Gute Laune garantiert: „Ich war noch niemals in New York“ in Zürich

Gute Laune garantiert: „Ich war noch niemals in New York“ in Zürich

Das Musical „Ich war noch niemals in New York“ mit den Songs vor Udo Jürgens feierte im Dezember 2007 in Hamburg Uraufführung. Danach war es in Stuttgart, Wien und sogar in Japan zu sehen. Seit dem 1. November 2012 heißt es nun auch im Theater 11 in Zürich: Willkommen an Bord.

Die erfolgreiche Fernsehmoderatorin Lisa Wartberg liefert ihre Mutter Maria nach einer Bypass-Operation in einem Altersheim ab. Dort lernt diese ihre große Liebe Otto Staudach kennen. Beide beschließen, der Tristesse zu entfliehen und unter der Freiheitsstatue in New York zu heiraten. Heimlich buchen sie eine Schiffsreise. Lisa Wartberg versucht, ihre Mutter aufzuhalten und trifft dabei auf Axel Staudach und seinen Sohn Florian, die ebenfalls versuchen, den Senior zurückzuholen.

Sabine Hettlich (Lisa Wartberg) und Mathias Edenborn (Axel Staudach), © Willy Kracher

Gabriel Barylli (Buch) und Christian Struppeck (Co-Autor) haben eine Geschichte geschrieben, die mitten aus dem Leben stammt und alle Elemente für eine gute Unterhaltung enthält – trotz der teilweisen platten Dialoge wie „Ist das Ihr Ernst?“ – „Nein, das ist mein Florian“ oder „Na dann ist es wohl soweit“ – „Ja, soweit ist es wohl“. Die Arrangements von Michael Reed sind hervorragend – zum einen bleibt der Originalcharakter der Songs erhalten, zum anderen ist es gelungen, die Hits von Udo Jürgens musicaltauglich zu machen. Der Musikalische Leiter Adrian Werum lässt mit seinem Orchester die Musik wohlklingend und temporeich aus dem Orchestergraben ertönen.

Regisseurin Carline Brouwer, die bereits bei der Uraufführung als Associated Director tätig war, bringt eine stimmige und unterhaltsame Inszenierung auf die Bühne. Unterstützt durch eine schmissige und temporeiche Choreografie von Kim Duddy, wo besonders die Szene „Schöne Grüße aus der Hölle“ zu einem Höhepunkt des Abends gehört, was auch an den wunderschönen Kostümen von Yan Tax liegt. Das Bühnenbild von David Gallo ist opulent, besonders der imposante Luxusdampfer inklusive einer kitschigen rosafarbenen Hochzeitssuite ist beeindruckend.

Heute_beginnt_der_Rest_deines_Lebens, copyright Willy Kracher
Sabine Hettlich (Lisa Wartberg), Mathias Edenborn (Axel Staudach) und Ensemble, © Willy Kracher

Schön ist, dass die Inszenierung nicht nur temporeiche Elemente enthält, sondern durchaus auch berührende Momente. Einen großen Anteil daran haben Rosemarie Wohlbauer als Maria Wartberg und Gunter Sonneson als Otto Staudach. Das von Wohlbauer intonierte „In meinem Herzen flattert leise ein kleiner bunter Schmetterling“ geht direkt ins Herz. Sonneson, der als Otto zunächst zurückhaltend ist, taut immer mehr auf im Umgang mit Maria. Eine perfekte Besetzung für die beiden Senioren.

Sabine Hettlich als Lisa Wartberg gibt durchaus die karrierebewusste Fernsehtussi, zeigt aber auch, dass in Lisa eine ängstliche und gefühlvolle Person steckt – harte Schale, weicher Kern. Mathias Edenborn ist als Axel Staudach weniger der Machotyp, sondern gibt einen sympathischen Frauenhelden ab, der um das Wohl seines Sohnes und seines Vaters besorgt ist. Beide agieren überzeugend, weil sie ihren Rollen die nötige Kontur verleihen, zeigen sich in den Tanzszenen leichtfüßig und singen tadellos.

Als schwules Liebenspaar haben Sven Olaf Denkinger (Fred) und Philipp Hägeli (Costa) durch viele Klischees die Lacher auf ihrer Seite. Die beiden Gassenhauer „Ein ehrenwertes Haus“ und „Griechischer Wein“ singen sie auf hohem Niveau. In den kleineren Rollen wissen Rahel Fischer (Altenheim-Leiterin Frau Dünnbügel), Leila Vallio (Reisebüromitarbeiterin Frau Menzel), Mario Saccoccio (Steward) und Christoph Wettstein (Kapitän/Minister) zu gefallen. Insgesamt agiert ein homogenes und stark aufspielendes Ensemble auf der Bühne. Ein begeistertes Publikum erlebt auf dem Luxusdampfer Richtung New York einen unterhaltsamen Theaterabend und spendet bei der Premiere minutenlang stehende Ovationen.

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