Elisabeth in Basel – Ein Musical mit Klasse!

Elisabeth in Basel – Ein Musical mit Klasse!

Wer kennt sie nicht – die Sissi Filme mit Romy Schneider und Karlheinz Böhm, die alle Jahre wieder zur Weihnachtszeit im Fernsehen zu sehen sind (…und ja, ich schau sie auch meistens an…). Wer genau diesen Kitsch auf der Musicalbühne bei Elisabeth erwartet, dem sei gesagt, dass bei der Musical-Adaption nur ein minimaler Hauch davon zu spüren ist.
Seine Uraufführung erlebte Elisabeth – das Musical im Jahr 1992 im Theater an der Wien in Wien. Das Dramamusical aus der Feder von Michael Kunze (Libretto) und Sylvester Levay (Musik) erzählt die Lebensgeschichte der Kaiserin von Elisabeth.

1. Akt
Im Reich der Toten muss sich Luigi Lucheni (Kurosch Abbasi), Elisabeths Mörder, für seine Tat vor einem unsichtbaren Richter rechtfertigen und gibt den Tod als Komplizen an. Dieser hat Lucheni aus Liebe zum Mord an Elisabeth angestiftet. Um seine Unschuld zu beweisen, lässt Lucheni die Geschichte noch einmal lebendig werden.
Die Verwandtenbesuche ihrer Mutter Ludovika (Elissa Huber) sind für die junge Elisabeth ein Gräuel. Bei Klettern auf einem Maibaum stürzt Elisabeth und begegnet zum ersten Mal dem Tod (Mark Seibert). Für beide eine unheimlich faszinierende Begegnung. In Bad Ischel soll Franz Josef (Mathias Edenborn), Kaiser von Österreich, eigentlich Elisabeths ältere Schwester Helene heiraten. So zumindest der Plan der beiden Mütter. Dieser verliebt sich aber in Elisabeth und bittet sie ihn zu heiraten, sehr zum Missfallen seiner Mutter Erzherzogin Sophie (Betty Vermeulen/Linda Konrad). Den höfischen Zwengen unterworfen wird das Leben für Elisabeth zur Qual. Sie vermisst ihre Freiheit und setzt sich zur Wehr. Während einer Reise in Ungarn stirbt die erste Tochter Sophie. Elisabeth begegnet erneut dem Tod, als dieser das Mädchen zu sich holt. Als endlich der langersehnte Thronfolger Rudolf geboren wird, nimmt Erzherzogin Sophie sich auch seiner Erziehung an. Elisabeth setzt ihre Schönheit ein und setzt Franz-Josef ein Ultimatum. Entweder darf sie ab sofort Rudolfs Erziehung übernehmen oder sie wird ihn verlassen. Franz Josef geht auf das Ultimatum ein.

2. Akt
Dank der Bemühung von Elisabeth wird mit Ungarn eine Einigung erzielt. Franz Josef und sie werden zum König und zur Königin von Ungarn gekrönt. Lucheni verkauft dem Publikum „Kitsch“ über das neue Königspaar. Elisabeth ist sich ihrem Triumph bewusst und begegnet erneut dem Tod. Dieser erinnert sie daran, dass sie immer noch eine Gefangene des Österreichischen Kaiserhofes ist und nur er ihr helfen kann, sich daraus zu befreien.
Rudolf, der sich von seiner Mutter im Stich gelassen fühlt, begegnet dem Tod und findet in ihm einen Zuhörer. Erzherzogin versucht mit allen Mitteln die Beziehung zwischen ihrem Sohn und Elisabeth zu sabotieren. Auf ihre Anweisung hin begibt sich Graf Grünne in Madam Wolfs Salon um eine Prostituierte auszuwählen. Nichts ahnend sucht er ausgerechnet jene aus, die an der Französischen Krankheit (Syphilis) leidet. Als Elisabeth ebenfalls krank wird, begegnet ihr der Tod als Doktor und teilt ihr mit, dass sie sich angesteckt hat, weil Franz Josef ihr Untreu war. Jedoch wendet sich Elisabeth nicht dem Tod zu sondern sieht so die Möglichkeit sich von ihrem Mann zu befreien.
Elisabeth ist fortan ständig auf Reisen. Rudolf wächst währenddessen zum jungen Mann heran, der jedoch an seinem Vater verzweifelt. Wie seine Mutter setzt auch er sich für die Belange Ungarns ein. Unglücklich verheiratet und von seinem Vater nicht verstanden, versucht er im Geheimen gegen seinen Vater zu intrigieren und wird bei einem dieser Treffen erwischt. Sein Vater tobt. Rudolf bittet seine Mutter sich für ihn beim Vater einzusetzen, doch diese lehnt ab. Elisabeth begibt sich auch für ihren Sohn nicht mehr zurück in die Zwänge des Hofes. Rudolf begegnet seinem Freund, dem Tod, aus Kindertagen und sieht nur noch einen Ausweg. Er nimmt sich das Leben.
Von Schuldgefühlen geplagt erkennt Elisabeth, dass sie mit ihrem Drang nach Freiheit zu weit gegangen ist. Zu Franz Josef hat sie keinerlei Bindung mehr und mit ihrem Leben hat sie abgeschlossen. Der Tod überreicht Lucheni die Mordwaffe mit der er Elisabeth ermorden soll. Franz Josef sucht seine Frau ein letztes Mal auf, findet jedoch keinen Zugang zu ihr. Nach der Ermordung von Elisabeth gibt der Tod ihr den Todeskuss und nimmt sie mit in sein Reich. Elisabeth gehört ihm – endlich hat er erreicht was er wollte. Lucheni begeht nach seiner Verhaftung Selbstmord.

Das Bühnenbild von Hans Schavernoch ist beeindruckend. Besonders gut sind die Szenenwechsel gelöst, die durch Tore im hinteren Bereich immer wieder neu eingeleitet werden. Zusammen mit dem Lichtdesign von Hans Toelstede und den Videoprojektionen von Thomas Reimer ergibt sich ein perfektes Zusammenspiel.
Die Choreographie von Dennis Callahan ist gelungen und Regisseur Harry Kupfer versteht es die Szenen flüssig ineinander übergreifend zu verbinden. Einzig mit der Reiter-Szene, als Erzherzogin Sophie ihre Getreuen zur Sabotage der Beziehung zwischen Elisabeth und Franz-Josef anstiftet, kann ich mich nicht richtig anfreunden. Für mich spiegelt diese nicht ganz die Ernsthaftigkeit der Situation wieder.
Die Texte von Michael Kunze und die Musik von Sylvester Levay sind unvergesslich und der Erfolg des Stücks ist ungebrochen. Aber was wären Texte und Musik ohne eine Cast die es versteht dem ganzen Leben einzuhauchen und eine Geschichte auf der Bühne zu erzählen.
Annemieke van Dam gibt eine Elisabeth auf höchstem Niveau und steht ihren grossen Vorgängerinnen in nichts nach. Mark Seibert gehört zu den Besten seiner Zunft und stellt dies als Tod erneut unter Beweis. Die Stimmen von beiden bleiben im Gedächtnis, die Töne sitzen und ihr starkes Schauspiel lässt die Rollen leben. Beide bieten puren Musicalgenuss und ernten zu Recht langen Applaus.

Kurosch Abbasi (Absolvent der Bayrischen Theaterakademie August Everding München 2011) zeigt eine starke Schauspielleistung. Gepaart mit guter Stimme spielt er einen Lucheni der Extraklasse. Als Kaiser Franz Josef ist Mathias Edenborn zu sehen. Auch er gefällt in der Rolle und spielt einen Kaiser, bei dem man spürt wie dieser unter der Situation mit seiner Mutter und Elisabeth leidet.

Leiden das tut auch Kronprinz Rudolf – von seiner Mutter als ‚Marionette‘ gegen Erherzogin Sophie missbraucht, später unverstanden und das Verhältnis zu seinem Vater ist auch nicht das Beste. Oliver Arno füllt diese Rolle hervorragend aus. Ganz stark sind auch die beiden Jungen Loris Sikora und Linus Barroffio, die den jungen Kronprinzen Rudolf darstellen.

Sowohl Betty Vermeulen als auch Linda Konrad spielen eine Mutter und Schwiegermutter, die man keinem Wünschen möchte. In weiteren Rollen sind Elissa Huber (Herzogin Ludovika/Frau Wolf) und Dennis Kozeluh (Herzog Max) zu sehen. Das gesamte Ensemble spielt mit sehr viel Energie, starker Bühnenpräsenz und schafft es, dass Publikum im Musicaltheater Basel mit auf eine Reise zu nehmen.

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