Unterhaltsamer Abend: „Hello Dolly“ im Theater St. Gallen

Unterhaltsamer Abend: „Hello Dolly“ im Theater St. Gallen

Die ersten Lacher in St. Gallen erfolgten gleich zu Beginn. Die Ansage mit der Bitte die Handys auszuschalten erfolgte zuerst in Hochdeutsch und dann nochmal für alle, die dies nicht verstanden hätten, wurde der Hinweis nochmal auf Schweizerdeutsch angesagt. Eine wunderbare Einstimmung auf einen unterhaltsamen Musicalabend. «Hello Dolly» ist Broadway-Klassiker, der den Menschen in Amerika während politisch unruhigen Zeiten in den 60er Jahren einen unbeschwerten Abend bescheren sollte und feierte 1964 seine Uraufführung im St. James Theatre in New York. Die musikalische Komödie stammt aus der Feder von Michael Stewart, Deutsch von Robert Gilbert. Basierend auf dem Werk «The Matchmaker» von Thornton Wilder. Wilder bediente sich dabei aus diversen literarischen Vorlagen wie «A Day Well Spent» und fügte Dolly Levi als Figur hinzu. Inspiriert wurde er von der Heiratsvermittlerin Frosine aus Molières «Der Geizige». Die Musik und Gesangstexte stammen von Jerry Herman. Er schuf eine bunte Mischung aus Jazz, Walzer, und Swing mit unterhaltsamen Songtexten.

Solisten, Ensemble, Tanzkompanie / Bild: Andreas J. Etter

Angesiedelte ist die Geschichte im ländlichen Yonkers. Horace Vandergelder beschliesst zu heiraten und nimmt dafür die Hilfe der verwitweten Heiratsvermittlerin Dolly Levi in Anspruch. Diese vermittelt ihm eine Verabredung in New York und so macht dieser sich auf den Weg. Dem Regiment ihres strengen Chefs entkommen, beschliessen die beiden angestellten Barnaby und Cornelius sich einen freien Tag in New York zu gönnen.

Die beiden jungen Männer landen im Hutgeschäft von Irene Molloy, die ausgerechnet die Verabredung von Vandergelder ist. Aufgrund seiner schroffen Art ist Vandergelders und Molloys Verabredung relativ schnell zu Ende. Allerdings finden die beiden jungen Männer gefallen an Irene Molloy und dem Ladenmädchen Minnie Fay. Dolly Levi nimmt Cornelius und Barnaby unter ihre Fittiche, ohne zu ahnen, dass sie die Angestellten von Vandergelder sind. Eine zweite Verabredung von Vandergelder mit Ernestine Money bei einer Parade kommt nicht zustande, da diese nicht auftaucht. Cornelius und Barbaby laden Irene und Minnie ins Harmonia Garden ein, müssen jedoch bald feststellen, dass sie die gehobenen Preise nicht zahlen können.

Maze, Hellberg, Ensemble, Tanzkompanie / Bild: Andreas J. Etter

Die Angestellten des Restaurants begrüssen Dolly überschwänglich, da sie dort einst als Stammgast verkehrte. Ernestinas Art verleitet Vandergelder zu einem erfolglosen Fluchtversuch aus dem Harmonia Garden. Um Horace aus der misslichen Lage zu befreien, setzt sich zu ihm an den Tisch. Als Vandergelder das Essen bezahlen will, stellt er fest, dass er sein Portmanie verloren hat. Bei der Suche entdeckt er seine Nichte Ermengarde mit Begleitung und seine beiden Angestellten. Er steigert er sich in einen Tobsuchtsanfall und wird daraufhin verhaftet und muss ins Gefängnis. Dolly verabschiedet sich von ihm, hat allerdings in der Zwischenzeit bemerkt, dass sie Vandergelder, trotz seiner schroffen und launischen Art liebt. Sie sucht ihn in Yonkers auf und bringt ihn dazu seiner Nicht und seinen Angestellten zu verzeihen und gesteht Horace ihre Liebe. Dieser ist durchaus überrascht, aber nicht abgeneigt und willigt einer Verbindung mit Dolly ein.

Hellberg, Müller, Ensemble, Tanzkompanie, Chor / Bild: Andreas J. Etter

Regisseur Josef E. Köpplinger siedelt das Stück in der ursprünglichen Zeit um 1890 an. Er schafft eine lebhafte Inszenierung, welche durchweg unterhaltend ist. Unterstützt wird dies durch die ausdrucksstarke und energiegeladene Choreografie von Ricarda Regina Ludigkeit. Die eleganten Kostüme von Rainer Sinell fügen sich nahtlos und zeitlich passend in die Inszenierung ein und verleihen dieser zusätzlich einen vornehmen Touch. Die Drehbühne von Sam Madwar ist vielseitig einsetzbar und besticht einerseits durch die durchdachte Nutzung und anderseits durch liebevoll gestaltete Details. Ein Ohrenschmaus wie der Musikalische Leiter Koen Schoots das Orchester schwungvoll und mit Drive durch die mitreissende Musik von Jerry Hermann dirigiert. Der musikalische Aufhänger und Ohrwurm des Stücks ist ganz klar der Titelsong des Musicals «Hello Dolly».

Walter Andreas Müller, Dagmar Hellberg / Bild: Andreas J. Etter

Im Mittelpunkt der St. Galler Inszenierung stehen Dagmar Hellberg als lebensfrohe und gewitzte Dolly Levi, die mit angenehmer Gesangsstimme und ihrem komödiantischen Schauspiel punktet sowie Walter Andreas Müller der den kauzigen, schroffen und geizigen Horace Vandergelder vorzüglich und unterhaltsam gibt. Ihnen gegenüber stehen die Protagonisten Jörn-Felix Alt als Cornelius Hackl und Hermann Bedke als Barnaby Tucker, die den Launen ihres unnachgiebigen Vorgesetzen ausgesetzt sind. Beide wünschen sich nur einen freien Tag. Als sich ihnen die Chance bietet, nehmen sie diese wahr. Jörn-Felix Alt und Hermann Bedke begeistern durch ihr unterhaltsames Schauspiel und zeigen eine durchweg gelungene und stimmlich starke Darbietung.

Als die beiden jungen Männer plötzlich im Hutladen von Irene Molly auftauchen, bringen sie das Leben der Inhaberin und ihres Ladenmädchens ganz schön durcheinander. Einerseits zuerst aufgrund des Versteckspiels vor Vandergelder und später auch auf der Gefühlseite. Als Irene Molly zeigt Julia Klotz mit Witz und Gefühl eine überzeugende Leistung. Das Ladenmädchen Minnie Fay, die das Herz von Barnaby Tucker stiehlt, wird von Joana Henrique gespielt. Herrlich wie sie die naive und durchweg schüchterne Minnie gibt. Vandergelds nah am Wasser gebaute Nichte Ermengarde gibt Stéphanie Signer und als ihren Verehrer Ambrose Kemper ist Peter Neustifter zu sehen. Die nervige und kunterbunte Ernestina Money wird von Katharina Lochmann gespielt.

Ein hervorragend besetztes und stimmlich starkes Ensemble bringt, zusammen mit dem Chor und der Tanzkompanie des Theaters St. Gallen, ein Stück auf die Bühne, welches durch Witz und Charme durchweg unterhaltsam ist. Ein wahrlich unbeschwerter Abend. Das Publikum würdigte die gelungene Inszenierung mit langanhaltendem Applaus und Bravo-Rufen.

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