Gute Unterhaltung: „Anything Goes“ in St. Gallen

Gute Unterhaltung: „Anything Goes“ in St. Gallen

Die Musical-Komödie „Anything Goes“ von Cole Porter (Musik und Gesangstexte) feierte 1934 im Alvin Theatre in New York seine Uraufführung und ist am Theater St. Gallen als Koproduktion mit dem Staatstheater am Gärtnerplatz in München seit Dezember 2013 mit deutschen Dialogen (Christian Severin) und englischen Songs zu erleben.

 

Bettina Möch (Reno Sweeney) und Boris Pfeifer (Moonface Martin). Foto: Theater St.Gallen, Andreas J. Etter
Bettina Möch (Reno Sweeney) und Boris Pfeifer (Moonface Martin). Foto: Theater St.Gallen, Andreas J. Etter

Die Geschichte ist schnell erzählt: Elisha Whitney gibt kurz vor seiner Abreise mit der M.S. America nach London seinem Sekretär Billy Crocker den Auftrag, ein Aktienpaket zu verkaufen. Dieser trifft auf seine alte Bekannte Reno Sweeney, eine Nachtclubsängerin, die ein Engagement auf dem Schiff hat. Als Crocker feststellt, dass sich seine Herzdame Hope Harcourt ebenfalls auf dem Schiff befindet, bleibt er zuerst als blinder Passagier an Bord. Der Gangster Moonface Martin befindet sich mit der Gangsterbraut Erma ebenfalls auf dem Schiff. Das Tohuwabohu auf der Reise nach England ist vorprogrammiert und der Kapitän hat alle Mühe, den Überblick zu behalten. Wohin das Ganze am Ende führt, ist zuerst nicht so richtig klar – frei nach dem Motto „Anything Goes“.

 

Die Inszenierung von Josef E. Köpplinger ist durchweg gelungen. Geschickt verbindet er temporeiche sowie unterhaltsame Elemente und zeichnet auch einzelne Feinheiten der Charaktere deutlich. Für die Aufführungen in St. Gallen und München fügt Köpplinger zusätzlich die Porter-Songs „Night and Day“ sowie „Let’s do it“ passend in das Stück ein. Die Choreografie von Ricarda Regina Ludigkeit ist voller Lebendigkeit. Hervorzuheben sind vor allem die Ensemble-Tanznummern unter Mitwirkung der Tanzkompanie des Theaters St. Gallen, die durch die spritzigen Steppeinlagen auf ganzer Linie begeistern. Für das Bühnenbild und die Kostüme zeigt sich Rainer Sinell (nach Entwürfen von Heidrun Schmelzer) verantwortlich. Die Handlung spielt sich hautsächlich auf einem Bühnenelement ab, welches einem Mittel- und Oberdeck eines Schiffs nachempfunden ist. Die vielen Auf- und Abgangsmöglichkeiten unterstützen die temporeiche Inszenierung. Die Kostüme entsprechen den 1930er Jahre und gefallen in ihrer Art und Weise gut.

Das Orchester unter der Musikalischen Leitung von Stéphane Fromageot bringt die Songs von Cole Porter mit schmissigem Big-Band-Sound zu Gehör. Auch die einzelnen Soli klingen rund. Klassiker wie „I get a Kick out of you“, „Anything Goes“ und „Blow, Gabriel, Blow“ setzten sich im Ohr fest.

Mit starker Bühnenpräsenz und ausdrucksstarker voller Stimme gibt Bettina Mönch die durchtriebene Nachtclubsängerin Reno Sweeney, die mit ihren Angels auf dem Schiff einen Auftritt hat und den Männern an Bord reihenweise den Kopf verdreht. Daniel Prohaska spielt Billy Crocker, der sich den Anweisungen seines Chefs widersetzt, um seinem Mädchen nah zu sein. Erst als blinder Passagier, dann als Matrose und Gangster ist er immer darauf bedacht, seinem Chef nicht über den Weg zu laufen. Prohaska weiß mit seiner wohlklingenden Tenorstimme und seinem Schauspiel zu überzeugen. Mit sanftem und klarem Timbre sowie glaubhaftem Schauspiel gibt Milica Jovanovic Hope Harcourt. Sie ist die große Liebe von Billy, muss aber, wenn es nach dem Willen ihrer Mutter geht, den verschrobenen und reichen Schotten Lord Evelyn Oakleigh heiraten.

 

Bettina Mönch (Reno Sweeney) und Dustin Smailes (Billy Crocker). Foto: Theater St.Gallen, Andreas J. Etter

Herrlich versnobt und mit nasaler Stimme gibt Hannes Muik den Lord Oakleigh. Beim Gedanken an eine Heirat mit Hope ist ihm auch nicht so richtig wohl, vor allem nicht, nachdem er Reno Sweeney kennen gelernt hat. Evangeline Harcourt ist die Mutter von Hope. Nachdem die Familie bei einem Börsencrash ihr Vermögen verloren hat, möchte sie ihre Tochter gewinnbringend verheiraten. Alles scheint geregelt, wäre da nicht Billy Crocker, der ihr einen Strich durch die Rechnung macht. Dagmar Hellberg weiß vor allem durch eine starke schauspielerische Leistung zu überzeugen. Amüsant gibt Erwin Windegger Billys Chef, Elisha Whitney. Dieser fällt aus allen Wolken, als er erfährt, dass Billy ebenfalls mit an Bord ist, statt seine Aktien an der New Yorker Börse zu verkaufen. Erschwerend kommt hinzu, dass er schon länger ein Auge auf Evangeline Harcourt geworfen hat.

 

Moonface Martin, Gangster Nummer 13 auf der Liste der gefährlichsten Gangster, und die Gangsterbraut Erma befinden sich auf der Flucht vor der Polizei inkognito an Bord und sorgen für eine gehörige Portion Chaos auf der Reise. Boris Pfeiffer und Sigrid Hauser gefallen durch ihre unglaublich komödiantische Darstellung ihrer Rollen. Die Pointen sind auf den Punkt gebracht, ohne aufgesetzt zu wirken, und sorgen für einige Lacher im Publikum. Als Kapitän ist Previn Moore zu sehen, der mit seinem Solo „Night and Day“ für einen Gänsehautmoment sorgt.

Ein insgesamt eindrucksvoll agierendes Ensemble macht die Aufführung von „Anything Goes“ unterhaltsam und sehenswert. Das Publikum der besuchten Vorstellung zeigt sich begeistert und spendet minutenlang Applaus.

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