Spaßiges Revival: „Mamma Mia!“ in Stuttgart

Spaßiges Revival: „Mamma Mia!“ in Stuttgart

Abba zählt zu den erfolgreichsten Pop-Bands der 1970er Jahre. Mit ihrem Song „Waterloo“ gewannen sie im April 1974 den Grand Prix d‘Eurovison de la Chanson. 25 Jahre später feierte das Musical „Mamma Mia!“, basierend auf den erfolgreichsten Abba-Songs, im Londoner West End seine Uraufführung und im November 2003 seine deutschsprachige Erstaufführung in Hamburg. In Deutschland folgten weitere Spielstätten in Stuttgart, Berlin und Essen. Nun ist „Mamma Mia!“ ins Stuttgarter Palladium Theater zurückgekehrt – angeblich nur für sechs Monate.

Sabine Mayer (Donna, Mitte) mit Ensemble. Foto: Stage Entertainment

Das Musical erzählt die Geschichte von Sophie, die ihre große Liebe Sky heiraten will und zu ihrer Hochzeit ihre drei möglichen Väter eingeladen hat. Irrungen, Wirrungen und neue Erkenntnisse, die das Leben der Protagonisten verändern, nehmen ihren Lauf. Das Stück (Buch: Catherine Johnson, Regie: Phyllida Lloyd) weißt hier und da Längen auf, profitiert aber von der wunderbaren Musik von Abba, wenn auch die deutschen Songtexte aus der Feder Michael Kunzes anfänglich etwas gewöhnungsbedürftig sind. Schade ist, dass für diese Produktion an der Musik gespart wird. Nur fünf Musiker unter der Musikalischen Leitung von Jörg Hilger sitzen im Orchestergraben und ein Teil der Einspielungen kommt vom Band. Das mindert die Qualität der sonst so mitreißenden Musik.

Begeistern kann in Stuttgart das gesamte Ensemble – allen voran die drei Dynamos. Sabine Mayer als Donna, alleinerziehende Mutter und plötzlich von ihren Erinnerungen wahrhaftig eingeholt, besticht durch ihr ausdrucksstarkes Schauspiel und ihre klangschöne Stimme. Betty Vermeulen als Tanja und Barbara Raunegger als Rosie, die besten Freundinnen von Donna, überzeugen mit witzigem Schauspiel und starken Stimmen. Gut gemacht sind die diversen Anspielungen auf die schwäbische Spielstätte in den Dialogen der drei Damen, die das Publikum schnell für sich gewinnen und die Lacher immer auf ihrer Seite haben.

Dirk Johnston (Sky) und Eva Serrarens (Sophie). Foto: Stage Entertainment

Eva Serrarens als Sophie und Dirk Johnston als Sky agieren streckenweise schauspielerisch noch zu zaghaft. Gesanglich gelingt beiden mit wohlklingenden Stimmen eine ansprechende Darbietung. Die Freude von Sophie und Sky werden von Rebecca Stahlhut (Lisa), Annakathrin Naderer (Ali), Denys Magda (Eddie) und Pierre Damen (Pepper) gespielt. Hier sticht besonders Pierre Damen mit seiner Darstellung des Pepper heraus, der bei dem Song „Wenn das Mami wüsst“ mit starken Tanzeinlagen und im Zusammenspiel mit Betty Vermeulen überzeugen kann.

Die drei möglichen Väter von Sophie werden überraschend zur Hochzeit eingeladen. Ohne jegliche Ahnung davon, was ihnen bevorsteht, treffen sie auf der griechischen Insel ein. Jerry Marwig (Sam) gelingt durch seine kräftige Stimme und sein gekonntes Schauspiel eine ansprechende Leistung besonders beim Song „S.O.S.“ mit Sabine Mayer. Dem steht Jörg Zuch (Bill) in nichts nach, der im Zusammenspiel mit Barbara Raunegger bei „Komm und wag‘s mit mir“ sehr gut gefällt. Ramin Dustdar (Harry) zeigt ebenfalls eine solide Leistung und singt ein schönes „Unser Sommer“.

Betty Vermeulen (Tanja), Sabine Mayer (Donna) und Barbara Raunegger (Rosie). Foto: Stage Entertainment

Das Bühnenbild von Mark Thompson ist für das Stück zweckdienlich, lässt aber das Gefühl, sich auf einer griechischen Insel zu befinden, nicht so richtig aufkommen. Die Kostüme sind passend zum Stück. Positiv hervorheben muss man hier die bunten Schlaghosen und Plateausohlen im Finale, die wirklich toll anzusehen sind. Dank dem gelungen Lichtdesign von Howard Harrison wird das spärliche Bühnenbild schön in Szene gesetzt. Der Prolog und das Entr‘acte sind im Vergleich zum Rest des Stücks sehr wuchtig und laut, so dass die Stimmen im ersten Moment direkt danach abfallen, ehe man sich an die leiseren Töne gewöhnt hat.

Letztendlich überzeugt „Mamma Mia!“ in Stuttgart auch 2013 allen voran durch die mitreißenden Melodien von Abba und ein stark agierendes Ensemble. Die mitreißenden Tanzszenen (Choreografie: Anthony van Last, Nicola Treueren) bringen beim Zusehen ebenso Spaß. Ein begeistertes Publikum spendet bei der Medienpremiere minutenlang stehende Ovationen. Bei den Songs „Mamma Mia“ und „Dancing Queen“ im Finale klatscht das Publikum kräftig mit, und als sich Sabine Meyer mit der Frage „Stuttgart, wollt ihr mehr?“ ans Publikum wendet, hält es bei „Waterloo“ anscheinend niemanden mehr auf dem Sitz.

Die Kommentare sind geschloßen.
%d Bloggern gefällt das: