Eindrucksvoll mit kleinen Schwächen: Rebecca-Preview Stuttgart

Eindrucksvoll mit kleinen Schwächen: Rebecca-Preview Stuttgart

Nach der Uraufführung 2006 in Wien und einer erfolgreichen Schweizer Erstaufführung im Oktober 2011 in St. Gallen, schickt sich das Musical „Rebecca“ an, seine Deutschland-Premiere am 08.12.2011 im Stage Palladium Stuttgart zu feiern. Grund genug für mich, vor der Premiere eine Preview in Stuttgart zu besuchen.

Maskenball, Foto: Stage Entertainment

Francesca Zabello gelingt auch in Stuttgart eine beeindruckende Inszenierung. Man merkt jedoch Unterschiede zu der Produktion in St. Gallen. Da ist zum Beispiel das Lied „Zauberhaft natürlich“. In St. Gallen hat es in der Bergszene von Monte Carlo seinen Platz, in Stuttgart befindet es sich in der Szene der Hochzeitsreise. Generell wurden diese beiden Szenen etwas angepasst. Die Erstere etwas gekürzt, die Zweite etwas verlängert.

Die Choreografien von Simon Eichenberger, der ebenfalls in St. Gallen verantwortlich ist, gefallen in Stuttgart besser. Vor allem für die Ensemble-Nummern ist die grössere Bühne ein Vorteil. Hervorzuheben ist hier „Strandgut ist Pfandgut“, welche beeindruckend ist. Klaus Wilhelm dirigierte sicher und mit viel Routine durch die Vorstellung – wünschenswert wäre in Stuttgart jedoch, für mehr Klangvolumen, ein grösseres Orchester, dass dem Stück sicher gut tun würde. Das Bühnenbild gleicht jenem in St. Gallen, ist jedoch in Stuttgart teils seitenverkehrt. Die Videosequenzen fügen sich nathlos ins Bühnenbild ein. Das absolute Highlight in Stuttgart ist die brennende Treppe am Ende, wenn Manderley in Flammen steht. Absolut beeindruckend und in der deutschen Theaterlandschaft einmalig!

Lucy Scherer verleiht der „Ich“ einen schüchternen und zurückhaltenden Charakter am Anfang und eine sichere

Manderley in Flammen, Foto: Stage Entertainment

Ausstrahlung am Ende. Durch ihr versiertes Schauspiel bringt sie die Entwicklung glaubhaft auf die Bühne. Ihre klare und berührende Stimme kann auf ganzer Linie überzeugen.Thomas Borchert zeigt, wie schon in St. Gallen, eine exzellente Leistung und besticht mit sicherem Schauspiel und hervorragendem Gesang. Pia Douwes spielt eine Mrs. Danvers bei der man die Sehnsucht und den Verlust von Rebecca spürt. Ihre starke Bühnenpräsenz, ihr Schauspiel und ihre Mimik sind eindrücklich. Stimmlich ein Genuss, auch wenn mir der Gänsehaut-Moment, dieses Gefühl der Rolle Nachts im Dunkeln nicht begegnen zu wollen, noch fehlt.

Isabel Dörfler sorgt mit ihrer Darstellung der Mrs. van Hopper erneut für den Farbkleks in der Vorstellung. Die Lacher im Publikum hat sie auf ihrer Seite. Jörg Neubauer ist ein eher zurückhaltender Frank Crawley und zeigt gesanglich eine top Leistung. Kerstin Ibald überzeugt als Beatrice, wie schon in St. Gallen, auf hohem Niveau. Daniele Nonnis als Ben zeigt eine tolle schauspielerische Leistung mit guter Stimme. Hannes Staffler kann im Schauspiel als Jack Favell noch nicht komplett überzeugen. Die Hinterhältigkeit dieses Charakters lässt er noch etwas vermissen, stimmlich zeigt er eine ansprechende Darbietung. Ein insgesamt starkes Ensemble zeigt in Stuttgart eine durchweg hervorragende Leistung.

Auch in Stuttgart ist es gelungen „Rebecca“ eindrucksvoll, jedoch mit kleinen Schwächen, auf die Bühne zu bringen. Das Publikum zeigte sich begeistert und würdigte eine überzeugende Vorstellung mit stehenden Ovationen.

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