und Gesangstexte) feierte 1934 im Alvin Theatre in New York seine Uraufführung und ist am Theater St. Gallen als Koproduktion mit dem Staatstheater am Gärtnerplatz in München seit Dezember 2013 mit deutschen Dialogen (Christian Severin) und englischen Songs zu erleben.

 

Bettina Möch (Reno Sweeney) und Boris Pfeifer (Moonface Martin). Foto: Theater St.Gallen, Andreas J. Etter
Bettina Möch (Reno Sweeney) und Boris Pfeifer (Moonface Martin). Foto: Theater St.Gallen, Andreas J. Etter

Die Geschichte ist schnell erzählt: Elisha Whitney gibt kurz vor seiner Abreise mit der M.S. America nach London seinem Sekretär Billy Crocker den Auftrag, ein Aktienpaket zu verkaufen. Dieser trifft auf seine alte Bekannte Reno Sweeney, eine Nachtclubsängerin, die ein Engagement auf dem Schiff hat. Als Crocker feststellt, dass sich seine Herzdame Hope Harcourt ebenfalls auf dem Schiff befindet, bleibt er zuerst als blinder Passagier an Bord. Der Gangster Moonface Martin befindet sich mit der Gangsterbraut Erma ebenfalls auf dem Schiff. Das Tohuwabohu auf der Reise nach England ist vorprogrammiert und der Kapitän hat alle Mühe, den Überblick zu behalten. Wohin das Ganze am Ende führt, ist zuerst nicht so richtig klar – frei nach dem Motto „Anything Goes“.

 

Die Inszenierung von Josef E. Köpplinger ist durchweg gelungen. Geschickt verbindet er temporeiche sowie unterhaltsame Elemente und zeichnet auch einzelne Feinheiten der Charaktere deutlich. Für die Aufführungen in St. Gallen und München fügt Köpplinger zusätzlich die Porter-Songs „Night and Day“ sowie „Let’s do it“ passend in das Stück ein. Die Choreografie von Ricarda Regina Ludigkeit ist voller Lebendigkeit. Hervorzuheben sind vor allem die Ensemble-Tanznummern unter Mitwirkung der Tanzkompanie des Theaters St. Gallen, die durch die spritzigen Steppeinlagen auf ganzer Linie begeistern. Für das Bühnenbild und die Kostüme zeigt sich Rainer Sinell (nach Entwürfen von Heidrun Schmelzer) verantwortlich. Die Handlung spielt sich hautsächlich auf einem Bühnenelement ab, welches einem Mittel- und Oberdeck eines Schiffs nachempfunden ist. Die vielen Auf- und Abgangsmöglichkeiten unterstützen die temporeiche Inszenierung. Die Kostüme entsprechen den 1930er Jahre und gefallen in ihrer Art und Weise gut.

Das Orchester unter der Musikalischen Leitung von Stéphane Fromageot bringt die Songs von Cole Porter mit schmissigem Big-Band-Sound zu Gehör. Auch die einzelnen Soli klingen rund. Klassiker wie „I get a Kick out of you“, „Anything Goes“ und „Blow, Gabriel, Blow“ setzten sich im Ohr fest.

Mit starker Bühnenpräsenz und ausdrucksstarker voller Stimme gibt Bettina Mönch die durchtriebene Nachtclubsängerin Reno Sweeney, die mit ihren Angels auf dem Schiff einen Auftritt hat und den Männern an Bord reihenweise den Kopf verdreht. Daniel Prohaska spielt Billy Crocker, der sich den Anweisungen seines Chefs widersetzt, um seinem Mädchen nah zu sein. Erst als blinder Passagier, dann als Matrose und Gangster ist er immer darauf bedacht, seinem Chef nicht über den Weg zu laufen. Prohaska weiß mit seiner wohlklingenden Tenorstimme und seinem Schauspiel zu überzeugen. Mit sanftem und klarem Timbre sowie glaubhaftem Schauspiel gibt Milica Jovanovic Hope Harcourt. Sie ist die große Liebe von Billy, muss aber, wenn es nach dem Willen ihrer Mutter geht, den verschrobenen und reichen Schotten Lord Evelyn Oakleigh heiraten.

 

Bettina Mönch (Reno Sweeney) und Dustin Smailes (Billy Crocker). Foto: Theater St.Gallen, Andreas J. Etter

Herrlich versnobt und mit nasaler Stimme gibt Hannes Muik den Lord Oakleigh. Beim Gedanken an eine Heirat mit Hope ist ihm auch nicht so richtig wohl, vor allem nicht, nachdem er Reno Sweeney kennen gelernt hat. Evangeline Harcourt ist die Mutter von Hope. Nachdem die Familie bei einem Börsencrash ihr Vermögen verloren hat, möchte sie ihre Tochter gewinnbringend verheiraten. Alles scheint geregelt, wäre da nicht Billy Crocker, der ihr einen Strich durch die Rechnung macht. Dagmar Hellberg weiß vor allem durch eine starke schauspielerische Leistung zu überzeugen. Amüsant gibt Erwin Windegger Billys Chef, Elisha Whitney. Dieser fällt aus allen Wolken, als er erfährt, dass Billy ebenfalls mit an Bord ist, statt seine Aktien an der New Yorker Börse zu verkaufen. Erschwerend kommt hinzu, dass er schon länger ein Auge auf Evangeline Harcourt geworfen hat.

 

Moonface Martin, Gangster Nummer 13 auf der Liste der gefährlichsten Gangster, und die Gangsterbraut Erma befinden sich auf der Flucht vor der Polizei inkognito an Bord und sorgen für eine gehörige Portion Chaos auf der Reise. Boris Pfeiffer und Sigrid Hauser gefallen durch ihre unglaublich komödiantische Darstellung ihrer Rollen. Die Pointen sind auf den Punkt gebracht, ohne aufgesetzt zu wirken, und sorgen für einige Lacher im Publikum. Als Kapitän ist Previn Moore zu sehen, der mit seinem Solo „Night and Day“ für einen Gänsehautmoment sorgt.

Ein insgesamt eindrucksvoll agierendes Ensemble macht die Aufführung von „Anything Goes“ unterhaltsam und sehenswert. Das Publikum der besuchten Vorstellung zeigt sich begeistert und spendet minutenlang Applaus.

Moderne Bibelstory: „Moses – Die 10 Gebote“ in St. Gallen

Moderne Bibelstory: „Moses – Die 10 Gebote“ in St. Gallen

Michael Kunze (Buch und Liedtexte) hat keine langweilige Version einer jahrtausendealten Überlieferung geschrieben, sondern ein entstaubtes modernes Stück. Kunze erzählt die Geschichte von Moses durchaus mit einem Bezug zur Gegenwart – dies spiegelt sich den Texten wider, ohne die Überlieferung sprachlich mit Gewalt in das Hier und Jetzt zu adaptieren.

Lukas Hobi (Moses) und Frank Winkels (Aaron). Foto: Toni Suter

Dieter Falk hat für das Stück abwechslungsreiche Musik geschrieben, die Elemente aus Pop, Rock und Gospel enthält. Schwungvolle Ensemblenummern wechseln sich mit einfühlsamen, starken Solonummern ab, die einen gewissen Ohrwurmcharakter haben. Die Orchestration und Arrangements stammen von Michael Reed, dessen Handschrift in der Melodieführung klar zu erkennen ist. Der Musikalische Leiter Robert Paul dirigiert die Moses-Band sicher durch die Partitur und lässt einen mitreißenden Sound aus dem Orchestergraben erklingen.

Martin Duncan gelingt eine starke Inszenierung: Die Szenen sind in sich stimmig, die Charaktere des Stücks sind dabei sehr deutlich gezeichnet. Zu keiner Zeit wirkt etwas unfertig oder unschlüssig, selbst die schnellen Wechsel des Ensembles zwischen Ägyptern und Israeliten gelingt mühelos. Einen kleinen Wermutstropfen bilden lediglich die Unterschiede zwischen dem ersten und zweiten Akt. Während im ersten Akt ein Highlight das Nächste jagt, geht es im zweiten Akt nach der Teilung des Meeres ruhiger zu. Sehenswert sind dafür jedoch die Choreografien von Nick Winston, der in die Tanzszenen auch ägyptisch anmutende Elemente eingebaut hat.

Lukas Hobi (Moses). Foto: Tine Edel

Das Bühnenbild von Francis O’Connor wirkt einfach und eindrücklich zugleich: Zwei Seitenelemente mit Eingängen und das Rückelement mit großem Tor bilden eine fixe Kulisse für den eigentlichen Handlungsspielraum. Den Palast des Pharaos bilden zwei Treppenelemente, die der Form einer Pyramide gleichen, inklusive Thron. Darüber befindet sich ein pyramidenförmiges Element, das ein Horusauge in der Mitte zeigt. Dem gegenüber stehen die einfachen Zelte und Habseligkeiten der Israeliten. Die Bühnenbildwechsel sind durch die bespielbare Erweiterung der Bühne um den Orchestergraben gut gelöst. Der Unterschied zwischen den Völkern ist deutlich zu erkennen – nicht zuletzt auch durch die wunderschönen Kostüme von Joan O’Clery. Während die Israeliten einfache Leinengewänder und Sandaletten tragen, sind die Kostüme der Ägypter opulenter ausgefallen – beide mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitet. Eindrücklich sind die Kostüme der Hexe Hotcheb und des Feuerengels Pyron.

Ein Meisterwerk liefert Sven Ortel mit den Videoprojektionen. Die Umsetzung des brennenden Dornbuschs oder die Teilung des Meeres sind dreidimensional und hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Harmonisch fügt sich das Lichtdesign von Michael Grundner in das Bühnenbild ein, das auch die Videoprojektionen perfekt ergänzt.

Moses, der im ägyptischen Palast aufgewachsen ist, erfährt am Tag der Ernennung von Ramses zum Pharao, dass er als Baby in einem Weidenkorb am Flussufer gefunden wurde und nur ein Sklave ist. Zwischen Zweifel, Hoffnung und Angst ob der mächtigen Aufgabe, die Gott ihm auferlegt hat, zeigt Lukas Hobi als Moses eine starke Leistung und besticht mit einer wohlklingenden Stimme. In der Bibel wird Ziporah, die Frau von Moses, nur am Rande erwähnt. Michael Kunze hat für das Musical die Rolle der Ziporah allerdings entscheidend ausgebaut. Sie ist es, die Moses in unsicheren Momenten bestärkt, seinen Weg zu gehen und auf sein Herz zu hören. Sophie Berner spielt die Rolle mit einer eindrücklichen Bühnenpräsenz. Ihr klangschönes und tiefes Timbre sorgt für Gänsehaut, vor allem bei dem Duett „Tu, was dir dein Herz befiehlt“, das sie zusammen mit Lukas Hobi singt.

Stefan Poslovski (Ramses) und Lukas Hobi (Moses). Foto: Toni Suter

Ramses wird nach dem Tod von Sethos Pharao von Ägypten. Rücksichtslos und machtgierig sinnt er nach den von Gott gesandten Plagen auf bittere Rache. Stefan Poslovski agiert als Ramses mit auffallender Intensität und kräftiger Stimme, mit der er unter anderem in dem Lied „Es ist nicht leicht, ein Gott zu sein“ überzeugt. Als Beraterin steht Ramses die Hexe Hotcheb zu Seite. Sie ist es, die Moses als Kindfrau aufzog und sein Geheimnis kennt. Kerstin Ibald zeigt ihr komödiantisches Talent, sorgt für den einen oder anderen Lacher im Publikum und gefällt auch mit ihrer besonderen Stimmfarbe. Siegmar Tonk hat als Haremhab, oberster Diener von Ramses, ebenfalls witzige Momente, die er auf den Punkt bringt, ohne dass sie aufgesetzt wirken.

Aaron ist der Bruder von Moses und übernimmt das Reden vor dem Pharao, als Moses verlangt, dass dieser sein Volk ziehen lassen soll. Frank Winkels gefällt als wortgewandter Unterstützer von Moses. Mit klangschöner Stimme glänzt Sophia Georgy als Moses‘ Schwester Miriam. Naroch, der hohe Priester der Israeliten, ist ein Fanatiker, der an Moses Weg zweifelt und zur Gottesfurcht mahnt. Thomas Borchert spielt die Rolle des Zweiflers hervorragend und zeigt stimmlich eine neue Facette, die vor allem im Song „Gottesfurcht“ gefällt. Als Gottes Feuerengel Pyron hat Patricia Meeden stimmgewaltige Auftritte. Mit sonor klingender Stimme Gottes begeistert Wolfgang Pampel, der unter anderem die Synchronstimme von Harrison Ford ist.

Beeindruckende Bilder sind bei „Moses – Die 10 Gebote“ in St. Gallen zu sehen. Foto: Toni Suter

Starke Ensemblenummern wie „Frondienst“ wechseln sich mit Freudenfesten wie „Hosanna: Manna!“ oder „Das Gelobte Land – über dem Tal des Jordans“ ab. Dabei kann das stark agierende Ensemble – egal ob als Israeliten oder Ägypter – auf ganzer Linie überzeugen. Auch der Chor des Theaters St. Gallen hinterlässt durch seine Stimmgewalt einen bleibenden Eindruck. Insgesamt ist dem Theater St. Gallen mit „Moses – Die 10 Gebote“ eine sehenswerte Weiterentwicklung des Pop-Oratoriums „Die 10 Gebote“ gelungen. Auch dem Premierenpublikum scheint der moderne Moses gefallen zu haben, denn es spendet bereitwillig Standing Ovations.

 

Mord und Jazz: „Chicago“ in St. Gallen

Mord und Jazz: „Chicago“ in St. Gallen

Mord, Habgier, Korruption, Gewalt, Ausbeutung, Ehebruch und Verrat sind die Zutaten des Vaudeville-Musicals „Chicago“. Das Stück aus der Feder von Fred Ebb, Bob Fosse (Buch) und John Kander (Musik) feierte 1975 seine Uraufführung am Broadway. Seit dem 18. Februar 2012 ist es in einer Neuinszenierung am Theater St. Gallen (Schweiz) zu sehen.

Eine tolle Szene ist der „Zellenblocktango“. Foto: Toni Suter

Erzählt wird in „Chicago“ die Geschichte der Mörderinnen Roxie Hart (Sabrina Harper) und Velma Kelly (Sabine Hettlich), die im Chicago der 1920er Jahre im Gefängnis sitzen: Hart hat ihren Liebhaber ermordet, Kelly ihren Mann und ihre Schwester. Verpackt hat Regisseurin Melissa King, die seit 2001 international als Künstlerische Leiterin für „Chicago“ fungiert, diese Geschichte in einer großartigen Inszenierung. Dabei verbindet sie geschickt die Krimikomponenten mit temporeichen Tanzszenen – gespickt mit einer Portion Erotik – und lässt die Show so zu einem besonderen Bühnenerlebnis werden.

Dem zeitlosen Bühnenbild vom Knut Hetzner fehlt es etwas an Atmosphäre und Stil der 1920er Jahre. Jedoch sind die Bühnenelemente zu den Szenen im Stück einfallsreich gestaltet und erlauben flüssige Übergänge. Die Kostüme von Magali Gerberon sind glamourös, sexy und der Zeit entsprechend. Die 12-köpfige Band rund um den Musikalischen Leiter Robert Paul lässt wohlklingenden Jazz-Sound aus dem Orchestergraben erklingen.

Tobias Licht (Billy Flynn). Foto: Toni Suter

Mit klarer Stimme und starkem Schaupiel zeigt Sabrina Harper als Roxie, dass sie nur das Ziel verfolgt, populär und in aller Munde zu sein. Dabei greift sie zu jedem Mittel und kennt nur eine Freundschaft – die mit sich selbst. Sabine Hettlich überzeugt hervorragend mit jazziger Stimme als Velma Kelly, die ihre einstige Popularität durch Neuzugang Roxie im Knast einbüßt. Mit nuanciertem Schauspiel und gesanglich stark hält Brigitte Oelke als geschäftstüchtige Mama Morton die Fäden im Gefängnis in der Hand. Ohne Mitleid für seine Klientinnen – nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht und mit einer ordentlichen Portion Charme – gibt Tobias Licht mit sanfter Stimme den Anwalt Billy Flynn.

Sabine Hettlich (Velma Kelly). Foto: Toni Suter

Frank Winkels gibt großartig Roxies treudoofen Ehemann Amos. Als ihm die Band die Abgangsmusik verweigert, ist das ein Moment, in dem der Zuschauer noch mehr Mitleid für ihn empfindet als ohnehin schon. Martin Schäffner sorgt dagegen als sensible Klatschreporterin Mary Sunshine, bei der mehr Schein als Sein ist, für komödiantische Momente und begeistert mit seinem Falsett.

Auch das durchweg starke Ensemble liefert eine hervorragende Leistung ab – sei es beim „Zellenblocktango“, dem rasant choreografierten Baby-Song oder Roxies Gerichtsverhandlung. Insgesamt betrachtet, ist dem Theater St. Gallen also auch mit „Chicago“ eine sehenswerte Musicalinszenierung gelungen, die das Premierenpublikum mit Standing Ovations würdigte.

Eindrucksvoll: “Rebecca“ in St. Gallen

Eindrucksvoll: “Rebecca“ in St. Gallen

Nachdem “Rebecca“ 2006 in Wien uraufgeführt wurde, anschließend unter anderem in Ungarn sowie Japan zu sehen war und mittlerweile auch in Stuttgart und am Broadway in den Startlöchern steht, feierte das Musical von Michael Kunze und Sylvester Levay jetzt seine Schweizer Erstaufführung in St. Gallen.

Das facettenreiche Bühnenbild von Peter J. Davison, das mit den Videoprojektionen von Sven Ortel eine Einheit bildet, ein grundsolide agierendes Ensemble und vor allem auch das stark aufspielende Orchester des Theaters St. Gallen machen diese Show zu einem Erlebnis.

Wie schon in Wien, gelang Francesca Zambello eine beeindruckende Inszenierung. Geschickt verbindet sie die Liebesgeschichte mit den Elementen des Krimis und fügt die Eigenschaften der Charaktere glaubhaft in die Geschichte ein. Simon Eichenberger hat eine durch und durch flüssige und in sich stimmige Choreografie auf die Bühne gebracht. Die Kostüme von Birgit Hutter sind passend zu der damaligen Zeit – einen willkommenen Farbklecks in dem düsteren Umfeld bilden die Kostüme der Mrs. van Hopper. Die neuen Songs “Zauberhaft natürlich“ und “Merkwürdig“ fügen sich nahtlos in das Stück ein und helfen die Beziehung zwischen Maxim de Winter und der “Ich“ besser zu verstehen.

Lisa Antoni, die mit großartiger Stimme und nuanciertem Schauspiel eine hervorragende Leistung abliefert, gibt der “Ich“ eine glaubhafte Ausstrahlung. Die Entwicklung von der schüchternen jungen Frau zur neuen Herrin von Manderley nimmt man ihr durch das ganze Stück hindurch ab. Die Vielschichtigkeit des Maxim de Winter wird von Thomas Borchert exzellent dargestellt. Die innere Zerrissenheit zwischen Vergangenheit und glücklicher Zukunft, zwischen Belastung und neuer Freiheit wird von ihm glaubhaft vermittelt. Seine gesanglichen Leistungen sind ebenfalls ein Genuss.

Mrs. Danvers ist die treu ergebende Haushälterin von Rebecca de Winter, die von dieser regelrecht besessen ist und niemand anderen als Herrin von Manderley akzeptiert – dafür geht sie bis zum Äußersten. Maya Hakvoort als Mrs. Danvers erweist sich für das Theater St. Gallen als wahrer Glücksgriff. Ihr Schauspiel, ihre berührende Stimme und die starke Bühnenpräsenz sorgen immer wieder für Gänsehautmomente. Einer der Momente, die am meisten berühren, ist der Flammentod der Mrs. Danvers, der im Gegensatz zu Wien in St. Gallen gefühlvoller umgesetzt wurde. Diese Änderung bekommt dem Stück gut, da der Zuschauer an dieser Stelle fast schon Mitleid empfindet.

Für farbenfrohe und fröhliche Abwechslung in dem Stück sorgt die Rolle der Mrs. Van Hopper, gespielt von Isabel Dörfler. Amüsant und mit großer Stimme gelingt ihr dies ganz vorzüglich. Vor allem ihre Mimik sorgt immer wieder für Lacher im Publikum. Oliver Heim als Ben zeigt ein starkes Schauspiel und überzeugt mit wohlklingender Stimme.

Maxims Schwester Beatrice wird von Kerstin Ibald und Maxims bester Freund und Gutsverwalter Frank Crawley von André Bauer dargestellt, die diese Rollen schon in Wien spielten. Beide sind stimmlich und schauspielerisch top und zeigen sichtlich Spaß an ihren Rollen. Jack Favell ist der hinterhältige und schmierige Cousin von Rebecca – und einer ihrer Liebhaber. Leider gelingt es Andreas Wolfram schauspielerisch nicht ganz, diese Rolle entsprechend umzusetzen. Stimmlich zeigt Wolfram eine solide Leistung, auch wenn die Aussprache hin und wieder undeutlich ist. Das insgesamt starke Ensemble kann jedoch auf ganzer Linie überzeugen.

Beim sonst eher zurückhaltenden Schweizer Publikum sorgt “Rebecca“ jedenfalls für Begeisterung: Stehende Ovationen für Maya Hakvoort zum Schlussapplaus. Mit “Rebecca“ ist es dem Theater St. Gallen gelungen, ein unglaublich gutes Musical eindrucksvoll auf die Bühne zu bringen.