Eindrucksvoll: “Rebecca“ in St. Gallen

Eindrucksvoll: “Rebecca“ in St. Gallen

Nachdem “Rebecca“ 2006 in Wien uraufgeführt wurde, anschließend unter anderem in Ungarn sowie Japan zu sehen war und mittlerweile auch in Stuttgart und am Broadway in den Startlöchern steht, feierte das Musical von Michael Kunze und Sylvester Levay jetzt seine Schweizer Erstaufführung in St. Gallen.

Das facettenreiche Bühnenbild von Peter J. Davison, das mit den Videoprojektionen von Sven Ortel eine Einheit bildet, ein grundsolide agierendes Ensemble und vor allem auch das stark aufspielende Orchester des Theaters St. Gallen machen diese Show zu einem Erlebnis.

Wie schon in Wien, gelang Francesca Zambello eine beeindruckende Inszenierung. Geschickt verbindet sie die Liebesgeschichte mit den Elementen des Krimis und fügt die Eigenschaften der Charaktere glaubhaft in die Geschichte ein. Simon Eichenberger hat eine durch und durch flüssige und in sich stimmige Choreografie auf die Bühne gebracht. Die Kostüme von Birgit Hutter sind passend zu der damaligen Zeit – einen willkommenen Farbklecks in dem düsteren Umfeld bilden die Kostüme der Mrs. van Hopper. Die neuen Songs “Zauberhaft natürlich“ und “Merkwürdig“ fügen sich nahtlos in das Stück ein und helfen die Beziehung zwischen Maxim de Winter und der “Ich“ besser zu verstehen.

Lisa Antoni, die mit großartiger Stimme und nuanciertem Schauspiel eine hervorragende Leistung abliefert, gibt der “Ich“ eine glaubhafte Ausstrahlung. Die Entwicklung von der schüchternen jungen Frau zur neuen Herrin von Manderley nimmt man ihr durch das ganze Stück hindurch ab. Die Vielschichtigkeit des Maxim de Winter wird von Thomas Borchert exzellent dargestellt. Die innere Zerrissenheit zwischen Vergangenheit und glücklicher Zukunft, zwischen Belastung und neuer Freiheit wird von ihm glaubhaft vermittelt. Seine gesanglichen Leistungen sind ebenfalls ein Genuss.

Mrs. Danvers ist die treu ergebende Haushälterin von Rebecca de Winter, die von dieser regelrecht besessen ist und niemand anderen als Herrin von Manderley akzeptiert – dafür geht sie bis zum Äußersten. Maya Hakvoort als Mrs. Danvers erweist sich für das Theater St. Gallen als wahrer Glücksgriff. Ihr Schauspiel, ihre berührende Stimme und die starke Bühnenpräsenz sorgen immer wieder für Gänsehautmomente. Einer der Momente, die am meisten berühren, ist der Flammentod der Mrs. Danvers, der im Gegensatz zu Wien in St. Gallen gefühlvoller umgesetzt wurde. Diese Änderung bekommt dem Stück gut, da der Zuschauer an dieser Stelle fast schon Mitleid empfindet.

Für farbenfrohe und fröhliche Abwechslung in dem Stück sorgt die Rolle der Mrs. Van Hopper, gespielt von Isabel Dörfler. Amüsant und mit großer Stimme gelingt ihr dies ganz vorzüglich. Vor allem ihre Mimik sorgt immer wieder für Lacher im Publikum. Oliver Heim als Ben zeigt ein starkes Schauspiel und überzeugt mit wohlklingender Stimme.

Maxims Schwester Beatrice wird von Kerstin Ibald und Maxims bester Freund und Gutsverwalter Frank Crawley von André Bauer dargestellt, die diese Rollen schon in Wien spielten. Beide sind stimmlich und schauspielerisch top und zeigen sichtlich Spaß an ihren Rollen. Jack Favell ist der hinterhältige und schmierige Cousin von Rebecca – und einer ihrer Liebhaber. Leider gelingt es Andreas Wolfram schauspielerisch nicht ganz, diese Rolle entsprechend umzusetzen. Stimmlich zeigt Wolfram eine solide Leistung, auch wenn die Aussprache hin und wieder undeutlich ist. Das insgesamt starke Ensemble kann jedoch auf ganzer Linie überzeugen.

Beim sonst eher zurückhaltenden Schweizer Publikum sorgt “Rebecca“ jedenfalls für Begeisterung: Stehende Ovationen für Maya Hakvoort zum Schlussapplaus. Mit “Rebecca“ ist es dem Theater St. Gallen gelungen, ein unglaublich gutes Musical eindrucksvoll auf die Bühne zu bringen.

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