Browsed by
Schlagwort: Basel

Es wird wieder getanzt – „Cats“ im Musicaltheater Basel

Es wird wieder getanzt – „Cats“ im Musicaltheater Basel

Im Jahr 1981 feierte „Cats“ seine Premiere am Londoner West End. Die Musik stammt aus der Feder von Andrew Lloyd Webber. Das Musical basiert auf der für Kinder geschriebenen Gedichtsammlung „Old Possum’s Book of Practical Cats“ von T.S. Eliot aus dem Jahr 1939. Das Stück zählt zu den erfolgreichsten Stücken der Musicalgeschichte und gewann sieben Tony Awards unter anderem für bestes Musical, bestes Buch, beste Musik und beste Regie.

Ensemble; Foto: Alessandro Pinna
Ensemble; Foto: Alessandro Pinna

Eine entscheidende Ergänzung bekam das Stück durch Regisseur Trevor Nunn, der Webber das Stück „Memory“ hinzufügen lies. Den Text verfasste Nunn selbst, basierend auf den 1911 erschienen „Eliots Rhapsody on a Windy Night“. Das Stück gastiert noch bis 22. Mai 2016 im Musicaltheater Basel und wird in englischer Sprache aufgeführt. 

Einmal im Jahr treffen sich die Katzen auf einer Londoner Müllkippe zum Jellicles Ball, auf welchem am Ende der älteste Kater Old Deuteronimus die Katze wählt, welche wiedergeboren wird und so ein neues Katzenleben mit der Fahrt zum „Heaviside Layer“ erhält. Nacheinander kommen die Katzen auf die Bühne und erzählen was die Jellicle Cats sind. Webber ist es mit seiner Musik gelungen aus einzelnen Gedichten ein zusammenhängendes Stück zu machen, welches mit dem Song „Memory“ von Grizabella seinen klaren Höhepunkt hat.

Musical Director Tim Davies dirigiert das Orchester mit dem nötigen Drive durch Webbers Partitur. Die Choreografien von Gillian Lynne sind einfach stark und durchweg sehenswert. Hinzu kommt das tolle Masken- und Kostüm-Design von John Napier, welches die Darsteller wie Katzen aussehen und wirken lässt.

Ensemble; Foto: Alessandro Pinna
Ensemble; Foto: Alessandro Pinna

Die Cast singt, tanzt, steppt und spielt sich durchweg überzeugend durchs Stück. So erhält Marcquelle Ward als Rum Tum Tugger einen Szenenapplaus für seinen Auftritt als rappender Kater und auch Shiv Rabheru begeistert mit seiner Darbietung als zaubernder Kater Mr. Mistoffelees. Joanna Ampil als Grizabella berührt mit ihrer Interpretation von „Memory“ und sorgt für einen Gänsehautmoment.

Diese Tour von „Cats“ ist sehenswert, weil das Stück zum einen eine leichte Modernisierung erfahren hat und es zum zweiten eine Freude ist, diese Cast auf der Bühne zu bewundern. Das Publikum in Basel spendete Standing Ovation.

Einfühlsam – Jesus Christ als Superstar im Theater Basel

Einfühlsam – Jesus Christ als Superstar im Theater Basel

Ensemble, Chor Teater Basel, Chor Münster Foto: Sandra Then

Am 12. Oktober 1971 feierte die Rockoper „Jesus Christ Superstar“ im Mark Hellinger Theater in New York City seine Uraufführung. Die Musik stammt aus der Feder des damals noch unbekannten Komponisten Andrew Lloyd Webber und die Gesangstexte von Tim Rice. Das Stück handelt von den letzten Tagen Jesus und trotz des Widerstands christlicher Gruppen wurde „Jesus Christ Superstar“ ein kommerzieller Erfolg. Am 30. März 1972 wurde in Berlin Premiere gefeiert. Der Song „Gethsemane (I Only Want To Say)“ ist einer der bekanntesten des Musicals. Seit dem 23. Januar 2016 ist das Stück in der aktuellen Spielzeit am Theater Basel in englischer Sprache mit deutschem Untertitel zu sehen.

Die Menschen sind der Überzeugung, dass Jesus Gottes Sohn ist, doch ausgerechnet einer seiner Jünger zweifelt an Jesus. Judas befürchtet, dass Jesus die Situation nicht mehr unter Kontrolle hat und ihm missfallen die zaghaften Gefühle zwischen der Prostituierten Maria Magdalena und Jesus. In seiner Not und im Glauben das Richtige zu tun, wendet sich Judas an die Hohepriester und verrät Jesus mit einem Bruderkuss im Garten Getsemani. Gegenüber Pontius Pilatus schweigt Jesus beim Verhör. König Herodes hat nur Hohn und Spott für ihn übrig und will von ihm Beweise, dass er Gottes Sohn ist. Wütend und voller Zorn schick Herodes Jesus zurück zu Pontius Pilatus. Dieser lässt ihn, um das Volk zu beruhigen auspeitschen. Das Volk jedoch fordert die Kreuzigung Jesu und Pontius Pilatus gibt dem Druck nach.

Alexander Klaws (Jesus), Patrick Stanke (Judas) Foto: Sandra Then

„Jesus Christ Superstar“ präsentiert sich als durchkomponiertes Stück, welches ohne gesprochene Texte auskommt. Die Musikalische Leiterin Ansi Verwey dirigiert die Band „Jesus All Stars“ souverän und dynamisch durch Webbers Melodien aus Rock, Pop, Soul mit klassischen Elementen. Tom Rysers Regie ist keine pompöse Inszenierung, sondern legt auf nuancierte Feinheiten mit grosser Wirkung wert. So ist die Kreuzigungsszene sehr berührend, weil auf grosse ausladende Gesten und Elemente verzichtet wird. Dazu trägt sicher auch das einfache Bühnenbild von Stefan Rieckhoff bei. Eine grosse Treppe, umrahmt von fünf grossen Elementen im Hintergrund, führt in der Mitte der Bühne ins nichts, ist aber zeitgleich Symbol für Aufstieg und Fall eines Superstars. Ebenso ist der vergitterte Steg ein Bühnenelement, dass Jesus am Ende von dem Volk trennt, dass ihm einst ohne wenn und aber gefolgt ist und am Ende dessen Kreuzigung fordert. Ausdrucksstark sind die Choreografien von Lillian Stillwell, vor allem wenn das gesamte Ensemble inklusive Chor auf der Bühne steht.

Andrea Sanchez Del Solar (Maria Magdalena), Alexander Klaws (Jesus) Fotos: Sandra Then

Alexander Klaws gibt einen Jesus, der zurückhaltend und dem ganzen Rummel um seine Person nicht gewachsen ist, sich aber diesem auch nicht entziehen kann. Statt mit Ausstrahlung und voller Überzeugung überbringt er seinem Volk die Botschaften zweifelnd und leise. Die hohen Töne sitzen sicher, mit kraftvoller Stimme unterstreicht er den Song „Gethsemane (I Only Want To Say)“. Patrick Stanke ist als Judas ein Freund und Vertrauter Jesus, der diesem immer wieder anhält den richtigen Weg zu gehen. Er ist aber auch das Gewissen, das Jesus ermahnt nicht vom Weg abzukommen und auch den Umgang mit der Prostituierten Maria Magdalena nicht gut heisst. Stanke steht Klaws stimmlich in nichts nach und liefert mit „Damned for All Time“ eine ausdrucksstarke Interpretation des Songs. Eigentlich ist sie die starke Frau an Jesus Seite. Aus anfänglicher Begeisterung entwickeln sich zarte Gefühle und am Ende ist sie es, die nach Jesus Kreuzigung wahrhaftig trauert. Als Maria Magdalena punktet Andrea Sánchez del Solar mit gefühlvoller Darstellung und verleiht dem Song „I Don’t Know How to Love Him“ einen eigenen Charakter.

Die Hohepriester sind wenig angsteinflössend und agieren eher zurückhaltend während Pontius Pilatus (hervorragend: Andrea Matthias Pagani), aus Angst sein Stadthalterposten zu verlieren sich zu schnell dem Willen des Volkes beugt und Jesus kreuzigen lässt. Wie ein Tiger in seinem Käfig, marschiert Pontius Pilate hin und her und steigert sich in die Rolle des gnadenlosen Vollstreckers regelrecht hinein. Im weissen Smoking und mit Showeinlage hat König Herodes den unterhaltsamen Part ergattert. Mit Nichten nur eine harmlose Steppnummer, gibt dieser einen teuflischen Herrscher, der zu grausamen Mitteln greift, um seinen Willen zu bekommen. Karl-Heinz Brandt wird dieser Rolle mehr als Gerecht.

„Jesus Christ Superstar“ ist ein Stück, dass zum Nachdenken anregt und dieses auch tut. Begeisterter Applaus des Publikums im Theater Basel war der Lohn für eine gelungene Inszenierung und die hervorragende Leistung des Ensembles.

„The Lion King“ – Die Savanne Afrikas in Basel

„The Lion King“ – Die Savanne Afrikas in Basel

Vogelgezwitscher, Zirpen von Grillen und rhythmische Trommelschläge versetzten die Theaterbesucher in die Savanne Afrikas. Mit einem eindringlichen „Nants‘ Ingonyma“ verkündet der Mandrill Rafiki, eine Geistheiler- und Schamanengestalt aus Südafrika, die Geburt von Simba, Sohn des Löwenkönigs Mufasa und Königin Sarabis. Ein wahrlich magischer Moment, als sich die Tiere der Pridelands versammeln und ihren zukünftigen Herrscher willkommen heissen.

Neidvoll reagiert Scar, Mufasas Bruder, auf die Geburt des jungen Löwen, denn dieser begehrt den Königsthron selbst. Mit Hilfe von seinem üblen Gefolge, den Hyänen, lockt er Mufasa in einen Hinterhalt und tötet diesen. Scar gibt Simba die Schuld am Tod des Vaters und jagt den jungen Löwen fort. Er krönt sich selbst zum König. Simba hadert mit seinen Schuldgefühlen und trifft im Dschungel auf Erdmännchen Timon und Warzenschwein Pumbaa. Diese bringen ihm die entspannte Art des Lebens näher und werden seine Freunde. Jahre später rettet er Timon und Pumbaa vor einer jagenden Löwin und erkennt nach kurzem Kampf Nala, seine Sandkasten-Freundin, die vor Scar geflohen ist. Die beiden verlieben sich. Mit Hilfe von Rafiki entschliesst sich Simba in seine Heimat zurück zu kehren und gegen Scar zu kämpfen.

Melina M’Poy als Nala, Hope Maine als Simba
Melina M’Poy als Nala, Hope Maine als Simba

„The Lion King“ basiert auf dem gleichnamigen Disney Animationsfilm aus dem Jahr 1994 und feierte 1997 seine Broadway-Premiere im New Amsterdam Theater. 1999 folgte die Premiere am Londoner West End und 2001 die deutschsprachige Uraufführung in Hamburg. Seit dem 15. März 2015 ist das Musical noch bis Mitte August in der englischsprachigen Originalversion am Musicaltheater Basel zu erleben.

Regisseurin Julie Taymor, die sich auch für Kostümbild und Co-Design der Puppen und Masken verantwortlich zeigt, hat ein Stück voller Phantasie und magischen Momenten kreiert, auch wenn die Handlung (Buch: Irene Mecchini und Roger Aller) vorhersehbar ist und vor allem im ersten Akt unnötige Längen aufweist. Die Masken und Puppen (Michael Curry und Michael Ward) sind eine Augenweide und haben dank ihrer Originalität ihre ganz eigene Wirkung, gerade auch deshalb, weil sie von den Darstellern geschmeidig, elegant und authentisch dargestellt werden. Die Kostüme entsprechen dem Handlungsort des Stücks und enthalten afrikanische Elemente wie Schnitte, Batiken, Stile und Farbenpracht.

Ntsepa Pitjeng als Rafiki
Ntsepa Pitjeng als Rafiki

Das Bühnenbild von Richard Hudson ist einfach, ergänzt sich jedoch perfekt mit den warmen Farben und passenden Lichteffekten von Donald Holder. Die eindringlichen Popmelodien gepaart mit Afrikanischen Chorgesängen stammen aus der Feder von Elton John, Hans Zimmer und Lebo M (Musik & Vokalarrangement) sowie Tim Rice (Liedtexte). Songs wie „Circle of Life“, „Hakuna Matata“, „Can You Feel the Love Tonight“ sind bekannte Klassiker. Die gelungene und mitreissende Choreographie von Garth Fagan enthält eine Mischung aus Afrikanischem Tanz, HipHop und Ballett und fügt sich wunderbar in das Stück ein.

Ntsepa Pitjeng verkörpert Rafiki mit der nötigen Ernsthaftigkeit, einer gut dosierten Portion Humor und starker Stimme. Die Entwicklung vom übermütigen Löwenjungen, zweifelnd an sich selbst, zum zukünftigen Herrscher der Pridelands gelingt Hope Maine als Simba, mit warmer wohlklingender Tenorstimme, überzeugend. Melina M’Poy gibt Nala, Simbas Sandkasten-Freundin und spätere Königin, eindringlich und punktet durch ihre klangschöne Stimmfarbe. Fürsorglicher Vater und König zugleich ist eine Herausforderung – diesen Spagat meistert Cleveland Cathnott mit seiner Art der Darstellung als Mufasa spielerisch. Zazu, ein Hornvogel, ist königlicher Haushofmeister, Berater und Kindermädchen in Personalunion. Die Kombination von Schauspiel und Puppenspiel gelingt Meilyr Sion so authentisch, dass man Zazu mehr als Vogel wie als Mensch wahrnimmt. Die jungen Darsteller Raphael Higgins-Humes (junger Simba) und Tori Ryan (junge Nala) begeisterten in ihrer Interpretation mit Souveränität. Scar ist jedes Mittel recht, auch der Mord am eigenen Bruder, um König der Pridelands zu werden. Als Scar besticht Christopher Colquhoun durch seine starke Bühnenpräsenz und Mimik. Die Anführer der Hyänen Shenzi, Banzai und Ed werden von Tarisha Rommick, Daniel Norford und Philip Oakland gespielt.

Das insgesamt sehr spielfreudige Ensemble erweckt die Pridelands eindrücklich zum Leben und entführt den Theaterbesucher in ein lebendiges Afrika. Das Publikum quittiert dies mit Szenenapplaus, Jubelrufen und minutenlangen Standing Ovation am Premierenabend.

Fotogalerie:
Fotogalerie zu “The Lion King“ in Basel

Mitreißend: „Mamma Mia!“ in Basel

Mitreißend: „Mamma Mia!“ in Basel

Man nehme die Songs einer der erfolgreichsten Pop-Bands aus den 1970er Jahren und verpacke diese in einer unterhaltsamen Geschichte – heraus kommt ein Gute-Laune-Musical, das aber durchaus auch berührende Momente hat. Im Jahr 1999 feierte „Mamma Mia!“ in London seine Uraufführung (Regie: Phyllida Lloyd, Choreografie: Anthony van Laast) und wurde seitdem von über 54 Millionen Menschen weltweit gesehen. Seit 15. Mai 2014 ist die internationale Tour im Musicaltheater Basel (Schweiz) in englischer Sprache zu sehen und spielt dort noch bis zum 8. Juni.

„Mamma Mia“ in Basel

Sophie möchte ihre große Liebe Sky heiraten und lädt zu ihrer Hochzeit ihre drei möglichen Väter ein, im Glauben, ihren Vater auf Anhieb zu erkennen. Leider funktioniert dieses Unterfangen nicht wie geplant und führt zu einigen Verwirrungen und neuen Erkenntnissen, die das Leben der Protagonisten auf der griechischen Insel auf den Kopf stellen. Die Handlung hat ein paar Längen, wird jedoch von der wunderbaren Musik von Abba getragen. Die Band (Musikalische Leitung: Carlton Edwards) besteht aus sieben Musikern, welche die Pop-Songs zu Gehör bringen. Ein Teil der Einspielungen stammen allerdings vom Band.

Für Donna Sheridan, alleinerziehende Mutter von Sophie, ist das Kapitel „Sophies Vater“ eigentlich abgeschlossen. Allerdings hat sie nicht mit dem Plan ihrer Tochter gerechnet. Sara Poyzer weiß als Donna mit ausdrucksstarker Stimme und guter Bühnenpräsenz überzeugen. Donnas beste Freundinnen Rosie und Tanya finden sich ebenfalls für die Hochzeit auf der Insel ein und stehen Donna zur Seite. Sue Devaney als Rosie und Geraldine Fitzgerald als Tanya gefallen mit wohlklingen Stimmen. Die Harmonie der drei Damen stimmt, die Pointen sitzen und sorgen für einige Lacher im Publikum.

Victoria Serra als Sophie wie auch Bart Edwards als Sky können ebenfalls überzeugen. Beide agieren mit überzeugender Spielfreude und klangschönen Stimmen. Ali (Sally Frith), Lisa (Jasmin Colangelo), Pepper (Kade Ferraiolo) und Eddie (Ashley Luke Lloyd) sind die Freunde von Sophie und Sky. Sie sind eine tatkräftige Unterstützung, stiften aber auch Chaos. Für Begeisterung sorgt der Auftritt von Pepper und Tanya mit dem Lied „Does your Mother know“, als dieser erfolglos versucht, Tanya Avancen zu machen.

Sam Carmichael, Harry Bright und Bill Austin – einer der drei Herren ist Sophies Vater. Nur wer? Diese Frage ist nicht so einfach zu klären. Ahnungslos reisen sie nach der Hochzeitseinladung auf die griechische Insel und erleben einige Überraschungen. Richard Standing als Sam, Keiron Crook als Harry und Michael Beckley als Bill gefallen mit ihren kräftigen durchdringenden Stimmen und ihrem gekonnten Schauspiel. Die Songs „SOS“, „Our last Summer“ und „Take a Chance on me“ gefallen dabei richtig gut.

Für eine Tour ist das Bühnenbild von Mark Thompson zweckdienlich ohne Besonderheiten. Für die Vorstellung, dass die Handlung auf einer griechischen Insel spielt, benötigt es allerdings ein wenig Fantasie. Das gelungene Lichtdesign von Howard Harrison wirkt unterstützend zum Bühnenbild und setzt dies ergänzend schön in Szene. Die Kostüme passen zum Stück. Toll anzusehen sind die bunten Schlaghosen und Plateausohlenschuhe im Finale. Die Tonabstimmung im Theater Basel ist gut gelungen. Aufgrund der Tatsache, dass es eine internationale Tour ist, wurde auf regionale Anpassungen im Stück verzichtet.

Das stark agierende Ensemble überzeugt mit guter Leistung und starken Stimmen auf ganzer Linie. Letztendlich überzeugt „Mamma Mia!“ durch die mitreißenden Songs von Abba, die wunderbar in die Geschichte integriert sind. Das Publikum in Basel spendet minutenlange stehende Ovationen – und beim Finale hält es wohl niemanden mehr auf seinem Sitz.

Fotogalerie:
Fotogalerie zu „Mamma Mia“

Starke Cast: „Fame“ in Basel

Starke Cast: „Fame“ in Basel

Auf einer großen Bühne stehen und berühmt werden – dieser Traum verbindet die neuen Studenten der High School of Perfoming Arts, kurz P.A., in New York. Dass die Verwirklichung des Traums nicht ganz so einfach ist, wird den jungen Leuten sehr bald klar. Harte Arbeit, Tränen und Enttäuschungen aber auch Freundschaft, Liebe und Glück sind die neuen Begleiter für die nächsten vier Jahre.

Das Musical „Fame“ von José Fernandez (Buch), Jacques Levy (Songtexte) und Steve Margoshes (Musik) basiert auf dem gleichnamigen Film (Idee und Entwicklung: David da Silva). Das Musical feierte 1988 seine Premiere im Coconut Grove Playhouse in Miami und ist nun auch am Theater Basel zu sehen.

Ein Musical mit Tiefgang ist „Fame“ nicht, aber dennoch sind es die Erlebnisse der Studenten und Lehrer, die es interessant und abwechslungsreich machen. Regisseur Tom Ryser ist es gelungen, die Erlebnisse jedes einzelnen Charakters an der P.A. glaubhaft herauszuarbeiten, es aber dennoch als Geschichte miteinander zu verbinden. Dass Lehrer und Studenten in Englisch, Deutsch, Schweizerdeutsch, Österreichisch und Spanisch miteinander kommunizieren, ist gleichermaßen unterhaltsam und interessant. Die Choreografie von Lillian Stillwell (Cast) und Sanja Ristic (Crew) ist rundherum gelungen. Geschickt verbinden Stillwell und Ristic klassische und temporeiche Tanzszenen, die voller Lebendigkeit und Abwechslung sind.

Die „Fame“-Band unter der Musikalischen Leitung von David Cowan spielt großartig und lässt einen satten Sound aus dem Orchestergraben erklingen. Das Bühnenbild von Stefan Rieckhoff wirkt im ersten Moment durch die wenigen Requisiten und den einfach gestalteten Aufbau am Ende der Bühne etwas simpel, jedoch werden die einzelnen Szenen durch große weiß-rote Vorhänge unterteilt, die in verschiedenen Kombinationen eingesetzt werden und so ein wunderbares Gesamtbild ergeben. Ein kleines Manko bildet der Ton, dessen Abstimmung in der besuchten Vorstellung nicht ganz gelungen war, so dass die Darsteller nicht immer einwandfrei zu verstehen waren. Das die Microports in der besuchten Vorstellung leider etwas zu oft zu spät aufgemacht wurden, wirkte sich dabei nicht unbedingt unterstützend aus.

Tom Schimon zeigt als Nick Piazza – ein ehemaliger Kinderstar, der endlich ein ernst zu nehmender Schauspieler werden will – eine solide Darstellung und singt mit klangschöner Stimme. Großartig gibt Jeannine Michelle Wacker die junge Schauspielerin Serena Katz, die vom Mauerblümchen zu einer selbstbewussten jungen Frau wird. Vor allem bei dem Song „Think of Meryl Streep“ überzeugt sie mit ihrer charaktervollen Stimme und ihrem kräftigen Belt. José Vegas, ein Energiebündel voller Selbstvertrauen, dem von Anfang an klar ist, dass er die Aufnahme an die P.A. schafft, wird ausdrucksstark von Michael Heller verkörpert. Heller erntet genau wie Illjaz Jusufi, der den analphabetischen Tänzer Jack Zakowski verkörpert, für die Tanzeinlagen Szenenapplaus.

Carmen Diaz hat nur ein Ziel: berühmt zu werden. Dafür opfert sie alles, am Ende sogar ihr Leben, da sie den falschen Leuten vertraut. Andrea Sánchez del Solar gefällt mit ihrem dunkel legierten Timbre, das beim Titelsong „Fame“ (Dean Pitchford und Michael Gore) gut zur Geltung kommt. Essen ist die Lieblingsbeschäftigung von Mabel Washington, die sich dadurch selber immer wieder Steine in den Weg legt. Stefanie Köhm agiert stark und singt mit klarer eindringlicher Stimme. Glaubhaft gibt Tobias Bieri den stillen Musiker Schlomo Metzenbaum, der endlich durch eigene Projekte aus dem Schatten seines Vaters, der ein berühmter Geigenspieler ist, treten will. Ebenso gefallen Eva Patricia Klosowski als Iris Kelly, Charlotte Irene Thompson als Grace Lamb und Christian Menzi als Goodman King.

Rahel Fischer agiert als strenge Schulleiterin und Englischlehrerin Miss Esther Sherman überzeugend, hat sie doch nur das wohl ihrer Studenten im Sinn. Gefühlvoll intoniert sie den Song „These are my Children“. Dass ein Musikalischer Leiter auch schauspielern kann, zeigt David Cowan als Musiklehrer Mister Sheinkopf. Jennifer-Julia Caron verkörpert Tanzlehrerin Miss Greta Bell, die sich für die Talente ihrer Schützlinge einsetzt, auch wenn dafür lautstarke Auseinandersetzungen mit der Schulleiterin nötig sind. Als Schauspiellehrer Mr. Myers, der seinen Studenten einiges abverlangt, agiert Andreas Sigrist rollendeckend.

Unterstützt wird die harmonisch und stark agierende Cast durch eine Crew von Tänzern, Sängern, Musikern und Schauspielern, die aus Jugendlichen aus dem Raum Basel und der Region bestehen. Ein berührender Moment gelingt zum Schluss des Stücks mit dem Song „Bring on Tomorrow“, der vom ganzen Ensemble gesungen wird. Am Ende spendet das Publikum im Theater Basel begeistert Beifall.

Emotional: „Rent“ in Basel

Emotional: „Rent“ in Basel

Das Ensemble von „Rent“ rockt in der Querfeldhalle in Basel. Das auf Puccinis Oper „La Bohème“ basierende und 1996 am Broadway uraufgeführte Musical erhielt zahlreiche Auszeichnungen und wurde 2005 sogar verfilmt. Jonathan Larson hat mit „Rent“ ein Musical geschrieben, das von jungen Künstlern und Musikern handelt, die unter ärmlichen Verhältnissen und täglich mit HIV und AIDS konfrontiert in New Yorks Lower East Side leben, lieben und überleben. Erzählt wird die Story in Basel in englischer Sprache mit deutschen Übertiteln.

Die Querfeldhalle ist eine kleine Halle in einem ehemaligen Industriequartier und erweist sich für das Stück als perfekte Location. Regisseurin Krista Jacquet ist es gelungen, die Handlungsstränge deutlich zu zeichnen. Bemerkenswert ist auch, dass sie sich die ganze Halle zunutze macht und nicht nur die Bühne bespielen lässt. So sind die Zuschauer mitten im Geschehen. Unterstützt wird dies durch die mitreißende Choreografie von Denise Lutz. Das Bühnenbild von Dragana Blaser ist einfach gehalten, so dass die Darsteller immerzu im Mittelpunkt stehen. Ergänzend wirkt hier das visuelle Design von Eleanor Low, und auch Natashia Collier hat zur Handlung passende Kostüme entworfen.

Rahel Fischer als Joanne und Sylvia Heckendorn als Maureen

Yannick Fernandes zeigt als Mark, der gleichzeitig auch als Erzähler der Geschichte fungiert, eine durchweg überzeugende Leistung und punktet mit wohlklingendem Gesang. Daniel Raaflaub als Roger, der hin- und hergerissen ist zwischen seinen Gefühlen für Mimi und seiner HIV-Krankheit, begeistert unter anderem bei dem Song „One Song Glory“ mit starker Stimme. Durch die schroffe Zurückweisung von Roger sucht 
Maureen flirtet für ihr Leben gern und treibt dadurch ihre Freundin Joanne immer wieder an die Grenzen ihrer Beziehung. Sylvia Heckendorn als Maureen und Rahel Fischer als Joanne zeigen eine großartige Leistung und begeistern mit charaktervollen Stimmen. Angel – wunderbar nuanciert gespielt von Julian David – hadert mit sich und seiner Krankheit und findet in Tom Collins – stark gespielt und gesungen von Stefan Raaflaub – einen Verbündeten. Beide fühlen sich zueinander hingezogen, und so wird aus Freundschaft Liebe.Mimi wieder Zuflucht in ihrer Drogensucht und wird gerade noch rechtzeitig, dem Tod nahe, gefunden. Nadja Scheiwiller begeistert als Mimi mit ausdrucksstarker Stimme und agilem Schauspiel. Ohne Rücksicht auf die Situation seiner ehemaligen WG-Mitbewohner und arrogant agiert Anthony Hehir als Benny mit glaubhafter Darstellung. Rechtzeitig wird ihm bewusst, dass er seinen Freunden eine wirkliche Stütze sein kann.

Daniel Raaflaub als Roger


Unterstützt werden die Hauptdarsteller von einem solide agierenden Ensemble, so dass zeitweise an die 30 Personen auf der Bühne stehen. Von all den stimmigen Songs, dargeboten von einer vierköpfigen Band, sorgt vor allem „Seasons of Love“ für einen absoluten Gänsehautmoment. Doch auch insgesamt erweist sich „Rent“ als ein Stück voller Emotionen, bei dem Lachen und Weinen nah beieinander liegen.

Bildergalerie:
Bildergalerie „Rent“ in Basel