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Schlagwort: Seebühne Walenstadt

Schwungvolle Inszenierung: Saturday Night Fever in Walenstadt

Schwungvolle Inszenierung: Saturday Night Fever in Walenstadt

„Saturday Night Fever“ basiert auf einem 1976 im New York Magazin veröffentlichen, nicht den Tatsachen entsprechenden, Artikel „Tribal Rites of the New Saturday Night“ des britischen Autoren Nik Cohen. Im Jahr 1977 wurde das Muscial Drama mit John Travolta als Tony Manero in der Hauptrolle von John Badham verfilmt. Die Rolle verhalf Travolta zum Durchbruch. Die Filmmusik stammt von den Bee Gees und zählt zu den meistverkauften Alben aller Zeiten. Songs wie „Stayin’ Alive” und „How Deep Is Your Love“ wurden zu Hits.

Der junge Italo-Amerikaner Anthony „Tony“ Manero stammt aus der Gegend Bay Ridge, Brooklyn/New York und schlägt sich mit einem schlechtbezahlten Job in einem Farbengeschäft herum. Sein älterer Bruder Frank Junior ist Priester und geniesst das Ansehen der Familie. An den Wochenenden wird er zum „King of the Dancefloor“ in der Diskothek 2001 Odyssey und kann sich seiner Leidenschaft, dem Tanzen, widmen. Seine Freunde Bobby C., Joey und Double J. sind immer an seiner Seite, genauso seine Ex-Tanzpartnerin Annette, die immer noch in Tony verliebt ist. Auf der Tanzfläche begegnet er Stephanie Mangano und verliebt sich in sie. Tony plant mit Stephanie anstatt Annette an einem Tanzwettbewerb teilzunehmen. Das ungezwungene Leben auf der Tanzfläche nimmt ein jähes Ende, also Bobby C. seinen Freunden beweisen will, dass er kein Feigling ist.

„Saturday Night Fever“ wird diesen Sommer zum ersten Mal Open Air in der Schweiz gespielt. Von einem gemütlichen und lauen Sommerabend zu schreiben, würde schlichtweg nicht der Wahrheit entsprechen, denn Petrus benötigte etwas Anlauf ehe er sich vom Tanzfieber anstecken lies. Der Beginn der Vorstellung verzögerte sich, denn ein starkes Sommergewitter zog über den Walensee. 

Bühnenbild „Saturday Night Fever“

Die Kulisse der Churfirsten, die sich entlang des Walensees seitlich in die Höhe erheben, ist eindrücklich und wird umrahmt auf einen wunderbaren Blick auf den See. Während bei der „Titanic“-Produktion 2015 der Blick auf diese Naturkulisse verdeckt war, schafft das Bühnenbild von Christoph Weyers einen Einklang zwischen Natur und Bühne. Die Kulisse von Brooklyn bilden aufeinander gesetzte Schiffscontainer. Trotz dieser Stahlkolosse hat die Bühne eine gewisse Leichtigkeit. Die Innenausstattung der Container, sei es die Küche der Familie Manero, die Disko 2001 Odyssey oder Fusco’s Farbengeschäft, sind mit viel Liebe zum Detail und entsprechend dem Zeitalter der Geschichte gestaltet. Auch die berühmte Brooklyn-Bridge hat ihren Platz im Bühnenbild erhalten. Andrea Kučerová schöpft bei den Kostümen die Bandbreite der 70er Jahre voll aus und spielt mit den Farben und Mustern. Passend zu den Kostümen präsentiert sich das Maskenbild von Sandra Wartenberg.

Regisseur Stanislav Moša gelingt, trotz der Bühnendimension, eine perfekt in Szene gesetzte Aufführung. Die Handlungsübergänge gestalten sich flüssig und die Charaktere sind durch die klare Personenführung scharf gezeichnet. So ist Tonys Traum der Kleinbürgerlichkeit seines Elternhauses zu entfliehen genauso ersichtlich wie die Zerrissenheit von Bobby C., der vor grossen Problemen steht, da seine Freundin schwanger ist. Die rasante und lebendige Choreografie von Igor Barberic ergänzt sich wunderbar mit der Handlung und sorgt für Abwechslung. Vor allem die Tanzszenen des gesamten Ensembles sind absolute Hingucker. Trotz dieser gelungenen Inszenierung lassen sich die Schwächen des Buches von Robert Stigwood, Bill Oakes und Ryan McBryde nicht vollständig eliminieren. Zu langatmig sind die immer wiederkehrenden Dialoge im Elternhaus oder die der Freunde, welche die Handlung nur bedingt vorantreiben.

Die Band rund um den Musikalischen Leiter Gaudens Bieri bringt den Disco-Sound der Bee Gees schmissig zu Gehör. Das Tondesign von Andreas Brüll ist passend zwischen Darsteller und Band abgemischt.

Das Leben im katholischen Elternhaus geht Tony Manero auf die Nerven und so flieht er, wann immer möglich, aus dieser Kleinbürgerlichkeit und widmet sich dem Tanzen. Hier bekommt er die Anerkennung, die im von seiner Familie verwehrt bleibt. Filippo Strocci macht seine Sache als Tony Manero hervorragend. Berührend ist seine Interpretation des Songs „Immortality“. Überglücklich mit ihrem Leben in Manhattan scheint Stephanie Mangano, oder doch nicht? Als Tony sie beim Tanzen sieht, verliebt er sich in die gutaussehende junge Frau. Nathalie Parsa zeigt auf eine wunderbare Weise die vermeintlich glückliche Frau und punktet bei dem Song „What a kind of fool“ mit ihrem warmen Timbre.

Annette (Angelika Erlacher) & The Faces

Tony’s Freunde Bobby C., Joey und Double J. hängen am liebsten zusammen rum. Die Schwangerschaft seiner Freundin ändert für Bobby C. jedoch einiges. Hilfesuchend wendet er sich an die Jungs, findet allerdings kein Gehör für seine Probleme. Patric Scott zeigt die Zerrissenheit seines Charakters auf eindrückliche Weise und sorgt mit seiner Auslegung des Songs „Tragedy“ für einen Höhepunkt in der Show. Jan Grossfeld als Joey und Julian Schier als Double J. agieren Rollengerecht. Annette ist die ehemalige Tanzpartnerin von Tony und immer noch in ihn verliebt. Gänzlich gleichgültig ist sie ihm nicht, denn er nimmt sie immer wieder in Schutz. Angelika Erlacher gefällt durch ihre Rolleninterpretation.

Ensemble „Saturday Night Fever“

Als Clubsängerin Gloria und als Monty begeistern Elisa Filace und Gianluca Sticotti mit den Songs „Disco Inferno“ und „Nights on Broadway“ durch ihre wohlklingenden Stimmen. Tony’s Eltern werden an diesem Abend von dem Schweizer Komiker Claudio Zuccolini und der Fernsehmoderatorin Monika Fasnacht dargestellt. Herrlich, wie beide die streng katholischen und kleinbürgerlichen Eltern mimen.

Am Premierenabend zeigte ein grossartig agierendes und spielfreudiges Ensemble, trotz des zu Beginns strömenden Gewitterregens, eine hervorragende Leistung. „Saturday Night Fever“ in Walenstadt ist ein Inferno an groovigen Hits und eine sehenswerte Inszenierung. Das Publikum spendete minutenlang Standing Ovation. Bis 26. August 2017 ist die Open Air Version des Disco-Klassikers auf der Walensee-Bühne zu sehen.

Fotogalerie „Saturday Night Fever“ Walenstadt

Kurz nachgefragt: Marco Wyss

Kurz nachgefragt: Marco Wyss

Im Jahr 2004 legte der ehemalige Tourismus-Direktor der Ferienregion Heidiland Marco Wyss mit seinen Mitbegründern den Grundstein zum Musicalstandort Walenstadt. Im Jahr 2008 übernahm Wyss das Verwaltungsratspräsidium und seit 2009 ist er für die operative Gesamtleitung der Walensee-Bühne verantwortlich. Im Rahmen der Premiere zu „Titanic – Das Musical“ hat Musicalstories & Photography bei Marco Wyss kurz nachgefragt.

Ursprünglich war die Walensee-Bühne nur als einmaliges Projekt mit dem Musical „Heidi“ geplant. In diesem Jahr sind es zehn Jahre. Wie blicken Sie persönlich auf die vergangenen zehn Jahre zurück?

Es war eine wunderbare Zeit und zeigt, dass man zusammen mit Mitstreitern und dem Willen etwas erreich zu wollen, aus einem einjährigen Projekt ein mehrjähriges machen kann. Solche Projekte sind schwierig, risikoreich und hängen mit einer riesigen Verantwortung zusammen. Dies zu Wissen erfordert auch immer eine gewisse Demut. Ich habe eine riesen Freude daran, dass uns dies gelungen ist.

„Heidi -Das Musical„Teil1+2, „Die Schwarzen Brüder“ und „Tell – Das Musical“ waren Eigenproduktionen. Mit „My Fair Lady“, „Titanic“ und 2017 mit „Saturday Night Fever“ spielen Sie Produktionen mit eingekauften Aufführungsrechten. Wie kam es zu diesem Wandel und ist es eine andere Richtung, die Sie einschlagen?

Es ist ein bisschen ein Wandel, ja. Es ist richtig, dass wir die Rechte einkaufen aber wir inszenieren die Stücke selber. Wir kaufen keine fertigen Stücke ein. Es zeigt einfach, dass wir nicht für den Geschichtsunterricht der Schweiz verantwortlich sind, sondern möchten Stücke zeigen, welche die Leute sehen wollen. Wir sind zu 90% von den Ticketverkäufen und zu 10% von Sponsoren finanziert und ohne diesen Wandel, wäre ein weiteres Bestehen der Walensee-Bühne schwierig. Es ist ein enormes Risiko und wir haben festgestellt, dass die grossen Titel beim Publikum gut ankommen.

Könnten Sie sich vorstellen an der Walensee-Bühne mal was anderes zu zeigen, als Musical? Oper, Operette oder Schauspiel vielleicht?

Ich persönlich kann mir fast alles vorstellen zu machen. Man muss in diesem Punkt schauen, was sind die eigenen Bedürfnisse und was ist der Sache dienlich. Heutzutage gibt es viel zu sehen und vieles macht sich Konkurrenz. Daher muss man schauen, dass die Auswahl stimmt. Wir wollen weiter bestehen, aber auch die anderen sollen und wollen weiter bestehen.

Gab es in den letzten zehn Jahren entscheidende Umstände, die das ursprünglich geplante komplett auf den Kopf gestellt haben?

Nein eigentlich nicht. Wir haben in den letzten zehn Jahren immer versucht zu optimieren und ein grosses Thema ist immer die Kostensituation. Diese muss man im Griff haben und man darf nicht überborden. Mit der Überdachung im Zuschauerbereich haben wir sicher einen grossen Schritt in die richtige Richtung gemacht.

„Titanic – Das Musical“ lief damals in Hamburg mit mässigem Erfolg und kam bei Presse und Zuschauen nicht so gut an. Geht man solche Risiken bewusst ein, wenn man für diese Art von Stück die Rechte einkauft?

Dies sind Risiken, die man vorher nur bedingt abschätzen kann. Man glaubt an diese Entscheidung, die aufgrund von Annahmen, Vermutungen und Fakten getroffen wird. Ein Restrisiko bleibt natürlich und das es heute so ist wie es ist, dass ist nicht selbstverständlich.

Wo sehen Sie die Walensee-Bühne in zehn Jahren?

Als stark gefestigte Institution, mit Aufführungen alle zwei Jahre. Diesen Rhythmus wollen wir zum Wohle der Bevölkerung, den Emissionen und der Belastung für Walenstadt so beibehalten. In den Zwischenjahren wollen wir die Festigung mit Produktionen entweder an einem anderen See oder wie jetzt mit der Produktion „Spatz und Engel“ (Die wahre Liebesgeschichte zwischen Edith Piaf und Marlene Dietrich), mit welcher wir bereits im Herbst diesen Jahres auf Tournee gehen, ausbauen.

Rezension zu „Titanic – Das Musical“ Walenstadt

Fotogalerie zu „Titanic – Das Musical“ Walenstadt 

Gelungene Inszenierung von „Titanic“ am Walensee

Gelungene Inszenierung von „Titanic“ am Walensee

„Unsinkbar! Nicht einmal Gott könne dieses Schiff versenken.“ Das ist die Aussage des Schiffeigentümers der Titanic Bruce Ismay, zumindest im gleichnamigen Musical. Als der Koloss aus Stahl am 10. April 1912 von Southampton aus in See stach, waren Menschen an Bord die von einer besseren Zukunft in Amerika träumten. Die Kollision mit einem Eisberg zerstörte auf einen Schlag für viele diese Träume, Wünsche und Hoffnungen. Der Untergang der Titanic am 14. April 1912 im Nordatlantik, bei dem fast 1‘500 Menschen ihr Leben verloren, geht in die Geschichtsbücher ein. Zweifelsohne war es eine der grössten Schiffskatastrophen des 20. Jahrhunderts und bis heute übt die Titanic eine andauernde Faszination aus. Als Musical feierte „Titanic“ aus der Feder von Peter Stone (Buch) und Maury Yeston (Liedtexte und Musik) im Jahr 1997 seine Uraufführung am Broadway. Die deutschsprachige Erstaufführung folgte 2002 in Hamburg, allerdings mit mässigem Erfolg. In diesem Jahr ist das Stück als Neuinszenierung auf der Walensee-Bühne in Walenstadt zu sehen. 

Ohne Frage ist der Untergang der Titanic berührend, allerdings sind die Schwächen des Buchs nicht zu übersehen. Regisseur Stanislav Moša holt dabei das Beste aus der Vorlage raus und sorgt durch seine gute Personenführung und das direkte Spiel Richtung Publikum dafür, dass Geschichte und Darsteller glänzen können. Nichtsdestotrotz sind einzelne Szenen auf der Brücke oder das Dinner der 1. Klasse buchbedingt zu langatmig und nehmen dem Stück zwischendrin immer wieder ein wenig an Tempo. Die mitreissende Choreografie von Aneta Majerová sorgt für Abwechslung und gipfelt beim Irish Dance in einen sehenswerten Höhepunkt. 

Titanic Walenstadt-41

Mit 269 m Länge, 53 m Höhe und 28m Breite war die Titanic für die damalige Zeit ein Ungetüm auf dem Wasser. Ganz so gross ist die Titanic am Walensee nicht, jedoch durchaus ansehnlich. Christoph Weyers (Gesamtausstattung) gestaltete das Schiff mit Liebe zum Detail und hat ein Gefühl für Feinheiten. Hauptspielort ist eine opulente Drehbühne in der Mitte, auf welcher sich die unterschiedlichen Orte wie Brücke, Speisesaal und Maschinenraum befinden. Der Eisberg auf der Rückseite der Drehbühne ist eindrücklich gestaltet. Die Pausen während sich die Bühne dreht, um den Ort des Geschehens zu ändern, werden gut durch Musik oder gespielte Szenen überbrückt und wirken dadurch nicht störend. Die Kostüme von Andrea Kučerová entsprechen dem Stil der 1920er Jahre und gefallen auf ganzer Linie. Die Unterscheidungen zwischen den Personengruppen der Titanic kommen gut zur Geltung und man erkennt auch hier einzel herausgearbeitete Besonderheiten. Gut ergänzt wird das Ganze durch das Maskenbild von Sandra Wartenberg. Das Lichtdesign von Rüdiger Benz überzeugt und hebt einzelne Szenen, wie zum Beispiel die Kollision mit dem Eisberg und den Untergang der Titanic, wunderbar hervor.

Das Tondesign von Andreas Brüll ist im Grossen und Ganzen gut umgesetzt. Die Abstimmung zwischen Orchester und Gesang ist auf weiten Strecken stimmig. Einzelne Tonprobleme am Premierenabend sind eher dem strömenden Regen als der Technik zuzuschreiben. Weshalb sich das Auseinanderbrechen der Titanic beim Untergang wie eine laut quietschende Tür anhört, ist allerdings nicht so recht nachvollziehbar. Hier wäre ein passenderes Geräusch sinnvoller gewesen. Dan Kalousek, Musikalischer Leiter, dirigiert sein 12-köpfiges Orchester sicher und schwungvoll durch die Partitur. Schön ist, dass das Orchester im Bühnenbild integriert ist und so der Eindruck eines Schifforchesters entsteht.

Auf zu neuen Ufern und in ein besseres Leben. Diesen Plan verfolgen sowohl Kate McGowan als auch Jim Farell. Mit Eveline Suter und Gerrit Hericks sind dem Kreativteam wahre Glücksgriffe gelungen. Beide agieren durch ihre feinfühlige und berührende Darstellung auf hohem Niveau. Suter und Hericks singen mit klaren und wohlklingenden Stimmen. Im Gedächtnis bleibt hier das Duett „Drei Tage“.

Es sollte die letzte Überfahrt für Kapitän Edward J. Smith vor dem Ruhestand werden. Er ist kein Mensch der Widerspruch duldet und ist immer Herr der Lage. Christoph Wettstein legt seine Interpretation des Kapitäns ruhig aber bestimmt an – das gefällt. Die Jagd nach Schlagzeilen treibt den Schiffseigentümer Bruce Ismay an, egal was es kostet. Er ist selbstherrlich, arrogant und verletzend. Nicolas Gerdell zeigt eine grossartige Charakterdarstellung. Thomas Andrews ist der Erbauer der Titanic und weiss zu Gut was Schiff leisten kann. Bis zuletzt glaubt er an die Unsinkbarkeit des Kolosses und erkennt zu spät einen möglichen Konstruktionsfehler. Alexander Franzen punktet durch sein ausdrucksstarkes Schauspiel. Stimmlich überzeugen die drei Herren auf ganzer Linie – vor allem bei dem Terzett „Die Schuldfrage“.

Heizer Frederick Barrett weiss das Ismays Rekordjagd für „sein“ Schiff nicht gut ist. Als er seiner Liebsten in der Heimat ein Telegramm schicken will, trifft er im Funkraum auf den Funker Harold Bride, für den seine Tätigkeit eine Berufung ist. Fabian Bohle und Benedikt Ivo interpretieren ihre Charaktere glaubhaft und gefallen stimmlich bei dem Männerduett „Heiratsantrag“. Berührend sind Masha Karell und Urs Affolter als alterndes Ehepaar Ida und Isidor Strauss.

Titanic Walenstadt-29

Als die Titanic mit dem Eisberg kollidiert hat der 1. Offizier William Murdoch (Stark: Samuel Tobias Klauser) Dienst auf der Brücke. Während dieser an der Situation fast zerbricht, strahlt der 2. Offizier Charles Lightoller (Überzeugend: Philipp Dietrich) Stärke aus und ist so eine wichtige Stütze für Kapitän Smith. Zwar entdeckt Frederick Fleet (Hervorragend: Patric Scott) im Ausguck den mächtigen Eisberg, allerdings kommt die Warnung an die Brücke für die Titanic zu spät, um dem Eisberg noch ausweichen zu können.

Fazit: Insgesamt steht ein grossartig und spielfreudig agierendes Ensemble auf der Seebühne in Walenstadt, welches sich auch durch den strömenden Gewitterregen am Premierenabend nicht beirren liess. „Titanic – Das Musical“ ist eine sehenswerte Inszenierung mit vielen starken aber auch einigen schwachen Momenten. Das Publikum würdigt die Darbietung mit minutenlangen Standing Ovation.

Fotogalerie:
Fotogalerie zu “Titanic“ in Walenstadt

Gelungen: „My Fair Lady“ in Walenstadt

Gelungen: „My Fair Lady“ in Walenstadt

„My Fair Lady“ heißt so viel wie „Meine Marktdame“ und bezieht sich indirekt im Londoner Dialekt Cockney-Englisch auf den durch seine Einkaufsstraßen berühmten Londoner Stadtteil Mayfair. 1956 feierte das Musical „My Fair Lady“ aus der Feder von Frederick Loewe (Musik) und Alan J. Lerner (Buch/Liedtexte) im Mark Hellinger Theatre in New York seine Uraufführung. Jetzt ist das Musical auch auf der Walenseebühne in der Schweiz zu sehen. Gespielt wird auf Hochdeutsch mit der Anpassung ans Schweizerdeutsch (Übersetzung: Patric Scott) als Dialektsprache.

Zu sehen ist eine humorvolle Neuinszenierung des Klassikers. Regisseur Stanislav Moša ist eine lebendige Inszenierung mit deutlicher Personenführung und flüssigen Übergängen gelungen. Unterstützt wird dies durch die lebendige Choreografie von Igor Barberic. Dan Kalousek führt seine Musiker sicher und sauber durch die eingängigen Melodien. Die Abstimmung des Tons (Andreas Brüll) ist allerdings nicht ganz geglückt, denn hin und wieder wird der Gesang der Darsteller vom Orchester übertönt.

Das Bühnenbild von Christoph Weyers mit Londoner Skyline hinterlässt einen stimmigen Gesamteindruck und fügt sich wunderbar in das Bergpanorama am Walensee ein. Ausgewählte Requisiten ergänzen das Bühnenbild passend. Eine Drehbühne ermöglicht die Szenenwechsel ohne große Umbauzeiten und Geräusche. Das Lichtdesign von Rüdiger Benz wirkt unterstützend, bleibt aber ohne besondere Wirkung. Die Kostüme von Andrea Kučerová entsprechen dem Stil der 1920er Jahre und sind wunderschön ausgearbeitet. Ein Traum ist das Kleid von Eliza Doolittle, das sie beim Ascot-Pferderennen trägt. Die Unterscheidung zwischen der einfachen Bevölkerung und der gehobenen Gesellschaft Londons ist klar ersichtlich. Das Maskenbild von Sandra Wartenberger bildet eine gute Ergänzung zu den Kostümen.

Mal trotzig, mal versöhnlich, mal stur und dann wieder elegant besticht Eveline Suter mit ihrem ausdrucksstarken nuancierten Schauspiel und ihrer charaktervollen und klangschönen Stimme als Eliza Doolittle. Erst als Eliza Professor Higgins verlässt, bemerkt der eingefleischte Junggeselle, dass es noch andere Dinge im Leben als Wissenschaft und Zynismus gibt. Herablassend, arrogant und auf irgendeine Weise charmant, hinterlässt Alexander Franzen als Sprachwissenschaftler Higgins einen bleibenden Eindruck. Oberst Pickering ist der väterliche Freund von Eliza und glaubt an den Erfolg der Wette. Erst als die Bewährungsprobe beim Pferderennen in Ascot schief geht, ist er sich der Sache nicht mehr so sicher. Christoph Wettstein gibt den Oberst solide mit angenehm klingender Stimme.

Der Vater von Eliza Alfred P. Doolittle ist ein glücklicher Müllkutscher, der mit seinen Freunden gerne mal einen über den Durst trinkt. Durch Higgins nimmt sein Leben eine negative Wendung. Urs Affolter verkörpert die Rolle großartig und mit der entsprechenden Portion Humor und Ernsthaftigkeit, die für diese Rolle unabdingbar sind. Als Freddy Eynsford-Hill, der sich beim Pferderennen Hals über Kopf in Eliza verliebt, zeigt Patric Scott eine gute schauspielerische und stimmliche Leistung. Erwähnenswert sind auch die überzeugenden Darbietungen von Cécile Gschwind als steife englische Haushälterin Mrs. Pearce, Sabrina Schneebeli als Mutter von Professor Higgins, die Eliza auf ganzer Linie unterstützt, und Dorothée Reize als Mrs. Eynsford-Hill, die für die Schwärmerei ihres Sohnes so gar nichts übrig hat.

„My Fair Lady“ ist ein amüsantes und unterhaltsames Musical mit Evergreens wie „Mit ’nem kleenen Stückchen Glück“, „Es grünt so grün“ oder „Ich hätt‘ getanzt heut Nacht“. Am Ende würdigt das Publikum die gelungene Inszenierung und das spielfreudige Ensemble mit stehenden Ovationen.

Fotogalerie:
Fotogalerie zu „My Fair Lady“

Interview mit Eveline Suter:
Kurz nachgefragt: Eveline Suter

Licht und Schatten: „Tell“ in Walenstadt

Licht und Schatten: „Tell“ in Walenstadt

Am 18. Juli 2012 feierte das Musical „Tell“ auf der Seebühne im schweizerischen Walenstadt seine Uraufführung. Landvögte unterdrücken Ende des 13. Jahrhunderts die Landbevölkerung um den Vierwaldstättersee. Das Volk setzt sich zur Wehr und erneuert auf dem Rütli den alten Bund. Der Mythos um Wilhelm Tell entstand Ende des 15. Jahrhunderts. In Walenstadt ist das Stück jedoch Ende des 19. Jahrhunderts angesiedelt. Warum das vom Kreativteam so beschlossen wurde, bleibt genauso ungeklärt wie die Frage, warum diese Schweizer Geschichte in Hochdeutsch aufgeführt wird.

Ensemble "Tell" (Volk der Waldstätte)
Ensemble „Tell“ (Volk der Waldstätte)

Hans Dieter Schreeb (Textbuch) präsentiert Tell allerdings nicht als Schweizer Nationalhelden, sondern erzählt die Geschichte auf eine neue und unbekannte Weise. Wilhelm Tell ist hier der einfache Jäger, Ehemann und Vater. Durch die Bekanntheit des Stoffes fehlt es dem Stück aber an Spannung, wodurch auch die eine oder andere Szene etwas zu langatmig geraten ist.

Die Kostüme von Armin Werner und Maske von Claudia Palopoli sind passend zum gewählten Zeitalter der Inszenierung und lassen die Klassenunterschiede zwischen Landbevölkerung und Adel gut erkennen. Imposant ist das Bühnenbild von Christoph Weyers aus Naturholz und Stein, das sich wunderbar in die Kulisse aus Churfirsten und Walensee integriert.

Tell will nur für seine Familie da sein und interessiert sich nicht im Geringsten für Freiheitskampf und Machtspiele. Stellvertretend für die Obrigkeit soll das Volk Gesslers Hut grüßen – dies geht Tell jedoch zu weit, und so verweigert er den Gruß. Zur Strafe zwingt ihn Gessler, einen Apfel vom Kopf seines Sohnes Walter zu schießen. Durch die Ermordung Gesslers in der hohlen Gasse wird Tell zum Held des einfachen Volkes. Fabian Egli zeigt als Tell eine beeindruckende Leistung. Sein klangschöner Bariton unterstützt wunderbar die menschlichen Charakterzüge des Tell. Pia Lustenberger, besorgte Mutter Walter Tells (Anette Huber) und sorgsame Ehefrau, kann mit klarer Stimme überzeugen.

Bruno Grassini als Gessler
Bruno Grassini als Gessler

Boshaft und brutal unterdrückt Reichsvogt Gessler die Landbevölkerung rund um den Vierwaldstättersee. Innerlich ist Gessler allerdings eine unsichere und ängstliche Person. Schauspielerisch gelingt Bruno Grassini dieser Spagat hervorragend – zudem kann er mit energiegeladener Stimme aufwarten. Buch- oder regiebedingt ist Johann von Schwaben – immerhin Habsburger Thronanwärter – in dieser Produktion zeitweise ein eher komisch anmutender als ernst zu nehmender Charakter. Partric Scott gelingt es, aus dieser eher unglücklichen Rolle noch das Beste herauszuholen.

Freiherr von Attinghausen (Florian Schneider), Walter Fürst (Christoph Wettstein) und Arnold von Melchtal (Olivier Frischknecht) kämpfen gegen die Unterdrückung des Reichsvogts. Unterstützt werden sie dabei von Werner Stauffacher (Wolfgang Grindemann), der beim Volk beliebt ist, aber von Zweifeln geplagt wird, diesen Weg zu gehen. Gestärkt durch seine Ehefrau Gertrud Stauffacher (stark gespielt von Sylvia Heckendorn), trifft er letztendlich die richtige Entscheidung.

Samuel Tobias Klauser zeigt als Ulrich von Rudenz (Neffe von Attinghausen) eine durchweg solide Leistung. Erst als von Rudenz sich gegen Gessler entscheidet und für sein Volk kämpft, gelingt es ihm, das Herz von Berta von Brunek (Eveline Suter mit klangschöner Stimme) zu gewinnen. Für einen heiteren Moment, von dem man sich mehr im Stück wünscht, sorgt Cécile Gschwind als Frau von Bruneck, die ihrer Tochter jeglichen Umgang mit dem Volk zu untersagen versucht.

Ensemble "Tell" Burgenaufstand
Ensemble „Tell“ Burgenaufstand

Choreograf Christopher Tölle ersetzte kurze Zeit vor der Premiere Regisseur Nico Rabenald, der die Produktion vorzeitig wegen künstlerischer Differenzen verlassen hat. Bis auf einige kleine Ungereimtheiten ist die Regiearbeit jedoch äußerst gelungen. Warum aber zum Beispiel Johann von Schwaben nach der Ermordung seines Onkels bei Tell Barmherzigkeit sucht und abgewiesen wird, bleibt ein Rätsel – zumindest in der Art und Weise, wie die Szene in Walenstadt dargestellt wird. Andererseits hinterlassen die beeindruckende Apfelschussszene sowie der Burgenaufstand einen bleibenden Eindruck. Dazu trägt auch das perfekt zum Stück und Bühnenbild passende Lichtdesign von Rüdiger Benz bei.

Musikalisch bietet „Tell“ wunderbare Soli, harmonische Duette und große Ensemblenummer, und dennoch ist es Marc Schubring (Musik) und Wolfgang Adenberg (Liedtexte) nicht gelungen, einen wirklichen Ohrwurm zu liefern. Aufgrund des großartig agierenden Ensembles ist das Stück aber trotz kleinerer Schwächen durchaus sehenswert.

Fotogalerie:
Fotogalerie zu „Tell“, Freilichtbühne Walenstadt