Einfühlsam – Jesus Christ als Superstar im Theater Basel

Einfühlsam – Jesus Christ als Superstar im Theater Basel

Ensemble, Chor Teater Basel, Chor Münster Foto: Sandra Then

Am 12. Oktober 1971 feierte die Rockoper „Jesus Christ Superstar“ im Mark Hellinger Theater in New York City seine Uraufführung. Die Musik stammt aus der Feder des damals noch unbekannten Komponisten Andrew Lloyd Webber und die Gesangstexte von Tim Rice. Das Stück handelt von den letzten Tagen Jesus und trotz des Widerstands christlicher Gruppen wurde „Jesus Christ Superstar“ ein kommerzieller Erfolg. Am 30. März 1972 wurde in Berlin Premiere gefeiert. Der Song „Gethsemane (I Only Want To Say)“ ist einer der bekanntesten des Musicals. Seit dem 23. Januar 2016 ist das Stück in der aktuellen Spielzeit am Theater Basel in englischer Sprache mit deutschem Untertitel zu sehen.

Die Menschen sind der Überzeugung, dass Jesus Gottes Sohn ist, doch ausgerechnet einer seiner Jünger zweifelt an Jesus. Judas befürchtet, dass Jesus die Situation nicht mehr unter Kontrolle hat und ihm missfallen die zaghaften Gefühle zwischen der Prostituierten Maria Magdalena und Jesus. In seiner Not und im Glauben das Richtige zu tun, wendet sich Judas an die Hohepriester und verrät Jesus mit einem Bruderkuss im Garten Getsemani. Gegenüber Pontius Pilatus schweigt Jesus beim Verhör. König Herodes hat nur Hohn und Spott für ihn übrig und will von ihm Beweise, dass er Gottes Sohn ist. Wütend und voller Zorn schick Herodes Jesus zurück zu Pontius Pilatus. Dieser lässt ihn, um das Volk zu beruhigen auspeitschen. Das Volk jedoch fordert die Kreuzigung Jesu und Pontius Pilatus gibt dem Druck nach.

Alexander Klaws (Jesus), Patrick Stanke (Judas) Foto: Sandra Then

„Jesus Christ Superstar“ präsentiert sich als durchkomponiertes Stück, welches ohne gesprochene Texte auskommt. Die Musikalische Leiterin Ansi Verwey dirigiert die Band „Jesus All Stars“ souverän und dynamisch durch Webbers Melodien aus Rock, Pop, Soul mit klassischen Elementen. Tom Rysers Regie ist keine pompöse Inszenierung, sondern legt auf nuancierte Feinheiten mit grosser Wirkung wert. So ist die Kreuzigungsszene sehr berührend, weil auf grosse ausladende Gesten und Elemente verzichtet wird. Dazu trägt sicher auch das einfache Bühnenbild von Stefan Rieckhoff bei. Eine grosse Treppe, umrahmt von fünf grossen Elementen im Hintergrund, führt in der Mitte der Bühne ins nichts, ist aber zeitgleich Symbol für Aufstieg und Fall eines Superstars. Ebenso ist der vergitterte Steg ein Bühnenelement, dass Jesus am Ende von dem Volk trennt, dass ihm einst ohne wenn und aber gefolgt ist und am Ende dessen Kreuzigung fordert. Ausdrucksstark sind die Choreografien von Lillian Stillwell, vor allem wenn das gesamte Ensemble inklusive Chor auf der Bühne steht.

Andrea Sanchez Del Solar (Maria Magdalena), Alexander Klaws (Jesus) Fotos: Sandra Then

Alexander Klaws gibt einen Jesus, der zurückhaltend und dem ganzen Rummel um seine Person nicht gewachsen ist, sich aber diesem auch nicht entziehen kann. Statt mit Ausstrahlung und voller Überzeugung überbringt er seinem Volk die Botschaften zweifelnd und leise. Die hohen Töne sitzen sicher, mit kraftvoller Stimme unterstreicht er den Song „Gethsemane (I Only Want To Say)“. Patrick Stanke ist als Judas ein Freund und Vertrauter Jesus, der diesem immer wieder anhält den richtigen Weg zu gehen. Er ist aber auch das Gewissen, das Jesus ermahnt nicht vom Weg abzukommen und auch den Umgang mit der Prostituierten Maria Magdalena nicht gut heisst. Stanke steht Klaws stimmlich in nichts nach und liefert mit „Damned for All Time“ eine ausdrucksstarke Interpretation des Songs. Eigentlich ist sie die starke Frau an Jesus Seite. Aus anfänglicher Begeisterung entwickeln sich zarte Gefühle und am Ende ist sie es, die nach Jesus Kreuzigung wahrhaftig trauert. Als Maria Magdalena punktet Andrea Sánchez del Solar mit gefühlvoller Darstellung und verleiht dem Song „I Don’t Know How to Love Him“ einen eigenen Charakter.

Die Hohepriester sind wenig angsteinflössend und agieren eher zurückhaltend während Pontius Pilatus (hervorragend: Andrea Matthias Pagani), aus Angst sein Stadthalterposten zu verlieren sich zu schnell dem Willen des Volkes beugt und Jesus kreuzigen lässt. Wie ein Tiger in seinem Käfig, marschiert Pontius Pilate hin und her und steigert sich in die Rolle des gnadenlosen Vollstreckers regelrecht hinein. Im weissen Smoking und mit Showeinlage hat König Herodes den unterhaltsamen Part ergattert. Mit Nichten nur eine harmlose Steppnummer, gibt dieser einen teuflischen Herrscher, der zu grausamen Mitteln greift, um seinen Willen zu bekommen. Karl-Heinz Brandt wird dieser Rolle mehr als Gerecht.

„Jesus Christ Superstar“ ist ein Stück, dass zum Nachdenken anregt und dieses auch tut. Begeisterter Applaus des Publikums im Theater Basel war der Lohn für eine gelungene Inszenierung und die hervorragende Leistung des Ensembles.

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