Humorvoll „Mein Name ist Eugen“ in Zürich

Humorvoll „Mein Name ist Eugen“ in Zürich

Eugen und seine Freude; Foto: Christian Knecht

Die „Schweizerische Lehrerzeitung“ warnte nach der Erscheinung des Buches „Mein Name ist Eugen“ im Jahr 1955 vor einem verderblichen Einfluss auf die Jugend. Der Autor des Buches Klaus Schädelin baute zahlreiche Erinnerungen an seine Jugend, die er in der Innenstadt von Bern erlebte, in sein Buch ein. Im Jahr 2004 wurde das Buch unter der Regie von Michael Steiner verfilmt und zählt zu den erfolgreichsten Schweizer Filmen. Die Musicalfassung ist bis
19. Juni 2016 in der Zürcher Maag-Event Hall zu sehen.

Der 13-Jährige Eugen berichtet von seinem schweren Schicksal, dass die Erwachsenen ihn einfach nicht verstehen wollen. Zusammen mit seinen Kollegen Wrigley, Eduard und Bäschteli hecken die vier Buben Streiche, teils mit fatalen Folgen, aus und sind dabei der festen Überzeugung, dass es sich um eine Verkettung unglücklicher Ereignisse handelt. So entwenden sie das Sonntagskleid von Tante Melanie, füllen ein altes Boot im Dachboden mit Wasser und wundern sich über den entstandenen Wasserschaden im Haus oder treiben im historischen Museum mit einer Ritterrüstung ihr Unwesen. Als es den Eltern der Vier zu bunt wird und sie in ein Internat kommen sollen, schwören sie für immer Lausbuben zu bleiben, ganz wie ihr grosses Vorbild Fritzli Bühler, der König der Lausbuben. Im Pfadilager jenseits des Gotthard-Passes wird ihr Bild der Erwachsenen abermals bestätigt und so beschliessen sie Fritzli Bühler in Zürich zu suchen, um sich von ihm zeigen zu lassen, wie man niemals erwachsen wird. Die Geschichte wird als Aufsatz, in der Ich-Form, aus Sicht von Eugen Pfister erzählt. Mit den Worten „Und das kam so…“ taucht man immer wieder in die neuen Streiche ein.

Ensemble; Foto: Christian Knecht
Ensemble; Foto: Christian Knecht

Das Buch und die Musik zur Bühnenversion stammen von Roman Ricklin, Regie führte Dominik Flaschka. Das Erfolgsduo schuf unter anderem das Schweizer Mundart Erfolgs-Musical „Ewigi Liebi“. Die Buben und das Ensemble sprechen mit Berndeutsch einen Schweizer Mundart-Dialekt. Das Musical profitiert von der Erzählweise des Buches und diese hält die Geschichte als Ganzes zusammen. Bandleaderin Simone Baumann und ihre Band spielen sich mit Drive durch Ricklins stimmige Partitur, die das Stück optimal voranbringt, aber ohne Ohrwurm ist. Die Inszenierung von Dominik Flaschka ist temporeich und begeistert vor allem im ersten Akt durch Witz mit allerlei Anspielungen auf unterschiedliche Musicals. Im zweiten Teil wirken die Abendteuer der Buben, auf ihrem Weg nach Zürich, teilweise eingeschoben und auch die ersehnte Begegnung mit ihrem Vorbild Fritzli Bühler ist eher enttäuschend und ohne wirklichen Pfiff. Die Choreografie von Jonathan Huor hat besonders in den Ensembleszenen ihre stärksten Momente.

Ensemble; Foto: Christian Knecht
Ensemble; Foto: Christian Knecht

Das geschmackvolle Bühnenbild (Simon Schmidmeister) beschränkt sich aufs Wesentliche, spiegelt allerdings, wie auch die Kostüme (Kathrin Baumberger), die Zeit der Handlung gelungen wieder. Eine hervorragende Idee ist die Darstellung der Erwachsenen, welche als Handpuppen à la „Avenue Q“ daherkommen. Einzig Fritzli Bühler (Eric Hättenschwiler) ist der einzige richtige Erwachsene im Stück.
Simon Messerli (Eugen), Delio Malär (Wrigley), Sebastian Muri (Eduard) und Yves Ulrich (Bäschteli) zeigen auf erfrischende Art Lausbuben, denen man eigentlich gar nicht böse sein kann. Die Mischung aus Unbekümmertheit und Herzlichkeit gelingt den Vieren grandios. Peter Zgraggen, Roman Pfister, Cécile Gschwind, Angela Hunkeler und Adriano Piccione liefern mit ihren Handpuppen als Lehrer, Eltern, Tante und Pfadileiter eine ebenso gelungene Leistung ab. Das Ensemble spielt sich mit Spielfreude durch den Abend. Das Publikum fühlte sich in der besuchten Vorstellung bestens unterhalten und der eine oder andere Erwachsene wurde sicher an seine Jugendzeit erinnert.

Songbeispiel: „Es ganzes Läbe lang

 

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