Gelungen: „My Fair Lady“ in Walenstadt

Gelungen: „My Fair Lady“ in Walenstadt

„My Fair Lady“ heißt so viel wie „Meine Marktdame“ und bezieht sich indirekt im Londoner Dialekt Cockney-Englisch auf den durch seine Einkaufsstraßen berühmten Londoner Stadtteil Mayfair. 1956 feierte das Musical „My Fair Lady“ aus der Feder von Frederick Loewe (Musik) und Alan J. Lerner (Buch/Liedtexte) im Mark Hellinger Theatre in New York seine Uraufführung. Jetzt ist das Musical auch auf der Walenseebühne in der Schweiz zu sehen. Gespielt wird auf Hochdeutsch mit der Anpassung ans Schweizerdeutsch (Übersetzung: Patric Scott) als Dialektsprache.

Zu sehen ist eine humorvolle Neuinszenierung des Klassikers. Regisseur Stanislav Moša ist eine lebendige Inszenierung mit deutlicher Personenführung und flüssigen Übergängen gelungen. Unterstützt wird dies durch die lebendige Choreografie von Igor Barberic. Dan Kalousek führt seine Musiker sicher und sauber durch die eingängigen Melodien. Die Abstimmung des Tons (Andreas Brüll) ist allerdings nicht ganz geglückt, denn hin und wieder wird der Gesang der Darsteller vom Orchester übertönt.

Das Bühnenbild von Christoph Weyers mit Londoner Skyline hinterlässt einen stimmigen Gesamteindruck und fügt sich wunderbar in das Bergpanorama am Walensee ein. Ausgewählte Requisiten ergänzen das Bühnenbild passend. Eine Drehbühne ermöglicht die Szenenwechsel ohne große Umbauzeiten und Geräusche. Das Lichtdesign von Rüdiger Benz wirkt unterstützend, bleibt aber ohne besondere Wirkung. Die Kostüme von Andrea Kučerová entsprechen dem Stil der 1920er Jahre und sind wunderschön ausgearbeitet. Ein Traum ist das Kleid von Eliza Doolittle, das sie beim Ascot-Pferderennen trägt. Die Unterscheidung zwischen der einfachen Bevölkerung und der gehobenen Gesellschaft Londons ist klar ersichtlich. Das Maskenbild von Sandra Wartenberger bildet eine gute Ergänzung zu den Kostümen.

Mal trotzig, mal versöhnlich, mal stur und dann wieder elegant besticht Eveline Suter mit ihrem ausdrucksstarken nuancierten Schauspiel und ihrer charaktervollen und klangschönen Stimme als Eliza Doolittle. Erst als Eliza Professor Higgins verlässt, bemerkt der eingefleischte Junggeselle, dass es noch andere Dinge im Leben als Wissenschaft und Zynismus gibt. Herablassend, arrogant und auf irgendeine Weise charmant, hinterlässt Alexander Franzen als Sprachwissenschaftler Higgins einen bleibenden Eindruck. Oberst Pickering ist der väterliche Freund von Eliza und glaubt an den Erfolg der Wette. Erst als die Bewährungsprobe beim Pferderennen in Ascot schief geht, ist er sich der Sache nicht mehr so sicher. Christoph Wettstein gibt den Oberst solide mit angenehm klingender Stimme.

Der Vater von Eliza Alfred P. Doolittle ist ein glücklicher Müllkutscher, der mit seinen Freunden gerne mal einen über den Durst trinkt. Durch Higgins nimmt sein Leben eine negative Wendung. Urs Affolter verkörpert die Rolle großartig und mit der entsprechenden Portion Humor und Ernsthaftigkeit, die für diese Rolle unabdingbar sind. Als Freddy Eynsford-Hill, der sich beim Pferderennen Hals über Kopf in Eliza verliebt, zeigt Patric Scott eine gute schauspielerische und stimmliche Leistung. Erwähnenswert sind auch die überzeugenden Darbietungen von Cécile Gschwind als steife englische Haushälterin Mrs. Pearce, Sabrina Schneebeli als Mutter von Professor Higgins, die Eliza auf ganzer Linie unterstützt, und Dorothée Reize als Mrs. Eynsford-Hill, die für die Schwärmerei ihres Sohnes so gar nichts übrig hat.

„My Fair Lady“ ist ein amüsantes und unterhaltsames Musical mit Evergreens wie „Mit ’nem kleenen Stückchen Glück“, „Es grünt so grün“ oder „Ich hätt‘ getanzt heut Nacht“. Am Ende würdigt das Publikum die gelungene Inszenierung und das spielfreudige Ensemble mit stehenden Ovationen.

Fotogalerie:
Fotogalerie zu „My Fair Lady“

Interview mit Eveline Suter:
Kurz nachgefragt: Eveline Suter

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