Beeindruckende Tanzszenen: „Flashdance“ in Kriens

Beeindruckende Tanzszenen: „Flashdance“ in Kriens

Als der Film „Flashdance“ 1983 in die Kinos kam, waren die Kritiken alles andere als positiv. Trotzdem wurde der Film Kult und Songs wie „Maniac“, „Manhunt“ und „What a Feeling“ stürmten die Hitparade. Im Jahr 2008 feierte „Flashdance – The Musical“ (Buch: Tom Hadley und Robert Cary, Musik: Robbie Roth und Giorgio Moroder, Liedtexte: Robbie Roth und Robert Cary) im Theatre Royal in Plymouth seine Premiere. Danach ging das Stück auf UK-Tour und anschließend war es für 16 Wochen im Shaftesbury Theatre am Londoner West End zu sehen. Am 9. November 2013 feierte das Musical in einer überarbeiteten Fassung im Le Théâtre Kriens-Luzern in der Schweiz seine deutschsprachige Erstaufführung.

Die deutsche Übersetzung stammt von Anja Hauptmann, die unter anderem auch schon Stücke wie „Jesus Christ Superstar“ und „Dirty Dancing“ übersetzt hat. Die Übersetzung von „Flashdance“ überzeugt nicht auf ganzer Linie. Passend dosierter Wortwitz, zum Beispiel die Unterhaltung zwischen Hannah und ihrer Pflegerin Louise, sorgt zwar für einige Lacher im Publikum, jedoch klingen Wort- und Satzkombinationen an einigen Stellen unrund und holprig, wie „die Show, die du abziehst, ist voll krass“.

Mit „Flashdance“ gibt Isabelle Flachsmann ihr Regiedebüt im Musicalbereich. Ihr ist es gelungen, die schwache und relativ einfach gestrickte Geschichte interessant zu gestalten, so dass kein Gefühl von Langeweile aufkommt. Die Charaktere zeichnet sie den Rollen entsprechend deutlich. Die hervorragende Choreografie von Natalie Wagner ist eine absolute Augenweide. Sowohl die Ensemblenummern als auch die einzelne Tanzszenen sind energiegeladen und eindrücklich umgesetzt. So begeistern auch der sechsfache Stepptanz-Weltmeister Daniel Borak im Stepptanz und Beni Fischer im Breakdance.

Die vierköpfige Band, bestehend aus Keyboard, Gitarre, Bass und Schlagzeug, bringt die Songs gut zu Gehör und sorgt für den passenden Sound zum Stück. Das Bühnenbild von Bärti Zumstein ist einfach gehalten und wird durch wenige zusätzliche Requisiten, drehbare Wandteile, Videoprojektionen und einem stimmigen Lichtdesign von Markus Güdel unterstützt. Die Kostüme von Sigrid Wenter sind im Stil der 1980er Jahre und gefallen durch die typischen Farben und Schnitte dieser Zeit.

Alexandra „Alex“ Owens arbeitet als Schweißerin in einem Stahlwerk. Ihre große Leidenschaft gehört jedoch dem Tanzen. Ihr Traum ist es, eine professionelle Tänzerin zu werden. Ihr Ziel ist die Aufnahme an einer berühmten Tanzakademie. Nadja Scheiwiller beeindruckt als Alex durch ihre Bühnenpräsenz und ihre ausdrucksstarke Stimme sowie mit fulminanten Tanzeinlagen. Nick Hurley, der Enkel eines Stahlbarons und Geschäftsführer des Stahlwerks, verliebt sich in Alex. Als er Alex einen Auditionplatz in der Akademie erkauft, beendet sie zunächst die Beziehung zu Nick. Daniel Kandelbauer agiert als Nick Hurley mit einer sich im Laufe des Abends steigernden wohlklingenden Stimme, hat aber im Schauspiel noch durchaus Luft nach oben.

Gloria, Tess und Kiki und sind die Freundinnen von Alex, mit denen sie nachts als Tänzerin im Nachtclub von Harry (Marco Polloni) arbeitet. Tiziana Turano spielt die unsichere und naive Gloria glaubhaft mit klangschöner Stimme. Caroline Leuzinger (Tess) und Vanessa Naomi Moella (Kiki) spielen herrlich erfrischend und gefallen auch stimmlich durch ihr dunkel legiertes Timbre. Arcangelo Vigneri spielt Kikis Freund Jimmy – ein Möchtegern-Komiker, der von der großen Karriere in New York träumt, aber leider völlig talentfrei ist – sehr überzeugend. Hannah, eine ehemalige Startänzerin, ist für Alex‘ so etwas wie Familie. Als Hannah unerwartet stirbt, entschließt sich Alex, doch zur Tanzaudition in der Akademie zu gehen. Rinalda Caduff gelingt als Hannah eine stimmlich solide und berührende Darstellung. Unter den Augen der Jury und der strengen Schulleiterin Mrs. Wilde (stark: Irène Straub) zeigt Alex eine eindrückliche Darbietung, die frei von jeglichen Konventionen ist und schafft die Aufnahme in die Akademie.

Insgesamt steht im Le Théâtre Kriens-Luzern eine spielfreudige Cast auf der Bühne, die das Musical trotz des schwachen Buches und der nicht durchweg gelungen Übersetzung zu einer sehenswerten Inszenierung werden lässt. Die Tanzszenen sind wie auch schon im Film das Herzstück des Musicals. Das Publikum würdigt die besuchte Vorstellung mit minutenlangem Beifall.

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