Angestaubt aber Sehenswert: “Phantom der Oper”, Hamburg

Angestaubt aber Sehenswert: “Phantom der Oper”, Hamburg

Mit Inszenierungen in über 27 Ländern und mehr als 130 Millionen Besuchern ist das „Phantom der Oper“ das bekannteste und erfolgreichste Musical aller Zeiten. Das Stück basiert auf dem 1911 erschienen Roman des französischen Schriftstellers Gaston Leroux (Originaltitel: Le Fantôme de l’Opéra)und wurde von Andrew Lloyd Webber (Buch), Richard Stilgoe (Buch und Liedtexte) sowie Charles Hart (Liedtexte) für die Musicalbühne adaptiert. Die Übersetzung der Liedtexte in Deutsch stammt aus der Feder von Michael Kunze.

Phantom der Oper

Am 9. Oktober 1986 fand die Erstaufführung des Musicals im Her Majesty’s Theatre in London statt. Seit Januar 1988 läuft das Stück in New York ohne Unterbrechung und ist damit das am längsten gespielte Stück am Broadway. Seine Premiere in Deutschland feierte das Musical im Juni 1990 im Theater Neue Flora in Hamburg. Nach über 12-jähriger Abstinenz ist das Musical seit Dezember 2013 erneut im gleichen Haus in Hamburg zu sehen.

Was hat man im Vorfeld nicht alles gelesen über die Reduzierung des Orchesters von 29 auf 14 Musiker. Bereits bei der Ouvertüre fällt auf, dass ein satter Klang aus dem Orchestergraben fehlt. Die Wucht, die zu Beginn des Stückes den Zuschauer mitreissen soll, ist schlicht nicht zu spüren. Das was da aus dem Orchestergraben kommt ist einfach zu schwach und zu synthetisch. Leider zeigt sich dies immer wieder während der gesamten Aufführung. Die Tonabstimmung ist ebenfalls nicht so gut gelungen. Es kommt zu oft vor, dass der Gesang der Darsteller vom Orchester überlagert wird. An Magie haben die Songs von Lloyd Webber dennoch nichts verloren, aber an Kraft und Ausdruck. Nichtsdestotrotz kann man den 14 Musikern, um den Musikalischen Leiter Klaus Wilhelm, assistieren das sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten ihr Bestes geben. Als der Kronleuchter erstrahlt und über die Köpfe der Zuschauer zur Decke hochgezogen wird hinterlässt dies ein besonderes Bild, welches aber aufgrund des fehlenden vollen Klangs der Ouvertüre an Eindrücklichkeit verliert.

Wieso muss der Darsteller der das Phantom spielt unbedingt klassisch singen? Weil das Stück „Phantom der Oper“ heisst? Sicher, es ist gewöhnungsbedürftig, dass ein Darsteller mit Pop-Rock-Stimme das Phantom spielt. Mathias Edenborn ist eine andere Art von Phantom. Gerade im zweiten Akt, berührt er durch seine starke schauspielerische Leistung. Überzeugend gibt er den gebrochenen und enttäuschten Mann, der an der unerfüllten Liebe für Christine zu Grunde geht. Artikulation und Intonation sind bei Edenborn nicht immer einwandfrei, allerdings gefällt seine Stimme über weite Strecken durchaus.

Christine Daaé wird mit tatkräftiger Unterstützung des Phantoms vom einfachen Chormädchen zum Star. Als das Phantom die Liebe von Christine als Gegenleistung verlangt, muss die junge Frau eine schwere Entscheidung treffen. Valerie Link spielt Christine nicht als naives junges Ding sondern verleiht ihr eine etwas erwachsenere Nuance, was gut zu der Rolle passt. Mit ihrem klaren klangschönen Sopran sorgt sie für den einen oder anderen Gänsehautmoment.

Nicky Wuchinger gibt den Raoul Vicomte de Chagny. Christine und Raoul kennen sich aus Kindheitstagen und schnell ist die damalige Vertrautheit nach dem Wiedersehen vorhanden. Wuchinger gefällt mit seinem Schauspiel und seinem gefühlvollen Tenor und liefert eine solide Vorstellung ab. Rachel Anne Moore gefällt als Primadonna und spielt diese herrlich überspitzt. Die Opernarien singt sie wohlklingend mit klassisch geschulter Stimme. Immer an ihrer Seite ist Ubaldo Piangi. Solide von Raymond Sepe gespielt. Für den einen oder anderen heiteren Moment im Stück sorgen die beiden Operndirektoren Monsieur André und Monsieur Firmin. Guido Gottenbos und Anton Rattinger zeigen eine gute Vorstellung und verleihen ihre Rollen den nötigen Witz und Charme.

Die Ziele, die Madame Giry verfolgt, sind nicht immer klar. Was weiss sie über das Phantom und was von ihrem Wissen gibt sie tatsächlich Preis und vor allem was will sie mit ihrem Wissen erreichen? Mona Graw liefert eine ordentliche Vorstellung ab, agiert allerdings in manchen Szenen etwas zu übertrieben. Rollendeckend mimt Theano Makariou Meg Giry, die Beste Freundin von Christine.

Ein spielfreudiges international besetztes Ensemble zeigt in Hamburg eine durchaus sehenswerte Inszenierung, auch wenn das Stück etwas angestaubt ist. Ein Griff in die Kiste der Moderne würde dem Stück durchaus gut tun und auch das eine oder andere Kostüm könnte etwas mehr heute als gestern vertragen. Nichtsdestotrotz wird die Inszenierung durch die Geschichte um das Phantom, Christine und Raoul getragen und hat etwas Geheimnisvolles. Dem Publikum hat es gefallen, es spendete bereitwilligen Applaus.

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