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Schlagwort: Theater 11

Magisch mit kleinen Abstrichen: „Wicked“ in Zürich

Magisch mit kleinen Abstrichen: „Wicked“ in Zürich

Geschichten über Freundschaft, Liebe, Verlust und Verrat gibt es in der Musical-Landschaft einige. Doch was macht eine Erzählung, die diese Themen beinhaltet, besonders? Im Fall von „Wicked“ ist es die Art der Kombination dieser Themen, gepaart mit einer wunderbaren berührenden Musik, welche die Geschichte von Elphaba, Glinda und Fiyero trägt.

Im Jahr 2003 feierte „Wicked“ im Curran Theatre in San Fransisco Premiere, ehe es dann an den Broadway ins berühmte Gershwin Theatre transferiert wurde. Mittlerweile ist es auf dem neunten Platz der am längsten gespielten Musicals am Broadway und die Vorstellungen sind nach wie vor ausverkauft. Weitere erfolgreiche Spielstätten sind London, Sydney, Tokio sowie Touren in den USA und UK. Weniger erfolgreich lief „Wicked“ in Deutschland. Dies aufgrund der Tatsache, dass der „Zauberer von Oz“ im Gegensatz zu den USA/UK eine wenig bekannte Geschichte ist. In Zürich im Theater 11 ist die aktuelle UK-Tour noch bis 31. Dezember 2017 zu sehen.

Ensemble „Wicked“ photo © Matt Crockett

Basierend auf dem 1995 erschienen Buch „The Life and Times of the Wicked Witch of the West” des amerikanischen Schriftstellers Gregory Maguire und beeinflusst von Frank Baum’s Film „The Wonderful Wizard of Oz “ aus dem Jahr 1939, zeichnen sich Stephen Schwartz für Komposition und Liedtexte sowie Winnie Holzman für das Buch verantwortlich. Regie führte Joe Mantello und die Choreographie stammt von Wayne Cilento.

Elphaba und Glinda, photo © Matt Crockett

„Wicked“ erzählt die Geschichte der beiden Hexen Glinda und Elphaba, zweier ungleicher junger Frauen, deren Interessen und Ansichten unterschiedlicher nicht sein können. Verliebt in den gleichen Mann, Fiyero, trennen sich ihre Wege nach der Schulzeit, da jede ihre eigenen Ziele verfolgt. Während Elphaba gegen die Machenschaften des Zauberers von Oz kämpft, sonnt sich Glinda im Scheinwerferlicht der Berühmtheit. Einige Jahre später begegnen sich beide wieder. Fiyero erkennt, wem der beiden Frauen sein Herz wirklich gehört und die beiden Freundinnen erkennen, wie ihre Freundschaft sie als Menschen zum Positiven verändert hat.

Das gelungene und detaillierte Bühnenbild von Eugene Lee erreicht seinen Höhepunkt bei der Emerald City Szene, bei der die ganze Bühne in eine smaragdgrüne Farbenwelt getaucht wird. Unterstützt wird das Bühnenbild von dem grossartigen Lichtdesign von Kenneth Posner. Bei der Tourproduktion ist insgesamt eine abgespeckte Bühnenbild Version zu sehen. Zuschauer, welche das Stück noch nie gesehen haben, fallen die Anpassungen nicht auf, während „Wicked“-Kenner die äusseren Bühnenelemente, wie die ausladende detailreiche Treppe, und die Brücke vermissen. Die fehlenden Bühnenelemente werden als Treppekonstruktion oder Podest eingeschobenen. Ausgeglichen werden die fehlenden Element auch durch ein angepasstes Bühnenspiel.

Glinda (Helen Woolf) photo © Matt Crockett

Die Kostüme von Susan Hilferty sind eine Augenweide. Das Besondere ist, dass die Kostüme allesamt asymmetrischen Formen und Muster haben. Ergänzt wird das Kostümbild mit den fantasievollen Perücken von Tom Watson. Der Musikalische Leiter Dave Rose führt das 15-köpfige Orchester sicher durch die komplexe Partitur des Stücks. Hörbar fehlen im Orchester die Streicher. Die auf dem Keyboard erstellten Streicherpartien hört man heraus, was den gesamten Musikeindruck etwas schmälert.

Elphaba (Amy Ross) photo © Matt Crockett

Amy Ross agiert in ihrer Rolle als ‚Elphaba’ solide mit guter Bühnenpräsenz. Während sie ihre kraftvolle Stimme bei „Defining Grafity“ noch Potential hat, zeigt sie bei „No Good Deed“ was sie kann. Helen Woolf als ‚Glinda’ hat in London die Rolle bereits als Zweitbesetzung gespielt, gelingt die Balance zwischen Ernsthaftigkeit und Komik perfekt. Ihren wohlklingenden und klaren Sopran setzt sie bei „Thank Goodness“ gekonnt ein. Bei beiden spürt man, wie viel Freude sie gemeinsam auf der Bühne haben, was vor allem in der Schlussszene zum ersten Akt bemerkbar macht. Eine wunderbare Ergänzung zu den beiden Damen ist Aaron Sidwell der den ‚Fiyero’ gibt. Mit jugendlichem Leichtsinn interpretiert er seine Rolle bei „Dancing Through Life“ und zeigt eine gelungene Entwicklung seines Charakters.

Aaron Sidwell (Fiyero) photo © Matt Crockett

Steven Pinder der als ‚Wizard of Oz’ und ‚Doctor Dillamond’ eine Doppelrolle spielt, zeigt gesanglich eine gute Leistung. Als ‚Wizard von Oz’ lässt er in seinem Schauspiel das fiese und durchtriebene des Zauberers ein wenig vermissen und wirkt fast zu lieb. Kim Ismay punktet in ihrer Interpretation als ‚Madame Morrible’. Ihr gelingt die Steigerung von der netten und fürsorglichen Schulleiterin zur machtgierigen Pressesprecherin des Zauberers auf ganzer Linie. Emily Shaw als ‚Nessarose’ und Iddon Jones als ‚Boq’ gefallen mit ihrem Schauspiel. Mit starker Stimme interpretiert Shaw den kurzen Song „The Wicked Witch of the East“.

Insgesamt kann das Ensemble von „Wicked“ im Theater 11 durchaus überzeugen, auch wenn man hier und da kleine Abstriche machen muss. Beim Schweizer Publikum scheint die Geschichte von Elphaba, Glinda und Fiyero anzukommen. Standing Ovation in der besuchten Vorstellung.

Überzeugende Stimmen: „Evita“ auf Tour

Überzeugende Stimmen: „Evita“ auf Tour

María Eva Duarte de Perón war gerade mal 33 Jahre alt, als sie am 26. Juli 1952 ihrem Krebsleiden erlag. Bis heute ist sie für viele Argentinier eine Ikone, da sie eine der grössten Wohltäterinnen ihres Landes war. Als erste Frau nahm sie grossen Einfluss in der damaligen politischen Landschaft Argentiniens, ohne die Rolle ihres Mannes Juan Perón als Präsident zu beeinträchtigen. Die Geschichte von Eva Perón inspirierte Andrew Lloyd Webber und Tim Rice im Jahr 1974 sich dem Stoff anzunehmen. Im Juni 1978 feierte das Musical im Prince Edward Theatre in London seine Uraufführung. Vom 25.- 30. April 2017 gastiert die englischsprachige Tour im Theater 11 in Zürich und vom 11.-16. Juli 2017 im Musicaltheater Basel.

Ensemble Foto: Pamela Raith

Das Ziel der jungen Eva Duarte ist Buenos Aires, denn das kleine Dorf Junín, in dem sie lebt, ist ihr nicht gut genug. Sie träumt davon in der grossen Stadt eine berühmte Schauspielerin zu werden. Diverse Männerbekanntschaften helfen ihr dieses Ziel zu erreichen. Auf einer Benefizveranstaltung für Erdbebenopfer trifft sie auf den ehrgeizig politisch engagierten Juan Perón. Emma Hatton, zuletzt als Elphaba in „Wicked“ in London zu sehen, begeistert mit ihrer starken Bühnenpräsenz und ihrer facettenreichen Stimme. Als Erzähler bringt Che, angelehnt an den argentinischen Revolutionsführer, den Zuschauern die Geschichte von Eva Duarte aus einer kritischen Sicht näher. Gian Marco Schiaretti, unter anderem als Tarzan in Hamburg und Stuttgart zu erleben, verkörpert die Rolle mit dem nötigen Feingefühl, überzeugendem Spiel und punktet mit ausdrucksstarker Stimme. Juan Perón ist ein aufstrebender Militärkommandant, der Stück für Stück politisch an Einfluss gewinnt. Dank seiner charismatischen Frau gelingt ihm bei der Präsidentenwahl der Durchbruch. Kevin Stephen-Jones, bei der „Cats“-Tournee 2016 als Old Deuteronomy zu sehen, verleiht seiner Darstellung als Juan Perón die nötige Intensität und Glaubhaftigkeit. Dank der erzwungenen Unterstützung des Sängers Magaldi kommt Eva ihrem Weg nach Buenos Aires näher – er ist für sie das Mittel zum Zweck. Oscar Balmaseda interpretiert seine Figur Rollengerecht und mit schöner Stimmfarbe.

Emma Hatton als Evita Foto: Pamela Raith

Für Tim Rice (Texte) und Andrew Lloyd Webber (Musik) war es nach „Jesus Christ Superstar“ das zweite Stück, dass sie gemeinsam auf die Bühne gebracht haben. Gespickt mit mitreissenden und eingängigen Melodien wie den Welterfolg „Don’t Cry For Me Argentina“ oder „High Flying Adored“ feiert „Evita“ seit Jahrzehnten Erfolge. Regisseur Bob Tomson verbindet politische Themen mit der Lebensgeschichte einer aussergewöhnlichen Frau auf eine berührende und spannende Weise. Seine Personenregie ist detailliert, so dass gerade die Hauptfiguren eine eindrückliche Präsenz aufweisen. Die Choreografie von Bill Deamer ist ausgereift und fügt sich nahtlos in die Regiearbeit von Tomson ein. Das Bühnenbild von Matthew Wright stellt eine Art grosse Halle da, welche je nach Szene mühelos angepasst wird. Treppenaufgänge die miteinander verbunden werden, Säulen und diverse detailliert ausgearbeitete Requisiten ergänzen die Szenerie perfekt. Zusammen mit dem gelungenen Lichtdesign von Mark Howett und Wrights Kostümen im Stil der 30er-40er Jahre, entsteht ein stimmiger Gesamteindruck. Das Orchester unter der Leitung von Will Joy bringt die musikalisch verschieden Facetten des Stück, von Rock Pop bis zu südamerikanische Rhythmen, wunderbar zu Gehör.

Ensemble Foto: Pamela Raith

Ein geschichtliches Thema in einem Musical zu verarbeiten ist anspruchsvoll. Rice und Webber ist das mit „Evita“ wunderbar gelungen. Mit hoher Qualität und Spielfreunde zeigte das ganze Ensemble eine durchweg überzeugende Leistung. Das Publikum im Theater 11 spendete minutenlang Applaus.

Unterhaltung pur: Mary Poppins in Zürich

Unterhaltung pur: Mary Poppins in Zürich

Das von Disney und Cameron Mackintosh produzierte Musical erzählt die Geschichte des wohl beliebtesten Kindermädchens Mary Poppins, welches die Welt von Familie Banks auf den Kopf stellt. Mister Banks hat klare Vorstellungen bei der Erziehung seiner Kinder Jane und Michael.  Während Mrs. Banks ihrem Mann einmal mehr erklären muss, dass das nächste Kindermädchen reissaus genommen hat, haben die beiden Kinder eine genaue Vorstellung von ihrem zukünftigen Kindermädchen. Mister Banks besteht auf eine strenge und disziplinierte Erziehung, während die Kinder jemanden suchen mit Verständnis, zum Spielen haben und Interesse hat Zeit mit ihnen zu verbringen. Mister Banks findet die Vorstellungen seiner Kinder Unsinn, zerreisst die Stellenanzeige der beiden und entsorgt diesen Postwendend im Kamin. Kurz drauf tritt eine geheimnisvolle, junge Frau Namens Mary Poppins in das Leben der Banks.

Im Jahr 2004 feierte das Stück seine Premiere am Londoner West End und 2006 folgte die Premiere am Broadway. Anschliessende Tourstationen waren Australien, Neuseeland, USA und Grossbritannien. Die englischsprachige Tourversion macht zum ersten Mal in der Schweiz halt und ist vom 05. Februar 2017 bis 19. März 2017 im Theater 11 in Zürich zu sehen.

©Johan Persson

Basierend auf der Kinderbuchreihe von P. L. Travers sowie dem gleichnamigen Film aus dem Jahr 1964, mit Julie Andrews und Dick Van Dyke in den Hauptrollen, enthält die Bühnenversion Elemente aus den Kinderbüchern und dem Film. Das Buch schrieb Julian Fellows und die Melodien und Liedtexte stammen von Richard M. Sherman und Robert B. Sherman. Zusätzliche Liedtexte und Songs steuerten Georg Stiles und Anthony Drewe bei. Songs wie „Supercalifragilisticexpialidociuos“, „Fed The Birds“ und „Step in Time“ sind wahrhaftige Ohrwürmer. James Powell, der die Regie der Tourproduktion verantwortet, setzt die Original-Inszenierung von Richard Eyre gekonnt in Szene. Auffallend ist die klare und detailliert geführte Personenregie. Nach dem Motto darf es ein bisschen mehr sein, wirken die Charaktere in manchen Szenen recht ausladend, was aber den Unterhaltungswert des Stücks in Kombination mit den komödiantischen Elementen steigert. Die unterhaltsame und mitreissende Choreografie von Geoffrey Garratt sorgt für Begeisterung.

Das Kostüm- und Bühnenbilddesign von Bob Crowley ist mit viel Liebe zum Detail gestaltet, welches den einen oder anderen Überraschungsmoment bereithält. Die Kostüme sind passend zu den einzelnen Charakteren und verleihen diesen nie nötige Authentizität. Die Szenerien werden wunderbar durch das perfekt abgestimmte Lichtdesign von Natasha Katz ergänzt. Das 13-köpfige Orchester unter der Leitung von Steve Moss bringt die Songs schwungvoll zu Gehör, vermag aber auch bei den leisen Tönen zu überzeugen.

©Johan Persson

Eine junge, auf den ersten Blick, unscheinbare Frau soll die beiden Kindern Jane und Michael Anstand und Manieren beibringen. Dazu setzt sie auf ganz besondere Tricks, welche die Kinder am Anfang nicht so recht goutieren, erzielen aber eine nachhaltige Wirkung. Als Mary Poppins begeistert Lisa O’Hare mit ihrer klaren Stimme und ihrer ausdrucksstarken Bühnenpräsenz. Bert führt das Publikum mit Witz und Charme durch die Geschehnisse in der Cherry Tree Lane und unterstützt Mary Poppins wo immer nötig. Matt Lee verleiht seinem Bert eine liebenswürdige Art und punktet mit wohlklingender Stimme. Die akrobatische Begehung der Bühnenumrandung bei „Step in Time“, inklusive der Steppeinlage kopfüber, hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Während Mr. Banks getrieben von seinem Leistungsdruck in der Bank ist und fast nie Zeit für seine Kinder hat, möchte Mrs. Banks die Erziehung der beiden am liebsten selbst in die Hand nehmen. Neil Roberts und Kara Lane gefallen durch ihre erfrischend sympathische Darstellung als George und Winifred Banks. Jane und Michael haben es faustdick hinter den Ohren – Erziehung Fehlanzeige, bis Mary Poppins in ihr Leben tritt. Aufgrund ihrer grossen Spielfreude gelingt es Isabella Billingham und Louis Parker das Publikum rasch für sich zu gewinnen.

©Johan Persson

Wendy Ferguson und Blair Anderson haben als zeternde Haushälterin Mrs. Brill und trottliger Hausdiener Robertson Ay die Lacher des Publikums auf ihrer Seite. Ihre komödiantischen Einlagen wirken zu keiner Zeit aufgesetzt. Vorrübergehend verlässt Mary Poppins das Haus der Banks. Winifred möchte ihren Mann überraschen und treibt als Ersatz Mrs. Andrews auf – Georges ehemaliges furchteinflössendes Kindermädchen. Mit starker Stimme von Penelope Woodman gespielt. Als Bird Woman gefällt Grainne Renihan durch ihr feinfühliges Spiel und die berührende Interpretation des Songs „Feed the Birds“.

Die englischsprachige Tourproduktion von Mary Poppins ist Unterhaltung für Gross und Klein. An der besuchten Vorstellung waren strahlende Kinderaugen und Standing Ovation der Lohn des Publikums für die spürbare Spielfreude und die überzeugende Vorstellung des Ensembles.

Überzeugende Inszenierung: „Chicago“ – Tour englischsprachige Original Produktion

Überzeugende Inszenierung: „Chicago“ – Tour englischsprachige Original Produktion

Seit dem Jahr 1975 ist „Chicago“ von Bob Fosse (Buch), John Kander und Fred Ebb (Musik, Buch, Songtexte) auf den Bühnen der Welt zu sehen. Die englischsprachige Original Produktion ist vom 09.-20. November 2016 zu Gast am Theater 11 in Zürich. An Aktualität hat das Vaudeville-Musical nichts eingebüsst – Korruption, Mord, Verrat, Lüge und Habgier sind die Aspekte, die in diesem Stück vereint sind. Berühmt und in allen Gazetten Allgegenwärtig ist Velma Kelly bis Roxie Hart auftaucht und Velma den Platz im Rampenlicht streitig macht – Handlungsort ist ein Frauengefängnis im Chicago der 1920er Jahre. Während Hart ihren Liebhaber umgebracht hat, rächte sich Kelly für einen Seitensprung an ihrem Mann und ihrer Schwester.


Foto: © Catherine Ashmore
Foto: © Catherine Ashmore

Regisseur Walter Bobbie lässt Bühnenbild, Band und Story ineinander verschmelzen und zeigt „Chicago“ als perfekt inszenierte Symbiose. Hinzu kommt die energiegeladene Original-Choreographie von Bob Fosse. Das Bühnenbild ist ein Treppenförmiger Aufbau, welcher die komplette Breite der Bühne einnimmt. Die einzelnen Szenen des Stücks spielen vor und auf diesem Aufbau. Das gelungene Lichtdesign unterstützt einzelne Szenen und verleiht diesen noch mehr Wirkung. Die Kostüme sind freizügig, sexy und passend zum Stück, lassen allerdings die 1920er Jahre vermissen. Die 10-köpfige Band um Musical Director Ben Atkinson lässt wohlklingenden Jazz-Sound ertönen. Sie findet ihrem Platz auf den verschiedenen Stufen des Aufbaus und wird zeitweise in die Inszenierung integriert.

Eine überzeugende Leistung zeigt Hayley Tamaddon als Roxie Hart. Ihre dunkel legierte und klare Stimme gefällt auf ganzer Linie. Roxie steht nur einem Menschen nahe, nämlich sich selbst – um im Mittelpunkt zu stehen, greift sie auch zu unlauteren Mitteln wie eine vorgetäuschte Schwangerschaft. Als Velma Kelly punktet Sophie Carmen-Jones mit starker Bühnenpräsenz und wunderbar jazziger Stimme – ihr „All That Jazz“ beeindruckt. Dass Velma ihre Popularität wegen Roxie einbüsst, schmeckt ihr gar nicht und so verbündet sie sich wohl oder übel mit ihrer Konkurrentin. Ihre Mädchen bedeuten Matron „Mama“ Morton alles, sofern diese genügend Geld für ihre „Wünsche“ zahlen – Jessie Wallace starke und wohlklingende Stimme hinterlässt einen bleibenden Eindruck.

Foto: © Catherine Ashmore
Foto: © Catherine Ashmore

Der findige Anwalt Billy Flynn wird von John Partridge auf charismatische Weise verkörpert. Mitleid hat man mit Amos – dem treudoofen Ehemann von Roxie Hart. Neil Ditt versteht es, Amos ins entsprechende Licht zu rücken. Sein Song „Mister Cellophane“ berührt. Als sensible Klatschreporterin Mary Sunshine begeistert A D Richardson mit klassischer Stimmführung und seinem Falsett-Gesang beim Song „A Little Bit of Good“.

Das Ensemble bietet eine durchweg überzeugende Leistung während des ganzen Stücks – besonders hervorzuheben sind der „Cell Block Tango“ oder das temporeiche „We Both Reached For the Gun“. Das Publikum würdigte die sehenswerte Inszenierung mit Standing Ovation.

Disney-Charme und kleine Sprachbarrieren – „Die Schöne und das Biest“ in Basel

Disney-Charme und kleine Sprachbarrieren – „Die Schöne und das Biest“ in Basel

Zweifelsohne stammen aus dem Hause Disney die schönsten Märchen und fantasievollsten Geschichten zu denen auch „Die Schöne und das Biest“ zählt. Das Stück basiert auf dem gleichnamigen Walt-Disney Zeichentrickfilm. Federführend für die Musicalversion sind Linda Woolverton (Buch) sowie Howard Ashman und Tim Rice (Texte). Für die Musik zeichnet sich Alan Menken verantwortlich, der für zahlreiche Disney-Filme wie zum Beispiel „Arielle – Die Meerjungfrau“, „Aladdin“ und „Pocahontas“ bereits acht Oscars gewann. Am 18. April 1994 feierte das Stück im Palace Theatre in New York seine Weltpremiere und war seither in 13 Ländern zu sehen. Zurzeit ist die Inszenierung des Budapester Operetten- und Musicaltheaters auf Tour und bis zum 13. Dezember 2015 im Musicaltheater Basel zu Gast.

Disney Die Schoene und das Biest
Enselmble ©Stefan Malzkorn

Die Weihnachtszeit ist immer auch die Zeit für Märchen und so erzählt „Die Schöne und das Biest“ die Geschichte von Belle und einem verwunschen Prinzen, der von einer Zauberin aufgrund seiner Oberflächlichkeit und Unfreundlichkeit in ein abscheuliches Biest verwandelt wurde. Bevor das letzte Blatt von einer verzauberten Rose fällt, muss das Biest von einem anderen Menschen ehrliche Liebe empfangen und diese auch selber geben. Belle, die auf der Suche nach ihrem Vater, in dem Schloss Unterschlupf findet, freundet sich mit den ebenfalls verwunschenen Dienern des Schlosses an. Nach und nach findet das Biest und Belle zueinander und gestehen sich am Ende ihre Liebe.

Das Ensemble besteht ausschliesslich aus Darstellerinnen und Darstellern des Budapester Operetten- und Musicaltheater, welche das Stück komplett in deutscher Sprache einstudiert haben. Trotz der über weite Strecken guten sprachlichen Umsetzung (Dialog Coach: Martin Harbauer) wirken Dialoge teilweise zu aufgesagt – es fehlt manchmal an Feinheit und Witz. Gerade in den Dialogen des Biests wird dies deutlich, wie zum Beispiel in der Szene als dieses mit Belle die Welt der Bücher erkundet.

Absolut gelungen sind die grossen Ensembleszenen (Choreografie: Éva Duda) wie bei „Sei hier Gast“. Die musikalische Umsetzung überzeugt auf ganzer Linie (Musikalische Leitung: László Makláry) und Dirigent Krisztián Balassa führt sein Orchester schwungvoll durch die Partitur. Das Bühnenbild ist für eine Tourproduktion enorm (Set Design: István Rózsa) und sorgt dank rotierender Drehbühne für Eindruck. Die hübsch anzuschauenden Kostüme von Erzsébet Túri vervollständigen den märchenhaften Gesamteindruck (Regie: György Böhm).

Disney Die Schoene und das Biest
Die Schöne und das Biest          ©Stefan Malzkorn

Als Biest zeigt Zsolt Homonnay eine gelungene Darstellung, einzig die schon erwähnte sprachliche Umsetzung trübt diesen Eindruck ein Stück weit. Mit klarer Stimme und ausdrucksstarkem Schauspiel gibt Kitti Jenes eine resolute Belle. Mit dem Song „Die Schöne und das Biest“ interpretiert Lilla Polyák als Madame Pottine den Titelsong auf starke und gefühlvolle Weise und berührt durch ihre Darstellung. Als Gaston, der vergeblich um die Gunst von Belle wirbt, und dessen Handlager Lefou gefallen Attila Németh und Attila Serbán. Als verwunschene Diener des Schloss zeigen Tamás Földes (Herr von Unruh), Ádám Bálint (Lumière), Gabriella Ábrahám (Babette), Ildikó Sz. Nagy (Mad. de la Grand Bouche) und Félix Horváth (Tassilo) eine gelungene Darstellung.

Insgesamt macht es Spass dem gesamten Ensemble auf der Bühne zuzusehen, denn „Die Schöne und das Biest“ ist eines der schönsten Märchen unserer Zeit. Das Publikum im Basler Musicaltheater applaudiert in der besuchten Vorstellung kräftig und zeigt sich begeistert.

Unterhaltsam & Kurzweilig: „Io Senza Te“ – Das Musical

Unterhaltsam & Kurzweilig: „Io Senza Te“ – Das Musical

Jean-Rémy und Lilly sind nach 20 Ehejahren auf dem besten Weg sich im Alltag zu verlieren. Vor allem Lilly hadert damit dem Traum vom Auswandern auf die Bahamas und ist sich nicht mehr sicher, ob ihr Traum sich jemals verwirklichen lässt. Ky lebt mit ihrem Vater Paul auf den Bahamas. Beim morgendlichen Fischen eröffnet sie ihrem Dad, dass sie einen Job in der Schweiz gefunden hat und am Abend bereits abreist. Der Barkeeper Gio und Komponist Dieter, der davon träumt mit Musik den Durchbruch zu schaffen, wohnen zusammen in einer WG in Zürich. Das Schicksal führt die Protagonisten in der Bahamas-Bar im Niederdörfli zusammen. An der Feier zum 20igsten Hochzeitstag von Jean-Rémy und Lilly gelingt Gio, Ky und Dieter ein unerwarteter Erfolg mit dem Revival des Songs „Io Senza Te“. Plötzlich stehen sie als Trio vor einer gemeinsamen musikalischen Zukunft. Aber wollen sie das überhaupt? Nach einer aufregenden Zeit, kristallisiert sich für alle der richtige Weg heraus und sie erkennen wir ohne wen oder was nicht sein kann.

© GOOD NEWS PRODUCTIONS AG
© GOOD NEWS PRODUCTIONS AG

Wer hätte gedacht, dass Peter, Sue & Marc nach ihrem ersten Auftritt im Jahre 1968 im Theater National in Bern am Zibelemärte zu einer der erfolgreichsten Bands der Schweiz avancieren. Den grossen Durchbruch schaffte das Trio durch den vierten Platz beim Grand Prix Eurovision 1976 in Den Haag mit dem Song „Djambo Djambo“. Es folgten zahlreiche Auftritte in TV-Shows, über eintausend Konzerte und über eine Million verkaufte Tonträger. Im Jahr 1981 geht bei der Silvester-Sendung des Schweizer Fernsehen „Teleboy“ die 13-jährige Karriere des Trios zu Ende. Zu den erfolgreichsten Hits gehören „Cindy“, „Birds of Paradise“ und nicht zuletzt „Io Senza Te“.

Das Musical mit den Songs von Peter, Sue & Marc feierte am 10. September 2015 seine Uraufführung im Theater 11 in Zürich und ist dort bis zum 01. November 2015 zu sehen.

Domenico Blass (Buch) und Stefan Huber (Buch und Regie) haben eine berührende, kurzweilige und unterhaltsame Geschichte, gespickt mit zahlreichen witzigen Momenten, um die Songs von Peter, Sue & Marc gestrickt. Im ersten Akt vergeht die Zeit wie im Flug. Etwas ins Stocken gerät das Ganze im zweiten Teil und wirkt, trotz zahlreicher gelungener Momente, etwas holprig mit einem recht rasanten Ende. Nichtsdestotrotz bleibt es insgesamt betrachtet eine kurzweilige Angelegenheit. Stefan Huber zeigt bei der Regie viel Feingefühl und zeichnet die charakterlichen Eigenschaften der Protagonisten deutlich. Szenenübergänge zwischen Zürich und den Bahamas gelingen spielerisch. Die mitreissende und energiegeladene Choreografie von Simon Eichenberger faszinieren. Stark wie er das Ensemble beim Tanzen agieren lässt – eindrucksvoll in Erinnerung bleibt hier „Charly Chaplin“. Das 13-köpfige Orchester ist im hinteren Teil der Bühne und beim TV-Auftritt mit in die Szene integriert. Kai Tietje (Musikalischer Leiter und Arrangement) und seine Musiker bringen die Songs des Stücks schwungvoll und schmissig zu Gehör. Das Tondesign von Thomas Strebel gefällt. Orchester und Darsteller sind wunderbar aufeinander abgestimmt. 

Die Bahamas und Zürich sind die Schauplätze der Geschichte. Im Mittelpunkt steht die Bahamas-Bar von Jean-Rémy. Das Bühnenbild von Karel Spanhak ist einfach, besticht aber durch seine Liebe zum Detail. Schattenhafte Palmen und die teilweise beleuchtete Silhouette von Zürich im Hintergrund, ermöglichen schnelle Szenenwechsel. Die Bahamas-Bar in Pink gehalten sowie weiter Handlungsorte wie zum Beispiel das Piratenschiff beim TV-Auftritt runden das gelungene Bühnenbild ab. Das Lichtdesign von Pia Virolainen unterstreicht einzelne Szenen wirkungsvoll und setzt diese ins richtige Licht. Heike Seidler deckt mit ihren Kostümen (Maske: Ronald Fahm) ein breites Spektrum ab. Von der Alltags- und Businesskleidung bis hin zu glamourösen Kostümen für die TV-Auftritte von Gio, Ky und Dieter. Hervorzuheben sind die funkelten Kostüme inklusive passender Melone, Schnauz und Stock bei „Charlie Chaplin“.

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Der Abschied von den Bahamas und ihrem Vater Paul (Stark: Christoph Wettstein) sowie die Ankunft in Zürich ist für Ky im ersten Moment ein kleiner Kulturschock. Schnell findet sie sich im Grossstadt-Dschungel zurecht. Anja Haeseli begeistert als Ky durch ihre natürliche Spielfreude und ihre klangschöne Stimme. Gio, ein ewiger Student, arbeitet als Barkeeper in der Bahamas-Bar. Vom ersten Moment an ist er von Ky fasziniert. Als diese den Song „Mama Made The Music“ aus der Jukebox mitsingt, ist es um ihn geschehen. In der besuchten Vorstellung gab Lukas Hobi den Gio. Hobi liefert eine überzeugende Interpretation ab und punktet mit seiner sicher geführten Tenorstimme. Mit der nötigen Ernsthaftigkeit und trockenem Humor spielt Jörg Neubauer den Möchtegern Musikkomponisten Dieter, der eigentlich zum studieren von seinen Eltern nach Zürich geschickt wurde. Bisher blieb der grosse Erfolg aus, aber wer weiss was die Zukunft bringt, denn Talent hat Dieter allemal.

Als Jean-Rémy und Lilly vor 20 Jahren auf den Bahamas geheiratet haben, waren beide voller Träume und wollte eines Tages auf die Insel zurückkehren. Durch verschiedene Lebenseinstellungen und die unterschiedlichen Arbeitszeiten leben die beiden seit einiger Zeit aneinander vorbei. Romeo Meyer gibt den Jean-Rémy ausdrucksstark und lässt keinen Zweifel daran für seine grosse Liebe zu kämpfen. Durch ihr nuanciertes Schauspiel und ihre charaktervollen Stimme zeigt Sylvia Heckendorn eine eindrückliche Lilly, die ihren Mann im Moment nicht mehr versteht. Nie den Glauben an die beiden verliert Sonja, Trauzeugin und beste Freundin von Lilly. Mit dunkel legierter Stimmfarbe und einfühlsamer Darstellung begeistert Cécile Gschwind. Ein berührender Moment ist das Duett „Jeremy“ von Heckendorn und Gschwind.

Claudia wohnt zusammen mit Gio und Dieter in der WG und ist fest davon überzeugt eine gute Sängern zu sein. Für die Überraschung zum Hochzeitstag von Jean-Rémy & Lilly, suchen Gio und Dieter in ihrer WG nach einer Sängerin. Claudia ist nur schwer vom Gegenteil zu überzeugen, dass sie nicht wirklich singen kann. Angela Hunkeler beweist komödiantisches Talent und punktet als Nervensäge Claudia auf voller Linie. Die Casting-Szene ist ohnehin ein Highlight des Stückes, vor allem durch die Art und Weise der Darbietung der Songs „Mountain Man“, „Trödler & Co“ und „Cindy“.

 Ursula und Bettina sind die Arbeitskolleginnen von Ky. Bettina (Gabriela Ryffel) ist süchtig nach ihrem Smartphone und reagiert auf gesagtes immer zu spät, was Ursula (Annie-May Mettraux) mächtig nervt. Ryffel hat durch ihre komödiantische Darstellung die Lacher immer wieder auf ihrer Seite. Zu keiner Zeit wirkt dies jedoch aufgesetzt oder unnatürlich. Beide bieten Unterhaltung pur und ergänzen sich in ihrer Rollenauslegung hervorragend. Jürgs liebster Aufenthaltsort ist die Bahamas-Bar, am besten immer mit einem Bier. Plötzlich sieht er die Chance alias Dr. Rock dem Trio Gio, Ky und Dieter als Manager auf die Sprünge zu helfen. Rolf Sommer als Jürg steht den beiden Damen in nichts nach. 

Das gesamte Ensemble agiert mit ausgesprochener Spielfreude und trägt massgeblich zu dem unterhaltsamen und kurzweiligen Abend bei. Das Publikum würdigt dies mit minutenlangen Applaus und bei der Dance-Version von „Io Senza Te“ hält es das Zürcher Publikum nicht mehr auf den Sitzen.

Animationsfilm goes Musical – Gute Unterhaltung bei Shrek

Animationsfilm goes Musical – Gute Unterhaltung bei Shrek

Man stelle sich vor Rotkäppchen, der böse Wolf, Frau Holle, Pinocchio, Max & Moritz und viele andere bekannte Märchenfiguren sind unausstehliche Freaks. Undenkbar? Doch! Denn als solche sieht sie der exzentrische Herrscher von Duloc Lord Farquaad und verbannt alle Fabelwesen in einen Sumpf. Der von Menschen gefürchtete Shrek, ein grosser und grüner Oger, lebt in diesem Sumpf – seinem Sumpf und hat so gar keine Lust auf diese lebendigen und schnatterhaften Besucher. Nur wie kann er diese wieder los werden? Shrek macht sich auf den Weg zu Lord Farquaad. Der Deal lautet: Befreit Shrek Prinzessin Fiona aus dem Turm, der von einem grossen bösen Drachen bewacht wird, und bringt sie zu Farquaad, der Fiona heiraten möchte um König zu werden, bekommt er seinen Sumpf zurück. An seine Seite gesellt sicher der ohne Punkt und Komma quasselnde Esel.

Bettina Mönch als Prinzessin Fiona
Bettina Mönch als Prinzessin Fiona

William Steig, ein Kinderbuchautor und Cartoonist, ist der Erfinder von „Shrek“. 2001 bringt DreamWorks den Animationsfilm „Shrek – ein tollkühner Held“ auf die Kinoleinwand. 2002 gewinnt der Film einen Oscar als bester animierter Spielfilm. Bereits im Jahr 2008 hob sich der Vorhang für die Musicalfassung am Broadway. 2011 folgte die Premiere am Londoner West End. Die deutschsprachige Premiere fand 2014 in Düsseldorf statt. Zurzeit tourt das Stück durch Deutschland, Österreich und die Schweiz und macht vom 19. Februar bis 01. März nun Halt im Theater 11 in Zürich.

Bestimmt wird das Bühnenbild (Sam Madwar) von einer riesigen Leinwand, auf der die einzelnen Szenen mittels Projektion dargestellt werden. Besonders gelungen ist die Sumpflandschaft, in der Shrek zu Hause ist, und die Kathedrale für die Eheschliessung von Farquaad und Fiona, inklusive Sonnenuntergang. Mit etwas mehr Liebe zum Detail hätte man bei den Bäumen arbeiten können, die je nach Handlungsort von den Seitenbühnen rein gefahren werden. Insgesamt aber gefällt das Bühnenbild für eine Tourproduktion ausserordentlich gut. Die Kostüme von Mario Reichlin gefallen auf ganzer Linie. Farbenfroh sind vor allem die Märchenfiguren, aber auch die „bösartige“ Drachendame (wird von vier Darstellern gespielt) setzt grossartige Akzente.

Die Handschrift von Andreas Gergen (Regie) zeichnet sich deutlich. Sei es die publikumsbezogende Darstellung oder aber die präzise Ausgestaltung der einzelnen Charaktere. Die Szene „Heut‘ ist der Tag“, in der die kleine Fiona, die Teenie Fiona und die Erwachsene Fiona ihr Leben nacherzählen, gelingt eindrucksvoll. Ein Highlight ist hier die rosa Socke, die Fionas strahlenden Helden darstellt, der kommt um sie aus dem Turm zu retten. Auch regionale Anpassungen werden eingebaut – so flucht Pinocchio zum Beispiel auf Schweizerdeutsch. Was Choreografin Kim Duddy auf die Bühne gezaubert hat, gefällt auf ganzer Linie. Die Tanzeinlagen sind durchdacht, mitreissend und schwungvoll. Hervorzuheben ist hier die Stepptanzeinlage der Ratten, mit passenden Kostümen, zur Melodie des Rattenfängers.

Andreas Lichtenberger als Shrek und Andreas Wolfram als Esel
Andreas Lichtenberger als Shrek und Andreas Wolfram als Esel

Die Band, rund um die Musikalische Leitung von Heribert Feckler, bringt die abwechslungsreichen Melodien von Jeanine Tesori schwungvoll zu Gehör. Übersetzungen aus dem Englischen ins Deutsche ist immer eine knifflige Angelegenheit. Heiko Wohlgemuth und Kevin Schroeder ist es gelungen, den Wortwitz der Songtexte und Dialoge grösstenteils zu erhalten, da verzeiht man auch eins zwei unglückliche Ausrutscher.

Mit Andreas Lichtenberger als Shrek ist dem Castingteam ein Volltreffer gelungen. Als muffelmotziger aber irgendwie doch auch liebenswerter Oger, zeigt er eine überzeugende Leistung. Als bestimmende, manchmal etwas zickige Prinzessin Fiona begeistert Bettina Mönch mit ihrer wohlklingenden Stimme und punktet ihrem komödiantischen Talent. Einen überaus liebenswerten und nervtöteten Esel gibt Andreas Wolfram, der im Zusammenspiel mit Mönch und Lichtenberger gefällt. In der DreamWorks Verfilmung ist der Esel noch um einiges nerviger als hier gesehen. Schön wäre es gewesen, wenn dies noch etwas mehr in der Darstellung des Charakters eingeflossen wäre.

Der exzentrische Lord Farquaad wird von Paul Kribbe gespielt. Die körperlich anspruchsvolle Rolle, Kribbe bewegt sich das ganze Stück auf Knien, füllt er mit der nötigen Arroganz des Charakters aus und macht auch gesanglich eine gute Figur. In Erinnerung bleibt hier die rasante Einlage von „Hier in Duloc“. Stephan Luethy hat in seiner Darstellung als Pinocchio, immerhin Rädelsführer der Märchenfiguren, noch Luft nach oben und bleibt etwas zu blass.

Das gesamte Ensemble agiert ob als Märchenfiguren, als Einwohner oder Wachen von Duloc schwungvoll und harmonisch auf der Bühne. Im Gesamteindruck kann man „Shrek“ assistieren, dass das Stück pure Unterhaltung mit vielen lustigen Momenten und ein paar Anspielungen auf bekannte Musicals, Filme oder Melodien bietet. Langeweile? Klare Fehlanzeige, denn diese gibt es nicht! Das Publikum in Zürich quittierte dies mit minutenlangem Applaus, strahlende Kinderaugen inklusive.

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Gelungene Bühnenversion von „Dirty Dancing“ auf Tournee

Gelungene Bühnenversion von „Dirty Dancing“ auf Tournee

„Es war im Sommer ’63, alle nannten mich Baby“, beginnt einer der wohl bekanntesten Streifen der Filmgeschichte. Auch heute noch zieht die Geschichte von Frances „Baby“ Houseman und Johnny Castle die Menschen in ihren Bann. Virtuose Tanzszenen gepaart mit Songs, die ins Ohr gehen. Eine Low-Budget-Filmproduktion landete einen unvergessenen Überraschungserfolg. Als Johnny Castle gelang Patrick Swazy der Durchbruch im Filmgeschäft. Im Jahr 2004 feierte „Dirty Dancing“ als Bühnenversion seine Weltpremiere in Sydney, die Europapremiere folgte 2006 in Hamburg. Aktuell ist die Show auf großer Tournee.

„Dirty Dancing“ auf Tour

Frances „Baby“ Houseman macht mit Familie Ferien in einer typischen Ferienanlage im Amerika Anfang der 1960er Jahre. Pure Langeweile! Durch Zufall gelangt die schüchterne junge Frau auf die Party der Angestellten und sieht dort zum ersten Mal die Tänzer richtig tanzen und trifft auf den gut aussehenden Tanzlehrer Johnny Castle. Durch ihn entdeckt sie ihre Leidenschaft fürs Tanzen und erlebt die erste große Liebe. Was folgt, ist ein Hin und Her von Gefühlen, Prinzipien und Konflikten, die erst am Tag des großen Abschlussballs aufgelöst werden – Baby und Johnny verzaubern mit ihrem Abschlusstanz die Gäste und Babys Familie.

Eleanor Bergstein hat das Buch zum Film geschrieben und ist ebenfalls für die Bühnenfassung verantwortlich. Allerdings ist die Bühnenversion so nah an der Filmfassung, dass einzelne Dialoge, vor allem im ersten Akt, absolut identisch sind. Die eine oder andere zusätzlich eingestreute Geschichte hebt das Stück etwas vom Film ab, jedoch nicht wesentlich. Alex Balga zeichnet als Regisseur für die Neuinszenierung verantwortlich und sorgt für ein bisschen mehr Pep im Stück, hat jedoch kaum Spielraum für entscheidende neue Elemente.

Das Bühnenbild von Stephen Brimson Lewis, Tim Mitchell und Jon Driscoll zeigt die gleiche Szenerie wie im Film. Durch Videoprojektionen werden einzelne Szenen unterstützt. Die berühmte Szene im Wasser, als Baby und Johnny ihre Hebefigur üben, bekommt sogar Szenenapplaus – allerdings wäre es sinnvoll, wenn sich die Wasseroberfläche nach dem Sturz ins Wasser zumindest bewegen würde. Insgesamt hätte dem Stück etwas weniger Kitsch gut getan, denn vor allem bei der Lichtgestaltung ist es manchmal des Guten zu viel. Die Band ist ins Bühnenbild integriert und die Songs werden live mit dem nötigen Schwung zu Gehör gebracht, so dass man gerne mit dem Rhythmus mitgeht. Lieder wie „The Time of my Life“, „Hungry Eyes“ und „She’s like the Wind“ wurden zu Welterfolgen und klingen auch in der Bühnenfassung richtig gut.

Als der Film im Jahr 1987 in die Kinos kam, sorgte die Liebesgeschichte in Verbindung von leichter Anrüchigkeit, gepaart mit sentimentaler Moral und phänomenalen Tanzszenen für Furore. Und genau diese Tanzszenen (Choreografie: Kate Champion und Craig Wilson) sind es, die der Bühnenversion das nötige Salz in der Suppe verleihen. Mate Gyenei glänzt als Johnny Castle mit seinen fantastischen Tanzeinlagen und seinem Charisma. Marie-Luisa Kaster steht ihm als Penny in nichts nach. Anna-Louise Weihrauch gelingt die Wandlung vom unsicheren Mauerblümchen zur selbstsicheren eleganten jungen Frau und Tänzerin glaubhaft.

Tanja Kleine und Martin Sommerlatte geben die Eltern von Baby und Lisa. Beide spielen ihre Parts rollendeckend und mit dem nötigen Einfühlungsvermögen. Natalya Bogdanis spielt Lisa, die Schwester von Baby, mit Witz, welcher beim Abschlussball mit dem Hula-Song seinen Höhepunkt hat. Neil Kellerman ist der vorwitzige und Nerv tötende Enkel des Ferienresort-Besitzers. Benjamin A. Merkl zeigt eine hervorragende Leistung, die für einige Lacher im Publikum sorgt, während Lucas Baier als Aushilfskellner Robby, der Penny schwängert und dann fallen lässt wie eine heiße Kartoffel, nicht ganz so überzeugend agiert.

„Dirty Dancing“ wird immer wieder als Musical bezeichnet, ist aber eigentlich ein mit Musik unterlegtes Sprechtheaterstück mit Tanzeinlagen. Ein gesanglicher Teil ist deshalb nicht sehr stark ausgeprägt. Allerdings glänzt Leadsängerin Tertia Botha mit ihrer warmen und voluminösen Stimme, ebenso wie Dennis Legree (Tito) mit seinem souligen Timbre fasziniert. Als Ferienanimateur Billy, der Baby auf eine Party der Angestellten schmuggelt, gefällt Dennis Dobrowolski mit glaubhafter Darstellung. Mit wohlklingender Stimme interpretiert er „In the still of the Night“ und „Time of my Life“, fällt aber gegen Botha und Legree ab.

Ein stark agierendes Ensemble wirbelt über die Bühne und zeigt eine durchweg überzeugende Leistung. Wer die Filmversion von „Dirty Dancing“ mag und bereit ist, sich auf die Bühnenversion einzulassen, kann einen durchaus sehr unterhaltsamen Abend erleben.

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Mitreißend und Gefühlvoll: „West Side Story“ auf Tour

Mitreißend und Gefühlvoll: „West Side Story“ auf Tour

Zwei Gruppen unterschiedlichster Herkunft – auf der einen Seite die Sharks, Einwanderer aus Puerto Rico, und auf der anderen Seite die Jets, in den USA geborene Jugendliche polnischer Einwanderer, die bis aufs Blut im Kampf um die Gebietsherrschaft verfeindet sind. Und doch gibt es zwei Menschen, die sich unsterblich ineinander verlieben, entgegen aller Anfeindungen und Drohungen. Basierend auf Shakespeares „Romeo und Julia“ spielt die „West Side Story“ im New York der 1950er Jahre. Das Stück aus der Feder von Leonard Bernstein (Musik), Arthur Laurents (Buch) und Stephen Sondheim (Liedtexte) hat an Aktualität nichts eingebüßt und ist nun erneut als Tourneeproduktion unterwegs durch den deutschsprachigen Raum.

 

Die Jets und die Sharks kämpfen in einem heruntergekommenen Viertel der New Yorker Upper West Side um die Gebietsvorherrschaft. Tony, Mitbegründer der Jets, wird von seinem besten Freund Riff, Anführer der Jets, gebeten, die Jets im Kampf zu unterstützen. Tony sagt allerdings nur widerwillig zu, denn er hat einen Job in Docs Drugstore und 

 

träumt von einem besseren Leben. Riff fordert Bernardo, den Anführer der Sharks, bei einer Tanzveranstaltung zum Kampf heraus. Maria, die Schwester von Bernardo, begegnet Tony hier zum ersten Mal. Beide verlieben sich unsterblich ineinander. Für den alles entscheidenden Kampf gelingt es Tony, einen fairen waffenlosen Zweikampf zwischen den beiden besten Kämpfern der Gruppen vorzuschlagen. Doch der Zweikampf artet, trotz aller Bemühungen von Tony, aus. Riff wird von Bernardo erstochen. Rasend vor Wut tötet Tony daraufhin Bernardo. Chino berichtet Maria vom Tod ihres Bruders. Tony bittet sie um Vergebung und will sich der Polizei stellen. Maria verzeiht Tony und glaubt ihm, dass der Tod von Bernardo nicht beabsichtigt war. Beide beschließen, gemeinsam zu fliehen. Doch Chino ist auf der Suche nach Tony, denn er hat geschworen, ihn umzubringen.

Jessica Soza (Maria) und Liam Tobin (Tony). Foto: Iris Steger

Das Bühnenbild von Paul Gallis gleicht den typischen New Yorkern Häusern mit ihrer Gusseisen-Architektur. Für die Handlung des Stücks perfekt, denn mehr braucht es auch nicht, um der Geschichte genügend Raum zu lassen. Die Kostüme von Renate Schmitzer passen in die Zeit, in der das Stück spielt. Auch die Unterscheidung zwischen beiden Gruppen kommt gut zur Geltung. Die Regie von Joey McKneely besticht durch gute Personenführung. Die rasante Choreografie, ebenfalls von McKneely, ist voller Spannung und Energie – eine Augenweide. Bernsteins Musik ist düster und 

 

eindringlich. Sie enthält Jazz- und lateinamerikanische Elemente, aber auch Lieder mit Operncharakter wie „Maria“ oder „Tonight“. Es ist ihm durch die Verwendung der unterschiedlichen Elemente gelungen, den Unterschied zwischen Jets und Sharks musikalisch exzellent darzustellen. Das Orchester unter der Musikalischen Leitung von Donald Chan bringt dies aus dem Orchestergraben gut rüber.

Liebe oder Freundschaft – das ist die Frage, die sich Tony stellen muss. Er entscheidet sich für beides. Doch das Schicksal ist nicht auf seiner Seite. Liam Tobin zeigt als Tony eine gefühlvolle Darstellung und besticht mit seiner sanften eindringlichen Stimme. Entgegen aller Konvention verliebt sich Maria ausgerechnet in einen jungen Mann, der nicht aus den eigenen Reihen stammt. Entschlossen, zu ihrer Entscheidung zu stehen, begibt sie sich auf gefährliches Eis. Jessica Soza überzeugt mit ihrer Darstellung und steht der Leistung von Tobin in nichts nach. Ihr klarer wohlklingender Sopran kommt gut zur Geltung und gefällt während des ganzen Stücks. Anita ist die beste Freundin von Maria und gleichzeitig die Freundin Marias Bruder Bernardo. Bittere Vorwürfe stellen nach dem Tod von Bernardo die Freundschaft auf eine harte Probe, auf die dann doch Verständnis folgt. Penelope Armstead-Williams zeigt eine intensive Darstellung. So sehr, dass ihr bei dem Song „A Boy like that“ fast die Stimme versagt. Charles South als Bernardo und Mark MacKillop als Bernardo und Riff gefallen ebenfalls mit ihrem Spiel auf ganzer Linie.

Insgesamt steht in dieser Tourproduktion der „West Side Story“ eine Cast auf der Bühne, der es gelingt, die Energie und die Gefühle, die dieses Musical beinhalten, überzeugend auf die Bretter zu bringen. Das Publikum im Theater 11 in Zürich weiß diese Leistung zu würdigen und spendet in der besuchen Vorstellung großzügig Applaus.

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Fotos „West Side Story“ Theater 11, Zürich