Comic goes Musical: „Spider-Man“ in New York

Comic goes Musical: „Spider-Man“ in New York

Das Musical „Spider-Man: Turn Off the Dark“ hatte vor seiner Premiere im Juni 2011 in New York einige Hindernisse zu überwinden – die Premiere wurde sechsmal verschoben, es gab Unfälle auf der Bühne und Regisseurin Julie Taymour und die Produzenten stritten sich vor Gericht. Das Stück gilt mit seinen Produktionskosten in Höhe von rund 70 Millionen US-Dollar als die bisher teuerste Produktion am Broadway und stellt mit über 180 Previews (üblich sind etwa 30 Previews) einen weiteren Rekord auf. Seit zwei Jahren ist das Stück im Foxwoods Theatre am Broadway zu sehen und spielt laut „New York Times“ wöchentlich rund 1,5 Millionen Dollar ein.

Basierend auf dem Marvel-Comic „The Amazing Spider-Man“ von Stan Lee und Steve Ditko erzählt das Musical die Geschichte von Peter Parker, einem schüchternen und unbeliebten aber intelligenten Jungen, der sich für Naturwissenschaften interessiert. Beim Besuch in einem Forschungslabor wird er von einer radioaktiv verseuchten Spinne gebissen und erlangt dadurch Superkräfte. Als sein Onkel von einem Räuber erschossen wird, widmet sich Peter der Jagd auf Verbrecher. Sein großes Vorbild Norman Osborne verwandelt sich nach einem misslungenen Selbstversuch in seinem Labor in den Green Goblin und wird zu Spider-Mans größtem Feind.

Julie Taymor, bekannt als Regisseurin von „The Lion King“, war auch für die „Spider-Man“-Produktion am Broadway verantwortlich, verließ aber die Produktion kurz vor der Premiere wegen Differenzen mit den Produzenten. Nach einer Überarbeitung des Buches übernahm Philip William McKinley die Einarbeitung der Änderungen ins Stück. Wer eine Adaption der Spider-Man-Filme erwartet, wird jedoch enttäuscht. Dazu ist das Buch von Julie Taymor, Glen Berger und Roberto Aguirre-Sacasa zu zusammenhanglos geschrieben. Unwichtige Ereignisse im Leben von Peter Parker treten in den Vordergrund und wichtige einschneidende Ereignisse wie der Tod von Onkel Ben werden zur Nebensächlichkeit.

Robert Cucciolo (Green Goblit) und Reeve Carney (Spider-Man). Foto: Marvel

Die Musik und Liedtexte stammen aus der Feder von Bono und The Edge. Die Musik ist rockig, kann das Musical aber nicht allein tragen. Eine Melodie, die im Ohr bleibt, lassen die Kompositionen ebenfalls vermissen. Schön ist das Duett „If the World should end“ von Peter und seinem Jugendschwarm Mary Jane. Oftmals sind die Darsteller jedoch nicht zu verstehen, da das Orchester sehr laut dröhnend spielt.

Das Bühnenbild von George Tsypin ist dem Stück zweckdienlich und wirkt wie ein riesiger Comicstrip: Aufklappbare Hochhäuser, Ein- und ausklappbare Reihenhäuser und Sprechblasen mit „Peng“, „Bumm“ und „Splash“. Die New Yorker Skyline ist unverkennbar. Eiko Ishioka hat schöne und passende Kostüme entworfen, und vor allem das Kostüm des Green Goblin beeindruckt. Die Masken, die zum Einsatz kommen, stammen von Julie Taymor und verfehlen ihre Wirkung nicht.

Reeve Carney kann als Peter Parker mit starker Rockstimme überzeugen, die hervorragend zu den Songs des Stücks passt. Sein Schauspiel wirkt dagegen leblos, was aber auch am schwachen Buch liegen dürfte. Rebecca Faulkenberry hat es da als Mary Jane Watson nicht besser getroffen: Stimmlich liefert sie eine solide Leistung ab, aber schauspielerisch fällt sie ab. Begeistern kann dagegen Robert Cuccioli als Norman Osborne und Green Goblin. Seine stimmliche Leistung gepaart mit starker Bühnenpräsenz und hervorragendem Schauspiel bereichert das Stück. 

Isabel Keating und Stephen Lee Anderson als Tante May und Onkel Ben sind die wichtigsten Menschen in Peters Leben. Beiden gelingt mit ihren kurzen Auftritten eine durchaus sehenswerte schauspielerische Leistung. Gesanglich kann Katrina Lenk als Spinnenfrau Arachne auf sich aufmerksam machen, und die Luftartisten, die Reeve Carney und Robert Cuccioli als Spider-Man und Green Goblin während der Flugsequenzen vertreten, zeigen eine beachtliche körperliche Leistung.

Für die technische Umsetzung der Flugelemente zeigt sich Jaque Paquin verantwortlich. Einerseits sind diese spektakulär anzusehen und sorgen für einen hohen Unterhaltungswert, andererseits sind sie zu ideenlos ins Stück integriert. So ist der Endkampf zwischen Spider-Man und dem Green Goblin zu kurz und das Ende des Green Goblin kommt zu schnell und zu einfach. Die Flugeinlagen finden direkt über dem Publikum statt – Genickstarre im vorderen Bereich des Zuschauerraums inklusive.

Insgesamt will „Spider-Man“ als Musical nicht recht funktionieren. Die Handlung ist zu langatmig und eine klare Linie in der Erzählfolge ist kaum vorhanden. Für eingefleischte Spidey-Fans bietet das Stück sicher gute Unterhaltung, doch der anspruchsvolle Musicalbesucher wird das Stück als unfertig und einfallslos wahrnehmen. Entsprechend auch die Reaktionen beim Publikum der besuchten Vorstellung.

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