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Schlagwort: Interview

Kurz nachgefragt: Marco Wyss

Kurz nachgefragt: Marco Wyss

Im Jahr 2004 legte der ehemalige Tourismus-Direktor der Ferienregion Heidiland Marco Wyss mit seinen Mitbegründern den Grundstein zum Musicalstandort Walenstadt. Im Jahr 2008 übernahm Wyss das Verwaltungsratspräsidium und seit 2009 ist er für die operative Gesamtleitung der Walensee-Bühne verantwortlich. Im Rahmen der Premiere zu „Titanic – Das Musical“ hat Musicalstories & Photography bei Marco Wyss kurz nachgefragt.

Ursprünglich war die Walensee-Bühne nur als einmaliges Projekt mit dem Musical „Heidi“ geplant. In diesem Jahr sind es zehn Jahre. Wie blicken Sie persönlich auf die vergangenen zehn Jahre zurück?

Es war eine wunderbare Zeit und zeigt, dass man zusammen mit Mitstreitern und dem Willen etwas erreich zu wollen, aus einem einjährigen Projekt ein mehrjähriges machen kann. Solche Projekte sind schwierig, risikoreich und hängen mit einer riesigen Verantwortung zusammen. Dies zu Wissen erfordert auch immer eine gewisse Demut. Ich habe eine riesen Freude daran, dass uns dies gelungen ist.

„Heidi -Das Musical„Teil1+2, „Die Schwarzen Brüder“ und „Tell – Das Musical“ waren Eigenproduktionen. Mit „My Fair Lady“, „Titanic“ und 2017 mit „Saturday Night Fever“ spielen Sie Produktionen mit eingekauften Aufführungsrechten. Wie kam es zu diesem Wandel und ist es eine andere Richtung, die Sie einschlagen?

Es ist ein bisschen ein Wandel, ja. Es ist richtig, dass wir die Rechte einkaufen aber wir inszenieren die Stücke selber. Wir kaufen keine fertigen Stücke ein. Es zeigt einfach, dass wir nicht für den Geschichtsunterricht der Schweiz verantwortlich sind, sondern möchten Stücke zeigen, welche die Leute sehen wollen. Wir sind zu 90% von den Ticketverkäufen und zu 10% von Sponsoren finanziert und ohne diesen Wandel, wäre ein weiteres Bestehen der Walensee-Bühne schwierig. Es ist ein enormes Risiko und wir haben festgestellt, dass die grossen Titel beim Publikum gut ankommen.

Könnten Sie sich vorstellen an der Walensee-Bühne mal was anderes zu zeigen, als Musical? Oper, Operette oder Schauspiel vielleicht?

Ich persönlich kann mir fast alles vorstellen zu machen. Man muss in diesem Punkt schauen, was sind die eigenen Bedürfnisse und was ist der Sache dienlich. Heutzutage gibt es viel zu sehen und vieles macht sich Konkurrenz. Daher muss man schauen, dass die Auswahl stimmt. Wir wollen weiter bestehen, aber auch die anderen sollen und wollen weiter bestehen.

Gab es in den letzten zehn Jahren entscheidende Umstände, die das ursprünglich geplante komplett auf den Kopf gestellt haben?

Nein eigentlich nicht. Wir haben in den letzten zehn Jahren immer versucht zu optimieren und ein grosses Thema ist immer die Kostensituation. Diese muss man im Griff haben und man darf nicht überborden. Mit der Überdachung im Zuschauerbereich haben wir sicher einen grossen Schritt in die richtige Richtung gemacht.

„Titanic – Das Musical“ lief damals in Hamburg mit mässigem Erfolg und kam bei Presse und Zuschauen nicht so gut an. Geht man solche Risiken bewusst ein, wenn man für diese Art von Stück die Rechte einkauft?

Dies sind Risiken, die man vorher nur bedingt abschätzen kann. Man glaubt an diese Entscheidung, die aufgrund von Annahmen, Vermutungen und Fakten getroffen wird. Ein Restrisiko bleibt natürlich und das es heute so ist wie es ist, dass ist nicht selbstverständlich.

Wo sehen Sie die Walensee-Bühne in zehn Jahren?

Als stark gefestigte Institution, mit Aufführungen alle zwei Jahre. Diesen Rhythmus wollen wir zum Wohle der Bevölkerung, den Emissionen und der Belastung für Walenstadt so beibehalten. In den Zwischenjahren wollen wir die Festigung mit Produktionen entweder an einem anderen See oder wie jetzt mit der Produktion „Spatz und Engel“ (Die wahre Liebesgeschichte zwischen Edith Piaf und Marlene Dietrich), mit welcher wir bereits im Herbst diesen Jahres auf Tournee gehen, ausbauen.

Rezension zu „Titanic – Das Musical“ Walenstadt

Fotogalerie zu „Titanic – Das Musical“ Walenstadt 

Kurz nachgefragt: Claudia Agar

Kurz nachgefragt: Claudia Agar

Vom 08. Juli – 22. August 2015 steht Claudia Agar als Lady Montague in „Romeo & Julia“ in Thun auf der Seebühne. Zuletzt war sie in Stuttgart in „Rebecca“ und als Donna in „Mamma Mia“ zu sehen. Im Rahmen der Pressepremiere hat Musicalstories & Photography bei der Schauspielerin kurz nachgefragt.

Nach dem Abschluss im Jahr 2000 an der UDK in Berlin haben Sie schon einige Rollen gespielt u.a. die Donna in „Mamma Mia“ oder in „Rebecca“. Gibt es in der Vorbereitung auf die Rollen bestimmte Abläufe oder Rituale?

Das ist ganz unterschiedlich. Generell bin ich froh, wenn ich vor Probenbeginn Textbuch und Noten bekomme, was nicht immer der Fall ist. Ich gehe gerne nach dem Text und schaue was mir dieser gibt. Abgesehen vom ganzen Stückbogen, schaue ich was passiert mit dem Stück, wo hat die Rolle ihre Bögen und wie entwickelt sich die Rolle. Dann schaue ich natürlich auch die musikalische Seite an. Manchmal hat man das Gefühl das passt nicht und am Ende fügt sich aber alles zusammen. Ich spiele ja seit einigen Jahren immer wieder Mutterrollen und als zweifache Mama, obwohl meine Kinder noch klein sind, kann ich von den Erfahrungen einiges in die Rollen einbringen, gerade auf der Gefühlsebene. Dann schaue ich mir aber auch die Mütter um mich herum an, die ja auch unterschiedlich auf gewisse Situationen reagieren. Zusammenfassend sind für mich einerseits der Text wichtig und das was ich um mich wahrnehme, suche quasi „Vorbilder“ und schau dann was für mich zum Text passt.

Im Stück „Romeo & Julia“ verlieren Sie als Lady Montague auf recht tragische Weise Ihren Sohn. Was ist das als zweifache Mutter für ein Gefühl? Kommen da eigene Emotionen in die Rollenauslegung und wie setzen Sie diese Trauer um?

Ich kann mich da, glaub ich, gar nicht von den eigenen Emotionen abgrenzen. Vielleicht macht mich dies zu einer schlechten oder auch zu einer guten Schauspielerin, dass weiss ich nicht so genau. Davon abgesehen hat man noch eigene Lebenserfahrung, wo man mit dem Thema Tod in Berührung gekommen ist und auch dies benutze ich für die Auslegung der Rolle.

Shakespeares Romeo und Julia ist ein sehr klassisches Stück. Man weiss zum Beispiel, dass die Balkon-Szene im Original gar nicht vorkam. Haben Sie sich in der Vorbereitung auf die Rolle der Lady Montague mit dem Originalstück auseinander gesetzt oder sich nur von dem Text inspirieren lassen?

Das Original von Shakespeare habe ich mal in der Schule und zu einem späteren Zeitpunkt nochmal gelesen, allerdings wusste ich da nicht, dass ich das Stück jemals spielen werde. Für die Vorbereitung hier in Thun habe ich das Stück nicht nochmal neu aufgerollt, sondern habe geschaut, was ich noch für Erinnerungen habe. Hauptsächlich transportiere ich den Text und die Rolle so, wie sie für diese Inszenierung gedacht ist. Natürlich kann man sich von dem Original und dem Drumherum inspirieren lassen, aber man darf es auch, meiner Meinung nach, nicht zu überfrachten.

Als Lady Montague machen Sie ein auf und ab der Gefühlswelt durch. Einerseits sind Sie sehr stolz auf Ihren Sohn und freuen sich für ihn, anderseits leiden Sie mit ihm. Wie viel Ihrer eigenen Persönlichkeit ist in der Rolle drin?

Es gibt immer einen relativ grossen Anteil Persönlichkeit in der Rollenauslegung. In Prozent kann ich das allerdings nicht beziffern. Ich benutze wirklich viel von dem was ich erfahren habe, so wurde es uns ja auch an der UDK in Berlin gelehrt. Zuerst in uns rein gehen und schauen was da vorhanden ist. Wenn dies nicht reicht, dann schaut man sich die Umgebung an und wie kann ich dies für die Rolle adaptieren. Ich denke da gibt es schon einiges von mir, was sich in der Rolle wiederspiegelt. Am Anfang bin ich ja die Aufmüpfigere der beiden Ladies, quasi der Giftzwerg von beiden. Grundsätzlich bin ich ein harmoniesüchtiger Mensch, aber je nach Umstand kann man mich schon reizen, ich hau dann schon mal auf den Tisch und kann etwas lauter werden. Das ist sicher eine Eigenschaft von mir, die in der Rollenauslegung der Lady Montague steckt. Je nach Situation und Emotion geschieht dies in unterschiedliche Mengen.

Zum ersten Mal hier in Thun und Open Air auf einer Seebühne. Was ist das für ein Gefühl vor so einer Kulisse hier in der Schweiz zu spielen und zum anderen verstehen Sie das Schweizerdeutsch schon ein bisschen?

Seit dem ich hier in Thun bin, zum ersten Mal war dies für eine Promotion im März, habe ich mich in diese Gegend verknallt. Ich liebe die Berge und mir gefällt es hier wirklich sehr. Die Schweizer sind anderes und ich habe hier bisher sehr viele offene Menschen erlebt, was mir sehr gefällt. Die Seebühne ist der Wahnsinn – eindrücklich was hier für so eine kurze Dauer auf die Beine gestellt und welcher Aufwand betrieben wird. Die Kulisse flasht total, aber da bin ich sicher nicht die einzige, die so empfindet. Alles in allem bin ich sehr dankbar für dieses Engagement, als Mensch, als Schauspielerin und es erfüllt mich gerade sehr. Es tut mir und meiner Familie, die mich oft besuchen, sehr gut hier zu sein. Wir können hier richtig durchatmen. Ursprünglich komme ich aus Niederbayern, auch wenn die beiden Dialekte nicht viel miteinander zu tun haben, glaube ich einen kleinen Vorteil beim Verständnis gegenüber Menschen aus Norddeutschland zu haben. Ich finde den Dialekt super charmant und entzückend. Manchmal habe ich sogar das Gefühl, dass sich Schweizer gar nicht so richtig streiten können, weil der Dialekt einfach zu schön ist. Dieses geerdete und doch das bisschen freche kommt meiner Herkunft sehr nah. Dies ist sicher ein weiterer Grund, weshalb es mir hier so gut gefällt.

Rezension Romeo & Julia:
„Romeo & Julia“ – Verona am Thunersee

Fotogalerie Romeo & Julia:
Fotogalerie Romeo & Julia in Thun

Kurz nachgefragt: Eveline Suter

Kurz nachgefragt: Eveline Suter

Eveline Suter spielt zurzeit die Eliza Doolittle im Musical „My Fair Lady“ auf der Walenseebühne in der Schweiz. Im Rahmen der Premiere hat Musicalstories & Photography bei der Darstellerin mal kurz nachgefragt.

Sie bezeichnen Eliza Doolittle als eine Ihrer absoluten Traumrollen. Wieso?
Als ich so zwölf Jahre alt war, hat meine Mutter das Video von „My Fair Lady“ aus der Bibliothek nach Hause gebracht. Mich hat das total gepackt und ich habe den Film immer wieder geschaut. Die Kostüme und vor allem die Hauptdarstellerin Audrey Hepburn sind für mich bis heute eindrücklich. Ich finde, sie ist eine der schönsten Frauen, die es je gab. Das hat mich einfach verzaubert.

Audrey Hepburn hat damals die Hauptrolle im Film gespielt. Sie war eine der besten Schauspielerinnen in den 1950er und 1960er Jahren. Nimmt man Hepburn als Vorbild oder sucht man seinen ganz eigenen Weg? Schaut man sich den Film noch mal an?
Es ist gefährlich, vom Film abzuschauen, weil man es auf einer Bühne ganz anders umsetzen muss. Es ist mir schon passiert, es wie sie sehr ruhig zu machen, aber das funktioniert auf einer Bühne nicht. Vor allem nicht auf einer so großen Bühne mit vielen Zuschauern. Da musste ich vom Film auf die Bühne umdenken. Alles viel größer, dramatischer und fröhlicher und so weiter. Natürlich habe ich den Film vorher noch zwei- bis dreimal angeschaut.

Vor zwei Jahren haben Sie in Walenstadt bei „Tell“ mitgespielt. Nun sind auch wieder viele Kollegen mit dabei. Wie ist das, wenn man wieder zusammen spielen kann? Wie eine Art Familie?
Teilweise ja. Gerade mit einem Kollegen, den ich vor zehn Jahren in Füssen kennen gelernt habe. Er fand mich damals immer so still und arrogant. Dabei war ich nur schüchtern, weil ich ihn auf der Bühne so toll fand. Zwei Jahre später hat er mir das auf der „Tanz der Vampire“-Premiere in Hamburg mal erzählt. Jetzt ist er hier mit dabei – genauso wie viele andere Kollegen. Es ist wirklich eine tolle Cast. Das kann ich von ganzem Herzen sagen.

Mit dem Regisseur Stanislav Mosa machen Sie bereits die vierte Produktion zusammen. Was ist das besondere an seiner Arbeit als Regisseur, dass man auch immer wieder gerne mit ihm zusammenarbeitet?
Wir schätzen uns gegenseitig. Es ist eine tolle Arbeit mit ihm. Er ist locker und er ist nicht einmal ausgerastet – da gibt es andere Regisseure, was auch in Ordnung ist, das braucht es manchmal auch. Er ist immer relaxt, cool und sachlich. Er bringt dir das langsam ohne Stress bei und holt das so aus einem raus. Es ist wirklich eine tolle Arbeit mit ihm.

Musicalbühne, Fernsehen, Konzerte und Galas. Nebenbei lesen Sie noch Bücher für die Schweizer Blindenbibliothek ein. Was bedeutet diese Arbeit für Sie?
Jetzt nach der Premiere lese ich wieder mehr Bücher ein. Gerade an meinen freien Tagen oder am Abend. Das ist für mich ein super Ausgleich. Mal spannend, mal weniger spannend – aber das ist Geschmackssache. Vor kurzem habe ich von einem Blinden eine E-Mail bekommen. Er hört meine Bücher total gerne. Und dass er sich so an meine Stimme gewöhnt hat, war für mich ein schönes Feedback. Es ist eine andere Art Arbeit als auf der Bühne oder im Fernsehen, aber für mich eine ganz wichtige Arbeit. So ganz ohne Glamour. Und ich bin total stolz, dass ich da zum Team gehöre.

Rezension „My Fair Lady“:
Gelungen: „My Fair Lady“ in Walenstadt

Fotogalerie:
Fotogalerie zu „My Fair Lady“

Interview – Kurz nachgefragt: Pia Douwes

Interview – Kurz nachgefragt: Pia Douwes

Die bekannte Musicaldarstellerin Pia Douwes steht zurzeit bei den Seespielen in Thun (Schweiz) auf der Bühne, wo sie die Claire Zachanassian in dem neuen Musical „Der Besuch der alten Dame“ spielt. Im Rahmen der Premiere hat Musicalstories & Photography bei Pia Douwes mal kurz nachgefragt.

„Der Besuch der alten Dame“ von Friedrich Dürrenmatt gehört fast zu jedem Deutschunterricht in der Schule. Wie haben Sie sich auf das Stück vorbereitet?
Ich habe das Buch erst gelesen, als ich für diese Rolle angenommen wurde. In Holland ist das Buch keine Pflichtlektüre. Ich finde es ein genial geschriebenes Stück – Vergebung, Schuld, Mitläufertum, Macht und Geld sind ganz aktuelle Themen. Ich glaube, es ist uns gelungen, dieses geniale Buch von Dürrenmatt in einer Zeit, wo wir mehr mit Emotionen zu tun haben, noch menschlicher zu machen.

Was sind für Sie die wesentlichen Unterschiede zwischen Buch und Musical?
Das Musical ist im Gegensatz zum Buch menschlicher. Der Mensch hat verschiedene Gefühle in sich. Claire ist nicht nur schwarzweiß. Sie kommt zurück, und als sie Alfred sieht, geschieht etwas mit ihr und auch mit Alfred. Es passieren Sachen und es fängt an zu brodeln, auch gefühlsmäßig. Dann stellt sich die Frage: Kann man vergeben, kann man zu seiner Schuld stehen, kann eine Stadt für sich stehen oder sind die Menschen wieder Mitläufer, genau wie es in der Vergangenheit geschehen ist? Hat man daraus gelernt oder nicht? Durch die Musik hat das Stück an Menschlichkeit gewonnen. Es ist ambivalenter. Deshalb wird es den Menschen heutzutage auch näher gebracht, da viel mehr mit Emotionen gearbeitet wird.

Sie spielen Claire Zachanassian. Nach Elisabeth, Milady de Winter und Mrs. Danvers eine weitere Charakterrolle, die sowohl stark als auch verletzlich ist. Was macht den Reiz an diesen Rollen für Sie aus?
Weil es Konflikte gibt. Weil diese Frauen nicht stark oder böse sind. Denn es gibt einen Grund, weshalb sie so geworden sind. Mich interessiert dieser Grund. Warum passiert das? Was erleben diese Frauen? Das finde ich interessant.

Sie spielen das erste Mal in Thun auf der Seebühne. Was hat sie am meisten beeindruckt und wie ist es für Sie, in Thun zu spielen?
Es ist toll, open-air zu spielen. Ich liebe es. Ich habe ja schon drei Jahre in Bad Hersfeld gespielt. Es ist toll, mit dem Wetter und der Natur umgehen zu müssen. Denn die Natur hat ja ganz eigene Kräfte. Da können wir machen, was wir wollen – wir müssen uns den Umständen hingeben. Das Stück ist toll geschrieben, und eine neue Rolle zu kreieren, ist auch immer interessant.

Mit Uwe Kröger spielt ein langjähriger Kollege wieder an Ihrer Seite. Wie ist es, wieder gemeinsam spielen zu können?
Mit Uwe Kröger wieder auf einer Bühne zu stehen, ist klasse. Und dass wir zusammen nach Wien gehen, ist ein Geschenk.

Rezension „Besuch der alten Dame“:
Stehende Ovationen „Besuch der alten Dame“ in Thun

Fotogalerie:
„Besuch der alten Dame“ in Thun, 2013

Kurz nachgefragt bei Michael Flöth: Kapitän in meiner Badewanne

Kurz nachgefragt bei Michael Flöth: Kapitän in meiner Badewanne

Der Opernsänger Michael Flöth steht seit fast 40 Jahren auf Theaterbühnen im In- und Ausland und ist auch im Musicalgenre zu Hause. So wirkte er unter anderem schon in „Elisabeth“, „Spamalot“ und „20.000 Meilen unter dem Meer“ mit. Aktuell spielt er auf der Seebühne im schweizerischen Thun den Kapitän E.J. Smith im Musical „Titanic“. Die Rolle ist ihm vertraut, da er sie bereits vor zehn Jahren bei der deutschsprachigen Erstaufführung in Hamburg gespielt hat. Im Interview spricht er über diese Rolle, aber auch über die vergangenen zehn Jahre, neue Sichtweisen und andere Kapitänsrollen.

Als das Musical „Titanic“ im Jahr 2002 seine deutschsprachige Erstaufführung feierte, haben Sie bereits den Kapitän E.J. Smith verkörpert. Die Rolle haben Sie nun auch in Thun übernommen. Mittlerweile sind zehn Jahre verstrichen. Welche Erinnerungen haben Sie noch an Ihre Zeit auf der Hamburger Titanic?
Die grundlegende Charakterisierung ändert sich nicht. Die Person und die Handlung ist dieselbe. Ein deutlicher Unterschied ist allerdings die Atmosphäre. Es ist traumhaft, die Rolle nach zehn Jahren in dieser Umgebung, die sehr inspirierend ist, noch mal zu spielen. Eine der Previews wurde im Regen gespielt, und das war wunderbar. Der Regen hat uns die Natur noch näher gebracht. Wir sehen das Panorama ja nicht immer. Insofern wurde uns deutlich: Wir spielen mit der Natur.

In Thun spielen Sie mit einigen Kollegen, mit denen Sie auch in Hamburg auf der Bühne standen (z.B. Lucius Wolter, Jens Janke). Ein großes Wiedersehen also?
Natürlich! Das Theater ist eine Familie. Man sieht sich spätestens nach ein bis zwei Jahren in anderen Produktionen wieder, spielt andere Rollen und wird dadurch reifer. In Thun spielen die Kollegen ja auch andere Rollen. Daher war es für sie – im Gegensatz zu mir, der dieselbe Rolle noch mal spielt – eine besondere Situation, da sie die neuen Rollen kreieren mussten.

Sie haben es schon erwähnt: Während einige Ihrer Hamburger Kollegen in Thun nun andere Rollen übernommen haben, spielen Sie wieder die gleich Rolle wie schon vor zehn Jahren. Ist Ihnen diese Rolle ans Herz gewachsen? Was verbinden Sie mit der Rolle, oder besser gesagt: Was verbinden Sie mit dem echten E.J. Smith?
In vielen Interviews und Gesprächen wurde immer auch nach der besonderen Schuld des Kapitäns gefragt, weniger nach der Verantwortung anderer. Unter Berücksichtigung aller Umstände, die zur Tragödie führten, kann man durchaus behaupten, dass die Titanic nicht das Schicksal ereilt hätte, wenn sich nur eine der vielen Ursachen nicht ereignet hätte. Hierzu nur ein Beispiel: Ein Mitarbeiter hatte aus Verärgerung über seine Kündigung vor dem Ablegen der Titanic die beiden Ferngläser versteckt. Hätte der Ausguck aber ein Fernglas im Krähennest gehabt, wäre der Eisberg früher gesichtet worden. Hätte der 1. Offizier Murdock daraufhin nicht den Befehl „Volle Kraft zurück“ erteilt, wäre das Schiff nicht mit dem Eisberg kollidiert.In der Originalfassung kommt noch stärker zur Geltung, dass dem 1. Offizier das nötige Selbstvertrauen fehlt, ein eigenes Schiff zu führen. Das ist ja auch der Grund, weshalb der Kapitän ihm zur Stärkung seines Selbstbewusstseins in der Unglücksnacht das Kommando überträgt. In meiner Darstellung versuche ich, das Eingeständnis der Mitschuld durch die emotionale Anteilnahme am Schicksal der Passagiere und Besatzung aufzuzeigen. In der Hamburger Inszenierung hatte ich noch durchgesetzt, dass ich im Moment des Untergangs auf der Brücke zu sehen bin, quasi bewusst in den Tod gehe. Das ist auch  die Verbundenheit mit der Rolle – Verantwortung zu tragen. Und die Verbundenheit mit dem Kapitän E.J. Smith? Es ist sein Humor und seine Freude an der Kommunikation.

Gehen Sie jetzt anders an Ihre Rolle heran als noch vor zehn Jahren? Haben Sie vielleicht sogar einen anderen Blick auf das Stück und Ihre Rolle?
Nein, das Wesentliche ist geblieben. Da war ich auch mit dem Regieteam in Bezug auf die Charakterisierung der Figur einig. Aber es hat sich insofern einiges geändert, da die Dimension eine andere ist – das Spielen unter freiem Himmel. Die Natur hat doch einen großen Einfluss, und deshalb muss man den Text auch anders gestalten als in einem Theater. Ich hoffe, dass man das  auch entsprechend erkennt.

Mal abgesehen davon, dass in Thun open-air gespielt wird: Was sind für Sie die größten Unterschiede zwischen den Inszenierungen in Hamburg und Thun?
Ich möchte darauf mit dem typisch makabren, englischen Humor antworten: Es ist hier in den Alpen wesentlich leichter als in Hamburg, einen Eisberg zu treffen.

Ist es nicht ein schweres Unterfangen, den Untergang des wahrscheinlich berühmtesten Schiffs der Welt auf eine Musicalbühne zu bringen?
Es liegt wohl im momentanen Trend, nicht nur berühmte Ereignisse, sondern auch berühmte Personen auf die Musicalbühne zu bringen. Das verbindende Element wird immer das menschliche Schicksal sein und die Auseinandersetzung mit der Geschichte. Und das ist kein schwieriges Unterfangen – das ist das Ziel des Theaters!

Das Musical „Titanic“ hat mit dem gleichnamigen Film von James Cameron nicht viel gemeinsam – mal abgesehen von der Katastrophe an sich. Fluch oder Segen?
Für diejenigen, die neugierig sind, Handlungen durch die Kraft der Musik tiefer erleben zu wollen und die wahre Geschichte sehen möchten, ist es ein Segen.

Sie spielen nun zum zweiten Mal den Kapitän der Titanic, standen zwischenzeitlich auch als Kapitän Nemo im Musical „20.000 Meilen unter dem Meer“ auf der Bühne. Ist das Zufall oder wollten Sie schon immer mal Kapitän spielen?
Hinzu kommt ja auch noch die neue NDR-Fernsehserie „Jümmer Justizgeschichten“, die seit Dezember 2011 produziert wird. Auch hier spiele ich einen Kapitän. Aber in der Tat ist das wohl eher Zufall. Denn bis zur Hamburger „Titanic“-Inszenierung war ich nur in meiner Badewanne Kapitän.

Interview: Iris Steger & Dominik Lapp

Kurz nachgefragt bei Rory Six zum Musical „Wenn Rosenblätter fallen“

Kurz nachgefragt bei Rory Six zum Musical „Wenn Rosenblätter fallen“

Mit „Wenn Rosenblätter fallen“ handelt von Liebe und Zuneigung, die Menschen im Anzeichen einer unheilbaren Krebsdiagnose vor Herausforderungen stellt. Sowohl vor als auch nach dem Tod. Im Rahmen der Aufführung des Stücks im Kehrwieder Theater Hamburg hat Musicalstories & Photography bei Rory Six kurz nachgefragt.

Wie geht man musikalisch eine solche Thematik an, um sie für ein Musical umzusetzen? Über die musikalische Umsetzung wurde lange diskutiert. Man hätte das ganze Stück schräg komponieren können, aber da haben wir uns dagegen entschieden. Wir wollten für dieses Stück Songs schreiben. Der Grundgedanke war, dass jeder Song eine kleine Geschichte für sich erzählt.

Welche Gesichtspunkte müssen beim Schreiben der Musik berücksichtigt werden um diesem Thema musikalisch umzusetzen, um auch die Emotionen richtig rüber zu bringen?

Das ist eine Gefühlssache. Es gibt Komponisten, die setzten sich hin und denken sich was aus. Persönlich funktioniert diese Herangehensweise für mich nicht. Ich muss immer wissen, wo wir in der Geschichte sind, was braucht diese Person, worüber soll es handeln und dann fange ich an zu schreiben. Es ist durchaus möglich, dass der Text schon komplett vorhanden ist oder nur Gedanken vorhanden sind. Durch solche Gedanken ist z.B. auch das neue Frauenduett „Teil von dir“ im Stück entstanden.

Wie beschreibt man Besten die Musik von „Wenn Rosenblätter fallen“‘?

Vom Stil wurden die Lieder von Rose (Tills Mutter) eher im Chanson-Bereich angeordnet. Till hat eher die stärkeren Lieder bekommen und Iris die typischen Uptempo-Songs.

Um dieses Thema als Darsteller umzusetzen, braucht es starke Schauspieler, da dieses Stück auch emotional sehr fordernd ist. Worauf achtet man da bei der Zusammensetzung der Cast?

Die Auswahl der Darsteller erfolgt nach ganz viel Gefühl. Carin Filipčić hatte bereits den Workshop in Wien gemacht. Wir wussten, dass Carin diese Rolle spielen kann und daher musste sie keine Audition mehr machen. Jana konnte ich mir gut in der Rolle der Iris vorstellen, daher habe ich sie gefragt, ob sie eine Audition für die Rolle machen möchte. Stefanie Köhm und Dirk Johnston mussten ebenfalls eine Audition machen. Es kommt auch darauf an, ob die Darsteller, die zu einer Audition kommen, zum Typ der Rolle passen.

Viele Menschen verbinden Musical mit ‚Beine hochlegen‘ und sich amüsieren. Nicht so bei dem Thema dieses Stückes. Was erwartet den Zuschauer, wenn er sich dieses Musical ansieht?

Die Zuschauer sollen mit der Geschichte oder mit Grundgedanken mitgenommen werden. Unser Ziel war es die Leute zu berühren. Ich glaube, dass uns dies mit diesem Stück gelungen ist. Wichtig war Kai und mir auch, die Fallhöhen in diesem Stück deutlich werden zu lassen. In der einen Szene ist man fröhlich und positiv (Iris: „Ich krieg dich rum“) und in der darauffolgenden Szene sieht man die extremen Folgen der Chemotherapie. Genau diese Achterbahnfahrt ist es, denke ich, die die Leute auch so bewegt. Interessant waren auch die Rückmeldungen der Zuschauer, die ich oder auch die Darsteller erhalten haben. Fast jeder verbindet eine persönliche Geschichte mit diesem Stück. Viele sagten, dass ihnen die Geschichte ein Stück weit geholfen hat, diese Erlebnisse zu verarbeiten. Es ist schön, dass Theater sowas erreichen kann. Zurzeit gibt es meiner Meinung nach kein Stück, aus welchem die Leute raus kommen und sich erst mal zu Hause hinsetzten, runter kommen und ihre Gedanken sortieren müssen. Trotzdem sind die Reaktionen durchweg positiv.

Thema Kritiken…Werden diese gelesen und wenn ja wie beeinflussen diese eine Produktion?

Man liest Kritik und man nimmt sie auch wahr. Kritiken sind immer Meinungen verschiedener Leute. Aber einen Einfluss auf die Arbeit haben die Kritiken nicht. Wichtig ist, dass ich oder wir als Autoren mit der Arbeit zufrieden sind. Man muss sich selbst treu bleiben, sich gegenüber immer Selbstkritisch sein und offen für Änderungen bleiben. Theater soll für das Publikum gemacht werden und nicht um der Kunst willen.

Nach Hamburg folgen Mannheim, Datteln und Wien. Gibt es schon Pläne wie es danach weitergeht?

Für weitere Schritte haben wir viele Gedanken. Wir möchten das Stück gerne weiter auf Tour schicken und würden gerne Theater wie das KATiElli Theater (Datteln) ansprechen, die das Stück gerne einkaufen. Ein weiterer Gedanke ist eine englische Fassung des Stücks, um es in England aufzuführen. Das sind soweit mal die Pläne. Erste Kontakte sind geknüpft, alles weitere bleibt abzuwarten.

Die Geschichte basiert ja auf einem Jugendbuch. Man könnte doch da auch Schulen ansprechen, die das Stück als Unterrichts-Begleitung ansehen.

Schulklassen waren ja schon in unserer Generalprobe. Der erste Gedanke von Kai und mir war, dass das Stück nichts für Jugendliche ist. Komischerweise haben wir festgestellt, dass dies genau deren Humor ist und sie auch die Musik toll finden. Zwar waren die Jugendlichen nach dem Stück fix und fertig, aber auch total begeistert. Wir haben ihnen auch die entsprechende Begleitung angeboten und ihnen die Möglichkeit gegeben, nach der Aufführung mit uns zu sprechen und Fragen zu stellen. Wir wollen da auch im Bereich Schulförderung mal schauen, ob man in dieser Richtung was machen kann.