Gelungene Bühnenversion von „Dirty Dancing“ auf Tournee

Gelungene Bühnenversion von „Dirty Dancing“ auf Tournee

„Es war im Sommer ’63, alle nannten mich Baby“, beginnt einer der wohl bekanntesten Streifen der Filmgeschichte. Auch heute noch zieht die Geschichte von Frances „Baby“ Houseman und Johnny Castle die Menschen in ihren Bann. Virtuose Tanzszenen gepaart mit Songs, die ins Ohr gehen. Eine Low-Budget-Filmproduktion landete einen unvergessenen Überraschungserfolg. Als Johnny Castle gelang Patrick Swazy der Durchbruch im Filmgeschäft. Im Jahr 2004 feierte „Dirty Dancing“ als Bühnenversion seine Weltpremiere in Sydney, die Europapremiere folgte 2006 in Hamburg. Aktuell ist die Show auf großer Tournee.

„Dirty Dancing“ auf Tour

Frances „Baby“ Houseman macht mit Familie Ferien in einer typischen Ferienanlage im Amerika Anfang der 1960er Jahre. Pure Langeweile! Durch Zufall gelangt die schüchterne junge Frau auf die Party der Angestellten und sieht dort zum ersten Mal die Tänzer richtig tanzen und trifft auf den gut aussehenden Tanzlehrer Johnny Castle. Durch ihn entdeckt sie ihre Leidenschaft fürs Tanzen und erlebt die erste große Liebe. Was folgt, ist ein Hin und Her von Gefühlen, Prinzipien und Konflikten, die erst am Tag des großen Abschlussballs aufgelöst werden – Baby und Johnny verzaubern mit ihrem Abschlusstanz die Gäste und Babys Familie.

Eleanor Bergstein hat das Buch zum Film geschrieben und ist ebenfalls für die Bühnenfassung verantwortlich. Allerdings ist die Bühnenversion so nah an der Filmfassung, dass einzelne Dialoge, vor allem im ersten Akt, absolut identisch sind. Die eine oder andere zusätzlich eingestreute Geschichte hebt das Stück etwas vom Film ab, jedoch nicht wesentlich. Alex Balga zeichnet als Regisseur für die Neuinszenierung verantwortlich und sorgt für ein bisschen mehr Pep im Stück, hat jedoch kaum Spielraum für entscheidende neue Elemente.

Das Bühnenbild von Stephen Brimson Lewis, Tim Mitchell und Jon Driscoll zeigt die gleiche Szenerie wie im Film. Durch Videoprojektionen werden einzelne Szenen unterstützt. Die berühmte Szene im Wasser, als Baby und Johnny ihre Hebefigur üben, bekommt sogar Szenenapplaus – allerdings wäre es sinnvoll, wenn sich die Wasseroberfläche nach dem Sturz ins Wasser zumindest bewegen würde. Insgesamt hätte dem Stück etwas weniger Kitsch gut getan, denn vor allem bei der Lichtgestaltung ist es manchmal des Guten zu viel. Die Band ist ins Bühnenbild integriert und die Songs werden live mit dem nötigen Schwung zu Gehör gebracht, so dass man gerne mit dem Rhythmus mitgeht. Lieder wie „The Time of my Life“, „Hungry Eyes“ und „She’s like the Wind“ wurden zu Welterfolgen und klingen auch in der Bühnenfassung richtig gut.

Als der Film im Jahr 1987 in die Kinos kam, sorgte die Liebesgeschichte in Verbindung von leichter Anrüchigkeit, gepaart mit sentimentaler Moral und phänomenalen Tanzszenen für Furore. Und genau diese Tanzszenen (Choreografie: Kate Champion und Craig Wilson) sind es, die der Bühnenversion das nötige Salz in der Suppe verleihen. Mate Gyenei glänzt als Johnny Castle mit seinen fantastischen Tanzeinlagen und seinem Charisma. Marie-Luisa Kaster steht ihm als Penny in nichts nach. Anna-Louise Weihrauch gelingt die Wandlung vom unsicheren Mauerblümchen zur selbstsicheren eleganten jungen Frau und Tänzerin glaubhaft.

Tanja Kleine und Martin Sommerlatte geben die Eltern von Baby und Lisa. Beide spielen ihre Parts rollendeckend und mit dem nötigen Einfühlungsvermögen. Natalya Bogdanis spielt Lisa, die Schwester von Baby, mit Witz, welcher beim Abschlussball mit dem Hula-Song seinen Höhepunkt hat. Neil Kellerman ist der vorwitzige und Nerv tötende Enkel des Ferienresort-Besitzers. Benjamin A. Merkl zeigt eine hervorragende Leistung, die für einige Lacher im Publikum sorgt, während Lucas Baier als Aushilfskellner Robby, der Penny schwängert und dann fallen lässt wie eine heiße Kartoffel, nicht ganz so überzeugend agiert.

„Dirty Dancing“ wird immer wieder als Musical bezeichnet, ist aber eigentlich ein mit Musik unterlegtes Sprechtheaterstück mit Tanzeinlagen. Ein gesanglicher Teil ist deshalb nicht sehr stark ausgeprägt. Allerdings glänzt Leadsängerin Tertia Botha mit ihrer warmen und voluminösen Stimme, ebenso wie Dennis Legree (Tito) mit seinem souligen Timbre fasziniert. Als Ferienanimateur Billy, der Baby auf eine Party der Angestellten schmuggelt, gefällt Dennis Dobrowolski mit glaubhafter Darstellung. Mit wohlklingender Stimme interpretiert er „In the still of the Night“ und „Time of my Life“, fällt aber gegen Botha und Legree ab.

Ein stark agierendes Ensemble wirbelt über die Bühne und zeigt eine durchweg überzeugende Leistung. Wer die Filmversion von „Dirty Dancing“ mag und bereit ist, sich auf die Bühnenversion einzulassen, kann einen durchaus sehr unterhaltsamen Abend erleben.

Fotogalerie:
„Dirty Dancing“ Tour in Zürich, Theater 11

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