Ägypten am Thunersee: „Aida“ in Thun

Ägypten am Thunersee: „Aida“ in Thun

Ägypten und Nubien befinden sich im Krieg, als sich der ägyptische Heerführer Radames ausgerechnet in eine nubische Gefangene verliebt – nicht ahnend, dass es ich dabei um die nubische Königstochter Aida handelt. Um in Aidas Nähe sein zu können, macht Radames sie seiner Verlobten, der ägyptischen Prinzessin Amneris, als Zofe zum Geschenk. Die beiden Frauen schließen Freundschaft – und die Dreiecksgeschichte wird kompliziert. Jetzt ist das Musical „Aida“ aus der Feder von Elton John (Musik) und Tim Rice (Buch) in einer gekürzten Fassung auch auf der Seebühne in Thun zu sehen,

Patricia Meeden (Aida) mit dem Ensemble.

Karel Spanhak hat ein für die Seebühne passendes einfaches Bühnenbild geschaffen, das sich wunderbar in die Kulisse des Thuner Sees einfügt. Am Anfang und Ende des Stücks befindet sich in der Mitte der Bühne ein überdimensionaler Pharaonenkopf, der sich während des Stücks in zwei Teile teilt, die sich dann links und rechts der Bühne befinden. Hinzu kommen einige Requisiten, die die Handlung unterstützen. Zentral sind hierbei quadratische Steine, die während des Stücks von den Gefangenen im Hintergrund zu einer Pyramide aufgeschichtet werden. Das stimmige Lichtdesign von Serge Schmuki ergänzt die Szenerie hervorragend und verleiht einzelnen Szenen noch mehr Tiefe und Ausdruck. Die Kostüme von Heike Seidler sind passend zum Stück und wunderbar herausgearbeitet. Die Unterscheidung zwischen Ägyptern und Nubiern ist klar ersichtlich. Auch die Gefolgsleute von Zoser sind deutlich hervorgehoben. Unterstützend wirkt dabei das gelungene Maskenbild von Ronald Fahm.

Regisseurin Katja Wolff ist mit „Aida“ eine starke Inszenierung gelungen. Die Charaktere sind deutlich gezeichnet und die Weite der Seebühne wird exzellent in die Szenen einbezogen, allerdings wäre etwas mehr Nähe in der Szene zwischen Zoser und Radames Disputs „Wie Vater, so Sohn“ stimmiger gewesen. Christopher Tölle hat eine zum Stück passende Choreografie entworfen, die sich wunderbar in die Inszenierung einfügt. Der Musikalische Leiter Ivan Wassilevski dirigiert sein Orchester sicher und sauber durch die poppig-rockige Musik von Elton John und auch der Ton von Thomas Strebel ist gut ausgesteuert und gefällt während der gesamten Vorstellung.

Als Aida besticht Patricia Meeden mit ihrer energiegeladenen und klangvollen Stimme. Hin- und hergerissen zwischen der Liebe zu Radames und ihrem Volk, muss sie sich am Ende für eine Seite entscheiden. Durch ihr ausdrucksstarkes Schauspiel gelingt Meeden eine glaubhafte Darstellung der nubischen Prinzessin. Als berührend bleibt der Song „Die Sonne Nubiens“ im Gedächtnis. Gelangweilt von ihrem Leben im Palast, findet die Pharaonentochter Amneris in der Sklavin Aida eine wahre Freundin, die ihr mit Rat und Tat zur Seite steht. Erst als sie erkennt, welche Gefühle Radames und Aida füreinander empfinden, zeigt sie wahre Größe und setzt ihre Bitte, die beiden gemeinsam sterben zu lassen, bei ihrem Vater durch. Sophie Berner spielt die Wandlung von der einfältigen Pharaonentochter zur zukünftigen Herrscherin Ägyptens überzeugend und kann mit ihrer dunkel legierten und klaren Stimme punkten. Mit der Heirat von Amneris ist die Zukunft von Radames als zukünftiger Pharao Ägyptens von dessen Vater Zoser perfekt vorausgeplant. Doch ist diese Zukunft nicht die, die auch Radames will, denn dieser liebt Aida und sieht in Amneris nur eine gute Freundin. Jörn-Felix Alt zeigt als Radames eine starke schauspielerische Darbietung, kann aber stimmlich nicht ganz an die Leistung der beiden Damen anknüpfen.

Zoser, der boshafte machtbesessene Strippenzieher im Hintergrund, versucht den Pharao von Ägypten heimtückisch mit Arsen zu vergiften, um seinen Plan in die Tat umzusetzen. Armin Kahl zeigt sich als Zoser stimmgewaltig, allerdings hätte etwas mehr Boshaftigkeit seiner Rolleninterpretation gut getan. Manuel Lopez als nubischer Sklave Mereb und Rebecca Stahlhut als Nehebka zeigen beide sehr gute Leistungen. In ihren Sprechrollen gefallen Thomas Wissmann als Pharao ebenso wie Walter Reynolds als nubischer König Amonasro. Nicht zu vergessen ist der Chor der Thunerseespiele, der einzelne Szenen wie beispielsweise den „Manteltanz“ stimmgewaltig unterstützt.

Bei der Premiere dieser stimmigen „Aida“-Inszenierung feiert das Publikum die Darsteller, die bei niedrigen Temperaturen und zeitweise bei Regen agieren, frenetisch mit langanhaltendem Applaus.

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