Auf hohem Niveau: „Flashdance“ in St. Gallen

Auf hohem Niveau: „Flashdance“ in St. Gallen

Die Geschichte von Alex Owens und Nick Hurley wäre eigentlich einfach und schnell erzählt. Ein junger Mann aus gutem Hause, Enkel eines Stahlwerkbesitzers, verliebt sich in seine Mitarbeiterin. Sie lässt ihn abblitzen, dann verabreden sie sich doch und am Ende kommen sie zusammen. Happy-End! Ganz so einfach ist diese Geschichte, auch wenn das Buch von Tom Hedley deutliche Schwächen aufweist, dann doch nicht erzählt. Alex Owens‘ große Leidenschaft ist das Tanzen. Nach der Arbeit im Stahlwerk tritt sie allabendlich als  Tänzerin, zusammen mit ihren Freundinnen Kiki, Gloria und Tess im Harry’s auf. Ihr großer Traum ist die Tanzausbildung an der berühmten Shipley-Akademie. Unterstützt wird sie dabei von der ehemaligen Ballerina Hannah. Es geht um Freundschaft, Träume, Leidenschaft aber auch um Vertrauensbruch, Drogen und falsche Versprechungen. Im Theater St. Gallen ist diese Story verpackt in einer mitreißenden sexy Show, gespickt mit fantastischen Tanzeinlagen.

Theater St. Gallen
Theater St. Gallen

Die Kritiken zum Film, der 1983 mit Jennifer Beals und Michael Nouri in die Kinos kam, waren vernichtend. Es war die Rede von einem aufgeblähten eineinhalbstündigen Werbefilm für eine Rock-LP mit einem Nichts an Story. Dennoch wurden Songs wie „Maniac“, „Manhunt“ und „Flashdance…What a Feeling“ (Musik: Robbie Roth & Giorgio Moroder, Liedtexte: Robbie Roth & Robert Cary) zu Kultliedern einer ganzen Generation. Die Uraufführung als Musical erfolgte im Juli 2008 im Theatre Royal in Plymouth. Nach der deutschsprachigen Erstaufführung (Übersetzung: Anja Hauptmann) am Le Théâtre Kriens-Luzern feierte das Stück nun Premiere am Theater in St. Gallen (Schweiz).

Das Bühnenbild von Hans Kudlich ist im Stil einer Stahlfabrik gehalten und wird im gesamten  hinteren Bereich durch zwei große Videoleinwänden ergänzt, die einzelne Szenen wunderbar unterstützen. Szenenwechsel zwischen der Stahlfabrik, Harry’s Bar, der Shipley-Akademie oder dem Chameleon-Club werden durch bühnenhohe Einschubelemente und zusätzliche Bühnenteile, die jeweils von der Seitenbühne ins Bühnenbild gefahren werden, umgesetzt.

Hannahs Zuhause ist eine große runde Röhre, seitlich der Bühne, die im Inneren mit Liebe zum Detail gestaltet ist. Unterstützt wird die ganze Szenerie von einem gut getimten und gelungenen Lichtdesign von Michael Grundner. Die Kostüme von Leo Kulaš sind teils neonbunt und entsprechen mit ihren Schnitten und in der Gestaltung ganz dem Stil der 1980er Jahre.

Regisseur Matthias Davids ist es durch seine präzise Personenführung und gut ausgestalteten Szenerien gelungen, das Möglichste aus der Buchvorlage rauszuholen. Ein Gefühl der Eintönigkeit kommt zu keiner Zeit auf. Die abwechslungsreiche und fetzige Choreografie von Nick Winston sprüht vor Energie. Ensembletanzszenen wie auch die Einzeldarbietungen sind absolut gelungen. Die Nummer „Manhunt“ und der Abschlusstanz „Flashdance… What a feeling“ gehören dabei sicher zu den Highlights des Abends. Die achtköpfige Band unter der Musikalischen Leitung von Robert Paul bringt die Songs kraftvoll und schmissig zu Gehör.

Ein Glücksgriff ist dem Theater St. Gallen mit der Verpflichtung von Myrthes Monteiro als Alex Owens gelungen. Anmutig und voller Energie bringt sie die Tanzszenen auf die Bühne und zeigt mit ihrer kraftvollen wohlklingenden Stimme, wie hervorragend sich diese Eigenschaften miteinander verbinden lassen. Tobias Licht zeigt in seiner Darstellung als Nick Hurley die Zerrissenheit zwischen Pflichtgefühl und Liebe deutlich und vermag mit seiner sicher geführten Tenorstimme zu punkten. Verrückt, durchgeknallt und doch liebenswürdig – so kann man die Freundinnen Kiki, Tess und Gloria beschreiben. Wie wichtig ihre Freundschaft ist, zeigt sich, als Gloria dem Besitzer des Nachtclubs Chameleon-Club CC (schmierig und fies: Gianni Meurer) als Playgirl in die Hände fällt und drogen- und alkoholabhängig wird. Conchita Kluckner-Zandbergen (Kiki), Rachel Marshall (Tess) und Sarah Bowden (Gloria) begeistern mit ihrer Spielfreude und mit ihren energiegeladenen Stimmen.

Dustin Smailes verkörpert Jimmy, der bei seinem Onkel Harry (Peter Zimmermann) in der Bar arbeitet und als Komiker in New York Fuß fassen will. Doch leider fehlt ihm ein ganz wichtiger Punkt – Talent. Als er für diesen Traum auch noch seine Freundin Gloria zurücklässt, zweifelt diese an der Beziehung zu Jimmy. Durch Hannahs eindringliche Unterstützung füllt Alex die Anmeldeunterlagen für die Shipley-Akademie aus und kommt dadurch ihrem Traum einen Schritt näher. Gaye MacFarlane berührt mit ihrer Darstellung und ihrem Gesang als Hannah auf ganzer Linie. Louise, die Krankschwester, und Ms. Wilde, die strenge Schulleiterin der Akademie werden großartig von Michaela Hanser dargestellt.

Ein durchweg überzeugendes Ensemble bietet einmal mehr im Theater St. Gallen einen Musicalabend auf hohem Niveau, der aber doch irgendwie untypisch für dieses Haus ist, wo hier doch normalerweise dramtische Musicals wie „Rebecca“, „Moses“ oder „Artus“ auf dem Programm stehen. Das Publikum zeigt sich aber auch nach der besuchten „Flashdance“-Vorstellung begeistert und spendet minutenlang tosenden Applaus.

Offizielles Video zu Flashdance in St. Gallen:

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