Animationsfilm goes Musical – Gute Unterhaltung bei Shrek

Animationsfilm goes Musical – Gute Unterhaltung bei Shrek

Man stelle sich vor Rotkäppchen, der böse Wolf, Frau Holle, Pinocchio, Max & Moritz und viele andere bekannte Märchenfiguren sind unausstehliche Freaks. Undenkbar? Doch! Denn als solche sieht sie der exzentrische Herrscher von Duloc Lord Farquaad und verbannt alle Fabelwesen in einen Sumpf. Der von Menschen gefürchtete Shrek, ein grosser und grüner Oger, lebt in diesem Sumpf – seinem Sumpf und hat so gar keine Lust auf diese lebendigen und schnatterhaften Besucher. Nur wie kann er diese wieder los werden? Shrek macht sich auf den Weg zu Lord Farquaad. Der Deal lautet: Befreit Shrek Prinzessin Fiona aus dem Turm, der von einem grossen bösen Drachen bewacht wird, und bringt sie zu Farquaad, der Fiona heiraten möchte um König zu werden, bekommt er seinen Sumpf zurück. An seine Seite gesellt sicher der ohne Punkt und Komma quasselnde Esel.

Bettina Mönch als Prinzessin Fiona
Bettina Mönch als Prinzessin Fiona

William Steig, ein Kinderbuchautor und Cartoonist, ist der Erfinder von „Shrek“. 2001 bringt DreamWorks den Animationsfilm „Shrek – ein tollkühner Held“ auf die Kinoleinwand. 2002 gewinnt der Film einen Oscar als bester animierter Spielfilm. Bereits im Jahr 2008 hob sich der Vorhang für die Musicalfassung am Broadway. 2011 folgte die Premiere am Londoner West End. Die deutschsprachige Premiere fand 2014 in Düsseldorf statt. Zurzeit tourt das Stück durch Deutschland, Österreich und die Schweiz und macht vom 19. Februar bis 01. März nun Halt im Theater 11 in Zürich.

Bestimmt wird das Bühnenbild (Sam Madwar) von einer riesigen Leinwand, auf der die einzelnen Szenen mittels Projektion dargestellt werden. Besonders gelungen ist die Sumpflandschaft, in der Shrek zu Hause ist, und die Kathedrale für die Eheschliessung von Farquaad und Fiona, inklusive Sonnenuntergang. Mit etwas mehr Liebe zum Detail hätte man bei den Bäumen arbeiten können, die je nach Handlungsort von den Seitenbühnen rein gefahren werden. Insgesamt aber gefällt das Bühnenbild für eine Tourproduktion ausserordentlich gut. Die Kostüme von Mario Reichlin gefallen auf ganzer Linie. Farbenfroh sind vor allem die Märchenfiguren, aber auch die „bösartige“ Drachendame (wird von vier Darstellern gespielt) setzt grossartige Akzente.

Die Handschrift von Andreas Gergen (Regie) zeichnet sich deutlich. Sei es die publikumsbezogende Darstellung oder aber die präzise Ausgestaltung der einzelnen Charaktere. Die Szene „Heut‘ ist der Tag“, in der die kleine Fiona, die Teenie Fiona und die Erwachsene Fiona ihr Leben nacherzählen, gelingt eindrucksvoll. Ein Highlight ist hier die rosa Socke, die Fionas strahlenden Helden darstellt, der kommt um sie aus dem Turm zu retten. Auch regionale Anpassungen werden eingebaut – so flucht Pinocchio zum Beispiel auf Schweizerdeutsch. Was Choreografin Kim Duddy auf die Bühne gezaubert hat, gefällt auf ganzer Linie. Die Tanzeinlagen sind durchdacht, mitreissend und schwungvoll. Hervorzuheben ist hier die Stepptanzeinlage der Ratten, mit passenden Kostümen, zur Melodie des Rattenfängers.

Andreas Lichtenberger als Shrek und Andreas Wolfram als Esel
Andreas Lichtenberger als Shrek und Andreas Wolfram als Esel

Die Band, rund um die Musikalische Leitung von Heribert Feckler, bringt die abwechslungsreichen Melodien von Jeanine Tesori schwungvoll zu Gehör. Übersetzungen aus dem Englischen ins Deutsche ist immer eine knifflige Angelegenheit. Heiko Wohlgemuth und Kevin Schroeder ist es gelungen, den Wortwitz der Songtexte und Dialoge grösstenteils zu erhalten, da verzeiht man auch eins zwei unglückliche Ausrutscher.

Mit Andreas Lichtenberger als Shrek ist dem Castingteam ein Volltreffer gelungen. Als muffelmotziger aber irgendwie doch auch liebenswerter Oger, zeigt er eine überzeugende Leistung. Als bestimmende, manchmal etwas zickige Prinzessin Fiona begeistert Bettina Mönch mit ihrer wohlklingenden Stimme und punktet ihrem komödiantischen Talent. Einen überaus liebenswerten und nervtöteten Esel gibt Andreas Wolfram, der im Zusammenspiel mit Mönch und Lichtenberger gefällt. In der DreamWorks Verfilmung ist der Esel noch um einiges nerviger als hier gesehen. Schön wäre es gewesen, wenn dies noch etwas mehr in der Darstellung des Charakters eingeflossen wäre.

Der exzentrische Lord Farquaad wird von Paul Kribbe gespielt. Die körperlich anspruchsvolle Rolle, Kribbe bewegt sich das ganze Stück auf Knien, füllt er mit der nötigen Arroganz des Charakters aus und macht auch gesanglich eine gute Figur. In Erinnerung bleibt hier die rasante Einlage von „Hier in Duloc“. Stephan Luethy hat in seiner Darstellung als Pinocchio, immerhin Rädelsführer der Märchenfiguren, noch Luft nach oben und bleibt etwas zu blass.

Das gesamte Ensemble agiert ob als Märchenfiguren, als Einwohner oder Wachen von Duloc schwungvoll und harmonisch auf der Bühne. Im Gesamteindruck kann man „Shrek“ assistieren, dass das Stück pure Unterhaltung mit vielen lustigen Momenten und ein paar Anspielungen auf bekannte Musicals, Filme oder Melodien bietet. Langeweile? Klare Fehlanzeige, denn diese gibt es nicht! Das Publikum in Zürich quittierte dies mit minutenlangem Applaus, strahlende Kinderaugen inklusive.

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