Mord und Jazz: „Chicago“ in St. Gallen

Mord und Jazz: „Chicago“ in St. Gallen

Mord, Habgier, Korruption, Gewalt, Ausbeutung, Ehebruch und Verrat sind die Zutaten des Vaudeville-Musicals „Chicago“. Das Stück aus der Feder von Fred Ebb, Bob Fosse (Buch) und John Kander (Musik) feierte 1975 seine Uraufführung am Broadway. Seit dem 18. Februar 2012 ist es in einer Neuinszenierung am Theater St. Gallen (Schweiz) zu sehen.

Eine tolle Szene ist der „Zellenblocktango“. Foto: Toni Suter

Erzählt wird in „Chicago“ die Geschichte der Mörderinnen Roxie Hart (Sabrina Harper) und Velma Kelly (Sabine Hettlich), die im Chicago der 1920er Jahre im Gefängnis sitzen: Hart hat ihren Liebhaber ermordet, Kelly ihren Mann und ihre Schwester. Verpackt hat Regisseurin Melissa King, die seit 2001 international als Künstlerische Leiterin für „Chicago“ fungiert, diese Geschichte in einer großartigen Inszenierung. Dabei verbindet sie geschickt die Krimikomponenten mit temporeichen Tanzszenen – gespickt mit einer Portion Erotik – und lässt die Show so zu einem besonderen Bühnenerlebnis werden.

Dem zeitlosen Bühnenbild vom Knut Hetzner fehlt es etwas an Atmosphäre und Stil der 1920er Jahre. Jedoch sind die Bühnenelemente zu den Szenen im Stück einfallsreich gestaltet und erlauben flüssige Übergänge. Die Kostüme von Magali Gerberon sind glamourös, sexy und der Zeit entsprechend. Die 12-köpfige Band rund um den Musikalischen Leiter Robert Paul lässt wohlklingenden Jazz-Sound aus dem Orchestergraben erklingen.

Tobias Licht (Billy Flynn). Foto: Toni Suter

Mit klarer Stimme und starkem Schaupiel zeigt Sabrina Harper als Roxie, dass sie nur das Ziel verfolgt, populär und in aller Munde zu sein. Dabei greift sie zu jedem Mittel und kennt nur eine Freundschaft – die mit sich selbst. Sabine Hettlich überzeugt hervorragend mit jazziger Stimme als Velma Kelly, die ihre einstige Popularität durch Neuzugang Roxie im Knast einbüßt. Mit nuanciertem Schauspiel und gesanglich stark hält Brigitte Oelke als geschäftstüchtige Mama Morton die Fäden im Gefängnis in der Hand. Ohne Mitleid für seine Klientinnen – nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht und mit einer ordentlichen Portion Charme – gibt Tobias Licht mit sanfter Stimme den Anwalt Billy Flynn.

Sabine Hettlich (Velma Kelly). Foto: Toni Suter

Frank Winkels gibt großartig Roxies treudoofen Ehemann Amos. Als ihm die Band die Abgangsmusik verweigert, ist das ein Moment, in dem der Zuschauer noch mehr Mitleid für ihn empfindet als ohnehin schon. Martin Schäffner sorgt dagegen als sensible Klatschreporterin Mary Sunshine, bei der mehr Schein als Sein ist, für komödiantische Momente und begeistert mit seinem Falsett.

Auch das durchweg starke Ensemble liefert eine hervorragende Leistung ab – sei es beim „Zellenblocktango“, dem rasant choreografierten Baby-Song oder Roxies Gerichtsverhandlung. Insgesamt betrachtet, ist dem Theater St. Gallen also auch mit „Chicago“ eine sehenswerte Musicalinszenierung gelungen, die das Premierenpublikum mit Standing Ovations würdigte.

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