Browsed by
Schlagwort: Bern

Emotional: „Dällebach Kari“ in Bern

Emotional: „Dällebach Kari“ in Bern

Freud und Leid liegen im Leben des Karl Tellenbach nahe beieinander. Trotz seiner Hasenscharte lässt er sich nicht unterkriegen und eröffnet seinen eigenen Coiffeursalon in Bern. Als er endlich mit seiner großen Liebe Annemarie glücklich ist, schlägt das Schicksal erneut unerbittlich zu.

Hanspeter Müller-Drossaart als Dällebach Kari
© Iris Steger

Das Musical „Dällebach Kari“ feierte am 14. Juli 2010 auf der Thuner Seebühne Weltpremiere. Danach war das Stück im Theater 11 in Zürich zu sehen und erlebte am 28. September 2012 seine Wiederaufnahme im Ewigi-Liebi-Theater in Bern.

Das Buch von Katja Früh und die Liedtexte von Wolfgang Hofer erzählen die Geschichte Karl Tellenbachs auf interessante Art und Weise. Die Musik von Moritz Schneider und Robin Hoffmann besticht durch abwechslungsreiche Stile mit Ohrwurm-Charakter, und auch die Handschrift Michael Reeds, der für die Arrangements verantwortlich zeichnet, ist in den Melodien klar zu erkennen. Der Musikalische Leiter Robert Emery dirigiert das Orchester sauber und sicher durch die Vorstellung.

Eric Hättenschwiler und Roland Herrmann als Hirschi und Otti, © Iris Steger

Regisseur Andreas Gergen zeichnet die Charaktere sehr deutlich, und zu keiner Zeit entsteht der Eindruck, irgendetwas in der Inszenierung sei überflüssig oder holprig. Hinzu kommt eine abwechslungsreiche und lebendige Choreografie von Simon Eichenberger – besonders die Ensemblenummern sind hervorragend choreografiert und wunderschön anzusehen.

Das Bühnenbild (Ueli Binggli) besteht aus einem Aufbau mit sechs Auf- und Abgängen, der zusammen mit Karis Coiffeursalon oder Frau Jennys Gastwirtschaft Grünegg auf verschiedene Weise im Stück integriert ist. Die Kostüme (Uta Loher, Conny Lüders) sind gelungen und passen, wenn auch nicht ganz der Zeit entsprechend, hervorragend zum Stück.

Vorne: Patricia Hodell als Frau Jenny
© Iris Steger

Kari Dällenbachs trockener Humor lässt die Leute die Hasenscharte und den damit verbundenen Sprachfehler vergessen. Er ist beliebt und doch nicht glücklich. Hanspeter Müller-Drossaart punktet als Kari vor allem durch eine hervorragende schauspielerische Leistung. Annemarie Geiser gibt Karis große Liebe, doch der gesellschaftliche Stand verbietet zunächst, dass beide miteinander glücklich sein können. Carin Levay überzeugt als Annemarie Geiser durch eine eindrückliche Bühnenpräsenz und durch ihre gefühlvolle klare Stimme, die unter anderem bei „Danke für die Zyt“ für Gänsehaut sorgt.

Selbstverliebt, arrogant und mit ausdrucksstarker Stimme gibt David Morell den Fritz Aeberli, der zunächst Karis Schulfreund ist und schließlich zu dessen größtem Neider wird – auch, weil er Kari die unglückliche Ehe mit Annemarie anlastet. Sergio-Maurice Vaglio zeigt als personifizierter Alkohol, der zu Karis ständigem Begleiter wird, durch seine energiegeladene Stimme eine beeindruckende Leistung.

Mitte oben: Sergio-Maurice Vaglio als Alkohol
© Iris Steger

Ebenso überzeugen Christa Wettstein und Daniel Ludwig als Eltern Geiser durch ihr Schauspiel und ihre Stimmen. Karis Trinkkumpane Hirschi und Otti werden von Eric Hättenschwiler und Roland Herrmann verkörpert und sorgen für amüsante Momente im Stück. Resolut und doch vergebens versucht die Grünegg-Wirtin Frau Jenny (hervorragend: Patricia Hodell), die beiden in den Griff zu bekommen.

Ein insgesamt harmonisch und stark agierendes Ensemble sorgt für eindrucksvolle Momente auf der Bühne. Mit „Stärn über Bärn“ gelingt den Machern ein absolut emotionaler Schlusspunkt im Stück. Die Begeisterung für „Dällebach Kari“ ist beim Publikum der besuchten Vorstellung ungebrochen.

Unterhaltsame Uraufführung: „Alperose“ in Bern

Unterhaltsame Uraufführung: „Alperose“ in Bern

„Alperose“ ist der Titel eines neuen Schweizer Mundart-Musicals, dass am 17. Februar 2012 in Bern seine Uraufführung erlebte. Der Titel des Musicals stammt vom gleichnamigen Rock-Popsong, geschrieben vom Schweizer Mundart-Rocker Polo Hofer, dessen Songs wie „Lotti Lotti“, „Alperose“ und „Kiosk“ für das Musical verwendet wurden. Neben ihm zeichnen sich Hanery Amman, HP Brüggemann, Remo Kessler, Georges Müller und Matthias Kohli für die Musik verantwortlich. Das Libretto stammt von Walter Hinz, die Übertragung ins Berndeutsche von Carin Lavey.

Das Musical erzählt aus dem Leben von Pesche (Eric Hättenschwiler), Johnny (Marius Hatt), Lotti (Rahel Fischer) und Lorraine (Eveline Suter). Nach mehreren Jahren abenteuerlicher Reisen durch die Welt kehrt Pesche, der ehemalige Schatz von Lorraine, wieder zurück in die Heimat. Ohne Vorankündigung war er von zu Hause ausgerissen, hatte Freundin und seine Kumpel einfach so verlassen. Bei der Rückkehr nach Bern wird Pesche von allen mit offenen Armen aufgenommen. Doch Lorraine verhält sich reserviert, da sie und Johnny mittlerweile ein Paar sind – der Konflikt ist vorprogrammiert.

Conny Kraus hat mit viel Liebe zum Detail ein in sich stimmiges Bühnenbild gestaltet, das dem Berner Matte-Quartier nachempfunden ist. Ein 360-Grad-Drehelement ist Pot au feu, Nachtclub Freezer oder Kiosk vom Freibad zugleich. Die Band ist links oben im Musikhaus P. Hofer ins Bühnenbild integriert und nur für einige Szenen sichtbar. Zusammen mit Anne Fackler ist Conny Kraus auch für die Kostüme verantwortlich, die schlicht und zeitgemäß gehalten sind und so perfekt in das Stück passen. Schön auch, dass auf Perücken verzichtet wird. Das Lichtdesign von René Kraus ergänzt das Bühnenbild wunderbar und verleiht einigen Szenen eine besondere Atmosphäre.

Für Regie, Buchbearbeitung und Dramaturgie zeichnet Mirco Vogelsang verantwortlich. Die Szenenübergänge sind flüssig gestaltet, die Handlung ist jederzeit nachvollziehbar und wirkt nie zu kitschig. In Kombination mit der Choreografie von Igor Barberic ist Vogelsang so eine sehr mitreißende Inszenierung mit tollen Tanz- und Ensembleszenen gelungen, in der zu keiner Zeit Langeweile aufkommt. Dem Musikalischen Leiter Stefan Mens und seiner Band glückt es darüber hinaus, die Rock-Popsongs von Polo Hofer ordentlich klingen zu lassen.

Glaubhaft und mit markant eindrücklicher Stimme spielt Eric Hättenschwiler den Pesche und lässt keine Minute daran zweifeln, dass der ehemalige Weltenbummler im Leben angekommen ist und zu seinem Glück nur noch die Versöhnung mit seiner großen Liebe Lorraine fehlt. Eveline Suter singt mit sanfter Stimme und ist schauspielerisch eine ausdrucksstarke Lorraine, die durch das Auftauchen Pesches aus der sicheren Bahn geworfen wird und erst nach und nach wieder den richtigen Weg findet. Marius Hatt hingegen kann als Johnny nicht komplett überzeugen, da er in seinem Schauspiel die große Enttäuschung über Pesches Auftauchen und den Verlust Lorraines vermissen lässt. Gesanglich liefert er jedoch eine solide Leistung, genauso wie Rahel Fischer als lebenslustige Lotti.

Ein schöner Kontrast in dem Mundart-Stück ist die Berlinerin Sophie, die von Peggy Pollow gespielt wird. Herrlich, wie sie immer wieder mit ihrer Berliner Schnauze amüsant und erfrischend in die Szenen eingreift. Genauso gefallen Jan Messerli als Räffu und Stephan Luethy als Michi, der sich bei Räffu immer wieder – egal ob an Zigaretten oder Geld – wie in einem Kiosk bedient.

Auch Bea Schneider als Emma und Marc Dietrich als Heiri spielen ihre Rollen äußerst gelungen – gerade Letzterer sorgt mit seinen komödiantischen Szenen, die zu keiner Zeit aufgesetzt wirken, für zahlreiche Lacher. Solide in Schauspiel und Gesang agieren zudem Tino Andrea Honegger als Dave, Christoph Gaugler als Theo und Fabio Romano als Kari.

Letztendlich ist rund um die Songs von Polo Hofer mit dem Musical „Alperose“ eine schöne Geschichte entstanden. Und spätestens bei Hofers Gastauftritt als Blumenverkäufer mit seinem melancholischen Tram-Song – bei dem sogar eine Tram über die Bühne fährt – zeigt sich das Publikum begeistert. Standing Ovations am Premierenabend.

Fotogalerie:
Fotogalerie „Alpenrose“ Bern

Musical & Christmas, Bern, 20. Dezember 2011

Musical & Christmas, Bern, 20. Dezember 2011

Am 20. Dezember 2011 lud die Thuner Seespiele AG für ihre Weihnachtsaufführung Musical & Christmas ins Kulturkasino nach Bern. Bereits im 7. Jahr wird dieses Winterprogramm veranstaltet und erfreut sich grosser Beliebtheit. In diesem Jahr waren neben dem Chor und dem Orchester der Seebühne Thun die beiden Solisten Roberta Valentini und Rainer Siegenthaler sowie Lorenz Mühlemann und Thomas Keller mit ihren traditionellen Saiten-Instrumenten dabei.

Das Kulturkasino in Bern bot aufgrund des Saals und der stimmungsvollen Beleuchtung, inklusive einem wunderschönen Christbaum, einen würdigen Rahmen für dieses Konzert. Neben einigen bekannten Musicalssongs wurden ebenfalls traditionelle Weihnachtslieder dargeboten.
Bundeshaus Bern bei Tag von Vorne / Einkaufstrasse Bern / Bundeshaus bei Nacht von Hinten
Begonnen wurde das Konzert mit dem Lied „Es het alles sini Ordnig“ aus dem Musical Gotthelf, welches vom Seebühnen Chor gesungen wurde. Nach der Begrüssung durch den Musikalischen Leiter Iwan Wassilevski folgten zwei Weihnachtslieder aus der Innerschweiz „D’Wiehnachtsglogge“ sowie das aus England stammende und ins deutsche übersetzte Lied „Die wunderbarste Zeit ist nah“. Beide Lieder wurden ebenfalls von Seebühnen Chor vorgetragen. Danach folgte das Lied „All I ask of you“ aus dem Musical Phantom of the Opera, vorgetragen von Roberta Valentini und Rainer Siegenthaler. Aus dem Musical Kristina*, welches von den beiden ehemaligen männlichen ABBA-Mitgliedern Benny Andersson & Björn Ulvaeus geschrieben wurde, folgte das Lied „You have to be there“ – stimmgewaltig und gefühlvoll von Roberta gesungen. Mit „Music of the Night“ aus Phantom of the Opera folgte ein weiterer Musicalsong. Hier bewies Rainer das auch er eine hervorragende Stimme hat.

Als nächstes folgten die beiden ‚Special Guests‘ Lorenz Mühlemann und Thomas Keller aus dem Emmental, die diverse traditionelle Schweizer Musikinstrumente restaurieren, bauen und spielen. Von Leo Schelbert spielten die beiden „Schottisch“ auf Gitarre und Zither sowie „Ämmitaler Rutschtig“ (Arrangement von Jean-Jacques Schmid), ein Medley aus Emmentaler Volksliedern unter Mitwirkung des Seebühnen-Chores.

Seit September 2011 wird der Seebühnen-Chor von Ben Vatter geleitet. Unter seiner Leitung hörten wir von dem Argentinischen Komponisten Ariel Ramirez die Stücke „Le Peregrination (Pilgerreise)“ und „Los Reyes Magos (Die Drei heiligen Könige)“. Musikalisch stellte sich Ben Vatter mit einem eigenen Arrangement des Liedes „Le trois cloches“ (Jean Villard, Marc Herrand) vor. Roberta und Rainer trugen als nächstes zwei Jazz-Standards vor – „Baby, it’s Cold Outside“ und „So in Love“. Aus dem Musical „Miss Saigon“ sang Rainer das Lied „Bui-Doi“.

Beim nächsten Stück konnte auch das Orchester der Seebühne zeigen wie gut es ist. Gespielt wurde die berühmte „Amboss-Polka“ von Albert Parlow. Besonders lustig war hier die Suche nach dem Amboss. Eine gelungene Showeinlage des Orchesters, die für einige Lacher gut war. Danach sorgten Lorenz Mühlemann und Thomas Keller mit Halszither und Hackbrett und der „Phoenix-Phantasie“ wieder für traditionelle Klänge im Kulturkasio. Aus dem Musical Titanic, welches im Sommer 2012 seine Schweizer Erstaufführung auf der Seebühne Thun feiert, folgten das Männerduett „Heiratsantrag“ – gesungen von Rainer Siegenthaler und Markus Dinhobl sowie das Liebesduett „3 Tage“ – gesungen von Roberta & Rainer.

Es folgte „Over the Rainbow“ aus dem Musical The Wizard of Oz welches von Roberta gesungen wurde, die erneut unter Beweis stellt, welch hervorragende Stimme sie hat. Mit „Ammes Suhn“ sang Rainer ein Schweizer Mundartlied aus der diesjährigen Eigenproduktion Gotthelf – das Musical der Thuner Seespiele. Das nächste Stück hatte weder etwas mit Musical noch mit Christmas zu tun, gehört aber zweifelsohne zu den Klassikern der Musikgeschichte – der „Gefangenen Chor“ aus Verdis Nabucco. Das letze Stück im offiziellen Programm war aus dem Musical Chess „You and I“, gesungen von Roberta (spielt am Stadttheater Bielefeld zur Zeit ebenfalls die Florence Vassi in Chess) und Rainer.

Die erste Zugabe war „Stärn über Bärn“ aus dem Musical Dällebach Kari, welches eines meiner Lieblingslieder aus dem Musical ist (Bericht zu Dällebach Kari, Theater 11, Zürich), vorgetragen vom Seebühnen-Chor. Eine weitere Zugabe wurde von Ben Vatter dirigiert – „Shosholoza“, ein Südafrikanisches Volkslied. Eine richtig tolles Lied bei der man einfach Mitklatschen musste. Mit dem Weihnachtslieder-Medley bestehend aus „Oh du fröhliche“, „Vom Himmel hoch da komm ich her“, „Stille Nacht, heilige Nacht“ und „Christ der Retter ist da“, gesungen von den Solisten und dem Chor, wurde das Publikum in die bevorstehende Weihnachtszeit entlassen.

Iwan Wassilevski führte charmant und witzig durch das Konzert und sorgte dadurch für gute Unterhaltung. Die beiden stimmlich hervorragenden Solisten Roberta Valentini und Rainer Siegentaler sorgten zusammen mit dem Chor und dem Orchester der Thuner Seebühne für einen musikalisch rundherum gelungenen Abend. Das Publikum in Bern quittierte diesen schönen Abend mit stehenden Ovationen. Für mich persönlich wieder ein sehr schöner Konzert-Abend, den ich in vollen Zügen geniessen konnte!

* Das Musical wurde es bisher nur in Schweden aufgeführt. Eine konzertante Version wurde in England und den USA aufgeführt. Im deutschsprachigen Raum wurde das Stück bisher noch nicht aufgeführt, da noch keine Version in deutscher Sprache existiert. Das bereits 15 Jahre alte Stück basiert auf der 4-teiligen Romanvorlage „The Emigrants“, „Unto a Good Land“, „The Settlers“ und „The Last Letter Home“ des schwedischen Autors Vilhelm Moberg)