Sommernacht Dinslaken 2013- Rockig, Gefühlvoll und Gänsehaut pur

Wahrlich unter keinem Glücksstern stand im Vorfeld die Jubiläums-Sommernacht in Dinslaken – 15 Jahre und noch nie gab es so viele Wechsel in der Besetzung wie in diesem Jahr. Jan Ammann und Sabrina Weckerlin sagten bereits zu einem frühen Zeitpunkt ab. Als Ersatz konnten Christian A. Müller und Valerie Link gewonnen werden. Die nächste Absage folgte von Serkan Kaya – für ihn sprang Rob Fowler in die Presche. Am Tag der Veranstaltung musste kurzfristig dann noch Pia Douwes absagen, da sie in Thun gebraucht wurde – als Spontan-Ersatz wurde Maricel verpflichtet.

Im Vorprogramm in diesem Jahr stand das 30-köpfige Ensemble des Sound of Music Chor (Chorleitung: Mario Stork) auf der Bühne. Mit „Will I“ aus dem Musical „Rent“ gelang dem Chor ein wunderbarer Einstieg. Die Mädels des Chors sangen „Little Shop of Horrors“ – das groovte und machte Lust auf mehr. Auch die Solisten waren fantastisch. Jennifer Boldt sang ein starkes Intro zu dem Song „Downtown (Skid Row)“. Melanie Berka als „Audrey“ und Ingbert Edenhofer als „Seymour“ konnten ebenfalls überzeugen. Ein gefühlvolles „Bui Doi“ präsentierte der Chor und Solist Dennis Schäfer – Gänsehaut, die Erste. Der nächste Knaller folgte mit „Milch“ aus dem Musical „Elisabeth“ mit einem tollen Andreas Robitzky als Lucheni. Mit „Ich hab geträumt“ gelang auch Bettina Lindenblatt ein schöner Auftritt. Das letzte Stück des Chors im Vorprogramm war „Bethlehem“ aus dem Musical „Martin Guerre“. Die Moderation von Thomas Reese war spritzig und amüsant. Von diesem stimmgewaltigen Chor wünscht man sich in Zukunft mehr zu hören – was da gezeigt wurde war grandios!

Die Solisten der 15. Sommernacht des Musicals waren Maricel, Valerie Link, Jessica Kessler, Rob Fowler, Christian A. Müller und Patrick Stanke. Unter der Musikalischen Leitung von Bertram Ernst agierte eine fantastische Band. Fast hatte man das Gefühl, dass die diesjährige Veranstaltung eine One-Man-Show von Stanke war, jedoch hatten die anderen Solisten einen grossen Anteil daran, dass die 15. Sommernacht ein voller Erfolg wurde. Die Moderation von Stanke war gelungen und unterhaltsam. Manchmal wäre etwas weniger mehr gewesen, denn eine x-fache Wiederholung über seine neue Figur war gegen Ende ein bisschen zu viel des Guten.

Den Beginn des Hauptteils bestritt Bertram Ernst mit den ersten Zeilen aus dem Song „Music was my first love“ ehe die Solisten links und rechts der Treppe im Burgtheater mit einstimmten. Patrick Stanke, der sich auf der Bühne in Eda Turnblad verwandelte, und Jessica Kessler sorgten mit „Willkommen in den Sixties“ aus „Hairspray“ für Rock’n’Roll. Rob Fowler, bekannt als Musical-Darsteller und als Teilnehmer der Casting-Show Voice of Germany sang ein stimmgewaltiges „Billy Jean“ ehe Valerie Link und Maricel mit „Rebecca“ aus dem gleichnamigen Musical zum ersten Mal die Bühne betraten. Unterhaltungswert hatte anschliessend definitiv Patrick Stanke alias Dr. Stakne und Christian A. Müller alias Heino mit dem Lied „Junge“. Mit „More than Words“ zeigte der Sommernacht-Chor sein können und dies gelang auf ganzer Linie.

Der folgende „Wicked“-Block mit einem rockigen Gitarrensolo Stankes von „Defying Gravity“, einem gelungenen und gefühlvollen „Wie ich bin“ sowie einem amüsanten „Heissgeliebt“ von Link und Stanke alias Elphaba hatte grossen Unterhaltungswert. Mit „Mein Sinn für Stil“ erinnerten Maricel und Stanke an die gemeinsame Zeit bei „Aida“ im Colloseum Theater Essen. Rockig wurde es mit „Hammer to Fall“ aus „We Will Rock You“ – herrlich zu sehen, wie Jessica Kessler und Rob Fowler sich gegenseitig angifteten und dabei sichtlich Spass hatten. An seiner Ausdauer muss Patrick Stanke, zumindest beim Thema Liegestützen, noch arbeiten. Gegen Rob Fowler hatte er bei „Eye of the Tiger“, im Original von der Band Survivor, aus dem Musical „Rocky“ nicht wirklich eine Chance. Locker und lässig machte Fowler einarmig und singend seine Liegestütze, während Stanke so seine Probleme hatte mitzuhalten.

Eine absolutes It-Girl, dazu noch blond, will Jura studieren, zuerst nur um es ihrem fast Verlobten zu zeigen, der diese Vorhaben für lächerlich erklärt. Zuerst belächelt und zum Schluss von allen geachtet – das ist die Geschichte der quirligen Elle Woods. Aus „Legally Blonde“ sang Jessica Kessler das Lied „So much better“. Den Abschluss eines gelungenen, witzigen und unterhaltsamen ersten Teils bildete „Nur Liebe bleibt“ aus „Rent“ – Solisten und der stimmgewaltige Sound of Music Chor sorgten für Gänsehaut.

Dass Christian A. Müller auch als Graf von Krolock durchgehen kann, bewies er gemeinsam mit Jessica Kessler bei „Totale Finsternis“ – von beiden mit klangschönen Stimmen gesungen. Das Musical „Once“ feiert in New York – Elf Tony Award Nominierungen, Acht davon gewonnen, unter anderem als Bestes Musical – und London grosse Erfolge. Der Song „Falling Slowly“ von Glen Hansard und Markéta Irglová gewann 2008 einen Oscar in der Kategorie Bester Song. Ein Lied voller Gefühl das ans Herz geht und genau dies gelang Valerie Link und Patrick Stanke mit ihrer Version bei der Sommernacht – einfach fantastisch.

Als Rob Fowler in „Sweet Transvestite“ aus der „Rocky Horror Show“ zu seinen Hüftschwung ansetzte johlte das Publikum in Dinslaken – die Rolle des Frank’n’Furtner ist dem Briten auf den Leib geschrieben. Um Träume zu erreichen muss man manchmal versuchen nach den Sternen zu greifen und genau diese Kernaussage steckt in dem Lied „Gold von den Sternen“ aus „Mozart“, welches gefühlvoll von Maricel interpretiert wurde. Zuerst Musical und dann Film – eine Tatsache, die in dieser Reihenfolge Seltenheitswert hat. Der Film „Les Miserable“ kam Ende 2012 in die Kinos – bei der diesjährigen Oscar- und Golden-Globe-Verleihung räumte der Film eine Vielzahl von Preisen ab. Das Musical von Claude-Michel Schönberg (Musik) und Alain Boublil (Libretto), nach dem Roman „Die Elenden“ von Victor Hugo, feierte bereits im Jahr 1980 seine Uraufführung in Paris. Gefühlvoll sang Jessica Kessler Éponine‘s Lied „Nur für mich“. Grandios gesungen und zu Recht mit Standing Ovation bedacht wurde Christian A. Müller für die Darbietung des Songs „Bring ihn heim“. Gänsehaut pur war das „Lied des Volkes“, welches alle Solisten zusammen mit dem Sound of Music Chor sangen. Ein rundherum gelungener Songblock von Les Miserables.

Aus „Elisabeth“ folgten die Lieder „Die Schatten werden länger“, Stanke als Kronprinz Rudolf und Fowler als Tod sowie „Ich gehör nur mir“ von Maricel. Ein Song der auf fast keiner Sommernacht fehlt, sollte man die Worten von Patrick Stanke glauben, ist „Dies ist die Stunde“ aus Jekyll & Hyde. Die diesjährige Version, von Stanke gesungen, war eine Reggae-Version und eine durchaus hörenswerte Interpretation dieses Klassikers.

Valerie Link begeisterte mit ihrer klassischen Stimme bei einer Pop-Rock-Version von „Denk an mich“ aus dem Musical „Phantom der Oper“, welches im Dezember 2013 an die neue Flora nach Hamburg zurück kehrt. Mit „Til I hear you sing“ aus „Love never dies“ bewies Christian A. Müller erneut, dass er im klassischen Musicalbereich zu Hause ist. Natürlich durfte das Lied „Phantom der Oper“ nicht fehlen, welches von Link und Müller gefühlvoll und klangschön gesungen wurde.
Mit „Time Warp“ aus der Rocky Horror Show und „We are the Champions“ aus „We Will Rock You“ sorgten Solisten und der Sound of Music Chor für einen gelungenen Abschluss der 15. Sommernacht im Burgtheater Dinslaken.

Bildergalerie zur Sommernacht des Musical 2013 in Dinslaken

Video-Impressionen Sommernacht des Musicals, Dinslaken 2013