Browsed by
Schlagwort: Internationale Tour

Magisch mit kleinen Abstrichen: „Wicked“ in Zürich

Magisch mit kleinen Abstrichen: „Wicked“ in Zürich

Geschichten über Freundschaft, Liebe, Verlust und Verrat gibt es in der Musical-Landschaft einige. Doch was macht eine Erzählung, die diese Themen beinhaltet, besonders? Im Fall von „Wicked“ ist es die Art der Kombination dieser Themen, gepaart mit einer wunderbaren berührenden Musik, welche die Geschichte von Elphaba, Glinda und Fiyero trägt.

Im Jahr 2003 feierte „Wicked“ im Curran Theatre in San Fransisco Premiere, ehe es dann an den Broadway ins berühmte Gershwin Theatre transferiert wurde. Mittlerweile ist es auf dem neunten Platz der am längsten gespielten Musicals am Broadway und die Vorstellungen sind nach wie vor ausverkauft. Weitere erfolgreiche Spielstätten sind London, Sydney, Tokio sowie Touren in den USA und UK. Weniger erfolgreich lief „Wicked“ in Deutschland. Dies aufgrund der Tatsache, dass der „Zauberer von Oz“ im Gegensatz zu den USA/UK eine wenig bekannte Geschichte ist. In Zürich im Theater 11 ist die aktuelle UK-Tour noch bis 31. Dezember 2017 zu sehen.

Ensemble „Wicked“ photo © Matt Crockett

Basierend auf dem 1995 erschienen Buch „The Life and Times of the Wicked Witch of the West” des amerikanischen Schriftstellers Gregory Maguire und beeinflusst von Frank Baum’s Film „The Wonderful Wizard of Oz “ aus dem Jahr 1939, zeichnen sich Stephen Schwartz für Komposition und Liedtexte sowie Winnie Holzman für das Buch verantwortlich. Regie führte Joe Mantello und die Choreographie stammt von Wayne Cilento.

Elphaba und Glinda, photo © Matt Crockett

„Wicked“ erzählt die Geschichte der beiden Hexen Glinda und Elphaba, zweier ungleicher junger Frauen, deren Interessen und Ansichten unterschiedlicher nicht sein können. Verliebt in den gleichen Mann, Fiyero, trennen sich ihre Wege nach der Schulzeit, da jede ihre eigenen Ziele verfolgt. Während Elphaba gegen die Machenschaften des Zauberers von Oz kämpft, sonnt sich Glinda im Scheinwerferlicht der Berühmtheit. Einige Jahre später begegnen sich beide wieder. Fiyero erkennt, wem der beiden Frauen sein Herz wirklich gehört und die beiden Freundinnen erkennen, wie ihre Freundschaft sie als Menschen zum Positiven verändert hat.

Das gelungene und detaillierte Bühnenbild von Eugene Lee erreicht seinen Höhepunkt bei der Emerald City Szene, bei der die ganze Bühne in eine smaragdgrüne Farbenwelt getaucht wird. Unterstützt wird das Bühnenbild von dem grossartigen Lichtdesign von Kenneth Posner. Bei der Tourproduktion ist insgesamt eine abgespeckte Bühnenbild Version zu sehen. Zuschauer, welche das Stück noch nie gesehen haben, fallen die Anpassungen nicht auf, während „Wicked“-Kenner die äusseren Bühnenelemente, wie die ausladende detailreiche Treppe, und die Brücke vermissen. Die fehlenden Bühnenelemente werden als Treppekonstruktion oder Podest eingeschobenen. Ausgeglichen werden die fehlenden Element auch durch ein angepasstes Bühnenspiel.

Glinda (Helen Woolf) photo © Matt Crockett

Die Kostüme von Susan Hilferty sind eine Augenweide. Das Besondere ist, dass die Kostüme allesamt asymmetrischen Formen und Muster haben. Ergänzt wird das Kostümbild mit den fantasievollen Perücken von Tom Watson. Der Musikalische Leiter Dave Rose führt das 15-köpfige Orchester sicher durch die komplexe Partitur des Stücks. Hörbar fehlen im Orchester die Streicher. Die auf dem Keyboard erstellten Streicherpartien hört man heraus, was den gesamten Musikeindruck etwas schmälert.

Elphaba (Amy Ross) photo © Matt Crockett

Amy Ross agiert in ihrer Rolle als ‚Elphaba’ solide mit guter Bühnenpräsenz. Während sie ihre kraftvolle Stimme bei „Defining Grafity“ noch Potential hat, zeigt sie bei „No Good Deed“ was sie kann. Helen Woolf als ‚Glinda’ hat in London die Rolle bereits als Zweitbesetzung gespielt, gelingt die Balance zwischen Ernsthaftigkeit und Komik perfekt. Ihren wohlklingenden und klaren Sopran setzt sie bei „Thank Goodness“ gekonnt ein. Bei beiden spürt man, wie viel Freude sie gemeinsam auf der Bühne haben, was vor allem in der Schlussszene zum ersten Akt bemerkbar macht. Eine wunderbare Ergänzung zu den beiden Damen ist Aaron Sidwell der den ‚Fiyero’ gibt. Mit jugendlichem Leichtsinn interpretiert er seine Rolle bei „Dancing Through Life“ und zeigt eine gelungene Entwicklung seines Charakters.

Aaron Sidwell (Fiyero) photo © Matt Crockett

Steven Pinder der als ‚Wizard of Oz’ und ‚Doctor Dillamond’ eine Doppelrolle spielt, zeigt gesanglich eine gute Leistung. Als ‚Wizard von Oz’ lässt er in seinem Schauspiel das fiese und durchtriebene des Zauberers ein wenig vermissen und wirkt fast zu lieb. Kim Ismay punktet in ihrer Interpretation als ‚Madame Morrible’. Ihr gelingt die Steigerung von der netten und fürsorglichen Schulleiterin zur machtgierigen Pressesprecherin des Zauberers auf ganzer Linie. Emily Shaw als ‚Nessarose’ und Iddon Jones als ‚Boq’ gefallen mit ihrem Schauspiel. Mit starker Stimme interpretiert Shaw den kurzen Song „The Wicked Witch of the East“.

Insgesamt kann das Ensemble von „Wicked“ im Theater 11 durchaus überzeugen, auch wenn man hier und da kleine Abstriche machen muss. Beim Schweizer Publikum scheint die Geschichte von Elphaba, Glinda und Fiyero anzukommen. Standing Ovation in der besuchten Vorstellung.

Überzeugende Stimmen: „Evita“ auf Tour

Überzeugende Stimmen: „Evita“ auf Tour

María Eva Duarte de Perón war gerade mal 33 Jahre alt, als sie am 26. Juli 1952 ihrem Krebsleiden erlag. Bis heute ist sie für viele Argentinier eine Ikone, da sie eine der grössten Wohltäterinnen ihres Landes war. Als erste Frau nahm sie grossen Einfluss in der damaligen politischen Landschaft Argentiniens, ohne die Rolle ihres Mannes Juan Perón als Präsident zu beeinträchtigen. Die Geschichte von Eva Perón inspirierte Andrew Lloyd Webber und Tim Rice im Jahr 1974 sich dem Stoff anzunehmen. Im Juni 1978 feierte das Musical im Prince Edward Theatre in London seine Uraufführung. Vom 25.- 30. April 2017 gastiert die englischsprachige Tour im Theater 11 in Zürich und vom 11.-16. Juli 2017 im Musicaltheater Basel.

Ensemble Foto: Pamela Raith

Das Ziel der jungen Eva Duarte ist Buenos Aires, denn das kleine Dorf Junín, in dem sie lebt, ist ihr nicht gut genug. Sie träumt davon in der grossen Stadt eine berühmte Schauspielerin zu werden. Diverse Männerbekanntschaften helfen ihr dieses Ziel zu erreichen. Auf einer Benefizveranstaltung für Erdbebenopfer trifft sie auf den ehrgeizig politisch engagierten Juan Perón. Emma Hatton, zuletzt als Elphaba in „Wicked“ in London zu sehen, begeistert mit ihrer starken Bühnenpräsenz und ihrer facettenreichen Stimme. Als Erzähler bringt Che, angelehnt an den argentinischen Revolutionsführer, den Zuschauern die Geschichte von Eva Duarte aus einer kritischen Sicht näher. Gian Marco Schiaretti, unter anderem als Tarzan in Hamburg und Stuttgart zu erleben, verkörpert die Rolle mit dem nötigen Feingefühl, überzeugendem Spiel und punktet mit ausdrucksstarker Stimme. Juan Perón ist ein aufstrebender Militärkommandant, der Stück für Stück politisch an Einfluss gewinnt. Dank seiner charismatischen Frau gelingt ihm bei der Präsidentenwahl der Durchbruch. Kevin Stephen-Jones, bei der „Cats“-Tournee 2016 als Old Deuteronomy zu sehen, verleiht seiner Darstellung als Juan Perón die nötige Intensität und Glaubhaftigkeit. Dank der erzwungenen Unterstützung des Sängers Magaldi kommt Eva ihrem Weg nach Buenos Aires näher – er ist für sie das Mittel zum Zweck. Oscar Balmaseda interpretiert seine Figur Rollengerecht und mit schöner Stimmfarbe.

Emma Hatton als Evita Foto: Pamela Raith

Für Tim Rice (Texte) und Andrew Lloyd Webber (Musik) war es nach „Jesus Christ Superstar“ das zweite Stück, dass sie gemeinsam auf die Bühne gebracht haben. Gespickt mit mitreissenden und eingängigen Melodien wie den Welterfolg „Don’t Cry For Me Argentina“ oder „High Flying Adored“ feiert „Evita“ seit Jahrzehnten Erfolge. Regisseur Bob Tomson verbindet politische Themen mit der Lebensgeschichte einer aussergewöhnlichen Frau auf eine berührende und spannende Weise. Seine Personenregie ist detailliert, so dass gerade die Hauptfiguren eine eindrückliche Präsenz aufweisen. Die Choreografie von Bill Deamer ist ausgereift und fügt sich nahtlos in die Regiearbeit von Tomson ein. Das Bühnenbild von Matthew Wright stellt eine Art grosse Halle da, welche je nach Szene mühelos angepasst wird. Treppenaufgänge die miteinander verbunden werden, Säulen und diverse detailliert ausgearbeitete Requisiten ergänzen die Szenerie perfekt. Zusammen mit dem gelungenen Lichtdesign von Mark Howett und Wrights Kostümen im Stil der 30er-40er Jahre, entsteht ein stimmiger Gesamteindruck. Das Orchester unter der Leitung von Will Joy bringt die musikalisch verschieden Facetten des Stück, von Rock Pop bis zu südamerikanische Rhythmen, wunderbar zu Gehör.

Ensemble Foto: Pamela Raith

Ein geschichtliches Thema in einem Musical zu verarbeiten ist anspruchsvoll. Rice und Webber ist das mit „Evita“ wunderbar gelungen. Mit hoher Qualität und Spielfreunde zeigte das ganze Ensemble eine durchweg überzeugende Leistung. Das Publikum im Theater 11 spendete minutenlang Applaus.

Überzeugende Inszenierung: „Chicago“ – Tour englischsprachige Original Produktion

Überzeugende Inszenierung: „Chicago“ – Tour englischsprachige Original Produktion

Seit dem Jahr 1975 ist „Chicago“ von Bob Fosse (Buch), John Kander und Fred Ebb (Musik, Buch, Songtexte) auf den Bühnen der Welt zu sehen. Die englischsprachige Original Produktion ist vom 09.-20. November 2016 zu Gast am Theater 11 in Zürich. An Aktualität hat das Vaudeville-Musical nichts eingebüsst – Korruption, Mord, Verrat, Lüge und Habgier sind die Aspekte, die in diesem Stück vereint sind. Berühmt und in allen Gazetten Allgegenwärtig ist Velma Kelly bis Roxie Hart auftaucht und Velma den Platz im Rampenlicht streitig macht – Handlungsort ist ein Frauengefängnis im Chicago der 1920er Jahre. Während Hart ihren Liebhaber umgebracht hat, rächte sich Kelly für einen Seitensprung an ihrem Mann und ihrer Schwester.


Foto: © Catherine Ashmore
Foto: © Catherine Ashmore

Regisseur Walter Bobbie lässt Bühnenbild, Band und Story ineinander verschmelzen und zeigt „Chicago“ als perfekt inszenierte Symbiose. Hinzu kommt die energiegeladene Original-Choreographie von Bob Fosse. Das Bühnenbild ist ein Treppenförmiger Aufbau, welcher die komplette Breite der Bühne einnimmt. Die einzelnen Szenen des Stücks spielen vor und auf diesem Aufbau. Das gelungene Lichtdesign unterstützt einzelne Szenen und verleiht diesen noch mehr Wirkung. Die Kostüme sind freizügig, sexy und passend zum Stück, lassen allerdings die 1920er Jahre vermissen. Die 10-köpfige Band um Musical Director Ben Atkinson lässt wohlklingenden Jazz-Sound ertönen. Sie findet ihrem Platz auf den verschiedenen Stufen des Aufbaus und wird zeitweise in die Inszenierung integriert.

Eine überzeugende Leistung zeigt Hayley Tamaddon als Roxie Hart. Ihre dunkel legierte und klare Stimme gefällt auf ganzer Linie. Roxie steht nur einem Menschen nahe, nämlich sich selbst – um im Mittelpunkt zu stehen, greift sie auch zu unlauteren Mitteln wie eine vorgetäuschte Schwangerschaft. Als Velma Kelly punktet Sophie Carmen-Jones mit starker Bühnenpräsenz und wunderbar jazziger Stimme – ihr „All That Jazz“ beeindruckt. Dass Velma ihre Popularität wegen Roxie einbüsst, schmeckt ihr gar nicht und so verbündet sie sich wohl oder übel mit ihrer Konkurrentin. Ihre Mädchen bedeuten Matron „Mama“ Morton alles, sofern diese genügend Geld für ihre „Wünsche“ zahlen – Jessie Wallace starke und wohlklingende Stimme hinterlässt einen bleibenden Eindruck.

Foto: © Catherine Ashmore
Foto: © Catherine Ashmore

Der findige Anwalt Billy Flynn wird von John Partridge auf charismatische Weise verkörpert. Mitleid hat man mit Amos – dem treudoofen Ehemann von Roxie Hart. Neil Ditt versteht es, Amos ins entsprechende Licht zu rücken. Sein Song „Mister Cellophane“ berührt. Als sensible Klatschreporterin Mary Sunshine begeistert A D Richardson mit klassischer Stimmführung und seinem Falsett-Gesang beim Song „A Little Bit of Good“.

Das Ensemble bietet eine durchweg überzeugende Leistung während des ganzen Stücks – besonders hervorzuheben sind der „Cell Block Tango“ oder das temporeiche „We Both Reached For the Gun“. Das Publikum würdigte die sehenswerte Inszenierung mit Standing Ovation.

„Thriller – Live“ in Basel – Phänomenale Tribute-Show

„Thriller – Live“ in Basel – Phänomenale Tribute-Show

Er ist eine Legende – Der King of Pop Michael Jackson. Am 2. Januar 2009 feierte die Tribute-Show „Thriller – Live“ im Lyric Theatre in London Premiere. Mittlerweile war die Show in über 30 Ländern zu sehen und schaffte im September 2014 den Sprung in die Top 20 der Shows mit der längsten Laufzeit am Londoner West End. Angefangen bei den frühen Erfolgen mit seinen Brüdern, den Jackson 5, während der unvergesslichen Mowtown Ära, bis hin zu seinen unvergleichlichen Erfolgen als Solo-Interpret. Unter anderem 14 Nummer 1-Hits, mehr als 100 Preise und Auszeichnungen und offiziell mehr als 100 Millionen verkauften Alben machten Jackson zweifelsohne zu einem der erfolgreichsten Künstler unserer Zeit.

Das Talent von Michael Jackson wurde früh erkannt. Bereits als zwölfjähriger stand er mit seinen Brüdern, unter der strengen Hand des Vaters, auf der Bühne und stach durch seine aussergewöhnliche Stimme und sein Talent hervor.

ID7_0842

Mit dem Hitmedley aus den Songs „History“, „Don’t Stop / Billie Jean Remix“, „Who’s Loving You“ und „I’ll be There“ gelingt ein fantastischer Einstieg in die Show. Die Stimmen der Solo-Interpreten sind kraftvoll und ausdrucksstark. Hervorragend wie die Band die unterschiedlich geprägten Songs aus Funk, Soul, Pop und Rock spielt. Ein absolut gelungenes Lichtdesign und die abwechslungsreiche, ausdrucksstarke und auf das Stück abgestimmte Choreographie (Gary Lloyd) begeistert von der ersten Minute an und das ändert sich auch während der ganzen Show nicht.

Im Jahr 1968 erhielten die Jackson 5 von Berry Gordan den lang ersehnten Plattenvertrag bei Mowtown. Ihnen gelangen vier Nummer 1-Hits hintereinander. Mit „I Want You Back“ und „ABC“ sind zwei dieser Erfolge in der Show zu hören. Ergänzt noch mit dem Song „Rockin‘ Robin“. Hervorzuheben ist der junge Sänger, der den 12-jährigen Michael verkörperte – Bühnenpräsenz, Ausdruck und Darbietung sind rundherum auf ganzer Linie gelungen. Der Szenenapplaus war absolut gerechtfertigt.

Es folgt Song auf Song zusätzlich untermalt durch Zwischensequenzen mit Erzählungen über Jacksons Karriere. Adrian Grant (Original Concept & Executive Director“ und Kerys Nathan (Original-Regisseur) ist eine Show gelungen, bei der jede einzelne Komponente ineinander greift, die Übergänge sind flüssig und am Ende hat man einen guten Überblick über die beispiellose Karriere des King of Pop. Die Nummer 1-Hits „Billie Jean“, „Thriller“, „Bad“ und „Black or White“ fehlen im Repertoire der Show genauso wenig wie die anfänglichen Erfolge zu Beginn seiner Karriere.

Das Publikum ist begeistert und ab dem Song „They Don’t Care About Us“ hält es dieses nicht mehr auf ihren Plätzen. Eine absolut gelungene Show über einen unvergesslichen Künstler.

Fotos „Thriller – Live“ aus Basel

„The Lion King“ – Die Savanne Afrikas in Basel

„The Lion King“ – Die Savanne Afrikas in Basel

Vogelgezwitscher, Zirpen von Grillen und rhythmische Trommelschläge versetzten die Theaterbesucher in die Savanne Afrikas. Mit einem eindringlichen „Nants‘ Ingonyma“ verkündet der Mandrill Rafiki, eine Geistheiler- und Schamanengestalt aus Südafrika, die Geburt von Simba, Sohn des Löwenkönigs Mufasa und Königin Sarabis. Ein wahrlich magischer Moment, als sich die Tiere der Pridelands versammeln und ihren zukünftigen Herrscher willkommen heissen.

Neidvoll reagiert Scar, Mufasas Bruder, auf die Geburt des jungen Löwen, denn dieser begehrt den Königsthron selbst. Mit Hilfe von seinem üblen Gefolge, den Hyänen, lockt er Mufasa in einen Hinterhalt und tötet diesen. Scar gibt Simba die Schuld am Tod des Vaters und jagt den jungen Löwen fort. Er krönt sich selbst zum König. Simba hadert mit seinen Schuldgefühlen und trifft im Dschungel auf Erdmännchen Timon und Warzenschwein Pumbaa. Diese bringen ihm die entspannte Art des Lebens näher und werden seine Freunde. Jahre später rettet er Timon und Pumbaa vor einer jagenden Löwin und erkennt nach kurzem Kampf Nala, seine Sandkasten-Freundin, die vor Scar geflohen ist. Die beiden verlieben sich. Mit Hilfe von Rafiki entschliesst sich Simba in seine Heimat zurück zu kehren und gegen Scar zu kämpfen.

Melina M’Poy als Nala, Hope Maine als Simba
Melina M’Poy als Nala, Hope Maine als Simba

„The Lion King“ basiert auf dem gleichnamigen Disney Animationsfilm aus dem Jahr 1994 und feierte 1997 seine Broadway-Premiere im New Amsterdam Theater. 1999 folgte die Premiere am Londoner West End und 2001 die deutschsprachige Uraufführung in Hamburg. Seit dem 15. März 2015 ist das Musical noch bis Mitte August in der englischsprachigen Originalversion am Musicaltheater Basel zu erleben.

Regisseurin Julie Taymor, die sich auch für Kostümbild und Co-Design der Puppen und Masken verantwortlich zeigt, hat ein Stück voller Phantasie und magischen Momenten kreiert, auch wenn die Handlung (Buch: Irene Mecchini und Roger Aller) vorhersehbar ist und vor allem im ersten Akt unnötige Längen aufweist. Die Masken und Puppen (Michael Curry und Michael Ward) sind eine Augenweide und haben dank ihrer Originalität ihre ganz eigene Wirkung, gerade auch deshalb, weil sie von den Darstellern geschmeidig, elegant und authentisch dargestellt werden. Die Kostüme entsprechen dem Handlungsort des Stücks und enthalten afrikanische Elemente wie Schnitte, Batiken, Stile und Farbenpracht.

Ntsepa Pitjeng als Rafiki
Ntsepa Pitjeng als Rafiki

Das Bühnenbild von Richard Hudson ist einfach, ergänzt sich jedoch perfekt mit den warmen Farben und passenden Lichteffekten von Donald Holder. Die eindringlichen Popmelodien gepaart mit Afrikanischen Chorgesängen stammen aus der Feder von Elton John, Hans Zimmer und Lebo M (Musik & Vokalarrangement) sowie Tim Rice (Liedtexte). Songs wie „Circle of Life“, „Hakuna Matata“, „Can You Feel the Love Tonight“ sind bekannte Klassiker. Die gelungene und mitreissende Choreographie von Garth Fagan enthält eine Mischung aus Afrikanischem Tanz, HipHop und Ballett und fügt sich wunderbar in das Stück ein.

Ntsepa Pitjeng verkörpert Rafiki mit der nötigen Ernsthaftigkeit, einer gut dosierten Portion Humor und starker Stimme. Die Entwicklung vom übermütigen Löwenjungen, zweifelnd an sich selbst, zum zukünftigen Herrscher der Pridelands gelingt Hope Maine als Simba, mit warmer wohlklingender Tenorstimme, überzeugend. Melina M’Poy gibt Nala, Simbas Sandkasten-Freundin und spätere Königin, eindringlich und punktet durch ihre klangschöne Stimmfarbe. Fürsorglicher Vater und König zugleich ist eine Herausforderung – diesen Spagat meistert Cleveland Cathnott mit seiner Art der Darstellung als Mufasa spielerisch. Zazu, ein Hornvogel, ist königlicher Haushofmeister, Berater und Kindermädchen in Personalunion. Die Kombination von Schauspiel und Puppenspiel gelingt Meilyr Sion so authentisch, dass man Zazu mehr als Vogel wie als Mensch wahrnimmt. Die jungen Darsteller Raphael Higgins-Humes (junger Simba) und Tori Ryan (junge Nala) begeisterten in ihrer Interpretation mit Souveränität. Scar ist jedes Mittel recht, auch der Mord am eigenen Bruder, um König der Pridelands zu werden. Als Scar besticht Christopher Colquhoun durch seine starke Bühnenpräsenz und Mimik. Die Anführer der Hyänen Shenzi, Banzai und Ed werden von Tarisha Rommick, Daniel Norford und Philip Oakland gespielt.

Das insgesamt sehr spielfreudige Ensemble erweckt die Pridelands eindrücklich zum Leben und entführt den Theaterbesucher in ein lebendiges Afrika. Das Publikum quittiert dies mit Szenenapplaus, Jubelrufen und minutenlangen Standing Ovation am Premierenabend.

Fotogalerie:
Fotogalerie zu “The Lion King“ in Basel

Mitreißend: „Mamma Mia!“ in Basel

Mitreißend: „Mamma Mia!“ in Basel

Man nehme die Songs einer der erfolgreichsten Pop-Bands aus den 1970er Jahren und verpacke diese in einer unterhaltsamen Geschichte – heraus kommt ein Gute-Laune-Musical, das aber durchaus auch berührende Momente hat. Im Jahr 1999 feierte „Mamma Mia!“ in London seine Uraufführung (Regie: Phyllida Lloyd, Choreografie: Anthony van Laast) und wurde seitdem von über 54 Millionen Menschen weltweit gesehen. Seit 15. Mai 2014 ist die internationale Tour im Musicaltheater Basel (Schweiz) in englischer Sprache zu sehen und spielt dort noch bis zum 8. Juni.

„Mamma Mia“ in Basel

Sophie möchte ihre große Liebe Sky heiraten und lädt zu ihrer Hochzeit ihre drei möglichen Väter ein, im Glauben, ihren Vater auf Anhieb zu erkennen. Leider funktioniert dieses Unterfangen nicht wie geplant und führt zu einigen Verwirrungen und neuen Erkenntnissen, die das Leben der Protagonisten auf der griechischen Insel auf den Kopf stellen. Die Handlung hat ein paar Längen, wird jedoch von der wunderbaren Musik von Abba getragen. Die Band (Musikalische Leitung: Carlton Edwards) besteht aus sieben Musikern, welche die Pop-Songs zu Gehör bringen. Ein Teil der Einspielungen stammen allerdings vom Band.

Für Donna Sheridan, alleinerziehende Mutter von Sophie, ist das Kapitel „Sophies Vater“ eigentlich abgeschlossen. Allerdings hat sie nicht mit dem Plan ihrer Tochter gerechnet. Sara Poyzer weiß als Donna mit ausdrucksstarker Stimme und guter Bühnenpräsenz überzeugen. Donnas beste Freundinnen Rosie und Tanya finden sich ebenfalls für die Hochzeit auf der Insel ein und stehen Donna zur Seite. Sue Devaney als Rosie und Geraldine Fitzgerald als Tanya gefallen mit wohlklingen Stimmen. Die Harmonie der drei Damen stimmt, die Pointen sitzen und sorgen für einige Lacher im Publikum.

Victoria Serra als Sophie wie auch Bart Edwards als Sky können ebenfalls überzeugen. Beide agieren mit überzeugender Spielfreude und klangschönen Stimmen. Ali (Sally Frith), Lisa (Jasmin Colangelo), Pepper (Kade Ferraiolo) und Eddie (Ashley Luke Lloyd) sind die Freunde von Sophie und Sky. Sie sind eine tatkräftige Unterstützung, stiften aber auch Chaos. Für Begeisterung sorgt der Auftritt von Pepper und Tanya mit dem Lied „Does your Mother know“, als dieser erfolglos versucht, Tanya Avancen zu machen.

Sam Carmichael, Harry Bright und Bill Austin – einer der drei Herren ist Sophies Vater. Nur wer? Diese Frage ist nicht so einfach zu klären. Ahnungslos reisen sie nach der Hochzeitseinladung auf die griechische Insel und erleben einige Überraschungen. Richard Standing als Sam, Keiron Crook als Harry und Michael Beckley als Bill gefallen mit ihren kräftigen durchdringenden Stimmen und ihrem gekonnten Schauspiel. Die Songs „SOS“, „Our last Summer“ und „Take a Chance on me“ gefallen dabei richtig gut.

Für eine Tour ist das Bühnenbild von Mark Thompson zweckdienlich ohne Besonderheiten. Für die Vorstellung, dass die Handlung auf einer griechischen Insel spielt, benötigt es allerdings ein wenig Fantasie. Das gelungene Lichtdesign von Howard Harrison wirkt unterstützend zum Bühnenbild und setzt dies ergänzend schön in Szene. Die Kostüme passen zum Stück. Toll anzusehen sind die bunten Schlaghosen und Plateausohlenschuhe im Finale. Die Tonabstimmung im Theater Basel ist gut gelungen. Aufgrund der Tatsache, dass es eine internationale Tour ist, wurde auf regionale Anpassungen im Stück verzichtet.

Das stark agierende Ensemble überzeugt mit guter Leistung und starken Stimmen auf ganzer Linie. Letztendlich überzeugt „Mamma Mia!“ durch die mitreißenden Songs von Abba, die wunderbar in die Geschichte integriert sind. Das Publikum in Basel spendet minutenlange stehende Ovationen – und beim Finale hält es wohl niemanden mehr auf seinem Sitz.

Fotogalerie:
Fotogalerie zu „Mamma Mia“

Mitreißend und Gefühlvoll: „West Side Story“ auf Tour

Mitreißend und Gefühlvoll: „West Side Story“ auf Tour

Zwei Gruppen unterschiedlichster Herkunft – auf der einen Seite die Sharks, Einwanderer aus Puerto Rico, und auf der anderen Seite die Jets, in den USA geborene Jugendliche polnischer Einwanderer, die bis aufs Blut im Kampf um die Gebietsherrschaft verfeindet sind. Und doch gibt es zwei Menschen, die sich unsterblich ineinander verlieben, entgegen aller Anfeindungen und Drohungen. Basierend auf Shakespeares „Romeo und Julia“ spielt die „West Side Story“ im New York der 1950er Jahre. Das Stück aus der Feder von Leonard Bernstein (Musik), Arthur Laurents (Buch) und Stephen Sondheim (Liedtexte) hat an Aktualität nichts eingebüßt und ist nun erneut als Tourneeproduktion unterwegs durch den deutschsprachigen Raum.

 

Die Jets und die Sharks kämpfen in einem heruntergekommenen Viertel der New Yorker Upper West Side um die Gebietsvorherrschaft. Tony, Mitbegründer der Jets, wird von seinem besten Freund Riff, Anführer der Jets, gebeten, die Jets im Kampf zu unterstützen. Tony sagt allerdings nur widerwillig zu, denn er hat einen Job in Docs Drugstore und 

 

träumt von einem besseren Leben. Riff fordert Bernardo, den Anführer der Sharks, bei einer Tanzveranstaltung zum Kampf heraus. Maria, die Schwester von Bernardo, begegnet Tony hier zum ersten Mal. Beide verlieben sich unsterblich ineinander. Für den alles entscheidenden Kampf gelingt es Tony, einen fairen waffenlosen Zweikampf zwischen den beiden besten Kämpfern der Gruppen vorzuschlagen. Doch der Zweikampf artet, trotz aller Bemühungen von Tony, aus. Riff wird von Bernardo erstochen. Rasend vor Wut tötet Tony daraufhin Bernardo. Chino berichtet Maria vom Tod ihres Bruders. Tony bittet sie um Vergebung und will sich der Polizei stellen. Maria verzeiht Tony und glaubt ihm, dass der Tod von Bernardo nicht beabsichtigt war. Beide beschließen, gemeinsam zu fliehen. Doch Chino ist auf der Suche nach Tony, denn er hat geschworen, ihn umzubringen.

Jessica Soza (Maria) und Liam Tobin (Tony). Foto: Iris Steger

Das Bühnenbild von Paul Gallis gleicht den typischen New Yorkern Häusern mit ihrer Gusseisen-Architektur. Für die Handlung des Stücks perfekt, denn mehr braucht es auch nicht, um der Geschichte genügend Raum zu lassen. Die Kostüme von Renate Schmitzer passen in die Zeit, in der das Stück spielt. Auch die Unterscheidung zwischen beiden Gruppen kommt gut zur Geltung. Die Regie von Joey McKneely besticht durch gute Personenführung. Die rasante Choreografie, ebenfalls von McKneely, ist voller Spannung und Energie – eine Augenweide. Bernsteins Musik ist düster und 

 

eindringlich. Sie enthält Jazz- und lateinamerikanische Elemente, aber auch Lieder mit Operncharakter wie „Maria“ oder „Tonight“. Es ist ihm durch die Verwendung der unterschiedlichen Elemente gelungen, den Unterschied zwischen Jets und Sharks musikalisch exzellent darzustellen. Das Orchester unter der Musikalischen Leitung von Donald Chan bringt dies aus dem Orchestergraben gut rüber.

Liebe oder Freundschaft – das ist die Frage, die sich Tony stellen muss. Er entscheidet sich für beides. Doch das Schicksal ist nicht auf seiner Seite. Liam Tobin zeigt als Tony eine gefühlvolle Darstellung und besticht mit seiner sanften eindringlichen Stimme. Entgegen aller Konvention verliebt sich Maria ausgerechnet in einen jungen Mann, der nicht aus den eigenen Reihen stammt. Entschlossen, zu ihrer Entscheidung zu stehen, begibt sie sich auf gefährliches Eis. Jessica Soza überzeugt mit ihrer Darstellung und steht der Leistung von Tobin in nichts nach. Ihr klarer wohlklingender Sopran kommt gut zur Geltung und gefällt während des ganzen Stücks. Anita ist die beste Freundin von Maria und gleichzeitig die Freundin Marias Bruder Bernardo. Bittere Vorwürfe stellen nach dem Tod von Bernardo die Freundschaft auf eine harte Probe, auf die dann doch Verständnis folgt. Penelope Armstead-Williams zeigt eine intensive Darstellung. So sehr, dass ihr bei dem Song „A Boy like that“ fast die Stimme versagt. Charles South als Bernardo und Mark MacKillop als Bernardo und Riff gefallen ebenfalls mit ihrem Spiel auf ganzer Linie.

Insgesamt steht in dieser Tourproduktion der „West Side Story“ eine Cast auf der Bühne, der es gelingt, die Energie und die Gefühle, die dieses Musical beinhalten, überzeugend auf die Bretter zu bringen. Das Publikum im Theater 11 in Zürich weiß diese Leistung zu würdigen und spendet in der besuchen Vorstellung großzügig Applaus.

Fotgalerie:
Fotos „West Side Story“ Theater 11, Zürich