Gutes Tanzmusical: „Saturday Night Fever“ in Luzern-Kriens

Gutes Tanzmusical: „Saturday Night Fever“ in Luzern-Kriens

Discokugel und Schlaghosen treffen auf die größten Hits der Bee Gees. Als der Film „Saturday Night Fever“ 1977 in die Kinos kam, war das der Anfang der Schauspielkarriere von John Travolta, der in der Kinofassung den Tony Manero verkörperte. Die Platte „Saturday Night Fever“ mit den bekanntesten Songs der Bee Gees hielt sich wochenlang in den Charts ganz oben. Erzählt wird die Geschichte von dem jungen Farbenverkäufer Tony Manero, einem Italo-Amerikaner aus Brooklyn, der ein Talent hat – das Talent zu Tanzen. Nach zahlreichen Produktionen weltweit ist das Stück nun in einer überarbeiteten Fassung mit deutschen Texten (Adaption ins Deutsche: Andréas Härry) und englischen Songs im Le Théâtre in Luzern-Kriens zu sehen.

Das Bühnenbild von Andréas Härry besteht aus einfachen Elementen, wird aber durch ergänzende Projektionen, die zum Beispiel auf weiße Schiebepaneele projiziert werden, wirkungsvoll unterstützt. Dazu trägt auch das gelungene Lichtdesign von Markus Güdel bei, das einen Hauch von Discofeeling im Le Théâtre aufkommen lässt. Dem Stil der 1970er Jahre entsprechend sind die Kostüme von Sigrid Wenter und Ursina Baur, die für zusätzliche Farbtupfer im Stück sorgen. Tragend in dem Stück sind die zahlreichen und sehenswerten Tanzszenen (Choreografie: Natalie Holtom) und die Musik der Bee Gees. Regisseurin Isabell Flachsmann gelingt, rund um die Erlebnisse und Schicksale der Jugendlichen im New York der 1970er Jahre, eine gute Inszenierung, allerdings sind die Schwächen des Buchs (Nan Knighton, Arlene Phillips, Paul Nicholas und Robert Stigwood) nicht zu übersehen.

Während das Stück im ersten Akt die eine oder andere Länge aufweist, nimmt es im zweiten Akt etwas mehr an Fahrt und Unterhaltungswert auf. Etwas enttäuschend ist die musikalische Seite. Dies liegt allerdings nicht an der vierköpfigen Band unter der Leitung von Arno Renggli, sondern eher an der Tontechnik (Christophe Besch). Der Gesang der Darsteller ist im Gegensatz zur Band an einigen Stellen im Stück zu leise, so dass man etwas weiter hinten im Theater teilweise Mühe hat, den Gesang deutlich zu verstehen.

Tino Andrea Honegger agiert als Tony Manero rollendeckend oberflächlich und arrogant gegenüber seinen Mitmenschen. Im Laufe des Abends gelingt es ihm, sein Spiel intensiver zu gestalten. Stimmlich fehlt es etwas an Ausdruckskraft, gerade bei seinem Solo „Immortality“, das er zwar gefühlvoll interpretiert, aber bei dem man sich etwas mehr Intensivität wünscht. Stephanie Mangano ist ein hochnäsiges Manhattan-Girl. Durch ihre Begegnung mit Tony wandelt sie sich zu einer umgänglichen jungen Frau, die merkt, dass auch andere Dinge im Leben wichtig sind. Diesen Wandel verkörpert Julia Fechter glaubhaft und glänzt mit ihrem klaren Sopran.

Auf ganzer Linie überzeugend ist André Naujoks als Tonys bester Freund Bobby C, der sich in einer schwierigen Situation von seinen Freunden unverstanden und alleingelassen fühlt. Berührend und stimmlich stark seine Darbietung von „Tragedy“, was ein Höhepunkt des Abends ist. Auch Irène Straub weiss als Annette, Tonys Ex-Tanzpartnerin und Möchtegern-Freundin, auf ganzer Linie mit kraftvoller Stimme zu überzeugen. Sandra Leon sorgt als tollpatschige Doreen für amüsante Momente im Stück und sorgt so für heitere Momente, vor allem im ersten Akt. Als Tonys Freunde sorgen Alexander Ruttig (Double J), Markus Hareter (Joey) und Jan Grossfeld (Gus) für Unterhaltung. Jon Davies fegt mit seinen Rollschuhen als Monty gekonnt über die Bühne und erhält dafür Szenenapplaus.

Insgesamt steht in Luzern-Kriens ein tanzfreudiges und stimmlich harmonisches Ensemble auf der Bühne, dass mit seinen Tänzen zu „Saturday Night Fever“, „Stayin‘ Alive“ oder „Boogie Shoes“ zu fesseln weiß. Auch die Paartanzeinlagen von Guila Consoli (Maria) mit Oriol Sànchez i Tula (Cesar) sowie Lara de Toscano (Shirley) mit Jaime Rodney (Chester) sind eine Augenweide. Das Publikum würdigt die Leistung des gesamten Ensembles am Premierenabend mit minutenlangem Applaus und wird gut unterhalten in die Nacht entlassen.

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