Überzeugende Inszenierung: „Chicago“ – Tour englischsprachige Original Produktion

Seit dem Jahr 1975 ist „Chicago“ von Bob Fosse (Buch), John Kander und Fred Ebb (Musik, Buch, Songtexte) auf den Bühnen der Welt zu sehen. Die englischsprachige Original Produktion ist vom 09.-20. November 2016 zu Gast am Theater 11 in Zürich. An Aktualität hat das Vaudeville-Musical nichts eingebüsst – Korruption, Mord, Verrat, Lüge und Habgier sind die Aspekte, die in diesem Stück vereint sind. Berühmt und in allen Gazetten Allgegenwärtig ist Velma Kelly bis Roxie Hart auftaucht und Velma den Platz im Rampenlicht streitig macht – Handlungsort ist ein Frauengefängnis im Chicago der 1920er Jahre. Während Hart ihren Liebhaber umgebracht hat, rächte sich Kelly für einen Seitensprung an ihrem Mann und ihrer Schwester.

Regisseur Walter Bobbie lässt Bühnenbild, Band und Story ineinander verschmelzen und zeigt „Chicago“ als perfekt inszenierte Symbiose. Hinzu kommt die energiegeladene Original-Choreographie von Bob Fosse. Das Bühnenbild ist ein Treppenförmiger Aufbau, welcher die komplette Breite der Bühne einnimmt. Die einzelnen Szenen des Stücks spielen vor und auf diesem Aufbau. Das gelungene Lichtdesign unterstützt einzelne Szenen und verleiht diesen noch mehr Wirkung. Die Kostüme sind freizügig, sexy und passend zum Stück, lassen allerdings die 1920er Jahre vermissen. Die 10-köpfige Band um Musical Director Ben Atkinson lässt wohlklingenden Jazz-Sound ertönen. Sie findet ihrem Platz auf den verschiedenen Stufen des Aufbaus und wird zeitweise in die Inszenierung integriert.

Foto: © Catherine Ashmore

Foto: © Catherine Ashmore

Eine überzeugende Leistung zeigt Hayley Tamaddon als Roxie Hart. Ihre dunkel legierte und klare Stimme gefällt auf ganzer Linie. Roxie steht nur einem Menschen nahe, nämlich sich selbst – um im Mittelpunkt zu stehen, greift sie auch zu unlauteren Mitteln wie eine vorgetäuschte Schwangerschaft. Als Velma Kelly punktet Sophie Carmen-Jones mit starker Bühnenpräsenz und wunderbar jazziger Stimme – ihr „All That Jazz“ beeindruckt. Dass Velma ihre Popularität wegen Roxie einbüsst, schmeckt ihr gar nicht und so verbündet sie sich wohl oder übel mit ihrer Konkurrentin. Ihre Mädchen bedeuten Matron „Mama“ Morton alles, sofern diese genügend Geld für ihre „Wünsche“ zahlen – Jessie Wallace starke und wohlklingende Stimme hinterlässt einen bleibenden Eindruck.

Der findige Anwalt Billy Flynn wird von John Partridge auf charismatische Weise verkörpert. Mitleid hat man mit Amos – dem treudoofen Ehemann von Roxie Hart. Neil Ditt versteht es, Amos ins entsprechende Licht zu rücken. Sein Song „Mister Cellophane“ berührt. Als sensible Klatschreporterin Mary Sunshine begeistert A D Richardson mit klassischer Stimmführung und seinem Falsett-Gesang beim Song „A Little Bit of Good“.

Foto: © Catherine Ashmore

Foto: © Catherine Ashmore

Das Ensemble bietet eine durchweg überzeugende Leistung während des ganzen Stücks – besonders hervorzuheben sind der „Cell Block Tango“ oder das temporeiche „We Both Reached For the Gun“. Das Publikum würdigte die sehenswerte Inszenierung mit Standing Ovation.