Unterhaltsame Uraufführung: „Alperose“ in Bern

Unterhaltsame Uraufführung: „Alperose“ in Bern

„Alperose“ ist der Titel eines neuen Schweizer Mundart-Musicals, dass am 17. Februar 2012 in Bern seine Uraufführung erlebte. Der Titel des Musicals stammt vom gleichnamigen Rock-Popsong, geschrieben vom Schweizer Mundart-Rocker Polo Hofer, dessen Songs wie „Lotti Lotti“, „Alperose“ und „Kiosk“ für das Musical verwendet wurden. Neben ihm zeichnen sich Hanery Amman, HP Brüggemann, Remo Kessler, Georges Müller und Matthias Kohli für die Musik verantwortlich. Das Libretto stammt von Walter Hinz, die Übertragung ins Berndeutsche von Carin Lavey.

Das Musical erzählt aus dem Leben von Pesche (Eric Hättenschwiler), Johnny (Marius Hatt), Lotti (Rahel Fischer) und Lorraine (Eveline Suter). Nach mehreren Jahren abenteuerlicher Reisen durch die Welt kehrt Pesche, der ehemalige Schatz von Lorraine, wieder zurück in die Heimat. Ohne Vorankündigung war er von zu Hause ausgerissen, hatte Freundin und seine Kumpel einfach so verlassen. Bei der Rückkehr nach Bern wird Pesche von allen mit offenen Armen aufgenommen. Doch Lorraine verhält sich reserviert, da sie und Johnny mittlerweile ein Paar sind – der Konflikt ist vorprogrammiert.

Conny Kraus hat mit viel Liebe zum Detail ein in sich stimmiges Bühnenbild gestaltet, das dem Berner Matte-Quartier nachempfunden ist. Ein 360-Grad-Drehelement ist Pot au feu, Nachtclub Freezer oder Kiosk vom Freibad zugleich. Die Band ist links oben im Musikhaus P. Hofer ins Bühnenbild integriert und nur für einige Szenen sichtbar. Zusammen mit Anne Fackler ist Conny Kraus auch für die Kostüme verantwortlich, die schlicht und zeitgemäß gehalten sind und so perfekt in das Stück passen. Schön auch, dass auf Perücken verzichtet wird. Das Lichtdesign von René Kraus ergänzt das Bühnenbild wunderbar und verleiht einigen Szenen eine besondere Atmosphäre.

Für Regie, Buchbearbeitung und Dramaturgie zeichnet Mirco Vogelsang verantwortlich. Die Szenenübergänge sind flüssig gestaltet, die Handlung ist jederzeit nachvollziehbar und wirkt nie zu kitschig. In Kombination mit der Choreografie von Igor Barberic ist Vogelsang so eine sehr mitreißende Inszenierung mit tollen Tanz- und Ensembleszenen gelungen, in der zu keiner Zeit Langeweile aufkommt. Dem Musikalischen Leiter Stefan Mens und seiner Band glückt es darüber hinaus, die Rock-Popsongs von Polo Hofer ordentlich klingen zu lassen.

Glaubhaft und mit markant eindrücklicher Stimme spielt Eric Hättenschwiler den Pesche und lässt keine Minute daran zweifeln, dass der ehemalige Weltenbummler im Leben angekommen ist und zu seinem Glück nur noch die Versöhnung mit seiner großen Liebe Lorraine fehlt. Eveline Suter singt mit sanfter Stimme und ist schauspielerisch eine ausdrucksstarke Lorraine, die durch das Auftauchen Pesches aus der sicheren Bahn geworfen wird und erst nach und nach wieder den richtigen Weg findet. Marius Hatt hingegen kann als Johnny nicht komplett überzeugen, da er in seinem Schauspiel die große Enttäuschung über Pesches Auftauchen und den Verlust Lorraines vermissen lässt. Gesanglich liefert er jedoch eine solide Leistung, genauso wie Rahel Fischer als lebenslustige Lotti.

Ein schöner Kontrast in dem Mundart-Stück ist die Berlinerin Sophie, die von Peggy Pollow gespielt wird. Herrlich, wie sie immer wieder mit ihrer Berliner Schnauze amüsant und erfrischend in die Szenen eingreift. Genauso gefallen Jan Messerli als Räffu und Stephan Luethy als Michi, der sich bei Räffu immer wieder – egal ob an Zigaretten oder Geld – wie in einem Kiosk bedient.

Auch Bea Schneider als Emma und Marc Dietrich als Heiri spielen ihre Rollen äußerst gelungen – gerade Letzterer sorgt mit seinen komödiantischen Szenen, die zu keiner Zeit aufgesetzt wirken, für zahlreiche Lacher. Solide in Schauspiel und Gesang agieren zudem Tino Andrea Honegger als Dave, Christoph Gaugler als Theo und Fabio Romano als Kari.

Letztendlich ist rund um die Songs von Polo Hofer mit dem Musical „Alperose“ eine schöne Geschichte entstanden. Und spätestens bei Hofers Gastauftritt als Blumenverkäufer mit seinem melancholischen Tram-Song – bei dem sogar eine Tram über die Bühne fährt – zeigt sich das Publikum begeistert. Standing Ovations am Premierenabend.

Fotogalerie:
Fotogalerie „Alpenrose“ Bern

Die Kommentare sind geschloßen.
%d Bloggern gefällt das: