Unterhaltsam & Kurzweilig: „Io Senza Te“ – Das Musical

Unterhaltsam & Kurzweilig: „Io Senza Te“ – Das Musical

Jean-Rémy und Lilly sind nach 20 Ehejahren auf dem besten Weg sich im Alltag zu verlieren. Vor allem Lilly hadert damit dem Traum vom Auswandern auf die Bahamas und ist sich nicht mehr sicher, ob ihr Traum sich jemals verwirklichen lässt. Ky lebt mit ihrem Vater Paul auf den Bahamas. Beim morgendlichen Fischen eröffnet sie ihrem Dad, dass sie einen Job in der Schweiz gefunden hat und am Abend bereits abreist. Der Barkeeper Gio und Komponist Dieter, der davon träumt mit Musik den Durchbruch zu schaffen, wohnen zusammen in einer WG in Zürich. Das Schicksal führt die Protagonisten in der Bahamas-Bar im Niederdörfli zusammen. An der Feier zum 20igsten Hochzeitstag von Jean-Rémy und Lilly gelingt Gio, Ky und Dieter ein unerwarteter Erfolg mit dem Revival des Songs „Io Senza Te“. Plötzlich stehen sie als Trio vor einer gemeinsamen musikalischen Zukunft. Aber wollen sie das überhaupt? Nach einer aufregenden Zeit, kristallisiert sich für alle der richtige Weg heraus und sie erkennen wir ohne wen oder was nicht sein kann.

© GOOD NEWS PRODUCTIONS AG
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Wer hätte gedacht, dass Peter, Sue & Marc nach ihrem ersten Auftritt im Jahre 1968 im Theater National in Bern am Zibelemärte zu einer der erfolgreichsten Bands der Schweiz avancieren. Den grossen Durchbruch schaffte das Trio durch den vierten Platz beim Grand Prix Eurovision 1976 in Den Haag mit dem Song „Djambo Djambo“. Es folgten zahlreiche Auftritte in TV-Shows, über eintausend Konzerte und über eine Million verkaufte Tonträger. Im Jahr 1981 geht bei der Silvester-Sendung des Schweizer Fernsehen „Teleboy“ die 13-jährige Karriere des Trios zu Ende. Zu den erfolgreichsten Hits gehören „Cindy“, „Birds of Paradise“ und nicht zuletzt „Io Senza Te“.

Das Musical mit den Songs von Peter, Sue & Marc feierte am 10. September 2015 seine Uraufführung im Theater 11 in Zürich und ist dort bis zum 01. November 2015 zu sehen.

Domenico Blass (Buch) und Stefan Huber (Buch und Regie) haben eine berührende, kurzweilige und unterhaltsame Geschichte, gespickt mit zahlreichen witzigen Momenten, um die Songs von Peter, Sue & Marc gestrickt. Im ersten Akt vergeht die Zeit wie im Flug. Etwas ins Stocken gerät das Ganze im zweiten Teil und wirkt, trotz zahlreicher gelungener Momente, etwas holprig mit einem recht rasanten Ende. Nichtsdestotrotz bleibt es insgesamt betrachtet eine kurzweilige Angelegenheit. Stefan Huber zeigt bei der Regie viel Feingefühl und zeichnet die charakterlichen Eigenschaften der Protagonisten deutlich. Szenenübergänge zwischen Zürich und den Bahamas gelingen spielerisch. Die mitreissende und energiegeladene Choreografie von Simon Eichenberger faszinieren. Stark wie er das Ensemble beim Tanzen agieren lässt – eindrucksvoll in Erinnerung bleibt hier „Charly Chaplin“. Das 13-köpfige Orchester ist im hinteren Teil der Bühne und beim TV-Auftritt mit in die Szene integriert. Kai Tietje (Musikalischer Leiter und Arrangement) und seine Musiker bringen die Songs des Stücks schwungvoll und schmissig zu Gehör. Das Tondesign von Thomas Strebel gefällt. Orchester und Darsteller sind wunderbar aufeinander abgestimmt. 

Die Bahamas und Zürich sind die Schauplätze der Geschichte. Im Mittelpunkt steht die Bahamas-Bar von Jean-Rémy. Das Bühnenbild von Karel Spanhak ist einfach, besticht aber durch seine Liebe zum Detail. Schattenhafte Palmen und die teilweise beleuchtete Silhouette von Zürich im Hintergrund, ermöglichen schnelle Szenenwechsel. Die Bahamas-Bar in Pink gehalten sowie weiter Handlungsorte wie zum Beispiel das Piratenschiff beim TV-Auftritt runden das gelungene Bühnenbild ab. Das Lichtdesign von Pia Virolainen unterstreicht einzelne Szenen wirkungsvoll und setzt diese ins richtige Licht. Heike Seidler deckt mit ihren Kostümen (Maske: Ronald Fahm) ein breites Spektrum ab. Von der Alltags- und Businesskleidung bis hin zu glamourösen Kostümen für die TV-Auftritte von Gio, Ky und Dieter. Hervorzuheben sind die funkelten Kostüme inklusive passender Melone, Schnauz und Stock bei „Charlie Chaplin“.

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Der Abschied von den Bahamas und ihrem Vater Paul (Stark: Christoph Wettstein) sowie die Ankunft in Zürich ist für Ky im ersten Moment ein kleiner Kulturschock. Schnell findet sie sich im Grossstadt-Dschungel zurecht. Anja Haeseli begeistert als Ky durch ihre natürliche Spielfreude und ihre klangschöne Stimme. Gio, ein ewiger Student, arbeitet als Barkeeper in der Bahamas-Bar. Vom ersten Moment an ist er von Ky fasziniert. Als diese den Song „Mama Made The Music“ aus der Jukebox mitsingt, ist es um ihn geschehen. In der besuchten Vorstellung gab Lukas Hobi den Gio. Hobi liefert eine überzeugende Interpretation ab und punktet mit seiner sicher geführten Tenorstimme. Mit der nötigen Ernsthaftigkeit und trockenem Humor spielt Jörg Neubauer den Möchtegern Musikkomponisten Dieter, der eigentlich zum studieren von seinen Eltern nach Zürich geschickt wurde. Bisher blieb der grosse Erfolg aus, aber wer weiss was die Zukunft bringt, denn Talent hat Dieter allemal.

Als Jean-Rémy und Lilly vor 20 Jahren auf den Bahamas geheiratet haben, waren beide voller Träume und wollte eines Tages auf die Insel zurückkehren. Durch verschiedene Lebenseinstellungen und die unterschiedlichen Arbeitszeiten leben die beiden seit einiger Zeit aneinander vorbei. Romeo Meyer gibt den Jean-Rémy ausdrucksstark und lässt keinen Zweifel daran für seine grosse Liebe zu kämpfen. Durch ihr nuanciertes Schauspiel und ihre charaktervollen Stimme zeigt Sylvia Heckendorn eine eindrückliche Lilly, die ihren Mann im Moment nicht mehr versteht. Nie den Glauben an die beiden verliert Sonja, Trauzeugin und beste Freundin von Lilly. Mit dunkel legierter Stimmfarbe und einfühlsamer Darstellung begeistert Cécile Gschwind. Ein berührender Moment ist das Duett „Jeremy“ von Heckendorn und Gschwind.

Claudia wohnt zusammen mit Gio und Dieter in der WG und ist fest davon überzeugt eine gute Sängern zu sein. Für die Überraschung zum Hochzeitstag von Jean-Rémy & Lilly, suchen Gio und Dieter in ihrer WG nach einer Sängerin. Claudia ist nur schwer vom Gegenteil zu überzeugen, dass sie nicht wirklich singen kann. Angela Hunkeler beweist komödiantisches Talent und punktet als Nervensäge Claudia auf voller Linie. Die Casting-Szene ist ohnehin ein Highlight des Stückes, vor allem durch die Art und Weise der Darbietung der Songs „Mountain Man“, „Trödler & Co“ und „Cindy“.

 Ursula und Bettina sind die Arbeitskolleginnen von Ky. Bettina (Gabriela Ryffel) ist süchtig nach ihrem Smartphone und reagiert auf gesagtes immer zu spät, was Ursula (Annie-May Mettraux) mächtig nervt. Ryffel hat durch ihre komödiantische Darstellung die Lacher immer wieder auf ihrer Seite. Zu keiner Zeit wirkt dies jedoch aufgesetzt oder unnatürlich. Beide bieten Unterhaltung pur und ergänzen sich in ihrer Rollenauslegung hervorragend. Jürgs liebster Aufenthaltsort ist die Bahamas-Bar, am besten immer mit einem Bier. Plötzlich sieht er die Chance alias Dr. Rock dem Trio Gio, Ky und Dieter als Manager auf die Sprünge zu helfen. Rolf Sommer als Jürg steht den beiden Damen in nichts nach. 

Das gesamte Ensemble agiert mit ausgesprochener Spielfreude und trägt massgeblich zu dem unterhaltsamen und kurzweiligen Abend bei. Das Publikum würdigt dies mit minutenlangen Applaus und bei der Dance-Version von „Io Senza Te“ hält es das Zürcher Publikum nicht mehr auf den Sitzen.

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