Unterhaltsame Inszenierung – „Hairspray“ – Freilichtbühne Tecklenburg

Unterhaltsame Inszenierung – „Hairspray“ – Freilichtbühne Tecklenburg

Baltimore Anfang der 60er Jahre – Tracy Turnblad ist eine junges Mädchen das unbedingt in der „Corny-Collins Show“ tanzen will. Eigentlich durchaus im Bereich des Möglichen, wäre da nicht die Produzentin Velma von Tussle, die ihre Tochter Amber zum Star der Show machen will, und die Tatsache, dass Tracy übergewichtig ist.
Als Tracy, Penny und ihre farbigen Freunde bei einer Party im Plattenladen von Seaweed’s Mutter Motormouth Maybelle verhaftet werden, scheint der Wahl von Amber zur Miss Teenage Hairspray nichts mehr im Weg zu stehen.
Doch Tracy lässt sich auch davon nicht unterkriegen. Unterstützt wird sie dabei von ihren Eltern Edna und Wilbur sowie ihrer besten Freundin Penny. Zudem ist da auch noch Link Larkin, der Mädchenschwarm schlechthin.

Andreas Gergen gelingt dank der klaren Rollenführung der Charaktere eine unterhaltsame und witzige Inszenierung von „Hairspray“ in Tecklenburg. Zu keiner Zeit hat man als Zuschauer das Gefühl sich in der Handlung zu verlieren und kann der Geschichte ohne Probleme folgen. Unterstützt wird dies durch die fetzige Choreographie von Danny Costello und den zu den 60er Jahren passenden Kostümen von Karin Alberti. Die Bauchmuskulatur wird vom Lachen doch sehr strapaziert – genauso muss es in „Hairspray“ sein.

Ilse La Monaca zeigt als Tracy Turnblad nicht von Anfang an, was in ihr steckt. Allerdings macht sie diesen ersten Eindruck im Laufe der Show locker wett und glänzt mit toller Stimme und gutem Schauspiel. Andreas Lichtenberger als Edna (die Rolle wird in „Hairspray“ immer von einem Mann gespielt) und Mathias Schlung als Wilbur Turnblad, die ihre Tochter auf ganzer Linie unterstützen, bilden eine gelungene Kombination voller Witz und Esprit. Der Song „Du bist zeitlos für mich“ ist einer von vielen Höhepunkten des Abends. Ein weiterer Grund weshalb die Lachmuskeln so strapaziert werden ist die witzige Mimik und das überragende Schauspiel von Jana Stelley, die die leicht schusslige und dümmliche beste Freundin von Tracy, Penny Pingelton, spielt.

Kerstin Marie Mäkelburg zeigt als hinterhältige Velma von Tussle, die ihre Tochter zu dem Star machen will, der sie nie war, eine starke stimmliche und schauspielerische Leistung. Auch Maja Sikora als Amber kann mit einer gelungene Darstellung punkten. Amanda Whitford als Motormouth Maybelle versteht es genauso wie Michael Ernst als Corny Collins, dank der starken Bühnenpräsenz, die Zuschauer in den Bann zu ziehen. Stimmlich gut, allerdings im Schauspiel etwas blass bleibt Nicky Wuchinger als Link Larkin, dem man den Mädchenschwarm nicht so ganz abnimmt.

Das Bühnenbild von Susanna Buller ist knallbunt gestaltet und praktisch. So ist die Drehbühne am linken Bühnenrand mal Schulzimmer, mal Plattenladen oder auch Gefängnis. Ebenso flexibel einsetzbar ist das zentrale zweistöckige Bühnenelement, dass mal Turnblads Wohnung im ersten Stock oder „Corny-Collins-Show“ im unteren Stock ist. Dadurch lassen sich die Übergänge der einzelnen Szenen flüssig gestalten.

Trotz der sehr unterhaltsamen Story weisst das Buch von Mark O’Donnell und Thomas Meehan an einigen Stellen Längen auf – so zum Beispiel das Völkerballspiel im Sportunterricht. Die Musik von Marc Shaiman gefällt und hat mit Songs wie „Good Morning Baltimore“, „Willkommen in den Sixties“ oder „Niemand stoppt den Beat“ einige Ohrwürmer zu bieten. Der Musikalische Leiter Klaus Hillebrecht führt das Orchester sicher und sauber durch die Vorstellung.

Ein insgesamt klasse agierendes Ensemble, eine hervorragende Stimmung im Publikum und das familiäre Ambiente der Freilichtspiele Tecklenburg waren die Zutaten für einen schönen und unterhaltsamen Open-Air-Musicalabend.

Fotogalerie:
„Hairspray“ in Tecklenburg

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