Unterhaltsam: „Bibi Balu“ in Zürich

Unterhaltsam: „Bibi Balu“ in Zürich

Selten wird in einem Theater am laufenden Band gelacht. Nicht so in Zürich: Der Grund dafür ist das Musical „Bibi Balu“. Das Stück feierte 1964 im Theater am Hechtplatz in Zürich Premiere und ist seit dem 27. September 2012 im Bernhard-Theater Zürich in einer Neufassung zu sehen.

Ensemble „Bibi Balu“, © Veranstalter

Erzählt wird die Geschichte von einem in Geldnöten steckenden PR-Berater, der zusammen mit seinem Schulfreund einen Plan ausheckt. Eine herzzerreisenden Geschichte um Bibi von der Insel Balu soll das Herz und Portemonnaie der Zürcher Bevölkerung öffnen. Zu dem Duo gesellen sich noch weitere Spendensammler, die die beiden unterstützen wollen. Eigentlich läuft alles nach Plan, doch es kommt anders als gedacht – ob am Ende alle, einer oder keiner gewinnt, bleibt bis zum Schluss offen.

Die Urfassung des Stücks stammt von Hans Gmür und Karl Suter, Domenico Blass hat das Stück der heutigen Zeit angepasst. Ihm gelingt mit der Neufassung eine großartige Leistung. Die Geschichte rund um „Bibi Balu“ ist gespickt mit Parodien, die dem Zuschauer vor Lachen die Tränen in die Augen treibt. Paul Suter (Regie) setzt die Geschichte um die Gaunerbande passend in Szene. Zusammen mit der Choreografie von Jonathan „Nat“ Huor gelingt eine abwechslungsreiche erfrischende Show. Das Bühnenbild von Kristin Osmundsen ist einfach, jedoch als Büro, Bar, Studio oder Strassengasse – ergänzt durch wenige zusätzliche Accessoires – vielseitig einsetzbar.

Walter Andreas Müller als Pfadi Bub, Claudia Kühn als Elke Weideli-Oldenburg, © Veranstalter

Mittendrin im Geschehen ist Walter Andreas Müller. Egal ob er als Pfarrer Sieber, Barmann, Mike Shiva, Sepp Blatter, Christoph Blocher, Pfadibub oder, oder, oder zu sehen ist, sorgt er mit seinen Parodien für Lacher, die das Zwerchfell strapazieren – eine großartige schauspielerische Leistung gepaart mit toller Stimme. Ist sie nun das arme Meitschi, das nach zwei Jahren Exil in Obergoms zurückkehrt, oder doch gewiefter als alle glauben – Eveline Suter begeistert als Lisa alias Bibi durch ihre charaktervolle Stimme und ihr wandlungsfähiges Schauspiel. Claudia Kühn als Elke Weideli-Oldenburg ist vermögend und mit allen Wassern gewaschen. Aber reicht das, um am Ende alle übers Ohr zu hauen? Kühn bedient in ihrer Rolle das Klischee der Deutschen in der Schweiz – ihr ausdrucksstarkes Schauspiel gepaart mit einer klangschönen Stimme überzeugt.

Eine Idee, die passenden Leute und alles läuft nach Plan – oder doch nicht? Die beiden Kleinganoven werden von Christian Jott Jenny (Rico Luginbühl) und Raimund Wiederkehr (Chris Sturzenegger) gespielt. Gesanglich reihen sich beide in die Riege der tollen Stimmen des Abends ein, und auch ihr Schauspiel gefällt auf ganzer Linie. Nicolai Mylanek als Notar Oskar Kurz kommt den beiden Gaunern zwar auf die Schliche und bringt Bibi ins Spiel mit ein. Aber steht er am Ende mit einem Koffer voller Geld am Flughafen? Mylanek überzeugt ebenfalls durch eine starke schauspielerische Leistung. In weiteren Rollen sind Wolfram Schneider-Lastin, Rolf Wegmüller und Daniel Wilhelm zu sehen.

Die Musik von Hans Moeckel wurde von Wolfgang Drechsler erfrischend arrangiert. Die vierköpfige Band um den Musikalischen Leiter Andres Joho spielt die jazzigen Melodien klangvoll und harmonisch. Auch während einzelner Umbauphasen sorgt die Band, neben den zwei bis drei Fernseheinspielern, für perfekte Unterhaltung. Mit dem Musical „Bibi Balu“ ist den Machern eine unterhaltsame und sehenswerte Inszenierung gelungen, die die Zuschauer auch später noch über einzelne Szenen lachen lässt.

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