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Schlagwort: Musicaltheater Basel

Es wird wieder getanzt – „Cats“ im Musicaltheater Basel

Es wird wieder getanzt – „Cats“ im Musicaltheater Basel

Im Jahr 1981 feierte „Cats“ seine Premiere am Londoner West End. Die Musik stammt aus der Feder von Andrew Lloyd Webber. Das Musical basiert auf der für Kinder geschriebenen Gedichtsammlung „Old Possum’s Book of Practical Cats“ von T.S. Eliot aus dem Jahr 1939. Das Stück zählt zu den erfolgreichsten Stücken der Musicalgeschichte und gewann sieben Tony Awards unter anderem für bestes Musical, bestes Buch, beste Musik und beste Regie.

Ensemble; Foto: Alessandro Pinna
Ensemble; Foto: Alessandro Pinna

Eine entscheidende Ergänzung bekam das Stück durch Regisseur Trevor Nunn, der Webber das Stück „Memory“ hinzufügen lies. Den Text verfasste Nunn selbst, basierend auf den 1911 erschienen „Eliots Rhapsody on a Windy Night“. Das Stück gastiert noch bis 22. Mai 2016 im Musicaltheater Basel und wird in englischer Sprache aufgeführt. 

Einmal im Jahr treffen sich die Katzen auf einer Londoner Müllkippe zum Jellicles Ball, auf welchem am Ende der älteste Kater Old Deuteronimus die Katze wählt, welche wiedergeboren wird und so ein neues Katzenleben mit der Fahrt zum „Heaviside Layer“ erhält. Nacheinander kommen die Katzen auf die Bühne und erzählen was die Jellicle Cats sind. Webber ist es mit seiner Musik gelungen aus einzelnen Gedichten ein zusammenhängendes Stück zu machen, welches mit dem Song „Memory“ von Grizabella seinen klaren Höhepunkt hat.

Musical Director Tim Davies dirigiert das Orchester mit dem nötigen Drive durch Webbers Partitur. Die Choreografien von Gillian Lynne sind einfach stark und durchweg sehenswert. Hinzu kommt das tolle Masken- und Kostüm-Design von John Napier, welches die Darsteller wie Katzen aussehen und wirken lässt.

Ensemble; Foto: Alessandro Pinna
Ensemble; Foto: Alessandro Pinna

Die Cast singt, tanzt, steppt und spielt sich durchweg überzeugend durchs Stück. So erhält Marcquelle Ward als Rum Tum Tugger einen Szenenapplaus für seinen Auftritt als rappender Kater und auch Shiv Rabheru begeistert mit seiner Darbietung als zaubernder Kater Mr. Mistoffelees. Joanna Ampil als Grizabella berührt mit ihrer Interpretation von „Memory“ und sorgt für einen Gänsehautmoment.

Diese Tour von „Cats“ ist sehenswert, weil das Stück zum einen eine leichte Modernisierung erfahren hat und es zum zweiten eine Freude ist, diese Cast auf der Bühne zu bewundern. Das Publikum in Basel spendete Standing Ovation.

„The Lion King“ – Die Savanne Afrikas in Basel

„The Lion King“ – Die Savanne Afrikas in Basel

Vogelgezwitscher, Zirpen von Grillen und rhythmische Trommelschläge versetzten die Theaterbesucher in die Savanne Afrikas. Mit einem eindringlichen „Nants‘ Ingonyma“ verkündet der Mandrill Rafiki, eine Geistheiler- und Schamanengestalt aus Südafrika, die Geburt von Simba, Sohn des Löwenkönigs Mufasa und Königin Sarabis. Ein wahrlich magischer Moment, als sich die Tiere der Pridelands versammeln und ihren zukünftigen Herrscher willkommen heissen.

Neidvoll reagiert Scar, Mufasas Bruder, auf die Geburt des jungen Löwen, denn dieser begehrt den Königsthron selbst. Mit Hilfe von seinem üblen Gefolge, den Hyänen, lockt er Mufasa in einen Hinterhalt und tötet diesen. Scar gibt Simba die Schuld am Tod des Vaters und jagt den jungen Löwen fort. Er krönt sich selbst zum König. Simba hadert mit seinen Schuldgefühlen und trifft im Dschungel auf Erdmännchen Timon und Warzenschwein Pumbaa. Diese bringen ihm die entspannte Art des Lebens näher und werden seine Freunde. Jahre später rettet er Timon und Pumbaa vor einer jagenden Löwin und erkennt nach kurzem Kampf Nala, seine Sandkasten-Freundin, die vor Scar geflohen ist. Die beiden verlieben sich. Mit Hilfe von Rafiki entschliesst sich Simba in seine Heimat zurück zu kehren und gegen Scar zu kämpfen.

Melina M’Poy als Nala, Hope Maine als Simba
Melina M’Poy als Nala, Hope Maine als Simba

„The Lion King“ basiert auf dem gleichnamigen Disney Animationsfilm aus dem Jahr 1994 und feierte 1997 seine Broadway-Premiere im New Amsterdam Theater. 1999 folgte die Premiere am Londoner West End und 2001 die deutschsprachige Uraufführung in Hamburg. Seit dem 15. März 2015 ist das Musical noch bis Mitte August in der englischsprachigen Originalversion am Musicaltheater Basel zu erleben.

Regisseurin Julie Taymor, die sich auch für Kostümbild und Co-Design der Puppen und Masken verantwortlich zeigt, hat ein Stück voller Phantasie und magischen Momenten kreiert, auch wenn die Handlung (Buch: Irene Mecchini und Roger Aller) vorhersehbar ist und vor allem im ersten Akt unnötige Längen aufweist. Die Masken und Puppen (Michael Curry und Michael Ward) sind eine Augenweide und haben dank ihrer Originalität ihre ganz eigene Wirkung, gerade auch deshalb, weil sie von den Darstellern geschmeidig, elegant und authentisch dargestellt werden. Die Kostüme entsprechen dem Handlungsort des Stücks und enthalten afrikanische Elemente wie Schnitte, Batiken, Stile und Farbenpracht.

Ntsepa Pitjeng als Rafiki
Ntsepa Pitjeng als Rafiki

Das Bühnenbild von Richard Hudson ist einfach, ergänzt sich jedoch perfekt mit den warmen Farben und passenden Lichteffekten von Donald Holder. Die eindringlichen Popmelodien gepaart mit Afrikanischen Chorgesängen stammen aus der Feder von Elton John, Hans Zimmer und Lebo M (Musik & Vokalarrangement) sowie Tim Rice (Liedtexte). Songs wie „Circle of Life“, „Hakuna Matata“, „Can You Feel the Love Tonight“ sind bekannte Klassiker. Die gelungene und mitreissende Choreographie von Garth Fagan enthält eine Mischung aus Afrikanischem Tanz, HipHop und Ballett und fügt sich wunderbar in das Stück ein.

Ntsepa Pitjeng verkörpert Rafiki mit der nötigen Ernsthaftigkeit, einer gut dosierten Portion Humor und starker Stimme. Die Entwicklung vom übermütigen Löwenjungen, zweifelnd an sich selbst, zum zukünftigen Herrscher der Pridelands gelingt Hope Maine als Simba, mit warmer wohlklingender Tenorstimme, überzeugend. Melina M’Poy gibt Nala, Simbas Sandkasten-Freundin und spätere Königin, eindringlich und punktet durch ihre klangschöne Stimmfarbe. Fürsorglicher Vater und König zugleich ist eine Herausforderung – diesen Spagat meistert Cleveland Cathnott mit seiner Art der Darstellung als Mufasa spielerisch. Zazu, ein Hornvogel, ist königlicher Haushofmeister, Berater und Kindermädchen in Personalunion. Die Kombination von Schauspiel und Puppenspiel gelingt Meilyr Sion so authentisch, dass man Zazu mehr als Vogel wie als Mensch wahrnimmt. Die jungen Darsteller Raphael Higgins-Humes (junger Simba) und Tori Ryan (junge Nala) begeisterten in ihrer Interpretation mit Souveränität. Scar ist jedes Mittel recht, auch der Mord am eigenen Bruder, um König der Pridelands zu werden. Als Scar besticht Christopher Colquhoun durch seine starke Bühnenpräsenz und Mimik. Die Anführer der Hyänen Shenzi, Banzai und Ed werden von Tarisha Rommick, Daniel Norford und Philip Oakland gespielt.

Das insgesamt sehr spielfreudige Ensemble erweckt die Pridelands eindrücklich zum Leben und entführt den Theaterbesucher in ein lebendiges Afrika. Das Publikum quittiert dies mit Szenenapplaus, Jubelrufen und minutenlangen Standing Ovation am Premierenabend.

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Fotogalerie zu “The Lion King“ in Basel

Mitreißend: „Mamma Mia!“ in Basel

Mitreißend: „Mamma Mia!“ in Basel

Man nehme die Songs einer der erfolgreichsten Pop-Bands aus den 1970er Jahren und verpacke diese in einer unterhaltsamen Geschichte – heraus kommt ein Gute-Laune-Musical, das aber durchaus auch berührende Momente hat. Im Jahr 1999 feierte „Mamma Mia!“ in London seine Uraufführung (Regie: Phyllida Lloyd, Choreografie: Anthony van Laast) und wurde seitdem von über 54 Millionen Menschen weltweit gesehen. Seit 15. Mai 2014 ist die internationale Tour im Musicaltheater Basel (Schweiz) in englischer Sprache zu sehen und spielt dort noch bis zum 8. Juni.

„Mamma Mia“ in Basel

Sophie möchte ihre große Liebe Sky heiraten und lädt zu ihrer Hochzeit ihre drei möglichen Väter ein, im Glauben, ihren Vater auf Anhieb zu erkennen. Leider funktioniert dieses Unterfangen nicht wie geplant und führt zu einigen Verwirrungen und neuen Erkenntnissen, die das Leben der Protagonisten auf der griechischen Insel auf den Kopf stellen. Die Handlung hat ein paar Längen, wird jedoch von der wunderbaren Musik von Abba getragen. Die Band (Musikalische Leitung: Carlton Edwards) besteht aus sieben Musikern, welche die Pop-Songs zu Gehör bringen. Ein Teil der Einspielungen stammen allerdings vom Band.

Für Donna Sheridan, alleinerziehende Mutter von Sophie, ist das Kapitel „Sophies Vater“ eigentlich abgeschlossen. Allerdings hat sie nicht mit dem Plan ihrer Tochter gerechnet. Sara Poyzer weiß als Donna mit ausdrucksstarker Stimme und guter Bühnenpräsenz überzeugen. Donnas beste Freundinnen Rosie und Tanya finden sich ebenfalls für die Hochzeit auf der Insel ein und stehen Donna zur Seite. Sue Devaney als Rosie und Geraldine Fitzgerald als Tanya gefallen mit wohlklingen Stimmen. Die Harmonie der drei Damen stimmt, die Pointen sitzen und sorgen für einige Lacher im Publikum.

Victoria Serra als Sophie wie auch Bart Edwards als Sky können ebenfalls überzeugen. Beide agieren mit überzeugender Spielfreude und klangschönen Stimmen. Ali (Sally Frith), Lisa (Jasmin Colangelo), Pepper (Kade Ferraiolo) und Eddie (Ashley Luke Lloyd) sind die Freunde von Sophie und Sky. Sie sind eine tatkräftige Unterstützung, stiften aber auch Chaos. Für Begeisterung sorgt der Auftritt von Pepper und Tanya mit dem Lied „Does your Mother know“, als dieser erfolglos versucht, Tanya Avancen zu machen.

Sam Carmichael, Harry Bright und Bill Austin – einer der drei Herren ist Sophies Vater. Nur wer? Diese Frage ist nicht so einfach zu klären. Ahnungslos reisen sie nach der Hochzeitseinladung auf die griechische Insel und erleben einige Überraschungen. Richard Standing als Sam, Keiron Crook als Harry und Michael Beckley als Bill gefallen mit ihren kräftigen durchdringenden Stimmen und ihrem gekonnten Schauspiel. Die Songs „SOS“, „Our last Summer“ und „Take a Chance on me“ gefallen dabei richtig gut.

Für eine Tour ist das Bühnenbild von Mark Thompson zweckdienlich ohne Besonderheiten. Für die Vorstellung, dass die Handlung auf einer griechischen Insel spielt, benötigt es allerdings ein wenig Fantasie. Das gelungene Lichtdesign von Howard Harrison wirkt unterstützend zum Bühnenbild und setzt dies ergänzend schön in Szene. Die Kostüme passen zum Stück. Toll anzusehen sind die bunten Schlaghosen und Plateausohlenschuhe im Finale. Die Tonabstimmung im Theater Basel ist gut gelungen. Aufgrund der Tatsache, dass es eine internationale Tour ist, wurde auf regionale Anpassungen im Stück verzichtet.

Das stark agierende Ensemble überzeugt mit guter Leistung und starken Stimmen auf ganzer Linie. Letztendlich überzeugt „Mamma Mia!“ durch die mitreißenden Songs von Abba, die wunderbar in die Geschichte integriert sind. Das Publikum in Basel spendet minutenlange stehende Ovationen – und beim Finale hält es wohl niemanden mehr auf seinem Sitz.

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Stehende Ovationen: „We Will Rock You“ in Basel

Stehende Ovationen: „We Will Rock You“ in Basel

 

Es war kein Erdbeben, das vom Rheingraben in Basel verursacht wurde, sondern das Musical „We Will Rock You“, das die Stadt am Rhein erzittern ließ. Das Stück mit der Musik von Queen und nach dem Buch von Ben Elton feierte am 14. Mai 2002 im Londoner Dominion Theatre seine Uraufführung und ist seitdem rund um den Globus erfolgreich. Nach fünf Jahren Abstinenz ist „We Will Rock You“ zurück in der Schweiz und feierte dort im Musical-Theater Basel Premiere.

 

Was früher mal die Erde war, existiert nicht mehr – das Leben spielt sich auf dem Planeten iPad ab. Das Imperium Globalsoft hat aus den Jugendlichen Ga-Ga-Kids gemacht, über alles herrscht die mächtige Killer Queen. Handgemachte Musik ist verboten, das Leben spielt sich in einer virtuellen Welt ab – aber es gibt eine Prophezeiung, welche der Killer Queen Kopfzerbrechen bereitet. Es heißt, dass irgendwo auf dem Planeten noch ein echtes Musikinstrument verborgen ist und ein heller Stern den Weg dorthin zeigen wird. Die Bohemians glauben an diese Prophezeiung und der Träumer soll ihnen den Weg dorthin weisen.

Brigitte Oelke (Killer Queen) und Martin Berger (Khashoggi). Foto: Iris Steger

„We Will Rock You“ ist sicher kein Stück mit viel Tiefgang. Allerdings ist es dem Kreativteam (Buch/Regie: Ben Elton, Musik: Roger Taylor, Choreografie: Arlene Phillips) erneut gelungen, sich am Nabel der Zeit zu bewegen. Für die Wiederaufnahme wurden einige Neuerungen wie beispielsweise Facebook, Twitter und Google in die Show eingebaut. An die Portion Swissness wurde auch gedacht: Einige Schweizer Musiktexte sind im Kopf von Galileo gelandet, zum Beispiel „Bin i Gopfriedstutz en Kiosk, oder bin ich öppe-n-e Bank“ aus dem „Kiosk“-Song von Polo Hofer. Schweizer Musiker sind unter den Bohemians zu finden – und die Killer Queen will den DJ-Bobo-Gedenkfelsen sprengen. Ebenfalls fand das Schwiizer-Dütsch Platz in den Dialogen – Polo soll bei seinen Ausführungen „Guzzi“ geben und Scaramouche sagt zu Galileo: „Du bisch so en Tubel“.

Markus Neugebauer (Brit) und Ozzy (Anna Lidman). Foto: Iris Steger

Durch Worte und Sätze der toten Sprache Englisch geplagt flüchtet Galileo aus der Ga-Ga-Welt und findet bei den Bohemians Unterschlupf. Christopher Brose gelingt es durch eine starke schauspielerische Leistung und mit einer kraftvollen Stimme, der Rolle seinen Stempel aufzudrücken. Aufsässig, frech und verletzlich dagegen Scaramouche – gespielt von Jeannine Michele Wacker, die eine eigene Interpretation der Rolle findet und mit ihrer dunkel legierten Stimme für Gänsehautstimmung sorgt. Wacker und Brose ergänzen sich perfekt und liefern bei „Who wants to live forever“ ein klangschönes berührendes Hörerlebnis oder schlagen bei „Hammer to Fall“ die rockigeren Töne an.

Einst eine kleine Figur in einem Globalsoft-Computerspiel, die sich selber in ihren eigenen Programmierer hochgeladen hat – halb Mensch, halb Pixel und bitterböse: das ist die Killer Queen. Seit der deutschen Erstaufführung in Köln wird diese Rolle von Brigitte Oelke gespielt. Durch ihre Bühnenpräsenz gepaart mit Witz und einer fantastischen Stimme gelingt Oelke eine ausdrucksstarke Darbietung. Ihr zur Seite steht Martin Berger als Khashoggi, der Handlanger, der die Drecksarbeit für die Killer Queen erledigt. Berger gelingt eine solide Leistung, die manchmal noch mehr Boshaftigkeit durchblitzen lassen könnte.

Jeannine Michele Wacker (Scaramouche) und Christopher Brose (Galileo). Foto: Iris Steger

Die Bohemians zelebrieren mit selbstgebauten Krachmachern echte Musik, widersetzen sich dem Einfluss der Ga-Ga-Welt und glauben an die Prophezeiung. Der Anführer der Bohemians, Brit, wird von Markus Neugebauer gespielt. Sein Schaupiel ist einnehmend und seine kraftvolle Rockstimme kann auf ganzer Linie überzeugen. Ihm zur Seite steht Anna Lidman als Ozzy. Die gebürtige Schwedin hat die Rolle bereits in der schwedischen und norwegischen Produktion von „We Will Rock You“ gespielt. Ihr kraftvolles und klangschönes Timbre ist eindringlich. Ihr Akzent ist mal stark, mal weniger stark ausgeprägt, erweist sich aber im Großen und Ganzen aber als nicht störend. Polo, der Bibliothekar, der Hippie und der Hüter seines Schatzes, einer „Video-Kastanette“, wird von Léon van Leeuwenberg gespielt. Er zeigt eine durchweg gute schauspielerische Leistung mit dem einen oder anderen starken Moment und kann bei „These are the Days“ stimmlich überzeugen.

Durch die Show trägt eine hervorragend besetzte Cast, die auf ganzer Linie mit Spielfreude und starken Stimmen überzeugen kann. Unterstützt von einer grandios aufspielenden Band, unter der Leitung von Jeff Frohner, die es richtig krachen lässt. Das Publikum in Basel rockt von Anfang an mit und spendet bereits kurz vor Ende der Show stehende Ovationen. Basel ist jetzt die Hauptstadt des Rock!

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 „We Will Rock You“ in Basel 2012/2013

Elisabeth in Basel – Ein Musical mit Klasse!

Elisabeth in Basel – Ein Musical mit Klasse!

Wer kennt sie nicht – die Sissi Filme mit Romy Schneider und Karlheinz Böhm, die alle Jahre wieder zur Weihnachtszeit im Fernsehen zu sehen sind (…und ja, ich schau sie auch meistens an…). Wer genau diesen Kitsch auf der Musicalbühne bei Elisabeth erwartet, dem sei gesagt, dass bei der Musical-Adaption nur ein minimaler Hauch davon zu spüren ist.
Seine Uraufführung erlebte Elisabeth – das Musical im Jahr 1992 im Theater an der Wien in Wien. Das Dramamusical aus der Feder von Michael Kunze (Libretto) und Sylvester Levay (Musik) erzählt die Lebensgeschichte der Kaiserin von Elisabeth.

1. Akt
Im Reich der Toten muss sich Luigi Lucheni (Kurosch Abbasi), Elisabeths Mörder, für seine Tat vor einem unsichtbaren Richter rechtfertigen und gibt den Tod als Komplizen an. Dieser hat Lucheni aus Liebe zum Mord an Elisabeth angestiftet. Um seine Unschuld zu beweisen, lässt Lucheni die Geschichte noch einmal lebendig werden.
Die Verwandtenbesuche ihrer Mutter Ludovika (Elissa Huber) sind für die junge Elisabeth ein Gräuel. Bei Klettern auf einem Maibaum stürzt Elisabeth und begegnet zum ersten Mal dem Tod (Mark Seibert). Für beide eine unheimlich faszinierende Begegnung. In Bad Ischel soll Franz Josef (Mathias Edenborn), Kaiser von Österreich, eigentlich Elisabeths ältere Schwester Helene heiraten. So zumindest der Plan der beiden Mütter. Dieser verliebt sich aber in Elisabeth und bittet sie ihn zu heiraten, sehr zum Missfallen seiner Mutter Erzherzogin Sophie (Betty Vermeulen/Linda Konrad). Den höfischen Zwengen unterworfen wird das Leben für Elisabeth zur Qual. Sie vermisst ihre Freiheit und setzt sich zur Wehr. Während einer Reise in Ungarn stirbt die erste Tochter Sophie. Elisabeth begegnet erneut dem Tod, als dieser das Mädchen zu sich holt. Als endlich der langersehnte Thronfolger Rudolf geboren wird, nimmt Erzherzogin Sophie sich auch seiner Erziehung an. Elisabeth setzt ihre Schönheit ein und setzt Franz-Josef ein Ultimatum. Entweder darf sie ab sofort Rudolfs Erziehung übernehmen oder sie wird ihn verlassen. Franz Josef geht auf das Ultimatum ein.

2. Akt
Dank der Bemühung von Elisabeth wird mit Ungarn eine Einigung erzielt. Franz Josef und sie werden zum König und zur Königin von Ungarn gekrönt. Lucheni verkauft dem Publikum „Kitsch“ über das neue Königspaar. Elisabeth ist sich ihrem Triumph bewusst und begegnet erneut dem Tod. Dieser erinnert sie daran, dass sie immer noch eine Gefangene des Österreichischen Kaiserhofes ist und nur er ihr helfen kann, sich daraus zu befreien.
Rudolf, der sich von seiner Mutter im Stich gelassen fühlt, begegnet dem Tod und findet in ihm einen Zuhörer. Erzherzogin versucht mit allen Mitteln die Beziehung zwischen ihrem Sohn und Elisabeth zu sabotieren. Auf ihre Anweisung hin begibt sich Graf Grünne in Madam Wolfs Salon um eine Prostituierte auszuwählen. Nichts ahnend sucht er ausgerechnet jene aus, die an der Französischen Krankheit (Syphilis) leidet. Als Elisabeth ebenfalls krank wird, begegnet ihr der Tod als Doktor und teilt ihr mit, dass sie sich angesteckt hat, weil Franz Josef ihr Untreu war. Jedoch wendet sich Elisabeth nicht dem Tod zu sondern sieht so die Möglichkeit sich von ihrem Mann zu befreien.
Elisabeth ist fortan ständig auf Reisen. Rudolf wächst währenddessen zum jungen Mann heran, der jedoch an seinem Vater verzweifelt. Wie seine Mutter setzt auch er sich für die Belange Ungarns ein. Unglücklich verheiratet und von seinem Vater nicht verstanden, versucht er im Geheimen gegen seinen Vater zu intrigieren und wird bei einem dieser Treffen erwischt. Sein Vater tobt. Rudolf bittet seine Mutter sich für ihn beim Vater einzusetzen, doch diese lehnt ab. Elisabeth begibt sich auch für ihren Sohn nicht mehr zurück in die Zwänge des Hofes. Rudolf begegnet seinem Freund, dem Tod, aus Kindertagen und sieht nur noch einen Ausweg. Er nimmt sich das Leben.
Von Schuldgefühlen geplagt erkennt Elisabeth, dass sie mit ihrem Drang nach Freiheit zu weit gegangen ist. Zu Franz Josef hat sie keinerlei Bindung mehr und mit ihrem Leben hat sie abgeschlossen. Der Tod überreicht Lucheni die Mordwaffe mit der er Elisabeth ermorden soll. Franz Josef sucht seine Frau ein letztes Mal auf, findet jedoch keinen Zugang zu ihr. Nach der Ermordung von Elisabeth gibt der Tod ihr den Todeskuss und nimmt sie mit in sein Reich. Elisabeth gehört ihm – endlich hat er erreicht was er wollte. Lucheni begeht nach seiner Verhaftung Selbstmord.

Das Bühnenbild von Hans Schavernoch ist beeindruckend. Besonders gut sind die Szenenwechsel gelöst, die durch Tore im hinteren Bereich immer wieder neu eingeleitet werden. Zusammen mit dem Lichtdesign von Hans Toelstede und den Videoprojektionen von Thomas Reimer ergibt sich ein perfektes Zusammenspiel.
Die Choreographie von Dennis Callahan ist gelungen und Regisseur Harry Kupfer versteht es die Szenen flüssig ineinander übergreifend zu verbinden. Einzig mit der Reiter-Szene, als Erzherzogin Sophie ihre Getreuen zur Sabotage der Beziehung zwischen Elisabeth und Franz-Josef anstiftet, kann ich mich nicht richtig anfreunden. Für mich spiegelt diese nicht ganz die Ernsthaftigkeit der Situation wieder.
Die Texte von Michael Kunze und die Musik von Sylvester Levay sind unvergesslich und der Erfolg des Stücks ist ungebrochen. Aber was wären Texte und Musik ohne eine Cast die es versteht dem ganzen Leben einzuhauchen und eine Geschichte auf der Bühne zu erzählen.
Annemieke van Dam gibt eine Elisabeth auf höchstem Niveau und steht ihren grossen Vorgängerinnen in nichts nach. Mark Seibert gehört zu den Besten seiner Zunft und stellt dies als Tod erneut unter Beweis. Die Stimmen von beiden bleiben im Gedächtnis, die Töne sitzen und ihr starkes Schauspiel lässt die Rollen leben. Beide bieten puren Musicalgenuss und ernten zu Recht langen Applaus.

Kurosch Abbasi (Absolvent der Bayrischen Theaterakademie August Everding München 2011) zeigt eine starke Schauspielleistung. Gepaart mit guter Stimme spielt er einen Lucheni der Extraklasse. Als Kaiser Franz Josef ist Mathias Edenborn zu sehen. Auch er gefällt in der Rolle und spielt einen Kaiser, bei dem man spürt wie dieser unter der Situation mit seiner Mutter und Elisabeth leidet.

Leiden das tut auch Kronprinz Rudolf – von seiner Mutter als ‚Marionette‘ gegen Erherzogin Sophie missbraucht, später unverstanden und das Verhältnis zu seinem Vater ist auch nicht das Beste. Oliver Arno füllt diese Rolle hervorragend aus. Ganz stark sind auch die beiden Jungen Loris Sikora und Linus Barroffio, die den jungen Kronprinzen Rudolf darstellen.

Sowohl Betty Vermeulen als auch Linda Konrad spielen eine Mutter und Schwiegermutter, die man keinem Wünschen möchte. In weiteren Rollen sind Elissa Huber (Herzogin Ludovika/Frau Wolf) und Dennis Kozeluh (Herzog Max) zu sehen. Das gesamte Ensemble spielt mit sehr viel Energie, starker Bühnenpräsenz und schafft es, dass Publikum im Musicaltheater Basel mit auf eine Reise zu nehmen.